Ein Facharzt, der sein Handwerk versteht. Prof. Mussack im Gespräch

Schmerzen im Bauch haben viele! Doch welcher Arzt ist der richtige, wenn es sich um viszerale Probleme handelt? Wir stellen vor: Professor Mussack, Viszeralchirurg und Chefarzt am Chirurgischen Klinikum München Süd – ein Facharzt, der sein Handwerk versteht. Warum? Erfahren Sie selbst…


WER IST PROFESSOR MUSSACK EIGENTLICH?

Hier ein paar interessante Fakten: # Experte für Viszeralchirurgie (viszeral = „Eingeweide betreffend“) # Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie Klinikum München Süd # leitete als Chirurg die Operation Hernia Mission in Ghana (Afrika) # Promotion und Habilitation an der Uni München # seit 2010 Professor für Chirurgie # als wissenschaftlichter Gutachter gefragt und # Preis der European Society of Endocrine Surgeons


Herr Professor Mussack, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Sie sind Viszeralchirurg. Was genau behandelt ein Facharzt wie Sie?

Prof. Mussack: Einen schönen guten Tag und vielen Dank für die Fragen. Für alle, die es nicht wissen: Die Viszeralchirurgie behandelt die Eingeweide des Bauchraums. Anatomisch gesehen handelt es sich um den Bereich von den Zwerchfellkuppen bis zum kleinen Becken und den beiden Leistenregionen. Wir beschäftigen uns zum einen mit den sogenannten Hohlorganen – das heißt Speiseröhre, Magen sowie Dünn- und Dickdarm. Zum anderen werden feste Organe behandelt. Das sind Leber, Milz und Bauchspeicheldrüse, Nebenniere und Niere. 

Sie sind Spezialist für minimal-invasive Chirurgie, das sind Eingriffe mit kleinen Schnitten unter Einsatz einer Videokamera. Können Sie die eingesetzte Technik und die Vorzüge dieser Methode für die Patienten beschreiben?

Prof. Mussack: Minimal-invasive Chirurgie (kurz MIC) ist eine Hochtechnologie, die heute kleine Zugangswege in der Größe zwischen zwei und zwölf Millimetern umfasst. Dafür verwenden wird eine 3-D-Kamera, und spezielle Bildschirme demonstrieren uns die Aufnahmen dreidimensional. Zum Teil kommen robotertechnische Assistenzsysteme zum Einsatz. Die Vorteile hier sind die kleinen Schnitte. Dadurch gibt es viel weniger postoperative Schmerzen, und der Patient erholt sich wesentlich schneller von dem Eingriff. Zurück bleiben nur kleine Narben. Wir verwenden die Technik vor allem auch bei übergewichtigen Patienten, weil wir so die Gefahr einer Infektion an den Schnittstellen und im Bauchraum stark minimieren können. Auch bei Krebsoperationen wissen wir aus Studien, dass die minimal-invasive Chirurgie vergleichbar gute Langzeitergebnisse erbringt wie ein offener Eingriff. 

Gibt es Fälle bei denen die minimal-invasive Chirurgie im Bauchraum an ihre Grenzen stößt?

Prof. Mussack: Das ist eine sehr gute Frage, weil man die minimal-invasive Chirurgie auch zunehmend bei großen Operationen einsetzen kann. Wenn bei einer Operation mehrere Organe entfernt werden müssen, oder wenn durch vielfache Voroperationen Verwachsungen entstanden sind, kommt diese Technik an ihre Grenzen. Bei großen Notfällen sehen wir dieses Verfahren tatsächlich eher kritisch. Letztlich entscheidet hier der Einsatz eines Computertomographen mit Verabreichung von Kontrastmittel, ob eine Operation minimal-invasiv oder offen durchgeführt werden kann. 

Ihre Klinik legt großen Wert auf einen möglichst raschen und schmerzarmen Heilungsprozess nach dem Eingriff. Eine wichtige Komponente ist dabei das sogenannte „Fast-Track-Konzept“. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Prof. Mussack: Die direkte Übersetzung ins Deutsche ist das „Konzept der schnellen Spur“. Das bedeutet, unser Ziel ist eine möglichst schnelle postoperative Rehabilitation. Flächendeckend wird dieses Konzept in Deutschland in der Darmchirurgie angewandt. Hierbei ist eine Kombination aus Operationstechnik (minimal-invasiv,  schnell) und individueller Schmerztherapie gemeint. Voraussetzung dafür ist eine optimale Vorbereitung für die Operation. Das bedeutet auch eine eingehende und umfangreiche Aufklärung des Patienten im Vorfeld. Es gibt keine intensive Darmreinigung mehr, die den Patienten stressen könnte.

Und nach der Operation möchten wir den Patienten frühzeitig mobilisieren, damit er möglichst schnell und schmerzfrei wieder am Alltagsgeschehen teilnehmen kann. Ganz wichtig dabei ist die Abstimmung zwischen Chirurg, Narkosearzt, Pflege auf der Station und Patient. 

Die betonen die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit. Können Sie die Vorteile für die Patienten am Beispiel der interdisziplinären Tumorkonferenz erläutern?

Prof. Mussack: Ja selbstverständlich. Das ist ein gutes Beispiel für hervorragende Zusammenarbeit. Sie müssen sich das so vorstellen: Die interdisziplinäre Tumorkonferenz findet an unserem Klinikum regelmäßig, mindestens aber alle vierzehn Tage, statt. Hierbei treffen alle denkbaren Fachdisziplinen, die sich mit dem Bereich Tumorerkrankungen und Tumortherapie befassen, zusammen: Alle Fachchirurgen, Fachexperten der Inneren Medizin, Onkologen,Strahlentherapeuten und Personal der Pathologie – und nicht zu vergessen, auch die Ernährungstherapeuten, der Sozialdienst und Mitarbeiter der Psychoonkologie. Wir können sogar Kollegen, die an dem Tag verhindert sind, über eine Video-Konferenzschaltung dazuschalten. Somit schließen wir jede Lücke, und können rasch Entscheidungen für die optimale Behandlung jedes Patienten treffen. Der Patient ist unmittelbar nach der Konferenz mit im Boot und wird umfangreich informiert. 

Die Wichtigkeit von interdisziplinärem Austausch und Vernetzung – das kann man nie oft genug erwähnen. Vielen Dank für die interessanten Einblicke in die Arbeit eines Viszeralchirurgen, Herr Professor Mussack!

 


Sind Sie betroffen und möchten gerne Kontakt zu Professor Mussack aufnehmen? Wollen Sie sich eine medizinische Zweitmeinung einholen und weitere Informationen erhalten? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide. Der Chefarzt unterstützt Sie gern!

Wir sind ebenfalls auf der Suche. Und zwar nach Ihrer Story! Haben Sie eine (Krankheits-) Geschichte, die Sie gern mit uns teilen wollen? Dann schreiben Sie uns. Wir freuen uns auf Ihre Email.


 

 

Bildquelle: © FotolEdhar, © Iryna, © Anatomy Insider, ©  jijomathai – fotolia.com
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