Brustkrebs – trifft Frauen und Männer

Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. 72.000 Frauen an Brustkrebs – die häufigste Form der Krebserkrankung bei Frauen. Die gynäkologische Früherkennung und die Teilnahme am Mammographie Screening Programm sind die wichtigsten Maßnahmen, wenn es um  bestmögliche Heilungschancen geht. Die jährliche Vorsorgeuntersuchung sollte daher sehr ernst genommen werden. Übrigens können auch Männer an Brustkrebs erkranken – dies betrifft aber „nur“ jeden 100. Mann.

Warum sich Brustkrebs entwickelt, ist noch nicht hinreichend erforscht. Was man aber schon heute weiß ist, dass es Familien gibt, bei denen eine erbliche Belastung vorliegt.


Wenn Männer an Brustkrebs erkranken, haben sie oft sehr schlechte Überlebenschancen. Warum das so ist, erfahren Sie im Video des Landesschau Baden-Württemberg: 


Die weibliche Brust (lateinisch „Mamma“) besteht aus Drüsen-, Fett-, Bindegewebe und Haut und hat darüber hinaus Nerven, Blut- und Lymphgefäße. Durch diese Bahnen ist die Brust mit dem Nerven-, Immun- und Gefäßsystem des Körpers verbunden. Während des monatlichen Zyklus der Frau haben die Hormone auch auf die Brust eine spürbare Auswirkung. In der Zyklusmitte kommt es jeden Monat zum Eisprung. Die Milchkanäle in der Brust weiten sich dann, und die Brust wird insgesamt etwas größer, knotiger und spannt sich. Einige Frauen leiden an einem Ziehen in der Brust oder haben sogar Schmerzen. Die Beschwerden sind allerdings nicht von langer Dauer, und das Gewebe entspannt sich wieder.

Vorsorge – das A und O

Die klassische Vorsorge beim Frauenarzt und bei Frauen ohne Symptome an der Brust, umfasst die Tastuntersuchung ab dem 25. Lebensjahr und die Mammographie, idealerweise duch Teilnahme am Mammographie Screening Programm, im Alter zwischen 50 – 69 liegt eine hohe Brustdichte vor, also viel Drüse und wenig Fettgewebe, dann kann die Ultraschalluntersuchung weitere bösartige Tumoren entdecken und ist somit ein wichtiger Bestandteil der Früherkennung.

Liegt ein Knoten bereits vor, den die Frau selber getastet hat oder kommt es zu Hautveränderungen, dann sollte man auf jeden Fall frühzeitig den Gynäkologen konsultieren. Neben der Tastuntersuchung kommen dann Mammographie und Ultraschall zum Einsatz, um sicher zu stellen um was für ein Gewebe es sich handelt.

Hat sich in der Brust ein bösartiger Tumor gebildet, verändern sich die Zellen innerhalb des Drüsengewebes, die destruktiv und in das sie umgebende Gewebe einwachsen können. Ein Tumor macht sich als Geschwulst bemerkbar und fühlt sich wie ein harter Knoten an. Dieser wächst, und bösartige Zellen können über das Blutgefäß- und Lymphsystem in andere Körperregionen gelangen und weitere Geschwülste (Metastasen) bilden.

Die klassische Brustkrebs-Therapie beinhaltet die Operation, eine Bestrahlung und Chemotherapie. Sofern der festgestellte Tumor in der Brust örtlich begrenzt ist, kann in der Regel brusterhaltend operiert werden. Eine anschließende Bestrahlung kann oftmals ausreichen. Um das Risiko, abhängig von der Art des Gewebes, eines Rückfalls zu minimieren, kann eine Chemotherapie notwendig werden. Außerdem kann eine Chemotherapie bei Frauen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung das Tumorwachstum stoppen.


Hier lesen Sie das Interview mit Professor Diethelm Wallwiener von der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Er verrät unter anderem, ob ein Mammografie Screening der Brust gefährlich ist und warum 90% der Brustkrebserkrankungen eher zufällig auftreten. 


Sehr geehrter Herr Professor Wallwiener, für die meisten Frauen ist Brustkrebs mit viel Angst verbunden und wird oftmals tabuisiert. Dabei können Früherkennung und moderne Therapieformen in den meisten Fällen die Erkrankung erfolgreich behandeln. Was trägt alles zu einer erfolgreichen Heilung bei?

Wallwiener: Seit Mitte der 90er Jahre haben sich die Heilungschancen bei Brustkrebs in Deutschland stetig erhöht. Zurückzuführen ist dies auf den Einsatz von Früherkennungsmaßnahmen und auch auf individualisierte Therapien. Es ist noch nicht lange her, da bedeutete die Diagnose Brustkrebs für viele Frauen das Todesurteil. Mehr und mehr wird Brustkrebs heutzutage medizinisch in die Reihe der chronischen Erkrankungen eingestuft. Viele betroffene Patientinnen können geheilt werden oder viele Jahre ohne große Beschwerden und Einschränkungen weiterleben. Es gibt kosmetisch-ästhetische Brustoperationen, die etwa im Fall einer Amputation oder Teilamputation eine Wiederherstellung der Brust mit hoher Lebensqualität ermöglichen. Viele Frauen fühlen sich nach einer Amputation oftmals nicht mehr als Frau wahrgenommen und sind nicht nur körperlich, sondern vor allem psychisch angeschlagen. Da hilft die Aufbauoperation sehr, nicht nur im ästhetischen, sondern eben auch im psychologischen Sinn. Individualisierte medikamentöse Therapieformen, optimierte Strahlentherapien und eine bestmögliche Nachbetreuung sind alles Elemente einer erfolgreichen Heilung.

Eine Vorbelastung durch Krebserkrankungen in der Familie birgt immer ein zusätzliches Risiko. Was raten Sie Frauen, deren Mutter oder Großmutter eine Brustkrebserkrankung hatte?

Wallwiener: 90 % aller Brustkrebserkrankungen treten zufällig auf. Warum Zellveränderungen im Brustgewebe auftreten, ist noch immer nicht wissenschaftlich geklärt. Eine erbliche Veranlagung liegt tatsächlich in etwa 10 % der Fälle als Ursache vor. Bei einer familiären Vorbelastung sollte die jährliche Vorsorgeuntersuchung mit den Experten im Brustzentrum besprochen werden. Abhängig vom familiären Risiko kann dann eine individuelle Beratung, genetische Testung und weitere Betreuung erfolgen.

Ist das Mammografie Screening der Brust gefährlich?

Wallwiener: Dank modernster Technik ist die Mammografie als digitales Verfahren mit einer sehr geringen Strahlenbelastung verbunden, sodass keine Folgeschäden für die Patientinnen befürchtet werden müssen. Die Strahlenbelastung ist ungefähr so groß als wenn man sich eine Woche lang in einem Gebirge über 2000 Metern Höhe aufhalten würde. Bei der Interpretation des Mammografie Bildes sind immer mindestens zwei Fachärzte zugegen. Das Bild kann nachbearbeitet werden, und auch einzelne Bildausschnitte lassen sich vergrößern, um Details genauer zu erkennen. Eine Mammografie kann somit zu einer genauen Diagnose maßgeblich beitragen.

Was genau unterscheidet ein Brustkrebs zertifiziertes Klinikum, wie es die Universitätsfrauenklinik Tübingen ist, von anderen Kliniken?

Wallwiener: Für eine Brustkrebsbehandlung ist nicht jede Klinik geeignet. Je mehr Therapien (Operationen, Chemotherapie) von einer Klinik durchgeführt werden, desto höher ist logischerweise die Expertise im Umgang mit den individuellen Krankheitsbildern. Einen allgemeingültigen Behandlungsstandard gibt es nämlich nicht. Die Universitätsklinik Tübingen beispielsweise behandelt pro Jahr ca. 700 Frauen die erstmals mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wurden und hat rund 12.000 Patientenkontakte und wurde in die FOCUS-Klinikliste als eines der besten Versorgungszentren aufgenommen, nicht zuletzt, weil das Klinikum interdisziplinär hervorragend aufgestellt ist und Bestnoten in Punkto Patientenversorgung, Forschung und Lehre erhalten hat. Onkologen, Radiologen, Pathologen, Chirurgen und Strahlentherapeuten arbeiten hier Hand in Hand und gewähren die optimalste Behandlung.

Die Universitätsfrauenklinik Tübingen ist das erste in Deutschland zertifizierte Brustkrebszentrum und gehört zu den modernsten und größten Zentren Europas. Man muss außerdem wissen, dass Patientinnen nur in einem zertifizierten Zentrum unter mehreren Operationstechniken wählen können und nach den neuesten Leitlinien behandelt werden.

 


Als Experte auf dem Gebiet der Frauenheilkunde kann Professor Dr. med. Dr. h.c. mult Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen herangezogen werden. Die Universitäts-Frauenklinik stellt ein überregionales Kompetenzzentrum für alle Bereiche der Frauenheilkunde und Geburtshilfe dar. Wollen Sie mehr erfahren oder direkt Kontakt zum Arzt aufnehmen? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide


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