Der Feind im Kopf

Leben mit einem Hirntumor

In Deutschland erkranken pro Jahr circa 8000 Menschen an einem Hirntumor. Dazu kommen mehr als 100.000 Personen, bei denen der Krebs in einem anderen Körperteil entsteht, aber Hirnmetastasen streut. Um auf die schwierige Situation der Betroffenen aufmerksam zu machen, um über die Krebsforschung und über Behandlungsmethoden zu informieren, findet am 8. Juni 2018 der Welthirntumortag statt.

Oft fängt es mit Kopfschmerzen an

Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, wollte Markus nur noch schlafen. Ausgehen, sich mit Freunden treffen oder mit den eigenen Kindern spielen, war für den 32jährigen kaum mehr möglich. „Es war wie eine bleierne Müdigkeit“ beschreibt er. Dazu bekam er Kopfschmerzen, die vor allem in der Nacht auftauchten. Schmerzmittel halfen ihm nicht. Markus ging mehrfach zum Arzt. Bei einer Kernspinuntersuchung gab es einen Hinweis auf einen Tumor. Nach einer Gewebeanalyse wurde bei Markus ein malignes Gliom diagnostiziert, ein bösartiger Gehirntumor.

Die malignen Gliome zählen zu den aggressivsten Krebserkrankungen im Körper. Auslösende Faktoren lassen sich nur schwer bestimmen. Bei der Gehirntumorforschung unterscheiden Mediziner zwischen primären und sekundären Tumoren. Die primären Tumoren sind gut- und bösartige Neubildungen, die im Gehirn-, bzw. der Rückenmarkssubstanz gebildet werden. Wächst ein Krebsgeschwür in einem anderen Körperteil als dem Gehirn, streut aber Metastasen ins Gehirn, wird das als sekundärer Hirntumor bezeichnet.

Sekundäre Gehirntumoren kommen häufiger vor als primäre. Primäre Gehirntumore machen insgesamt nur 2% aller Krebserkrankungen aus.

Unterschiede und Behandlungsmöglichkeiten von Hirntumoren

Die Ursachen für die meisten Hirntumore bleiben unbekannt. Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen, eindeutige Faktoren als Auslöser zu bestimmen. Zurzeit beschreiben Wissenschaftler etwa 150 verschiedene Arten von Hirntumoren. Sie unterscheiden sich durch ihren zellulären Ursprung, ihre Wachstumsgeschwindigkeit, ihre zu erwartende Prognose und auch durch unterschiedliche Therapieformen, informiert die Deutsche Tumorhilfe.  

Die ersten Symptome bei einer Hirntumorerkrankung sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, an welcher Stelle der Tumor wächst. Oft sind es Kopfschmerzen, Druckgefühle im Gehirn, Sprachstörungen, Übelkeit, Erbrechen, extreme Müdigkeit oder Lähmungen.

Bei einem Verdacht auf Gehirntumor werden zunächst Bilder des Gehirns gemacht. Zu den gängigen Verfahren zählen die Computer-Tomographie (CT), die Magnet-Resonanz-Therapie (MRT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Ist ein Tumor zu sehen, wird dem Betroffenen als nächstes Hirntumorgewebe entnommen. Erst damit lässt sich feststellen, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist. Da eine exakte Analyse wichtig für die weitere Behandlung und die Prognose ist, sollte das Tumorgewebe immer von einem Neuropathologen untersucht werden. Er ist auf die feingewebliche Diagnose spezialisiert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Tumorgrade:

  • Grad I bedeutet gutartig,
  • Grad II noch gutartig,
  • Grad III bereits bösartig und
  • Grad IV bösartig.

Bei einer Tumordiagnose ersten Grades wird von einem langsam wachsenden Tumor mit guten Heilungschancen ausgegangen. Bei einer Tumordiagnose vierten Grades gehen Mediziner von einem schnell wachsenden, bösartigen Tumor mit ungünstiger Prognose aus. Er ist meist auch mit den zurzeit verfügbaren Behandlungsmethoden nicht heilbar.

Die üblichen Behandlungsmethoden von primären Hirntumoren und Hirnmetastasen sind operative Entfernungen, Strahlen- und Chemotherapie. Dazu gibt es noch weitere, oft noch wenig erforschte Behandlungen wie zum Beispiel die elektronische Wechselfeldtherapie.

Bei der elektronischen Wechselfeldtherapie werden Pads am Kopf befestigt über die kontinuierlich elektronische Reize abgegeben werden. Die Teilung der Krebszellen soll dadurch gestört und schließlich unterbunden werden. Diese Therapie erfolgt lebensbegleitend. Die Betroffenen tragen dafür stets einen Feldgenerator bei sich, den sie sich wie eine Schultertasche umhängen können. Auch die Klebepads werden täglich zwischen 18 und 24 Stunden lang getragen. Laut Forschungen der Abteilung Klinische Neuroonkologie der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen kann die Wechselfeldtherapie das Wachstum des Hirntumors eindämmen. Ärzte, die mit dieser Methode behandeln, gehen davon aus, dass damit auch bei Personen, die an dem unheilbaren und bösartigen Glioblastom erkrankt sind, eine lebensverlängernde Wirkung erzielt wird. Das Glioblastom zählt neben dem Bauchspeichelkrebs als aggressivste und gefährlichste Tumorart. Er entsteht im Großhirn und wächst sehr rasch.

Der Schock nach der Diagnose

Als Markus erfuhr, dass in ihm ein bösartigen Hirntumor wächst, geriet seine Lebenswelt zunächst komplett aus den Fugen. Er war wie betäubt und hatte Angst zu sterben. Seine Frau weinte Tag und Nacht, die Kinder schrieben in der Schule schlechte Noten. Von einem Moment zum anderen war bei Markus und seiner Familie die Lebensfreude weg. Mit der Diagnose leben zu lernen, ist für Betroffene und auch für deren Angehörige eine riesige Herausforderung bei der sie oft auf Hilfe angewiesen sind.

Die Deutsche Tumorhilfe finanziert seit Jahren einen bundesweiten Hirntumor-Informationsdienst. Betroffene und Angehörige bekommen Informationen über den Tumor, über Therapien, über Experten und über Anlaufstellen für seelsorgerische Unterstützung.

Bei Markus konnte der Tumor operativ entfernt werden. Die anschließende Chemotherapie vertrug er problemlos. Bislang geht es ihm gut. Ob der Tumor wiederkommt, kann ihm keiner sagen. Er und seine Familie sind optimistisch.

Tumoren können jederzeit und unabhängig vom Alter entstehen. Insgesamt sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Bei Kindern sind über 20% aller auftretenden Krebserkrankungen Gehirntumore. So wie bei Erwachsenen wird auch bei Kindern zunächst versucht. den Tumor operativ zu entfernen. Kinder unter drei Jahren werden in der Regel nicht bestrahlt, sondern erhalten eine intraventrikuläre Chemotherapie.

Eine Besonderheit von Gehirntumoren ist, dass sie meist auf das Gehirn beschränkt bleiben und selten Metastasen in andere Körperbereiche streuen.

Hirntumorzellen sprechen sehr unterschiedlich auf die Therapien an. Daher sind Prognosen über die Lebenserwartung und Heilungschancen schwer zu stellen.

Am 8. Juni soll auf findet der Welthirntumortag mit bundesweiten Veranstaltungen statt. Informationen finden Sie unter www.hirntumorhilfe.de

 

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