Diagnose „Fettleber“ – wie ist das möglich?

Das sind die Wechseljahre, beruhigte sich Monika M. (44) immer, wenn sie auf die Waage stieg. Seit gut zwei Jahren zeigte die Skala leider stetig mehr Kilos an. Aber Monika aß auch gut und gerne. Stress und eben Wechseljahre – so lautete ihre Erklärung und ein wenig auch ihre Entschuldigung. Dazu passte wohl auch das Gefühl, ständig müde und schlapp zu sein. Ihr Hausarzt schüttelte allerdings den Kopf, als sie ihm von ihrer „Diagnose“ erzählte. „Ich habe da eine andere Vermutung“, meinte er. „Aber dazu möchte ich gern ein paar Untersuchungen machen“, schlug er vor, „denn es könnte sein, dass eine Fettleber hinter Ihren Beschwerden steckt.“

Alle paar Monate nur ein Gläschen Sekt

Bei dem Wort Fettleber schnappte Monika M. erst einmal empört nach Luft. Die bekomme man doch vom Trinken, und sie gönne sich alle paar Monate höchstens mal ein Gläschen Sekt. „Da wäre mein Mann ja wohl eher noch ein Kandidat mit seinem regelmäßigen Bierchen“, verteidigte sie sich. Doch ihr Hausarzt beruhigte sie: „Eine Fettleber muss absolut nichts mit Alkohol zu tun haben. Wir Mediziner unterscheiden eine alkoholische Fettleber und eine nichtalkoholische. Bei der zweiten Form haben die Patienten meist zu viele Fette im Blut, die über die Nahrung aufgenommen und in der Leber gelagert werden, weil sie nicht alle verarbeitet werden können. Auch ein Diabetes könnte die Ursache Ihrer Fettleber sein. Wenn zu wenig Insulin gebildet wird, hat das Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel.“  

Erste Untersuchung per Ultraschall  

Als erstes tastete der Mediziner den Bauch seiner Patientin ab. „Haben Sie manchmal ein Völlegefühl und vielleicht ein Drücken im rechten Oberbauch?“, fragte er. Als Monika M. seine Frage bejahte, fuhr er fort: „Wir kennen drei Formen von Fettleber, die leichte, die mäßige und die starke Form. Ich werde jetzt noch einen Bauchultraschall machen und sicherheitshalber Blut abnehmen, um Ihre Leberwerte zu untersuchen. Sollten wir dann immer noch keine Klarheit haben, empfehle ich eine Leberbiopsie, das ist eine Punktion der Leber bei lokaler Betäubung, um eine kleine Gewebeprobe zu entnehmen.“ Als Monika M. ihn mit großen Augen anstarrt, meint er beruhigend: „Wahrscheinlich ist das gar nicht notwendig, wir schauen jetzt mal.“

Diagnose Fettleber nimmt zu

Eine Fettleber wird in den gut ernährten Industrienationen immer häufiger diagnostiziert. Meist wird sie eher zufällig bei einem Routine-Ultraschall des Bauches entdeckt, denn eine kranke Leber bereitet oft keine Schmerzen. Immer noch zu wenig bekannt ist, dass Übergewicht ein gesundheitliches Risiko darstellt, weil es eine Fettleber verursachen kann. Schon rund ein Drittel der Erwachsenen hat heute eine durch Fetteinlagerung vergrößerte Leber und bereits jedes dritte übergewichtige Kind besitzt eine Fettleber. Ursächlich für eine nicht-alkoholische Fettleber sind falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Diese Kombination führt zum sogenannten metabolischen Syndrom, zu dem Übergewicht, erhöhte Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck gehören. Durch zahlreiche Studien weiß man inzwischen, dass eine Fettleber behandelt werden muss, sonst führt sie im weiteren Verlauf zu Leberentzündungen und schließlich zur Leberzirrhose. Aber es gibt auch gute Nachrichten, wie Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, erklärt: „Die Leber hat ein enormes Regenerationspotential. Schon kleine, aber konsequente Änderungen im Lebensstil können dazu führen, dass sich krankhafte Veränderungen der Leber zurückbilden.“

Auch der Leading Medicine Guide Experte Professor Zeuzem betont, dass eine Entzündung oft viel zu spät erkannt wird, da die Leber leise leidet und deshalb bei Übergewicht besonders beobachtet werden sollte. Erkrankt die Leber, so auch Professor Maurer, muss man schnell handeln. Doch selbst wenn die Leber bis zur Hälfte entfernt werden muss, ist das heute kein Todesurteil mehr: Die Leber wächst nach, erklärt der Leading Medicine Guide Experte in diesem Interview.

Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten verändern

Das ist auch die Therapie, die der Hausarzt Monika M. empfiehlt, nachdem er Diabetes und andere Erkrankungen ausgeschlossen hat. „Wenn Sie Ihren Lebensstil verändern und Ihr Gewicht reduzieren, dann können die Symptome wieder verschwinden“, sagt er zum Abschluss seiner Untersuchungen. Er schickt Monika M. zu einem Ernährungsberater, mit dem sie ihren neuen Speiseplan erarbeitet. „Hungerkuren und Nulldiäten bringen keine langfristigen Erfolge“, sagt er. Zusätzlich muss Monika M. in den nächsten Monaten ihre Blutzucker- und Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren lassen. „Wir kriegen das schon in den Griff“, beruhigt der Hausarzt sie und meint mit einem Augenzwinkern: „Nehmen Sie Ihren Mann zum Spazierengehen mit, 10.000 Schritte am Tag, dann vergisst er vielleicht auch sein Feierabendbier.“

Tipps für eine gesunde Ernährung:

  • Mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag – die darin enthaltenen Vitamine und Ballaststoffen unterstützen die Leber, Gifte aus dem Körper zu filtern
  • Ein bis zwei Mal pro Woche Fisch – denn die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren schützen vor Leberschäden. Hier gilt das Prinzip Fett gegen Fett
  • Nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche
  • genauso wie das Fett aus dem Fisch, helfen pflanzliche Öle ebenfalls aufgrund ihrer Omega-3-Fettsäuren. Vorsicht vor den versteckten Fetten in verarbeiteten Lebensmitteln
  • Sparsam umgehen mit Zucker und Salz – dies versteckt sich oft auch in verarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Müsli, Brötchen, Wurst und Fruchtjoghurt)
  • Regelmäßige Bewegung in den Alltag einbauen
  • Achten Sie bei Auswahl Ihrer Rezepte auf auch das In Form-Logo. Es wurde entwickelt von der Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und kennzeichnet gesunde und ausgewogene Rezepte (z. B. https://eatsmarter.de/ernaehrung/gesund-ernaehren/empfohlen-von-in-form)

 

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