DIE ARTHROSE-LÜGE – was es damit auf sich hat

Deutschland hat Arthose – zumindest zählt Arthrose (Gelenkverschleiß) inzwischen zur Volkskrankheit. Hierzulande sind mehr als 7 Millionen Menschen – egal ob jung oder alt – betroffen. Global betrachtet sind es sogar mehr als 40 Millionen. Das bedeutet, ihr Alltag ist geprägt von knirschenden, starren und sehr schmerzenden Gelenken, häufig einhergehend mit Schwellungen, Entzündungen und sogar Gelenkergüssen. Um entgegen zu wirken, setzen viele auf Bewegung (empfehlenswert ist zum Beispiel NordicWalking, Radfahren, Aquafitness, Yoga, Skilanglauf…), andere auf eine bestimmte Ernährungsform (etwa auf Lebensmittel mit viel Omega-3, aber auch auf Knoblauch, Ingwer, Spinat, Walnüsse…), auf eine heilpflanzliche Kur, bestimmte Cremes, Medikamente oder Faszientraining.  Manchmal hilft nur noch eine Operation, manchmal der Blick in einen guten Ratgeber. Und einer der berühmtesten Ratgeber aktuell ist das Buch Die Arthrose-Lüge von Roland Liebscher-Bracht und Dr. med. Petra Bracht im Goldmann Verlag.

Die ein oder anderen kennen Roland Liebscher-Bracht inzwischen als Experten für Rückenleiden. Er ist in den Medien kaum noch wegzudenken. Dabei ist Liebscher-Bracht nicht einmal Arzt, sondern Wirtschaftsingenieur und passionierter Kampfkünstler. Es ist seine Frau, Dr. med. Petra Bracht, die hier das entsprechende medizinische Fachwissen beisteuert, auch im Ratgeber Die Arthrose-Lüge. Gemeinsam bilden beide ein starkes Duo, dass sich dem Kampf gegen Rückenleiden und jetzt auch gegen Arthrose verschrieben hat.

Wir waren natürlich neugierig: Wer sind die beiden „Schmerzspezialisten“ des Bestsellers, das in jedem Buchhandel ganz weit oben zu finden ist? Und um welche Lüge handelt es sich hierbei überhaupt?

Der Untertitel verrät, dass die „meisten Menschen völlig umsonst leiden“ und was man dagegen tun kann. Spannend. Arthrose zählt der Studie des Robert Koch Instituts (RKI) nach zur häufigsten Gelenkerkrankung weltweit. Bei jedem fünften erwachsenden Menschen in Deutschland wurde bereits Arthrose festgestellt. Damit wären wir sogar bei 12,4 Mio. Menschen allein in Deutschland. Frauen erkranken häufiger als Männer und oft ist es das Kniegelenk, das Beschwerden verursacht, dicht gefolgt von der Hüfte.

Doch nicht jeder Schmerz am und um den Gelenk ist gleich auch auf eine Arthrose zurückzuführen

Manchmal schmerzt das umliegende Gewebe oder Muskeln, die durch ein gezieltes Training und einer speziellen Ernährungsform ausgemerzt werden kann. Doch kann man die Arthose selbst auch auf diese Weise loswerden oder zumindest mildern? Nein, so einfach ist das nicht. Zumindest räumen die Autoren erst einmal mit den bisherigen und teilweise irrtümlichen Auffassungen zur Arthrose auf. Sie gehen den möglichen Ursachen nach, die für den Schmerz verantwortlich sein können. Eine ist zum Beispiel  ernährungsbedingt: Wer zum Beispiel viel Fleisch, Wurst, Käse und Teigwaren ist, lässt seinen Körper buchstäblich übersäuern.

Übersäuerung wird im medizinischen Kontext auch Azidose genannt. Dabei untersucht man den pH-Wert des Blutes, der bestenfalls bei 7,35-7,45 liegt. Eine falsche Ernährung, Diäten, vermehrte Muskelarbeit, exzessiver Sport und übermäßiger Stress können ein Ungleichgewicht hervorrufen.

Die Psyche trägt also auch stark dazu bei: Ständig unter Stress stehen, fortwährend mit negativen Emotionen kämpfen, unter hoher Anspannung stehen – all das wirkt sich langfristig negativ auf Muskelfasern, Gewebe und Knorpel aus und kann eine Arthrose begünstigen.

Der Ratgeber ist seiner Aufgabe natürlich bewusst und zeigt praktische Vorschläge für jede Alltagssituation, um einer Arthrose entgegenzuwirken. Er widmet sich sogar im letzten Drittel sehr intensiv dem Training im Alltag gegen Arthrose. Bewegung ist gut, kann aber auch als schädlich eingestuft werden, wenn man es übertreibt. In dem Zusammenhang haben wir erst kürzlich vom sogenannten versteinerten Herzen berichtet (hier geht´s es zum Artikel). Leistungssportler leiden besonders häufig an einem solchen Herzen, dass massiv verkalkt ist und somit einen Herzinfarkt begünstigt. Das liegt daran, dass Extremsport bzw. intensives Training den Troponinspiegel erhöhen und bestimmte Peptide vermehrt auftreten. Das sind wiederum Marker, die auf eine Extrembelastung des Herzmuskels hinweisen und lebensbedrohlich werden können.

Deswegen, moderates Training. Das sagen wir auch immer. Und das ist auch im Fall der Arthrose wichtig. Nichtbewegen ist ebenfalls keine Lösung. Bewegungsarmut wird sogar als Arthose-fördernd eingestuft. Unsere Muskeln, unsere Knorpel und Gelenke müssen ständig bewegt werden, damit die Knorpelsubstanz gut durchblutet und mit Nährstoffen versorgt werden kann.

Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle: Hat man etwas mehr auf den Hüften, geht das schnell auf die Gelenke und diese werden überproportional stark belastet. Außerdem hat man in wissenschaftlichen Studien herausgefunden, dass sich das Hormon Leptin, das von Fettzellen im Körper gebildet wird, sich negativ auf die Gelenkknorpel auswirkt und zum Gelenkverschleiß beiträgt.

 


Was sind Faszien und warum sind Faszienrollen hilfreich gegen Arthrose?

Faszien (auch „Fascien“, lat. für Band oder Bandage) wurden lange ignoriert bzw. als bedeutungsloses Hüllmaterial betrachtet. Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, schenkt man ihnen jetzt immer mehr Beachtung. Mit ihrer feinmaschigen Struktur umhüllen sie den gesamten menschlichen Körper und durchdringen Organe, Muskeln, teilweise Knochen, Arterien und sogar das Gehirn. Man kann sie sich wie die weißen Fasern (das „Mesokarp“) in der Mandarine vorstellen. Sie halten das Fruchtfleisch zusammen und trennen die Kammern sauber voneinander ab. Die feinen, klebrigen bindegewebigen Fasern im Körper sorgen für mehr Elastizität, Dehnung und Zugbelastbarkeit. 

Man kann Faszien gezielt trainieren. Laut Liebscher-Bracht und seiner Frau eignet sich die Faszien-Rollmassage dafür besonders gut. Mit ihr kann man beispielsweise die Zwischenzellflüssigkeit bewegen und das Gewebe mit neuer Flüssigkeit versorgen. Außerdem lassen sich damit die sogenannten verfilzten Faszienfäden gut abtragen. Man sorgt für eine hervorragende Durchblutung, ähnlich wie bei einer Druckmassage, die auch zur Entspannung von Muskeln, Knochen und Bindegewebe führt. 

Wer mehr über die Wunderwelt der Faszien erfahren will, sollte sich den folgenden ARTE-Beitrag anschauen: 


Kommen wir nun zur „Lüge“: Der Titel ist natürlich reißerisch und bewusst provokant gewählt. Der Ratgeber will hauptsächlich aufräumen mit den bisherigen Annahmen zur Arthrose und alternative Behandlungsoptionen aufzeigen. Dieses Buch eignet sich sicherlich zur Prävention, also für gesunde Menschen, die jetzt vorbeugen und etwas für ihre Gesundheit machen wollen. Bei Arthrose-Verdacht oder Diagnose werden die hier dargestellten Übungen vermutlich nicht helfen, vor allem nicht, wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist. Arthrose ist komplex und kann leider nicht, wie in dem Buch manchmal suggeriert, einfach wegmassiert werden. Jeder erfahrene Arzt muss individuell therapieren und kann neben operativen, auch zahlreiche konservative Behandlungsmethoden aufzeigen. Bei Schmerzen und einem Verdacht auf Arthrose ist es daher immer ratsam, einen Facharzt aufzusuchen, mit dem die richtige Therapie besprochen werden kann.

Wer mehr erfahren will, kann sich gerne auf der Homeage der beiden Autoren Liebscher-Bracht und Dr. Bracht umschauen, dieses interessante Interview mit dem SPIEGEL-Kolumnisten und Laufprofi Achim Achilles lesen und sich auf Leading Medicine Guide weiter informieren:

Wir bedanken uns für die Zusendung des Buchexemplars beim Goldmann Verlag .

 

Bildquelle: Buchcover mit freundlicher Genehmigung, Titelbild Adobe Stock.

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