Ein Leben in Bewegung – ein Gespräch mit Dr. Hauck

Unser Körper ist gemacht für ein Leben in Bewegung. Die Hand zum Beispiel, sie hat 36 kleine einzelne Gelenke, die für beste Flexibilität und Koordination im Alltag sorgt. Unsere Schulter wiederum besitzt ein sehr flexibles Kugelgelenk, was gleichzeitig eine Verletzungsgefahr birgt. Die Knie werden ebenfalls täglich gefordert. Gerade im Sport werden sie starken Belastungen ausgesetzt und die Füße? Sie stabilisieren unsere Haltung und machen den Gang erst möglich. Mit seinen 33 Gelenken, balancieren Sie uns mit unserem Körpergewicht durch´s Leben.

Es wundert dann nicht, wenn es auch mal zu Gelenkentzündungen durch Überlastung oder andere Krankheiten kommt.

 

In Deutschland erkrankt man am häufigsten am Knie- oder Hüftgelenk. Deshalb freuen wir uns, Ihnen Herrn Dr. Hauck, einen Experten im Leading Medicine Guide, vorzustellen, der sich damit bestens auskennt.

 



Kurz zum Arzt

HauckHerr Dr. Hauck ich Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Nardini Klinikum in Landstuhl (bei Frankfurt am Main), welche vor einigen Jahren zum EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung zertifiziert wurde. Jährlich werden hier über 5.400 Patienten behandelt, davon 3.000 ambulant und etwa 2.400 stationär. Die Schwerpunkte hier liegen bei endoprothetischer Versorgung des Hüft- und Kniegelenks, Navigierte Knie- und Hüftendoprothetik, minimalinvasive Hüftchirurgie (AMIS Methode seit 2008) und Revisionsendoprothetik fallen täglich an. Auch Schulterendoprothesen werden eingesetzt, bei Fraktur und Degeneration, allerdings in deutlich geringerer Fallzahl.

 


 

 

Herr Dr. Hauck, Hüft-TEP oder Knie-TEP, das ist Ihr Spezialgebiet. Für was steht TEP und was kann man sich darunter vorstellen?

Dr. Hauck: TEP ist die Abkürzung für „Totale Endoprothese“ (endo griech. „innen“ und Prothese griech. „vorsetzen“). Darunter versteht man den Ersatz eines abgenutzten, vielleicht erkrankten oder verletzten Gelenkes durch ein künstliches Implantat.

Künstliche Gelenke werden auch im Schulter-, Ellenbogenbereich- oder am Handgelenk eingesetzt, jedoch zählt die Gelenkersatz an der Hüfte heute zu den häufigsten Operationen in Deutschland (mit mehr als 200.000 Eingriffen jährlich).

Ein Hüft- oder Knie-TEP betrifft nicht nur ältere Patienten, wie man vermutet, sondern auch Menschen unter 60 Jahren, die beispielsweise an einer Hüftarthose (Schädigung des Knorpelgewebes durch Verschleiß, Unfallfolgen) oder auch an einer fortgeschrittenen Hüftkopfnekrose erkrankt sind. Bei letzterer kommt es zu einem Absterben von Anteilen des Hüftkopfes mit entsprechenden Folgen.

 

Worauf muss ich als Patient nach einem frischen TEP-Einsatz besonders achten? Wie lange dauert die Regeneration und wann ist das Gelenk wieder einsatzbereit?

Dr. Hauck: Je nachdem, ob es sich um eine Hüft- oder Knie-TEP handelt, in beiden Fällen haben wir es hier mit einer sehr aufwändigen Operation und eine zeitintensive Nachsorge zu tun, kann man schon nach wenigen Monaten wieder vollständig mobil sein und das Gelenk auf ursprüngliche Art und Weise beanspruchen. In der Regel erreicht man das Ziel nach dem Hüftgelenkersatz deutlich früher, als nach dem Einbau eines künstlichen Kniegelenkes. Es dauert in der Regel 3-6 Monate bis zur vollständigen Genesung, wobei das im Einzelfall einmal länger dauern oder aber, was natürlich erfreulich ist, auch sehr viel schneller gehen kann.

Durch Rehabilitations-Maßnahmen direkt nach der OP, wird man langsam wieder an die alltäglichen Bewegungsabläufe herangeführt und sicher an den Gebrauch des neuen Gelenkes herangeführt.

 

Wie sieht es aus mit Sport? Kann man nach einer solchen Operation wieder joggen, schwimmen, Rennrad fahren?

Dr. Hauck: Klar ist, die Entscheidung für eine Hüft- oder Knie-Endoprothese  bedeutet einen gravierenden Eingriff. In fast allen Fällen führt eine solche OP zur Verbesserung der persönlichen Lebensqualität.

Das beinhaltet selbstverständlich auch, dass man nach der Heilung wieder sportlich aktiv sein kann.

Empfehlenswert sind sanfte Sportarten wie Wandern oder Nordic Walking. Aber auch Golf, Schwimmen, Tanzen oder Fahrradfahren kommen als moderate Sportart in Frage! Abzuraten ist von so genannten Stop-and-Go Varianten, wie Handball oder Fußball. In der Regel kann man dieselbe Sportart wiederaufnehmen, die man vorher auch schon regelmäßig praktiziert und beherrscht hat!

Nur mit dem Eiskunstlauf oder Snowboardfahren sollten Sie nach einer solchen OP vielleicht nicht neu beginnen! Das bedeutet, dass alle Aktivitäten mit erhöhtem Sturzrisiko kritisch zu betrachten sind.

 

Herr Dr. Hauck, Begriffe wie „Kreuzbandriss“, „Meniskus“, „Kniescheibenbruch“ oder „Oberschenkelfraktur“ bringt man typischer Weise mit Sport in Verbindung. Was ist die Ursache für derartige Verletzungen und ist Sport wirklich so riskant, wie die Begriffe vermuten lassen?

active-19413_1920Dr. Hauck: Wer Sport in einem sehr hohen, schon ungesunden Umfang praktiziert und seine Gelenke übermäßig und über einen längeren Zeitraum belastet, den erwischt vielleicht die ein oder andere böse Verletzung. Vor allem Sportverletzungen, die man in jungen Jahren davonträgt, zeigen sich später in Form einer Arthrose. Kritisch sind in diesem Zusammenhang die vielen kleineren Verletzungen, wie man sie beispielsweise beim ambitionierten Fußballspiel davonträgt.

Doch Sport ist beileibe nicht die einzige Ursache für einen Gelenkverschleiß. Auch Übergewicht, angeborene Fehlstellungen (sie kennen die Hüftdysplasie oder die „O- und X-Beine“) oder krankheitsbedingte Deformationen können zu verschiedenen Gelenkproblemen führen.

Regelmäßiger Sport ist sogar gut und gesund für die Gelenke! Sie werden trainiert, stabilisiert, durchblutet und mit Gelenkflüssigkeit versorgt. Auch die umliegenden Muskeln werden gestärkt, um das Gelenk etwa vor Fehl- oder Überlastung zu schützen.

 

Und was bitte ist die AMIS Methode, mit der Sie schon über 10 Jahre erfolgreich arbeiten? Wo haben Sie diese gelernt oder was sind die klaren Vorteile?

Dr. Hauck: Etwa die Hälfte unserer Patienten wird bereits mit der AMIS-Methode, die ich bei einer medizintechnischen Fortbildung in der Schweiz kennengelernt habe, behandelt. AMIS steht für “Anterior Minimally Invasive Surgery“. Es handelt sich hierbei um eine chirurgisch-komplexe Technik, die sehr muskelschonend verfährt. Es bedarf einer sehr umfangreichen Ausbildung, bis man diese sicher beherrscht. Wir sprechen in diesem Zusammenhang gerne von einer flachen Lernkurve.

Das Besondere bei der AMIS ist der intermuskuläre Zugang: Man operiert zwischen zwei Muskelgebieten, der Zugang erfolgt hier über die Muskelspalte im vorderen Bereich des Oberschenkels, so dass Blutgefäße und Nerven bei diesem Eingriff verschont bleiben. Hierfür wird auch nur ein kleiner, vielleicht 8-10 cm langer Schnitt getätigt. Mit AMIS vermeidet man Durchschneidungen, Einkerbungen oder Quetschungen der Muskulatur.

Ein klarer Vorteil zeigt sich in den ersten 6 Wochen nach der Operation, weil man nicht etwa die Heilung von Muskulatur und Sehnen abwarten muss und mit diesem Eingriff insgesamt viel weniger Schmerzen verbunden sind. Ein weiterer  Aspekt ist, dass bei möglichen Folgeeingriffen die Muskulatur unversehrt ist. Folgeeingriffe müssen auch heute noch, insbesondere bei jüngeren Patienten einkalkuliert werden, auch wenn wir davon ausgehen, dass so ein Kunstgelenk – das mittlerweile aus sehr hochwertigen Materialien wie Keramik, Kobalt, Chrom  oder Titanlegierungen besteht – erst nach 20 bis 25  Jahren, wenn überhaupt, ersetzt werden muss.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Dr. Hauck! Wollen Sie mehr erfahren? Dann besuchen Sie den Leading Medicine Guide

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