Gleichgewicht

Hüfte und Knie – Mobilität geht vor

Ein Interviewbericht von Alexandra Pfitzmann

Plötzlich, beim Joggen oder beim Spazierengehen, spürt man den Schmerz. Die Hüfte will nicht mehr so wie früher. Der Schmerz kann sich schleichend entwickeln und sich langsam steigern, oder aber er tritt sofort deutlich spürbar auf. Dank unserer Hüftgelenke können wir Menschen aufrecht stehen und gehen, immerhin tragen sie rund 60% unseres Körpergewichts. Es sind neben den Knien die zweitgrößten Gelenke im menschlichen Körper – und sie müssen ganz schön viel aushalten.

Hüftschmerzen sind keine Frage des Alters und gehören zu den am weitesten verbreiteten Gelenkschmerzen. Als Ursachen kommen Verschleißerscheinungen (Arthrose), Fehlentwicklungen (z.B. Hüftdysplasie, Hüft-Impingement), Verletzungen (Unfälle) oder Erkrankungen (z.B. Schleimbeutelentzündungen) in Frage. Eine klare Diagnose muss gestellt werden, um zu prüfen, welche Therapie am besten helfen wird. Oftmals kann konservativ behandelt werden, aber in vielen Fällen ist es nötig, die Hüfte mittels einer Endoprothetik zu unterstützen.

Glücklicherweise erlaubt es die heutige moderne Medizin, bei Hüftproblemen positiv einzugreifen. Mittels Beckenkorrekturen, Endoprothetik, Arthroskopie und Physiotherapie kann ein schmerzfreies Leben mit mehr Mobilität wiedererlangt werden.

Leading Medicine Guide sprach mit Professor Dr. med. Fritz Thorey, Facharzt für Orthopädie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin, um einige Detailfragen genauer für Sie zu beantworten.

Prof. Thorey - AT229

Professor Dr. Thorey ist erfahrener Hüft- und Kniespezialist (über 750 Operationen pro Jahr!), der das komplette Spektrum von Gelenkerhalt und Endoprothetik mit Wechsel-Endoprothetik abdeckt. Seit 2011 wurde er als einer der wenigen Spezialisten mit erst 36 Jahren als Leitender Arzt in das Internationale Zentrum für Orthopädie der ATOS-Klinik in der romantischen Stadt Heidelberg am Neckar gerufen.

Vor allem die positiven Rückmeldungen seiner Patienten haben ihn motiviert, sich im Bereich der Endoprothetik zu spezialisieren.

Die Hüftoperation – eine große Sache?

Das Thema Hüftoperation verursacht bei den meisten Menschen noch immer Gänsehaut. Schließlich ist die Hüfte ein sehr großes Gelenk, sodass fast jeder geneigt ist, an eine entsprechend komplizierte und große Operation zu denken. Dies war in früheren Zeiten auch meistens der Fall. Doch heute verliert die Operation dank neuer, hochentwickelter Operationstechniken an Dramatik.

Prof. Dr. Thorey verwendet bei allen Hüftoperationen minimal-invasive Techniken. Das heißt, mittels kleiner, nur wenige Zentimeter kurzer Schnitte, verschafft er sich Zugang zu seiner Operationsfläche: „Der Zugang zum Hüftgelenk erfolgt dabei nicht von hinten oder seitlich, sondern von schräg vorn in der Nähe der Leiste. Von hier aus können Hüftpfanne oder Hüftschaft eingebracht werden“, erklärt Professor Dr. Thorey und führt weiter aus:

Der Vorteil liegt darin, dass man durch natürliche Muskellücken hindurch operiert, sodass diese nicht durchtrennt werden müssen. Früher wurde bei Operationen häufig die Po-Muskulatur verletzt, was dann auch eine längere Rehabilitationszeit nach sich zog. Auch Nerven und Sehnen werden dank des minimal-invasiven Eingriffs nicht in Mitleidenschaft gezogen. Beim gesamten Eingriff geht daher auch nur wenig Blut verloren – meist weniger als 200 ml –, sodass wir fast immer auf eine Eigenblutspende vor der Operation verzichten können“.

Ist die eine Hüfte in Mitleidenschaft gezogen, folgt bald die nächste …?

Es ist tatsächlich so, dass bei vielen Patienten oft beide Hüftgelenke entweder gleichzeitig ähnlich stark geschädigt sind, oder es vergeht aber nur ein kleiner Zeitraum, bis Hüfte Nummer zwei auch ausgetauscht werden muss. Die minimal-invasive Technik erlaubt es, dass auch ein gleichzeitiger, beidseitiger Hüftgelenkersatz erfolgen kann.

„Die operativen Risiken wären mit den herkömmlichen Zugängen deutlich erhöht. Ein minimal-invasiver Zugang erlaubt dies jedoch problemlos. Für die Patienten ist dieses Vorgehen auf jeden Fall weniger belastend als zwei einzelne Eingriffe. Auch nach beidseitigem Hüftgelenk-Ersatz können sie bereits am Tag der Operation aufstehen und mit Gehhilfen umhergehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Patienten nicht aufgrund der auf einer Seite fortbestehenden Schmerzen in eine Schonhaltung verfallen, sondern sofort komplett wiederhergestellt sind“, ermutigt Prof. Dr. Thorey potenzielle Patienten. Er berichtet auch davon, dass viele seiner Patienten nach dem Eingriff sagen: „Ach, hätte ich gewusst, dass das alles so problemlos verlaufen würde, dann hätte ich das alles viel früher machen lassen“.

Gehübungen mit Krücken nach einer Gelenk-OP

Kunststoff, Titan oder Keramik – was darf es denn sein?

Es gibt verschiedene Materialien, die bei einer Hüftgelenk-Endoprothetik verwendet werden. Facharzt Prof. Dr. Thorey klärt auf:

„Kunststoff ist grundsätzlich die günstigste Variante, aber auch nicht unbedingt empfehlenswert, wenn es um die Hüfte geht. Keramik ist das sinnvollste Material, das verwendet werden sollte. Es ist stabil und hält auch lange. Das heißt, der Patient sollte nicht in den nächsten 20 bis 25 Jahren mit einer Wechsel-Operation rechnen müssen. Je weniger Abrieb entsteht, desto besser. Die besten Erfahrungen habe ich persönlich mit Keramik gemacht. Damit hat der Patient rund 25 Jahre Ruhe.“

Die Frage des Materials ist natürlich auch immer eine Frage der Kosten. Nicht jede Klinik kann es sich leisten, teure Keramik zu verwenden. Und als Patient kann man auch mit einer Zuzahlung nicht das gewünschte Material einfordern. Jeder Patient in Deutschland wird aber stets gut beraten und entsprechend aufgeklärt und kann selbstverständlich persönlich entscheiden, an welcher Klinik eine Behandlung durchgeführt werden soll.

„Ganz spannend ist die neue Form der sogenannten Gleitpaarung. Eine Gleitpaarung schafft die Verbindung zwischen Hüftpfanne und Hüftschaft. Hier findet die Bewegung des künstlichen Hüftgelenks statt. Seit vielen Jahrzehnten gilt eine Gleitpaarung, bestehend aus einem Keramikkopf und einer Lauffläche aus Kunststoff (Polyethylen), als Standard. Kunststoff allerdings reibt sich schnell ab, da ja ein sehr viel härteres Material permanent auf den Kunststoff trifft, was wiederum langfristig zur Lockerung der Prothese führt. Gleitpaarungen, bestehend aus einem Keramikkopf und einer Keramik-Lauffläche, sind viel sinnvoller. Die Keramik-Keramik-Gleitpaarung weißt den unwesentlichsten Abrieb auf und ist am ehesten kompatibel.“, begeistert sich Prof. Dr. Thorey.

Keramikoberflächen sind wesentlich härter und glatter und damit gerade für jüngere Patienten zu empfehlen, die meist noch viel sportlicher und aktiver als die älteren Mitmenschen sind.

Eine neue Knorpeltherapie wird bei Arthrose angewandt

Verschleißerscheinungen sind die häufigste Ursache für Hüftgelenksschmerzen. Hier spricht man von Hüftgelenksarthose (Coxartrose). Es gehört zum normalen Alterungsprozess, dass sich gesunder Gelenkknorpel abbaut. Der Knorpel dient in den Gelenken als Puffer- und Gleitschicht. Nimmt die Knorpelmasse ab, so trifft irgendwann Knochen direkt auf Knochen. Und das tut weh.

Hüftarthrose - Knorpelschaden

Knorpelschäden entstehen auch durch Unfälle oder Fehlstellungen, auch an den Gelenken der unteren Extremitäten, der Knie und der Füße – hier sind vor allem jüngere Menschen betroffen, so dass ganz klar der Erhalt der Gelenke vordergründig angestrebt wird. Eine neue Knorpeltherapie kann hier regelrechte Wunder bewirken:

„Bei der Knorpel-Chirurgie mit Knorpelzelltransplantation (ACT) wird dem Patienten eine wenige Millimeter große Knorpel-Probe entnommen. Es gibt zwei Firmen in Deutschland, an die diese Probe zur Anzüchtung von mehr Knorpel geschickt wird. Das Züchten des körpereigenen Gewebes dauert dann circa drei bis acht Wochen. Mit den Knorpelzellen, die dann wiederum zu uns zurückkommen, können wir während der Operation den betroffenen Defekt auffüllen. Das kann man sich so vorstellen, als würde man Schlaglöcher in einer Straße auffüllen, um sie wieder eben zu gestalten“, erläutert Prof. Dr. Thorey, der diese Vorgehensweise in erster Linie bei lokalen Schädigungen der Hüftpfanne anwendet. Hüftköpfe können mit dieser Methode nur schwer behandelt werden, aber gerade bei Schädigungen des Kniegelenks kommt die Knorpeltherapie oft zum Einsatz. Hierdurch ist dann die Rückkehr zu einer ganz normalen Aktivität wieder möglich.

Unsere Knie: jeden Tag stark beansprucht

Die Kniegelenke werden täglich stark belastet. Daher leiden nicht nur ältere Menschen an Kniegelenksproblemen, sondern auch junge Menschen, vor allem Sportler, die ihre Knie in besonderem Maße beanspruchen. „Wir sind von den Ergebnissen der Knorpelzelltransplantation überzeugt. Allein in den Jahren 2014 bis 2018 konnten wir in unserem Zentrum über 500 Patienten damit erfolgreich behandeln. In verschiedenen Studien konnten wir in mehr als 85% einen vollständigen Verschluss der Knorpelschäden feststellen“, verdeutlicht Prof. Dr. Thorey den Erfolg.

Beim Stichwort Knie-OP klingeln bei vielen Menschen aber die Alarmglocken: Schließlich hieß es immer, dass gerade bei diesen Operationen ein besonders hohes Risiko bestünde, sich mit Keimen zu infizieren. „Durch die veränderten OP-Techniken besteht bei Knie-Operationen grundsätzlich kein höheres Risiko als bei anderen Operationen. Auch verlaufen die Operationen heutzutage viel schneller. Wer das minimale Risiko in Anspruch nehmen möchte, der sollte eine Knie-Operation eben in einer Fachklinik durchführen lassen und nicht unbedingt an einer Klinik, in der Patienten mit vielen verschiedenen Erkrankungen behandelt werden“, empfiehlt Prof. Dr. Thorey.

„Auf dem Gebiet der Knorpeltherapie verspreche ich mir von der medizinischen Zukunft viel. Hier werden weitere Forschungsergebnisse noch gezieltere Lösungen anbieten“, sagt Prof. Dr. Thorey hoffnungsvoll. Der Experte ist übrigens stets begeistert von der Dankbarkeit seiner Patienten, die oftmals schier überwältigt sind von der zurückgewonnenen Mobilität.

Aktiv bleiben trotz Gelenkproblemen

„Ich empfehle jedem, der Gelenkprobleme hat, ob an Hüfte oder Knie, den Besuch beim Spezialisten nicht auf die lange Bank zu schieben. Schleppen Sie sich nicht so lange mit Schmerzen durch das Leben! Und um vorzubeugen, gilt wie so oft die Zauberformel: Bewegung x Ernährung. Achten Sie auf Ihr Gewicht, und bleiben Sie aktiv!“, hebt Prof. Dr. Thorey zum Abschluss vor.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Prof. Thorey!

Sie haben Beschwerden mit Ihrem Hüft- oder Kniegelenk? Kontaktieren Sie Prof. Thorey sicher und direkt über Leading Medicine Guide!

 

Die ATOS-Klinik in Heidelberg ist seit Jahrzehnten eine national und international anerkannte Privatklinik mit Experten in allen Bereichen der Orthopädie. Das Internationale Zentrum für Orthopädie und Endoprothetik nimmt dabei einen speziellen Stellenwert in der Versorgung der unteren Extremitäten ein. Professor Dr. med. Fritz Thorey ist seit Jahren als anerkannter Experte orthopädisch tätig und verfügt neben der Facharztausbildung zum Orthopäden auch über die Facharztausbildung zum Unfallchirurgen. Darüber hinaus hat Prof. Thorey eine differenzierte Weiterbildung auf dem Gebiet der Speziellen Orthopädischen Chirurgie sowie der Sportmedizin absolviert, sodass in seinem Zentrum auch komplexe Fälle der Endoprothetik oder Traumatologie versorgt werden können. In vielen Ärztelisten wird Prof. Dr. med. Fritz Thorey als ausgewiesener orthopädischer Spezialist empfohlen.

 

Atos – AT229, LMG19 – Bildquellen: (c) Eugenio Marongiu, (c) Henrie, (c) pikselstock – Adobe Stock.

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