Impfung – warum wir sie der Kuh zu verdanken haben

Die Impfung ist eine der wichtigsten gesundheitspräventiven Maßnahmen, die medizinisch nachweislich vor ansteckenden Krankheiten (insbesondere bei viralen und bakteriellen Infektionen) schützt. Über 92% aller gängigen Erkrankungen konnten in den letzten 100 Jahren – seit Einführung – mit der Impfung gebändigt oder sogar ausgerottet werden.

Wir haben es dem britischen Arzt Edward Jenner (19. Jahrhundert) zu verdanken, der die erste Schutzimpfung gegen Pocken entwickelte. Menschen, die sich damals mit dem weit verbreiteten Virus ansteckten, litten an Fieber und zahlreichen Bläschen auf der Haut, die zu Narben führten. Vor allem das Gesicht war stark betroffen und jeder Dritte starb sogar daran.

Der Arzt Jenner beobachtete auch, dass sich Tiere (in dem Fall Kühe*) ebenfalls mit Pocken infizieren konnten, allerdings mit harmlosem Krankheitsverlauf. Er vermutete, dass Tiere immun gegen die Viren sind. Der Mediziner führte daraufhin zwei Versuche durch: Zunächst infizierte er absichtlich einen gesunden jungen Mann mit den Erregern von der Kuh. Tatsächlich reagierte das Immunsystem des Probanden darauf, aber lange nicht so heftig wie bei den bekannten Menschenpocken. Nachdem sich der junge Mann schnell erholt hatte – übertrug Jenner im zweiten Versuch die Menschenpocken auf die Haut. Dieses mal schien der Patient verschont zu bleiben. Er war, genauso wie die Tiere, immun gegen die Krankheit.


*Impfung heißt ins Englische übersetzt vaccination, was wiederum vom lateinischen Wort vaccinus abgeleitet wird und „von der Kuh seiend“ bedeutet. 


 

Und so funktioniert im Prinzip jede Impfung

Das Immunsystem wird durch Zugabe von erregerspezifischen Stoffen zur Bildung einer Immunkompetenz angeregt. Man injiziert dabei Lebend- oder Totimpfstoffe. Erstere sind abgeschwächte, aber noch lebende und vermehrungsfähige Erreger, die in das Blut gelangen und als körperfremde Antigene erkannt werden. Letztere bestehen aus abgetötetem Material, das vereinzelte Erreger in sich trägt. Man unterscheidet auch zwischen Aktiv-Impfungen und Passiv-Impfungen.

Aktiv-Impfung

Die aktive Impfung wird parenteral („am Darm vorbei“) durch die Spritze vollzogen. Die Stoffe gelangen also unter Umgehung des Darmtraktes in den Körper. Es gibt auch hier Unterscheidungen: Man injiziert zum Beispiel

Intradermal = in die Haut

Subkutan = unter die Haut

Intramuskulär = in den Muskel

Einige wenige Impfungen werden auch geschluckt oder geschnupft, d.h. oral oder nasal verabreicht. Impfungen, die über den Gesäßmuskel vollzogen werden, gelten laut Robert-Koch-Institut (Ständige Impfkommission, STIKO) heute als weniger wirksam und werden nicht mehr empfohlen. 

Passiv-Impfung

Auf eine Passiv-Impfung greift man zurück, wenn die Schutzimpfung nicht ausreicht oder der Betroffene bereits infiziert ist, aber keine Impfung besitzt, die vor dem Erreger schützen könnte. Dann erhält der Betroffene ein hochkonzentriertes Immunserum. Darunter versteht man eine sog. Aufreinigung spezifischer Antikörper, die aus dem Blutserum eines anderen immunisierten Menschen oder Säugetieren gewonnen wird. Es handelt sich hierbei nicht um eine Impfung im eigentlichen Sinne, da die Herstellung von Antikörpern außerhalb des eigenen Immunsystems stattgefunden hat. Diese führt man beispielsweise bei Bissen von Wildtieren und Verdacht auf Tollwut durch.

Werfen wir doch mal einen Blick in unseren Impfpass (Impfbuch, Impfausweis)

Von DGK e.V. – http://www.dgk.de, PD-Schöpfungshöhe

Gegen was sind wir geimpft? Wie lange reicht der Schutz? Wann muss die nächste Auffrischung erfolgen? Kennen Sie sich aus?  

Der standardisierte Impfausweis ist ein internationales Dokument. Deshalb sind alle darin enthaltenen Informationen auch in deutscher, englischer und französischer Sprache festgehalten.

Idealerweise wurde er bei der Geburt ausgestellt. Der Impfausweis kann über den Hausarzt, das Gesundheitsamt oder das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) ausgestellt werden und sollte für den Fall eines Verlustes  auch digital erfasst sein.

Darin werden Impfungen gegen folgende Krankheiten festgehalten:

  • Pocken
  • Gelbfieber
  • Cholera
  • Notfall Ausweis
  • Standardimpfungen
    • Schutzimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln, Polio, Diphtherie, Tetanus, Pertussis,
    • Tuberkulose-Schutzimpfung
    • Ergebnisse der Tuberkulinproben
  • Grippeimpfungen
  • Pneumokokken-Infektion
  • Virushepatitis B
  • Weitere Impfungen
    • Hirnhautentzündung, Zecken-Encephalitis, Tollwut
  • Ergebnis von Tuberkulinproben
  • Antikörperuntersuchung
  • Passive Immunisierung

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ungewöhnliche Impfreaktionen dem Arzt umgehend mitgeteilt oder sogar dem zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden müssen.

 

Gängige Abkürzungen und ihre Bedeutungen

aP  Pertussis (Keuchhusten) ist die weltweit häufigste Infektionskrankheit der Atemwege und wird durch Bakterien ausgelöst. Sie ist hochgradig ansteckend (Tröpfeninfektion). Hierzulande sind die meisten Menschen dagegen geimpft
D oder d Diphtherie ist eine lebensbedrohliche durch Tröpfcheninfektion ansteckende Infektionskrankheit, ein Bakterium, das sich in der Rachenschleimhaut angesiedelt, Herz und weitere Organe schädigen kann. Bei Verdacht auf eine Erkrankung besteht Meldepflicht in Deutschland
DT  Diphtherie-Tetanus-Kombinationsimpfstoff
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis ist ein von Zecken übertragbarer Virus, auch Hirnhautentzündung genannt.
HA  Hepatitis A  nennt man die ansteckende Form der Leberentzündung
HB Hepatitis B  ist eine der häufigsten akut ansteckenden Infektionen, eine Leberentzündung, die hauptsächlich über sexuellen Kontakt übertragen wird
HiB das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B ist die schwerste bakterielle Infektion in den ersten 5 Lebensjahren. Unbehandelt sterben bis zu 90% der Erkrankten daran
HPV steht für Humane Papillom Viren. Diese zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viren der Welt. Sie sind verantwortlich für Feigwarzen oder gar Gebärmutterhalzkrebs. 80% aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV
IPV kurz Polio oder Kinderlähmung genannt, kommt als Krankheit hierzulande nicht mehr vor (letzter Virus wurde 1992 in Ägypten und Indien erfasst), dennoch kann eine Einschleppung von Polioviren nicht völlig ausgeschlossen werden
MMR  Masern-Mumps-Röteln-Kombinationsimpfung
MMR-V Masern-Mumps-Röteln-Varizellen-Kombinationsimpfung
T Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, wird durch Bakterien ausgelöst und verursacht Krämpfe. Wenn die Atemmuskulatur dabei betroffen ist, besteht Erstickungsgefahr. Aufgrund der flächendeckenden Impfung kommt Tetanus in Deutschland nur noch selten vor. Bakterien vermehren sich besonders bei Verletzungen. Deshalb ist es wichtig, die Impfung alle 10 Jahre aufzufrischen
TB oder Tbc Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, ist aus dem Lateinischen abgeleitet und heißt „kleines Geschwulst“. 80% aller bakteriellen Infektionserkrankungen betreffen die Luftwege (Lunge), können aber über das Blut an alle Organe gestreut werden. Die Krankheit ist sehr ansteckend (durch Einatmen) und deshalb meldepflichtig. In Deutschland starb im 19. JH noch jeder vierte daran (auch weiße Pest bezeichnet) seit Mitte des 20. JH hat man die Krankheit in griff. Noch immer ist sie weit verbreitet in Asien (56% und Afrika (29%)

Laut Robert-Koch-Institut sollte man generell schon im Säuglingsalter auf die Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B, HiB, Pneumokokken und Rotaviren achten (mit Auffrischung im Kindes- Jugend und Erwachsenenalter). Kleinkinder (ab 11 Jahren) sollten darüber hinaus gegen Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geimpft werden. Es empfiehlt sich eine Grundimmunisierung ab 9 Jahren gegen HPV, ab dem 18 Lebensjahr eine Standardimpfung gegen Masern und ab 60 Jahren (wenn das Immunsystem zunehmend schwächer wird), sollte eine Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten erfolgen, außerdem eine jährliche  Impfung gegen Influenza (Grippe) in Betracht gezogen werden.

 


Weitere Informationen auf: 

Ähnliche Beiträge

One comment

  1. Gibt es einen Impfungsplan für das junge Kalb? Ich bin ein Anfänger, weiß nicht so viel darüber, möchte aber mein eigenes Leben in den Einklang mit Natur bringen. Aus den knappen Infos fällt schwer zu verstehen, was und wann eingespritzt werden soll. Mit dem Impfpass sinnvoll, mit geschützten Tieren leben auch wir sicherer.

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.