Neurologie

Der Neurologie-Experte Prof. Dr. Ebinger im Interview

In der Medical Park Klinik Humboldtmühle in Berlin sind medizinische Intensivbehandlung und Rehabilitation nach höchsten wissenschaftlichen Standards ideal miteinander verzahnt. In der Abteilung Neurologie werden Patienten mit Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, des Nervensystems und der Muskulatur betreut. Der Chefarzt der Neurologie, Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, gehört deutschlandweit zu den Top-Experten im Bereich neurologischer Erkrankungen. Für Leading Medicine Guide stand uns der Facharzt für ein Interview zur Verfügung.

Herr Professor Ebinger, in der Abteilung Neurologie der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle behandeln Sie angeborene oder erworbene Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur. Welche Möglichkeiten bietet die Neuro-Rehabilitation bei Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose?

Die moderne Neuro-Rehabilitation richtet den Fokus nicht so sehr auf die Diagnosen. In der Akutmedizin ist die Ursache der Funktionseinschränkung die Leitplanke für alle sich anschließenden therapeutischen Schritte. In der Rehabilitation spielt die Diagnose ebenfalls eine wichtige Rolle und sie wird fortlaufend überprüft.

Die Funktionseinschränkungen und damit die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten rücken aber in den Mittelpunkt. Um es ganz einfach auszudrücken: Ob ein Patient wegen der Parkinson-Erkrankung oder einer Multiplen Sklerose die Treppenstufen in seinem Haus nicht bewältigen kann, ist in der Rehabilitation sekundär. Entscheidend ist für uns, dass er sich wieder möglichst selbstständig bewegen kann.

Sie bieten Rehabilitation von der Intensivstation bis zur Entlassung unter einem Dach an. Welche Vorteile bietet dieses Angebot im Hinblick auf die optimale Versorgung der Patienten?

Eine möglichst lückenlose Behandlung der Patientinnen und Patienten ist uns wichtig. Selbst bei schwerstbetroffenen und noch künstlich beatmeten Patienten setzen wir bereits mit unseren rehabilitativen Therapien ein, um die Ausgangschancen möglichst früh zu verbessern. Dabei müssen neuste wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden.

So gilt zwar grundsätzlich, dass eine hohe Frequenz intensiver Therapien anzustreben ist. Wir wissen aber mittlerweile aus einigen Studien, dass wir es auch hier nicht übertreiben dürfen. Wenn ein Patient oder eine Patientin das nächste Level auf dem Wege seiner Genesung erreicht hat, bieten wir den Vorteil, dass er oder sie das Haus nicht verlassen muss, sondern bei uns weiter betreut werden kann. So geht das über den Zustand der Patienten erworbene Wissen inklusive ihrer persönlichen Präferenzen nicht verloren und es kann nahtlos weitergearbeitet werden.

Ein großer Teil Ihrer Patienten hat einen Schlaganfall erlitten. Wie gehen Sie bei der Rehabilitation dieser Erkrankung vor?

Wir versuchen die Perspektive des Patienten einzunehmen und erarbeiten mit den Patienten und Angehörigen Therapieziele. Was ist für unseren Patienten das Hauptziel? Welche Teilziele erscheinen realistisch? Wie lange werden wir voraussichtlich dafür benötigen? Kann der Patient in sein altes Leben zurückkehren oder müssen wir uns gemeinsam über neue Lösungen Gedanken machen? Der Patient wird so Partner in einem multiprofessionellen Team bestehend aus Pflegepersonal, Sozialarbeitern, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und Ärzten.

Am angegliederten Schlaganfallzentrum des Medical Parks existiert beeindruckendes Know-how bezüglich der Erreichung der gesteckten Ziele. Hier wurde unter meinem Vorgänger Prof. S. Hesse der Gangtrainer, eine Roboter-unterstützte Gangtherapie, entwickelt und es gibt eine gelebte Tradition der schnellen Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Diesen Weg wollen wir weiterhin mit unseren Patienten gemeinsam beschreiten.

Stichwort Schlaganfall – bei welchen Symptomen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden?

Alle plötzlich (!) auftretenden halbseitigen Symptome wie Schwäche auf einer Körperseite, Sensibilitätsstörungen, Gesichtsfelddefekte und Sprachstörungen sind bis zum Beweis des Gegenteils hochverdächtig auf einen Schlaganfall. Wenn der Verdacht besteht, sollten Sie nicht primär „einen Arzt aufsuchen“, sondern gleich die 112 wählen. In Berlin kommt dann mit hoher Wahrscheinlichkeit das STEMO (Stroke-Einsatz-Mobil) zum Patienten.

In diesem Rettungsfahrzeug der Berliner Feuerwehr sind Schlaganfallexperten und ein CT an Bord. So können die wichtigsten Akutmaßnahmen bereits im Fahrzeug begonnen werden, z.B. die zeitkritische Thrombolyse.

Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft der Neurologie. Erwarten Sie in den kommenden Jahren größere Fortschritte auf diesem Gebiet? Wird es zum Beispiel eines Tages möglich sein, Querschnittsgelähmte vollständig zu heilen?

Frei nach dem Physiker Niels Bohr: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Aktuell wird viel Hoffnung in die Stammzellentherapie gesetzt. Es fehlen allerdings bisher die wissenschaftlich validen Belege, dass beispielsweise Menschen mit einer Querschnittslähmung hiervon profitiert hätten. Erste Erfolge hingegen sehen wir in der Robotik. Patientinnen und Patienten, die ihren Oberkörper gut kontrollieren können, deren Beine aber gelähmt sind, können mit sogenannten Exoskeletons inzwischen wieder aufrecht laufen und das Ende dieser Entwicklungen ist noch lange nicht erreicht.

Herr Professor Ebinger, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Möchten Sie mehr über Herrn Prof. Ebinger erfahren? Weitere Informationen über ihn finden Sie in seiner Expertendarstellung auf Leading Medicine Guide.

Bildnachweis: Doctor holding a 3d rendering group of neurons © Production Perig #202644589 | fotolia.de

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