„Gemeinsam bewältigen, auch das ist meine Aufgabe als Ärztin“ – Dr. Kremser im Gespräch

In der griechischen und römischen Antike (Frühzeit), im Mittelalter und der Neuzeit war es durchaus üblich, die Zukunft mit dem Lesen von „Eingeweiden“ vorherzusagen. Nicht nur Träume, der Sternenhimmel oder der Vogelflug wurden gedeutet, sondern man suchte bei Zukunftsfragen auch in den Organen (eines Opfertieres oder menschlichen Körpers) nach Antworten.

Selbst Platon – der antike griechische Philosoph, Schüler des Sokrates um 400 v. Chr. – soll an die Aussagekraft der Leber geglaubt haben. Der Glaube an Prophezeiungen, Wahrsager und Hellseher hielt sich hartnäckig bis ins 17. und 18. Jahrhundert, bis zu dem Zeitpunkt, als moderne Wissenschaften neue Sichtweisen auf den Menschen und seinen Kosmos ermöglichten.

Dass die Leber sowie die anderen inneren Organe etwas über unseren Gesundheitszustand und im Allgemeinen über unser Wohlbefinden aussagen kann, ist allerdings heute in der Tat nicht zu bezweifeln.

Aus medizinischer Sicht sind es vor allem die Viszeralchirurgen (lat. „viscera“ = Eingeweide), die sich ausgezeichnet mit unseren Eingeweiden auskennen.

Kommt es nämlich zu einer ernsthaften Erkrankung in der Brust- und Bauchregion, sind Fachkenntnisse von medizinischen Experten wie die von Frau Dr. Kremser gefragt. Bei Entzündungen, Gallensteinen, Leisten-, Narben- oder Nabelbrüchen oder bösartigen Erkrankungen zählt oft jede Sekunde.

Frau Dr. Kremser ist leitende Oberärztin und hat sich als viszeralchirurgische Expertin auf komplexe Bauchchirurgie, auf die Behandlung von Tumore, Entzündungen und Verwachsungen spezialisiert. Die kommissarische Chefärztin setzt auf minimal-invasive Chirurgie, auch Schlüssellochchirurgie bezeichnet. Mit diesen Methoden behandelt sie schon seit mehreren Jahren und in enger Zusammenarbeit mit benachbarten Disziplinen – wie der Gastroenterologie und Onkologie – erfolgreich ernsthafte Erkrankungen im Bauchraum und der Bauchwand. 


Wofür steht Schlüssellochchirurgie? 

Minimal-invasive Chirurgie (MIC) wird häufig auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet, einfach aus dem Grund, dass immer modernere technologische Verfahren den chirurgischen Zugang minimal halten. Der Eingriff erfolgt dabei durch eine geringe Öffnung (max. 1 cm Länge).


Wir wollten Frau Dr. Kremser gerne näher kennenlernen. Sie studierte an der Universität Heidelberg, sammelte Auslandserfahrungen in Montpellier (Frankreich) und in Wuhun (China), war als Notärztin im Rettungshubschrauber tätig. Die Ausbildung zur Viszeralchirurgin absolvierte sie im Klinikum München-Harlaching, bevor sie dann zur Oberärztin in leitender Position berufen wurde.

Sehr geehrte Frau Dr. Kremser, alles was unmittelbar in der Bauchregion, sprich im Magen-Darm-Trakt erkrankt, gehört in Ihr Spezialgebiet. Sie sind Chefärztin und Expertin für Viszeralchirurgie. Wann haben Sie beschlossen, sich hierauf zu spezialisieren und warum? 

Dr. Kremser: Bereits während des Studiums und meiner Tätigkeit auf der operativen Intensivstation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg war ich davon überzeugt, Viszeralchirurgin werden zu wollen. Ich war fasziniert von den komplexen Krankheitsbildern, und die großen Chirurgen zählten zu meinen Vorbildern. 

„Es ist wichtig für den Patienten zu wissen, dass er sich auf seinen Arzt verlassen kann.“

Sie behandeln insbesondere die schweren Fälle: bösartige Erkrankungen, Hernien, akute Entzündungen, chronische und komplizierte Wunden, Tumoren, Verwachsungen und Notfallversorgungen – wie gehen Sie persönlich damit um?

Dr. Kremser: Durch die 20-jährige Tätigkeit als Notärztin auf dem Rettungshubschrauber Christoph 1 sind für mich Entscheidungen und Handeln unter extremem Zeitdruck „normal“ und stressen mich auch nicht. Ruhiges, zügiges und zielsicheres Agieren ist hier lebenswichtig, dies gilt auch für Notoperationen und unvorhersehbaren Situationen/Problemen bei anderen Operationen.

Bei bösartigen Erkrankungen bedarf es einer besonderer Zuwendung zum Patienten. Im Vorfeld werden neben der erforderlichen Diagnostik ausführliche Gespräche mit dem Patienten und der Familie geführt. Es gilt zu vermitteln, dass wir die bösartige Erkrankung gemeinsam bewältigen müssen. Es ist wichtig für den Patienten zu wissen, dass er sich auf seinen Arzt verlassen kann.

Natürlich beschäftigt sich man mit dem Schicksal des Patienten auch außerhalb der Klinik, so einfach abschalten geht nicht. Auch sollte man – trotz aller Professionalität – sein Tun immer wieder kritisch hinterfragen.

„Den sogenannten „Ausgleich“ suche ich in den Bergen beim Paragleiten.“

Einige schwer beschädigte Organe müssen manchmal entfernt werden: zum Beispiel Magen, Blinddarm, endokrine Organe oder die Gallenblase. Auf welche kann man “verzichten” (und ohne weiterleben) und worauf muss man dann besonders achten?  

Dr. Kremser: Wenn man sich an die Lehrmeinung hält, sind der Blinddarm und die Gallenblase „entbehrlich“ und man kann ohne diese Organe völlig normal weiterleben.

Etwas komplexer wird es mit anderen Organen. Unter entsprechenden Voraussetzungen, entsprechenden Verhaltensmaßregeln und mit Hilfe von Medikamenten kann man z.B. ohne Schilddrüse, ohne Magen, ohne Bauchspeicheldrüse, mit einer Niere, ohne Milz, mit einem Drittel des Dünndarms, ohne Dickdarm und mit 1/4 der Leber leben.

Heutzutage kann ein Großteil der Operationen minimalinvasiv durchgeführt werden. Die minimalinvasive Technik hat mehrere Vorteile: bessere Sicht als das bloße Auge durch Vergrößerung und hochauflösende Bildqualität (4K, 3D), kleine Schnitte, dadurch weniger postoperative Schmerzen, weniger Wundheilungsstörungen, weniger Narbenhernien, weniger postoperative Verwachsungen, meist kürzerer Krankenhausaufenthalt und ein kosmetisch besseres Ergebnis.

Ich habe mich schon sehr früh mit der minimalinvasiven Technik beschäftigt so daß wir hier in der Klinik neben Appendektomien, Cholecystektomien, Leisten- und Narbenhernien fast alle kolorektalen Resektionen (auch bei malignen Erkrankungen), sowie einen Teil der Operation am Magen, an der Leber und am Pankreas minimalinvasiv durchführen können. 

„Die Aufklärung der Bevölkerung reicht vermutlich immer noch nicht aus.“

Darmkrebs kann heilbar sein, wenn man ihn rechtzeitig erkennt. Wann sollte man spätestens einen Facharzt aufsuchen? Und warum sind wir Deutschen Vorsorgemuffel?

Dr. Kremser: Ab dem 50. Lebensjahr wird ein Test auf okkultes Blut im Stuhl empfohlen, ab dem 55. Lebensjahr (in Österreich ab dem 50. Lebensjahr – was sinnvoll erscheint und was ich persönlich auch raten würde) die erste Koloskopie. Diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen. Bei familiärer Belastung sollte man schon viel früher mit der Vorsorge beginnen.

Bei Symptomen wie Blut im Stuhl, wechselnder Stuhl-Qualität – mal Diarrhoe- mal Obstipation, Bauchschmerzen, Leistungsminderung, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß oder ungewolltem Gewichtsverlust sollte man unbedingt einen Facharzt aufsuchen.

Warum wir Deutschen Vorsorgemuffel sind, kann ich leider nicht beantworten, nur vermuten, dass die Aufklärung der Bevölkerung immer noch nicht ausreicht. Darmkrebs entwickelt sich sehr häufig. Wird er rechtzeitig erkannt, ist er sehr oft heilbar. 

Der Rat einer Expertin! Das sollten wir wirklich nicht ignorieren. Liebe Frau Dr. Kremser, vielen Dank für das interessante Gespräch und wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit als Viszeralchirurgin. 

 


Die ausgezeichnete Leading Medicine Guide Expertin behandelt Gallensteine, Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche (Hernien), sowie gut- und bösartige Erkrankungen des Magens, der Leber, der Bauchspeicheldrüse , des Dünn- und Dickdarms, sowie des Enddarms.

Wollen Sie mehr erfahren oder direkt zur Ärztin Kontakt aufnehmen, dann besuchen Sie ihr Arztprofil auf dem Leading Medicine Guide

 


Lesen Sie diesen Artikel auch auf Englisch.

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