Lidtumor – so groß ist die Gefahr

Manchmal bemerkt man es kaum. Es sind vielleicht winzig kleine Verfärbungen am Augenlid oder es deutet sich ein kleiner Knubbel bzw. Buckel an. Doch ausgerechnet solche Symptome können schon Hinweise auf etwas Ernstzunehmendes wie einen Tumor sein. Es gibt gut- und bösartige Tumorarten im Bereich des Augenlids. Lidtumoren sind die häufigsten Tumoren in der Augenheilkunde, vor allem erkranken Menschen ab dem 60. Lebensjahr daran. Laut Deutsche Krebsgesellschaft trifft es zunehmend auch junge Leute, die sich vor allem häufig dem Sonnenlicht (UV-Strahlen) aussetzen. 

Was genau ist ein Lidtumor?

Lidtumore sind Geschwülste der Haut und können direkt auf dem oberen oder unteren Augenlid auftauchen. Sie können sich verändern und zu größeren Tumoren wandeln, aber auch ins Auge einwachsen, was im schlimmsten Fall zu einer Erblindung führen kann. 

Zu den Gutartigen zählen Warzen (Papillome) oder Fetteinlagerungen, die man problemlos entfernen lassen kann. Der häufigste bösartige Tumor des Lids ist das Basalzellkarzinom, kurz auch Basaliom genannt. Er kann jeden treffen und sollte ernst genommen werden. Wer frühzeitig zum Arzt geht, kann Schlimmeres vermeiden. 

Typische Merkmale:

  • Wimpernverlust
  • Jucken am Augenlid
  • Verfärbung der Haut am Augenlid
  • Veränderung der Haut
  • spürbarer Knubbel, auffälliger Knoten 
  • Salben, Tropfen und andere Medikamente helfen nicht weiter 

Spätestens, wenn einem die Wimpern ausfallen, besteht dringender Handlungsbedarf. Das Schlimmste, was Sie tun können, ist, diese Symptome einfach zu ignorieren und zu bagatellisieren. Jede Veränderung am und um das Auge herum sollte besser untersucht werden. Es geht schließlich um Ihr wichtigstes Sinnesorgan. 

Um die Gesundheit der Augen kümmert sich auch der Universitätsprofessor Dr. Ludwig Heindl von der Uniklinik Köln. Als Leiter des Schwerpunkts für Ophthalmoonkologie und Ophthalmoplastische Chirurgie behandelt Prof. Heindl komplexe Augenleiden des Patienten, wie etwa die Erkrankung der  Tränenwege, aber auch Bindehauttumore, Orbitatumoren, Augenhautmelanome, Augenoberflächenerkrankungen und Lidtumore. Prof. Dr. Heindl erklärt uns im Folgenden, was genau bei einem bösartigen Tumor am Augenlid zu beachten ist. 

Herr Prof. Heindl, warum spielt die Sonne bei der Bildung von Augenlidtumoren eine so entscheidende Rolle? 

Prof. Heindl: Man geht heute davon aus, und wissenschaftliche Studien haben dies auch bestätigt, dass intensive Sonnenbestrahlung (UV-Strahlung) die Haut stark schädigen und Krebs auslösen können. Gerade das Gesicht und insbesondere die Augen sind oft wenig geschützt und sind daher besonders gefährdet. 

Wir können uns mit Sonnenschutz eincremen. Und was ist mit den Augen?

Prof. Heindl: Die Augen schützen wir bestenfalls mit einer Sonnenbrille, die nicht nur ein hübsches Accessoire im Sommer darstellt, sondern vor allem UV-Strahlung filtert. Dabei muss man auf eine hochwertige Qualität der Brille achten. UV-Strahlungen sind zweierlei gefährlich: Sie können nicht nur Augentumore provozieren, sondern auch eine Gefahr für eine Flügelfell-Erkrankung sein. Bei dieser Art von Tumor wächst die gefäßführende Bindehaut auf die sonst klare, gefäßfreie Hornhaut des Auges über. 

Wenn man nun eine Auffälligkeit festgestellt hat, was genau sollte man anschließend tun? 

Prof. Heindl: Zunächst sollte eine Biopsie (Gewebeprobe) von Seiten des Augenarztes gemacht werden, um sicher zu gehen, worum es sich handelt. Außerdem können auch Ultraschall und Computertomografie weitere wichtige Hinweise geben, ob es sich um einen Tumor handelt. Bestätigt sich dieser in der feingeweblichen Untersuchung als bösartig, in 90% der Fälle ist es ein Basalzellkarzinom, sollte der anschließend von einem ophthalmoplastischen Chirurgen entfernt werden. 

Nun gibt es oft den Fall, dass Menschen sich ungern am Auge behandeln lassen oder eine Behandlung so weit wie möglich hinaus zögern. Haben Sie das auch schon erlebt? Was passiert im schlimmsten Fall? 

Prof. Heindl: Leider ja. Viele Menschen bagatellisieren eine solche Augenerkrankung. Sie erachten es nicht für notwendig, sich am Auge untersuchen zu lassen. Einige warten lieber ab, mit der Hoffnung auf eine selbstständige Heilung. Andere haben große Angst vor dem Eingriff am Auge. Man befürchtet, nach der Operation entstellt zu sein oder sein Augenlicht zu verlieren. Der bösartige Lidtumor streut zwar nicht, kann aber auch andere Sinnesorgane befallen. Er kann heranwachsen und einem sogar das Augenlicht nehmen. Es gilt: je früher der Tumor entfernt wird, desto besser sind die Heilungschancen. 

Besteht eine vollständige Heilung oder muss man mit Nachwirkungen rechnen? 

Prof. Heindl: Bei rechtzeitigem Eingriff stehen die Prognosen gut, komplett vom Lidtumor geheilt zu werden. Dennoch sind Nachuntersuchungen, insbesondere in den ersten 2 Jahren wichtig. Manchmal können Rezidive oder andere Hautveränderungen auftreten, die wir beobachten müssen. 

Und was ist Ihr persönlicher Tipp, damit künftige Augenlidtumore erst gar nicht entstehen?

Prof. Heindl: Man kann bis heute nicht 100% sagen, was die Ursache für einen Lidtumor ist. Tatsächlich aber spielt die Sonnenbestrahlung eine wichtige Rolle in der Prävention. Lidtumore hängen in einer hohen Prozentzahl von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab. je häufiger und länger man sich UV-Strahlungen aussetzt, desto größer ist das Risiko, an einem bösartigen Lidtumor zu erkranken. Deshalb trifft das Basaliom immer mehr jüngere Menschen, die oft auch nicht über Sonnenschutz nachdenken. 

Sehr geehrter Herr Professor Heindl, die Sonnenbrille hat einmal mehr ihre Nützlichkeit bewiesen.  Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

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LH235AT, LMG19 / Bildquelle: (c) Elroi, (c) Robert Przybysz, (c) coldwaterman, (c) Anna Om, (c) pridannikov – Adobe Stock. 

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