Lungenkrebs ist oft vermeidbar

90% der Patienten mit Lungenkrebs sind Raucher

Was uns Professor Clemens Aigner zum Thema Lungenkrebs verrät

Professor Clemens Aigner und sein Team nehmen jährlich über 2.000 Eingriffe an der Lunge vor. Da die Thoraxchirurgie der Ruhrlandklinik Essen die einzige thoraxchirurgische Abteilung Deutschlands ist, die über einen eigenen Operationsroboter verfügt, gehören minimal-invasive Eingriffe zunehmend zum Standard. Professor Aigners Abteilung ist zudem Teil des 2016 gegründeten „Westdeutschen Zentrums für Lungentransplantation“, das mittlerweile das drittgrößte Zentrum für Lungentransplantationen in Deutschland ist.

Wir haben uns mit Professor Aigner über Lungenerkrankungen, Transplantationen und über die Gefahr des Rauchens unterhalten und waren wirklich erstaunt: 


Guten Morgen Herr Prof. Aigner. Schön, dass Sie Zeit für dieses Gespräch gefunden haben. Stimmt es, dass 80% Ihrer operativen Eingriffe wegen Tumoren erfolgen? Was sind die Hauptursachen der Erkrankungen und wie hoch sind die Heilungschancen?

Prof Aigner: Sehr gerne. Tatsächlich ist das Haupterkrankungsbild in der Thoraxchirurgie der Lungenkrebs. Der Lungenkrebs ist eine sehr bösartige Erkrankung, bei der die Heilungschancen im Frühstadium zwar noch sehr gut sind, allerdings das Problem besteht, dass der Lungenkrebs erst sehr spät Symptome zeigt. Dementsprechend wird die Erkrankung häufig spät erkannt. Die Heilungschancen sind im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung jedoch wesentlich schlechter. Deswegen ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen und aktiv anzusprechen, wenn man ein entsprechendes Risikoprofil hat. Es laufen aktuell in einigen Ländern einige Studien zur flächendeckenden Einführung eines Screenings bei Bevölkerungsgruppen mit Risikoprofil. In Deutschland gibt es so etwas noch nicht, aber es gibt Untersuchungen in diese Richtung.

Wenn der Tumor frühzeitig erkannt wird, so dass eine primäre operative Entfernung möglich ist, sind die Heilungschancen gut. Bei Lungenkrebs ist es so, dass die Hauptursache der Erkrankung völlig klar ist: Das Rauchen ist mit der Entstehung des Lungenkrebses eindeutig korreliert. Das ist die Krebsart, bei der man tatsächlich selbst auch zur Vermeidung etwas beitragen kann. 90 Prozent der Patienten, die Lungenkrebs bekommen, sind Raucher.

Die Thoraxchirurgie Essen ist führend in Deutschland und auch europaweit an der Spitze. Welche maßgeblichen medizinischen und technischen Entwicklungen hat es in den letzten Jahren in diesem Bereich gegeben? 

Prof Aigner: In der Thoraxchirurgie haben sich in den letzten Jahren die minival-invasiven Techniken deutlich erweitert. Die Zugangswege sind kleiner geworden, es sind weniger Zugänge geworden. Die  Robotertechnologie hat Einzug erhalten, die den Chirurgen in der Durchführung dieser minimal-invasiven Eingriffe unterstützt. Gerade bei Frühstadien des Lungenkarzinoms können deutlich bessere perioperative Ergebnisse erzielt werden.

Bei welchen Operationen wird der Operationsroboters DaVinci eingesetzt?

Prof Aigner: Der DaVinci Operationsroboter unterstützt den Chirurgen bei fast jeder Behandlung. Er operiert nicht selbständig, sondern transferiert die Bewegungen, die der Chirurg an der Konsole durchführt eins zu eins in den Patienten. Der Vorteil des Operationsroboters ist eine sehr gute Beweglichkeit der Instrumentenarme im Körper, also überall, wo es eng wird und wo man schwierig hinkommt, kann man mit dieser Methode sehr gut und technisch fein operieren. Bei der Entfernung der Thymusdrüse ist das zum Beispiel sehr hilfreich. Er wird ebenso bei Entfernungen von Lungenlappen und auch bei Zwerchfellraffungen effektiv eingesetzt.

Vertrauen Patienten der OP-Robotik oder überwiegt die Skepsis? 

Prof Aigner: Wenn die Patienten darüber aufgeklärt werden, dass der Operationsroboter nicht eigenständig etwas macht, sondern nur den Anweisungen des Chirurgen eins zu eins folgt, sind die meisten Patienten dieser Technologie sehr aufgeschlossen gegenüber. Manche Patienten fragen sogar gezielt nach der Robotertechnologie.

Eine Lungentransplantation gilt als letzte Therapieoption bei Lungenerkrankungen. Welche Voraussetzungen muss ein Patient erfüllen?

Prof Aigner: Voraussetzung für eine Lungentransplantation ist eine Lungenerkrankung im Endstadium und ein sogenanntes Mono-Organversagen, also ein reines Organversagen der Lunge, wobei die restlichen Organsysteme funktionieren und eine ausführliche Evaluation vor der Aufnahme auf die Warteliste Begleiterkrankungen ausschließt.

Wenn eine System-Erkrankung vorliegt, also neben der Lunge noch andere Organsysteme erkrankt sind, dann werden die durch die Transplantation, durch den Austausch der Lunge, nicht behandelt. Die Patienten haben diese Probleme nach der Transplantation weiterhin. Deshalb ist es wichtig, vor der Transplantation abzuklären, dass keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen, die die Erfolgsaussichten der Transplantation so verschlechtern, dass diese nicht mehr sinnvoll durchführbar ist. Nach der Transplantation ist es notwendig, regelmäßig Medikamente einzunehmen, die das Immunsystem unterdrücken und die somit auch Nebenwirkungen haben können. Es muss auch sichergestellt werden, dass auch diese Medikamente vertragen werden. Es gibt auch einige Erkrankungen, die eine Transplantation von vornherein ausschließen, so wie die meisten bösartigen Erkrankungen (z.B. Lungenkrebs). 

„Eine grundsätzliche Voraussetzung ist natürlich, dass man aktiv alles dazu beiträgt, um einen guten Ausgang der Transplantation zu gewährleisten. Dazu gehört, dass man nicht raucht. Vor Aufnahme auf die Warteliste muss eine 6-monatige absolute Nikotinkarenz vorhanden sein. Außerdem müssen die ärztlichen Anordnungen strikt befolgt werden.“ (Prof. Aigner) 

Wie erfolgreich sind heute Lungentransplantationen?

Prof Aigner: Die Ergebnisse der Lungentransplantation sind mittlerweile sehr gut und haben sich in den letzten Jahren weiterhin deutlich verbessert. Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um eine Patientengruppe handelt, die ohne Transplantation in relativ kurzer Zeit versterben würde. Mittlerweile ist es so, dass fünf Jahre nach der Transplantation ca. 70 Prozent der Patienten noch leben, was sehr gute Ergebnisse sind. Eine Abstoßung ist durch die moderne immunsuppressive Medikation deutlich seltener geworden, ist aber etwas, was durchaus noch vorkommt. Abstoßung bedeutet aber nicht gleich den Verlust des Organs, sondern eine Abstoßung kann auch etwas sein, das sich nur in einer geringen Verschlechterung der Lungenfunktion oder manchmal ganz ohne Symptomatik zeigt und im Falle einer akuten Abstoßung medikamentös in der Regel sehr gut in den Griff zu bekommen ist.

Wie messen Sie Erfolge, Herr Professor Aigner?

Prof Aigner: Die Chirurgie ist ein Fachgebiet, in dem man Erfolge in der Behandlung von Patienten, oder auch Misserfolge, sehr direkt sieht und ein unmittelbares Feedback bekommt. Insofern ist es ein Fachgebiet, wo man tagtäglich in der Arbeit am Patienten Erfolg und Misserfolg bei der Arbeit mitbekommt. Sehr schöne Erfolge sind immer dann, wenn wir neue Behandlungsmethoden, die bisher nicht bekannt waren oder die man weiterentwickelt hat, tatsächlich am Patienten anwenden kann und sieht, wenn diese funktionieren und eine Weiterentwicklung da ist. 

Und zu guter Letzt: Wie entspannen Sie vom Klinikalltag? 

Prof Aigner: Fast die gesamte Freizeit gehört der Familie und sonst versuche ich auch ein bisschen sportliche Aktivitäten, wie Radfahren oder Sport in den Bergen, noch aufrechtzuerhalten.

Vielen Dank für das schöne Interview, Herr Professor Aigner!


 

 

Wie steht es um Ihre Lunge? Haben Sie einen Verdacht oder wollen sich gerne eine medizinische Zweitmeinung einholen? Erfahren Sie mehr über den Facharzt auf Leading Medicine Guide und kontaktieren Sie Prof. Aigner heute noch persönlich.

 

Bildquelle:  © chagpg, © psdesign1, © Damian, © seksan94, © utah778 – fotolia.com
CA298BC LMG18

Ähnliche Beiträge

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.