Pankreaskrebs: Der heimliche Zerstörer

… und wie die moderne Medizin ihn immer besser behandeln kann

Tumore an der Bauchspeicheldrüse gehören zu den schwierigsten Fällen in der Medizin. Erst kürzlich soll der Modemacher Karl Lagerfeld an Krebs an der Bauchspeicheldrüse gestorben sein. Ist die Krankheit erst einmal fortgeschritten, so war den Patienten bisher jegliche Aussicht auf Heilung mehr oder weniger genommen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Zu Recht!

Anlass für einen kleinen Hoffnungsschimmer schenken uns nun die Erkenntnisse aus der Pankreasforschung der letzte Jahre: Wissenschaftler, die sich mit dem aggressiven Krebs an der Bauchspeicheldrüse beschäftigen, sprechen sogar von einem Durchbruch in der Krebstherapie. Die beachtenswerten Ergebnisse wurden unter anderem auf der diesjährigen medizinischen Fachkonferenz der ASCO (American Society of Clinical Oncology) vorgestellt.


Prof. Dr. Waldemar Uhl, Pankreaschirurg und engagiertes Mitglied der ASCO, behandelt am St. Josef-Hospital in Bochum die äußerst komplizierten Fälle an Bauchspeicheldrüse, Dick- und Enddarm sowie Leber- und Gallenblase. Der Leading Medicine Guide Experte ist spezialisiert auf minimal-invasive, endokrine und komplexe onkologische Chirurgie. Wir wollten von ihm wissen, worin sich die Pankreaschirurgie weiterentwickelt hat und worauf wir hoffen dürfen! 


Herr Prof. Uhl, zunächst bedanke ich mich sehr für Ihre kostbare Zeit. Sie kämpfen Tag für Tag gegen Krebs. Was ist so gefährlich am Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Prof. Uhl: Der Bauchspeicheldrüsenkrebs hat eine sehr schlechte Prognose, weil er in der Regel viel zu  spät erkannt wird. Dann haben sich meist schon Metastasen gebildet und die Behandlung wird sehr schwierig.

Und wie kommt es, dass der Pankreaskrebs so spät entdeckt wird?

Prof. Uhl: Die Symptome sind leider sehr unspezifisch. Das können Übelkeit, Appetitmangel, Erbrechen, Blähungen, Durchfall und Gewichtsverlust sein. Dann wird zunächst in Richtung Magen ermittelt. Die Bauchspeicheldrüse ist jedoch sehr klein, sie liegt hinter dem Magen. Meist kommt man erst sehr spät, im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung, auf dieses Organ, nämlich dann, wenn weitere Symptome wie Gelbsucht oder Schmerzen auftreten. Dann hat der Tumor in der Regel aber die Organgrenze schon überschritten und Nerven infiltriert.

Wofür genau ist denn die Bauchspeicheldrüse zuständig und wie erkennen wir mögliche Probleme?

Prof. Uhl: Die Bauchspeicheldrüse hat zwei Funktionen. Zum einen bildet sie die Enzyme, die zur Verdauung notwendig sind, zum anderen reguliert sie den Blutzucker. Daher sollte, wenn im Alter Diabetes entsteht, immer auch die Bauchspeicheldrüse als Ganzes abgeklärt werden. Auch Stuhlveränderungen, besonders im fortgeschrittenen Alter, sind ein alarmierendes Anzeichen.

Wie viele Menschen sind denn an dieser Krebsart erkrankt?

Prof. Uhl: In Deutschland rechnen wir derzeit mit rund 18.000 Patienten mit einem frisch diagnostizierten Pankreaskrebs. Wobei Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind. Die Erkrankung trifft vor allem Menschen in höherem Alter. Von 100.000 Einwohnern über 60 Jahre sind ca. 200 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, bei den über 70-Jährigen sind es bereits 300.

Das sind angstbereitende Zahlen. Worauf aber können wir hoffen Welche Fortschritte sind zu verzeichnen?

Prof. Uhl: Bisher gab es nur die Chirurgie und nur ein Medikament zur Behandlung. Das hat sich geändert. Jetzt werden zusätzlich auch Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt. Das bedeutet für die Patienten einen Durchbruch. Früher kam der Krebs innerhalb von etwa 15-18 Monaten nach der Operation wieder und man hatte dann kaum noch Möglichkeiten etwas dagegen zu tun. Heute kann die Chemotherapie vor und nach der Operation die Überlebenschancen um mehrere Monate verlängern. Mehr noch: In einigen Fällen kann es gelingen, den Tumor dadurch zu verkleinern, sodass überhaupt erst eine OP, bzw. eine zweite OP, möglich wird.

Auch die medikamentöse Behandlung wird sich in Zukunft noch weiter durch individualisierte Anpassungen verbessern. Hoffnung machen auch neue molekulargenetische Ansätze in der Medizin. Überlebten um 2000 herum ca. 5 % der Erkrankten, sind es inzwischen schon 10 %. Während früher niemand wagte davon zu sprechen, können wir heute sagen: In Einzelfällen ist sogar Heilung möglich!

 

Sehr geehrter Herr Professor Uhl, vielen Dank für die interessanten Einblicke in die aktuelle Krebsforschung. Das macht Mut!


 

Fühlen Sie sich angesprochen? Leiden Sie schon länger an Bauchschmerzen, deren Ursache Sie (und ihr Arzt) bis heute nicht lokalisieren konnte(n)? Vielleicht lassen Sie Ihre Bauchspeicheldrüse einmal untersuchen. Professor Uhl steht Ihnen gerne beratend zur Seite, auch für eine medizinische Zweitmeinung! Besuchen Sie Leading Medicine Guide

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Bildquelle: © shidlovski, © Sebastian Kaulitzki, © Drobot Dean – fotolia.com

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