Wie viel Sonne ist genug? Dem Vitamin D auf der Spur…

Kalt, nass, dunkel – so oder so ähnlich könnte man die aktuelle Wettersituation bezeichnen, die sich vor unserem Fenster abspielt. Und zum Glück sitzen die meisten von uns auf der anderen Seite des Fensters, in der warm beheizten Bude, bei einer Tasse Tee und Tageslicht-Leuchte. Der einzige Grund, warum wir jetzt noch aus dem Fenster schauen ist doch der, weil wir nach der Sonne Ausschau halten. Wir brauchen sie – das spüren wir nicht nur, sondern wissen auch medizinisch, dass Sonnenlicht enorm wichtig für unsere Gesundheit ist.

Ja, es geht hierbei um das Vitamin D. Wenn wir beginnen, zu recherchieren, wie viel, wie lange und woher wir dieses Vitamin ersatzweise in den dunklen Monaten beziehen sollten, stoßen wir allerdings auf sehr unterschiedliche Informationen. Es gibt die Befürworter, die die Wichtigkeit des “Sonnenvitamins” betonen und einem dringend zur Supplementierung (ergänzende Aufnahme einzelner Nährstoffe neben der gewöhnlichen Nahrung) raten. Und es gibt die andere Seite, die Beschwichtiger, die alles nur für reine Panikmache halten.

Vitamin D unter die Lupe genommen

Was hat es auf sich mit diesem Vitamin – das genau genommen kein Vitamin, sondern ein Hormon ist – dass unter bestimmten Voraussetzungen im Körper selbst gebildet werden kann?

Es fördert zum Beispiel die Ausschüttung des lebensnotwendigen Leptin-Hormons. Auf diese Weise wird dem Körper signalisiert, wann er genügend Fett zu sich genommen hat. Daher wird Vitamin D auch gelegentlich als sogenannte „Fettbremse“  gefeiert. Vitamin D macht schlank, könnte man meinen!

Aber neben der Produktion des Leptin-Hormons ist Vitamin D vor allem auch für die Regulierung des Knochenstoffwechsels wichtig und es beeinflusst die Funktionen der Muskeln. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen nimmt der Mensch Vitamin D nur in geringen Mengen über die Nahrung auf. 80 bis 90 Prozent bildet der Körper dieses Hormon in der Haut selbst, und das mit Hilfe von Sonnenlicht.

Wenn wir uns jetzt allerdings die ganze Zeit nur im Zimmer aufhalten, weil es uns draußen zu schmuddelig ist, können wir dieses Hormon nicht aktivieren. Hat das gesundheitliche Folgen für uns?

Manche Ärzte und Fachgesellschaften sind der Ansicht, dass wir an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Viele Krankheiten seien sogar darauf zurückzuführen, heißt es: Erhöhte Müdigkeitserscheinungen, aber auch Übergewicht, Haarausfall, Diabetes, Herzerkrankungen, ja sogar Schizophrenie können die Folgen sein. Werden die Knochen nicht ausreichend versorgt, kann im allerschlimmsten Fall Rachitis auftreten, eine Krankheit die zu schweren Knochen-Deformierungen führt.

Was ist die richtige Dosis?

Man sagt im Volksmund, 10 Minuten an der Sonne (oder 20 Minuten bei bewölktem Himmel) reichen aus, um seinen Speicher an Vitamin D aufzufüllen. Doch so pauschal darf man das auch nicht sagen. Es kommt auch auf den Hauttypen, auf das Alter, den Einsatz von Cremes und Sonnenschutz an. Außerdem auf die Höhen- und Wetterlage und die Tageszeit. Je dunkler die Haut eines Menschen, desto länger muss die Dauer der Sonnenbestrahlung sein.

Das Problem ist außerdem, dass alles, was über die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Tagesdosis von 800 Internationalen Einheiten (I.E.) hinaus geht, muss auf Rezept verschrieben oder teuer aus dem Ausland bezogen werden. Die freiverkäuflichen Vitamin-D-Präparate sind in der Regel unterdosiert und haben so gut wie keine Auswirkung auf die Gesundheit.

Der optimale Blutwert für Vitamin D liegt laut dem Robert Koch-Institut bei 50 Nanomol pro Liter (nmol/L). Laut den Forschungsergebnissen des Instituts liegen zwar nur knapp die Hälfte aller Erwachsenen über dem Optimalwert (bei Kindern und Jugendlichen sind es weniger als 40 Prozent), doch ein schwerer Vitamin-D-Mangel kommt bei Groß und Klein der Getesteten gerade mal bei unter 5 Prozent vor. Ein erhöhtes Risiko bestehe eher bei Säuglingen, Dunkelhäutigen und bei Senioren über 65 Jahren – aber auch bei Menschen, die nur selten ihr Haus verlassen oder verschleiert nach draußen gehen.

Wer mehr hat, leidet weniger?

Doch es gibt auch Beobachtungen und Studien, welche die besondere Wirkung von Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen hervorheben: Menschen mit MS (Multiple Sklerose) haben weniger neurologische Symptome, wenn sie mehr Vitamin D im Blut aufwiesen. Außerdem sollen Patienten, die mehr Vitamin D supplementieren, eine erhöhte Überlebenschance bei Krebserkrankungen haben.

Natürlich ist ein Mangel an Vitamin D schädlich für die Gesundheit, aber davon könne hierzulande kaum die Rede sein. Unser Körper ist diesbezüglich ziemlich clever: Selbst der bewölkteste Himmel biete eine Chance, genügend Vitamin D aufzunehmen – vorausgesetzt natürlich, wir gehen auch raus vor die Tür. Außerdem kann der Körper auch eine Art Depot anlegen, von denen wir notfalls an sonnenarmen Tagen zehren können.

Fazit

Wenn man sich die Argumentationen beider Seiten vor Augen führt, kommt schließlich die Frage auf, wie es um den eigenen Bedarf steht. Dieser lässt sich ganz einfach und schnell mit einem Bluttest durch den Hausarzt ermitteln. Dieser Test wird allerdings selten von der Krankenkasse bezahlt. Vitamin-D-Kapseln können natürlich käuflich erworben werden. Ob sie nun helfen oder nicht, bleibt dahin gestellt – zumindest schaden sie dem Körper nicht. Allerdings wären Übelkeit, verstärktes Durstgefühl und Herzrhythmusstörungen ein Indiz für eine Überdosis.

Und last but not least hilft natürlich der Seitenwechsel. Nicht nur vor dem Fenster sitzen bleiben, auch mal rausgehen, sich auf die Suche nach der Sonne machen. Bald kommt sie wieder. Ganz bestimmt! 

 

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Bildquelle: © DDRockstar; © bongkarn; © Patrick Daxenbichler; © drubig-photo; © Hanna – fotolia.com
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