Von Leber bis Mastdarm – Chirurg Prof. Maurer berichtet über optimierte Behandlungsmethode

Die Leber ist das größte Bauchorgan. Bei einer Krebserkrankung ist das Fachwissen von Experten gefragt. Prof. Dr. Christoph A. Maurer, Begründer und Leiter des Magendarmzentrums Aare (Schweiz), ist ein international anerkannter Spezialist auf dem Gebiet der Viszeralchirurgie.  Prof. Maurer macht Mut! Er erklärt uns hier sehr eindrucksvoll, warum Leberkrebs nicht die Endstation bedeutet. Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Fachkenntnisse werden international geschätzt, und im Journal of Hepatology, im World Journal of Hepatology, Europaen Journal of Surgical Oncology und vielen anderen Fachzeitschriften gewürdigt. Wir wollten von ihm wissen… 


Herr Prof. Maurer – Vielen Dank, dass Sie sich erneut Zeit für ein Gespräch über das wohl komplexeste Organ genommen haben. Sind Lebertumore oder Lebermetastasen, das heißt Tumorableger auf der Leber, wirklich noch operabel?  

Prof. Maurer: In der Tat ist die Leber für Chirurgen ein heikles Organ, da sie sehr gut durchblutet ist. Die Leber galt viele Jahrzehnte als schwierig zu operieren. Bis vor rund 30 Jahren haben Ärzte die Anatomie der Leber zuwenig verstanden. Heute haben wir aber große Fortschritte, auch in technischer Hinsicht, zu verzeichnen. Lebertumore und Lebermetastasen sind mittlerweile chirurgisch oft gut behandelbar. 

Auch die Chemotherapie verabreichenden Internisten (Onkologen) akzeptieren, dass es sich lohnt, Patienten mit Leberkrebs oder Lebermetastasen einem Chirurgen vorzustellen. Durch den Einsatz von hochwirksamen Chemotherapeutika werden die Tumore kleiner und können dann in einem zweiten Schritt durch die Chirurgie entfernt werden. 

Wie viel kann von der Leber entfernt werden – oder anders gefragt – wieviel Leber braucht der Mensch? 

Prof. Maurer: Von einer gesunden Leber können bis zu 75%, vielleicht sogar 80% auf einmal entfernt werden. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens einer der vier Lebersektoren erhalten bleibt. Jeder dieser vier Sektoren hat eine separate Blutversorgung und einen separaten Gallenabfluss. 

Wenn man an eine Operation an den inneren Organen denkt, wird einem ganz mulmig. Ist Leberchirurgie gefährlich? 

Prof. Maurer: Ja, das ist damit zu erklären, dass die Leberchirurgie früher eine hohe Sterblichkeitsrate von bis zu 50% mit sich brachte! Heute ist ein operativer Eingriff an der Leber nicht mehr gefährlich, wenn der Arzt die nötigen technischen Fähigkeiten besitzt und gut ausgebildet ist. Die Sterblichkeit beträgt heute daher höchstens 3%. Ich habe bei meinen Operationen sogar eine Sterblichkeitsrate von unter einem Prozent. Dabei hat der Arzt natürlich im Vorfeld herauszufinden, welcher Patient wirklich fit für die Operation ist. 

Das beruhigt schon mal! Sie leisten also bereits gute Vorarbeit. Gibt es heute denn insgesamt weniger eingreifende chirurgische Verfahren? 

Prof. Maurer: Darum haben wir uns in den letzten zwei Jahrzehnten sehr bemüht. Wir haben intensiv an der sogenannten Nadeltechnik gefeilt. Dabei wird mithilfe von Ultraschall oder Computertomographie ein Tumor angesteuert. Mit einer Nadel wird im Zentrum des Tumors Hitze erzeugt. Die Tumore oder Metastasen werden dabei verödet. Sie werden also bei dieser Methode nicht mehr herausgeschnitten. Das Risiko des Blutverlustes oder des Organversagens ist minimiert und wir ersparen den Patienten dadurch einen großen Eingriff. Dieses Verfahren ist speziell für Tumore von einer Größe bis zu drei Zentimetern Durchmesser geeignet. Für größere Tumore ist die Methode weniger zuverlässig. Und Tumore, die an der Oberfläche der Leber liegen, werden in der Regel herausgeschnitten. 

Wir haben Lebermetastasen angesprochen. Wo liegt der Ursprung dieser kranken Zellen? Welche Primärtumore führen am häufigsten zu Lebermetastasen?

Prof. Maurer: Bei Lebermetastasen sind dies der Dickdarm- und der Mastdarmkrebs. Der Mastdarmtumor ist der häufigste Tumor im Bauchraum überhaupt. In der Leberchirurgie gehören deshalb Metastasen von Dickdarm- und Mastdarmtumoren zu unseren häufigsten Fällen. 

Und wie hoch ist das Risiko, dass die Patienten bei einem Mastdarmtumor ihren After verlieren und einen permanenten künstlichen Darmausgang erhalten? 

Prof. Maurer: Das ist eine gute Frage. In Westeuropa gilt eine Erhaltung des analen Schließmuskels bei 80% aller Patienten mit Mastdarmkrebs als gut. Wenn ein Chirurg vertiefte Fachkenntnisse und ausreichend Erfahrung auf dem Gebiet mitbringt, kann dieser Wert sogar noch verbessert werden. Die Wahrscheinlichkeit der Schließmuskelerhaltung liegt bei meinen Patienten bei 95%. Durch die Vermeidung eines künstlichen Darmausgangs trägt man natürlich zur Lebensqualität des Patienten bei. 

Besteht durch die hohe Rate an analer Schließmuskel-Erhaltung eine erhöhte Gefahr für lokalen Tumor-Rückfall? 

Prof. Maurer: Wenn der Tumor allseits mit einem gewissen Sicherheitsabstand im Gesunden entfernt werden kann, dann haben Sie keine erhöhte Rückfallrate zu befürchten. Wir haben eine sehr geringe Rückfallrate von nur knapp 3% nach 5 Jahren Nachbeobachtung, wie vor kurzem in der renommiertesten chirurgischen Fachzeitschrift Europas (Br J Surg. 2018 Oct;105(11):1519-1529) publiziert. Das ist im internationalen Vergleich sehr gut und fast nicht zu toppen! In den weltbesten Zentren ist dieser Wert nicht besser. 

Herr Prof. Maurer, eine letzte Frage würde uns noch sehr interessieren: Was können Sie als Chirurg weiter beitragen, dass Ihre Patienten nach einer Mastdarm-Entfernung eine möglichst gute Lebensqualität behalten?

Prof. Maurer: Dadurch, dass wir unsere chirurgische Technik in den letzten 2 Jahrzehnten optimiert haben und millimetergenau operieren, können wir meistens auf eine zusätzliche Bestrahlung verzichten. Unsere Patienten erfahren dadurch eine deutlich geringere Belastung. Wir ersparen ihnen die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie. Durch das präzise Arbeiten kommt es auch kaum mehr zu bleibenden Schäden an den Nerven im kleinen Becken, welche die Funktion der Harnblase und der Geschlechtsorgane steuern. Wir erreichen dadurch sowohl mehr Langzeitheilungen, als auch eine bestmögliche Lebensqualität nach der Operation. 

Wir danken Ihnen sehr für dieses interessante Gespräch, Herr Prof. Maurer. 


Mehr Informationen zum Facharzt Prof. Maurer finden Sie hier. Wollen Sie mehr über das Thema erfahren oder gleich ärztlichen Rat heranziehen? Prof. Maurer steht Ihnen gerne auf für eine Zweitmeinung zur Verfügung. Kontaktieren Sie ihn noch heute. 

 

Bildquelle: © Sebastian Kaulitzki, © Kateryna_Kon, © Crystal light – fotolia.com

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