Warum die Wechseljahre auch etwas Positives sind

Es gibt Frauen, die haben überhaupt keine Wechseljahresbeschwerden. In Zahlen ausgedrückt, ist das etwa ein Drittel ohne weitere Schwierigkeiten. Ein weiteres Drittel leidet unter starken Beeinträchtigungen während des sogenannten Klimakteriums, wie diese Phase auch genannt wird. Und die übrigen Frauen haben mal mehr und mal weniger zu tun mit den typischen Begleiterscheinungen der Wechselphase.

Ab etwa 40 verändert sich der Hormonspiegel

Bei allen läuft biologisch das Gleiche ab. Ungefähr ab dem 40. Lebensjahr verändert sich der Hormonspiegel. Das Progesteron sinkt, das für den Menstruationszyklus eine wichtige Rolle spielt. Als Folge wird die Periode unregelmäßiger. Auch die Östrogene, die dafür sorgen, dass jeden Monat ein Ei reift, werden weniger. Die Regel bleibt aus oder die Blutungen werden unregelmäßig und sind mal stark und mal schwach. Die gewohnten Abläufe in einem Frauenleben verändern sich. Ganz langsam sinkt die Fruchtbarkeit, was allerdings nicht bedeutet, dass eine Frau in den Wechseljahren nicht doch noch schwanger werden könnte. Deshalb ist eine Beratung beim Frauenarzt / Frauenärztin sinnvoll, um hier vielleicht den Hormonstatus überprüfen zu lassen und eine geeignete Verhütungsmethode zu besprechen.

Wechseljahre sind keine Krankheit

Auch wenn die biologischen Prozesse dieselben sind, ist es doch erstaunlich, dass jede Frau den Wechsel körperlich und psychisch ganz unterschiedlich erlebt. Von vielen Japanerinnen weiß man, dass sie so gut wie keine Wechseljahrbeschwerden kennen. Man nimmt an, dass die sojareiche Ernährung mit ihren natürlichen Phytoöstrogenen dafür verantwortlich ist. Zumal festgestellt wurde, dass Asiatinnen, die schon lange in westlichen Ländern leben und sich den dortigen Ernährungsgewohnheiten angepasst haben, inzwischen auch über Hitzewallungen und Schlafstörungen klagen.

Unterschiede zwischen den Kulturen

Frauen bestimmter ausgestorbener, aber auch lebender Kulturen, wie beispielsweise die Frauen der Mayas, der Bantu in Südafrika oder der Rajput in Indien, kennen ebenfalls keine Beschwerden während ihrer Wechseljahre. Zumindest sind keine Berichte diesbezüglich bekannt. Man vermutet hier auch den Einfluss der Ernährung auf den gesundheitlichen Zustand. Aber man beobachtet auch etwas anderes: Frauen dieser Kulturen im fortgeschrittenen Alter werden als weise und erfahren angesehen. Sie erhalten ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Für die Frauen dieser Kulturen beginnt eine neue Lebensphase mit hoher Wertschätzung, was mit Sicherheit auch auf die Psyche und das gesamte Empfinden wirkt. Es ist für sie also durchaus attraktiv, eine ältere Frau zu werden.

Ganz anders sieht es in unserer westlichen Welt aus. Schon die Vokabeln, die diese Lebensphase begleiten, klingen wenig positiv. Bei uns ist von “Mangel an Hormonen”, von “Fehlfunktionen”, die zu Schlafstörungen und Hitzewallungen führen, von “Alterungsschüben” und “Verlust von Attraktivität und Elastizität” die Rede. Dabei geht es um einen ganz normalen Prozess, der zum Leben dazugehört und der im Normalfall auch nicht medizinisch behandelt werden muss. Die gesellschaftlich typische Sichtweise auf die alternde Frau kann sich oft nicht mit dem eigenen Erleben der Betroffenen decken.  

Neue Freiheiten bieten sich

Eigentlich sind alle Frauen froh, dass die Periode, die man im Schnitt 35 Jahre lang anhält – irgendwann wieder vorbei ist. Dadurch bekommt man eine ganz neue Freiheit. Viele Frauen sprechen von neuer Energie und Freiräumen, die sie gewinnen. Dazu spielen auch noch weitere Faktoren: Berufliche Ziele sind erreicht und die Kinder sind aus dem Gröbsten raus bzw. inzwischen ausgezogen. Mit dem über die Jahre gewonnenen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können die Frauen sich und ihre Bedürfnisse jetzt wieder in den Mittelpunkt stellen. Neue Herausforderungen und Erfahrungen können jetzt angegangen und gesammelt werden. Und dank der inzwischen gelernten Gelassenheit des Alters, braucht man sich auch nicht mehr so stressen bei all seinen Vorhaben.  

 


Die weibliche Periode – alle vier Wochen aufs Neue

Die Periode wird auch Menstruationszyklus genannt. Sie setzt bei den meisten Mädchen erstmals etwa im 13. Lebensalter ein (noch vor 100 Jahren setzte diese erst im Alter von 17. ein). Dieser Einschnitt ist ein besonderer Moment im Leben eines Mädchens, denn nun wird sie zu Frau und damit allmählich erwachsen. Sie ist jetzt fähig auch selbst schwanger zu werden.

Während der Periode sind verschiedenste Hormone beteiligt. Viele Frauen reagieren deshalb sehr unterschiedlich auf das intensive Wechselspiel im inneren ihres Körpers. Gefühle, bestimmte Lüste treten, aber auch die Haut oder der Darm spielen verrückt. Dabei entwickelt sich die Gebärmutterschleimhaut und die Follikel (Eibläschen) wachsen zu Eizellen heran. Sobald die Follikel nach etwa 14 Tagen platzt (Eisprung), wird die Eizelle in die Gebärmutter (Uterus) transportiert, um sich hier einzunisten und befruchtet zu werden. Findet keine Befruchtung statt, wird die Gebärmutterschleimhaut wieder abgebaut und mit der Regelblutung (ca. 50 – 150 ml Blut) ausgestoßen.

Dieser Zyklus wiederholt sich alle vier Wochen und dauert bis zu sieben Tagen an. Nach 35 Jahren (und etwa 500 Regelblutungen) setzt die Regel allmählich aus. Das passiert in der Regel zwischen dem 40. und 50. Lebensalter, in den sogenannten Wechseljahren.


Pro und contra Hormontherapie

Nicht alle Frauen gleiten problemlos in die Wechseljahre. Wenn starke körperliche oder psychische Beschwerden auftauchen und dauerhaft bleiben, kann medizinisch unterstützt werden. Etwa naturheilkundliche oder homöopathische Mittel helfen, mit den unangenehmen Nebenerscheinungen dieser Phase zurechtzukommen. Wenn die Beschwerden sehr störend sind, empfehlen Frauenärzte auch eine kurzzeitige Hormontherapie. Die Gabe von Hormonen wird inzwischen nicht mehr so kritisch gesehen wie vor 15 Jahren, als eine umfangreiche Studie (Women’s Health Initiative, WHI 2002) in den USA zu dem Schluss kam, dass eine generelle Hormontherapie (wie bis dahin gern propagiert) das Risiko für Thrombose, Lungenembolie, Brustkrebs und Herzinfarkt steigere.

Neuere vergleichende Untersuchungen (Cochrane, 2013) kommen zu dem Ergebnis, dass Hormongaben nur zur Therapie menopausaler Beschwerden, in möglichst niedriger Dosis und nur über einen kurzen Zeitraum gegeben werden sollen. Bei Patientinnen mit kardiovaskulären Risikofaktoren sei zudem Vorsicht geboten, empfehlen die Autoren.

 

Bei allem Für und Wider sollte man sich als Frau – sofern man unter starken Beschwerden leidet – gründlich informieren, medizinisch beraten und aufklären lassen über die persönliche Risikosituation. Hilfreich ist auch der Austausch mit Frauen, die dieselbe bzw. ähnlich Erfahrung gemacht haben. Wie im Kulturvergleich gesehen, spielt auch die innere Einstellung eine wesentliche Rolle, wie man mit Wechseljahren umgehen kann. Sieht man diese Zeit weitestgehend als Zugewinn und nicht als Verlust, beginnt auch der Körper anders darauf zu reagieren. Denn schließlich sind die Wechseljahre keine Krankheit, sondern einfach eine neue, wenn nicht sogar spannende und bereichernde Lebensphase.

Wollen Sie mehr erfahren oder einen medizinischen Facharzt zu Rate ziehen? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide. Hier finden Sie Ärzte, die sich auf Wechseljahresbeschwerden spezialisiert haben und Ihnen gerne (auch für eine Zweitmeinung) mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

 

 

Bildquelle: © Kzenon; © mariesacha; © Paolese; © Kanea – fotolia.com
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