„Warum wird diese Methode nicht überall angewendet?“ Wirbelexperte Dr. Schubert erklärt

Wirbelsäulenerkrankungen sind in unserer Gesellschaft so weit verbreitet, dass man schon von einer Volkskrankheit sprechen kann. In einigen Fällen lässt sich eine Operation nicht vermeiden, um das ursprüngliche Wohlbefinden wieder herzustellen. Patienten wünschen sich dabei ein möglichst schonendes Operationsverfahren. Eine der fortschrittlichsten Methoden ist dabei die endoskopische Operationstechnik. Das technisch anspruchsvolle Verfahren wird von verschiedenen Experten in Deutschland angeboten. Weltweit führend in der endoskopischen Wirbelsäulenchirurgie ist Dr. Michael Schubert, Leiter des Apex Spine Centers in München. Dr. Schubert bildet Ärzte aus der ganzen Welt in dieser neuen Operationsmethode aus. 

Wir haben ihn zu den Vorteilen seiner Methode befragt:

Die endoskopische Operationstechnik wird in den Medien als die aktuell schonendste Bandscheiben-Operation bezeichnet. Warum ist diese Technik gegenüber den Standard-Operationsverfahren überlegen?

Dr. Schubert: Diese Technik hat eine Reihe von Vorteilen. Sie wird zum Beispiel nicht in Vollnarkose durchgeführt. Es gibt nur einen kleinen Einschnitt (Stichinzision) von maximal fünf bis sechs Millimeter Größe. Dabei werden weder Muskeln noch anderes Weichteilgewebe durchschnitten. Genauso wenig werden Knochen verletzt. Dadurch kommt es kaum zu Blutungen oder Vernarbungen. Es handelt sich bei dieser Methode also um einen minimal-invasiven Eingriff. Mit dem Endoskop gelangt der Chirurg direkt an die Stelle, die er operieren will. Falls der Eingriff später nochmals wiederholt werden muss, kann an der gleichen Stelle problemlos wieder operiert werden, da sich kaum bis kein Narbengewebe gebildet hat. Der Patient erholt sich mit dieser Methode deutlich schneller. Die gesamte Operation dauert nur 30 bis 45 Minuten. Außerdem kann ich dieses Verfahren im Prinzip auch ambulant anbieten. Am Tag nach der Operation gibt es noch eine Kontrolluntersuchung, und dann kann der Patient wieder nach Hause. 

Bei welchen Leiden kann diese Technik zur Anwendung kommen?

Dr. Schubert: Im Prinzip bei allen Arten von Bandscheibenvorfällen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule und zwar unabhängig von Größe und Lage des Vorfalls. Im Brustwirbelbereich kann jedoch nur bis zur Höhe des Wirbels Th5/Th6 mit dieser Technik operiert werden. Die Wirbel darüber sind wegen des Schulterblatts mit der endoskopischen Operationstechnik schlecht zu erreichen. Die Technik eignet sich ebenfalls hervorragend bei der Behandlung von spinalen Stenosen im Bereich der Nervenaustrittsöffnungen. Bei diesem Krankheitsbild ist das Nervenaustrittsloch, durch den der Nerv verläuft, verengt. Dadurch entsteht ein Druck auf die Nerven und Blutgefäße. Das kann zu starken Schmerzen und dauerhaften Schädigungen der Nerven führen. In diesem Fall kann eine Druckentlastung schnell durch den Einsatz der endoskopischen Operation herbeigeführt werden.

„Bei meinen über 9.000 endoskopischen Eingriffen habe ich bisher nie einen Schaden an den Nervenwurzeln gehabt.“ – Dr. Schubert

Wie läuft eine endoskopische Operation an der Wirbelsäule in der Praxis ab? Wie erlebt ein Patient diesen Eingriff?

Dr. Schubert: Der Patient erhält ähnlich wie bei einer Magen- oder Darmspiegelung nur eine leichte Narkose. Er befindet sich während der Operation in der Seitenlage und bekommt von dem Eingriff nichts mit. Er kann sich nach der Operation auch an nichts mehr erinnern. Trotzdem ist er während des Eingriffs ansprechbar. Durch einen kleinen Einstich wird unter der Kontrolle durch ein Röntgengerät eine dünne Sonde in den Bereich der Wirbelsäule geschoben, an der sich der Bandscheibenvorfall befindet. Über diese Sonde können nun kleine Operationsinstrumente direkt bis zum Vorfall geschoben werden. Dadurch kann nun eine millimetergenaue Entfernung des betroffenen Gewebes erfolgen. Bei meinen über 9.000 endoskopischen Eingriffen habe ich bisher nie einen Schaden an den Nervenwurzeln gehabt. 

„Der Chirurg sollte unter anderem über ein wirklich sehr gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen verfügen“

Welche Herausforderung kommt bei der endoskopischen Operations-Technik auf den Chirurgen zu? Oder ist diese Methode einfacher durchzuführen, als die klassische OP?

Dr. Schubert: Der Chirurg sollte über ein wirklich sehr gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen verfügen und in der klassischen Wirbelsäulenchirurgie ausgebildet sein. Um die Technik zu beherrschen, ist eine längere intensive Ausbildung notwendig. 

Und warum wird diese Methode nicht flächendeckend im deutschsprachigen Raum angeboten?

Dr. Schubert: Das ist im Prinzip ganz einfach zu beantworten. Das Verfahren ist kostenaufwändiger als die klassischen Methoden. Die Anschaffung lohnt sich daher vermutlich nur für Einrichtungen die jährlich sehr viele Operationen dieser Art durchführen können. 

 

Herr Doktor Schubert, wir danken Ihnen für dieses Interview! 

 

 


Weitere Informationen zu Doktor Schubert und sein Apex Spine CENTER finden sie hier. Haben Sie eine Frage an ihn oder suchen noch nach einer ärztlichen Zweitmeinung? Dann wenden Sie sich noch heute an ihn. Er berät Sie gerne.

 

Bildquelle: © Iryna; © daria_serdtseva; © steph photographics; © Africa Studio – fotolia.com

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