Beinachsenkorrektur (Umstellungsosteotomie) - Informationen & Spezialisten

Die Beinachsenkorrektur wird auch als Umstellungsosteotomie bezeichnet. Es handelt sich um einen operativen Eingriff, der die Notwendigkeit einer Kniegelenkprothese verhindern bzw. hinauszögern soll. Nach aktueller Studienlage kann die Implantation eines Gelenkersatzes durch eine Korrektur der Beinachse bei Vorliegen einer signifikanten Fehlstellung 10 Jahre hinausgeschoben werden.

Liegt eine Fehlstellung der Beinachse vor, wird das Kniegelenk lokal überbeansprucht. Dies kann zu frühzeitigen Knorpelschäden und schlussendlich zu Arthrose führen. Bei einer Korrektur der Fehlstellung achtet der Arzt auf eine korrekte Stellung der Beinachse. Patienten können die Klinik ca. fünf Tage nach der Operation wieder verlassen.

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Beinachsenkorrektur (Umstellungsosteotomie) - Weitere Informationen

Wann wird eine Beinachsenkorrektur durchgeführt?

Die am häufigsten vorkommende Fehlstellung der Beinachse ist das sogenannte O-Bein. O-Beine sind für gewöhnlich einer Fehlstellung des Schienbeins geschuldet. Bei dieser Komplikation verschleißt der Knorpel an der Innenseite des Kniegelenks. Außerdem kann es auch zu Verschleißerscheinungen am Innenmeniskus kommen. Patienten mit O-Beinen verspüren in der Regel Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks. Beim X-Bein hingegen ist der äußere Gelenkbereich überlastet.

Eine Fehlstellung der Beinachse macht Betroffenen in der Regel erst im Erwachsenenalter zu schaffen. Der Arzt zieht eine Beinachsenkorrektur dann in Erwägung, wenn sich die Schmerzen trotz konservativer Therapie nicht verringern. Die konservative Therapie beinhaltet vor allem gelenkschonenden Sport (v.a. Fahrradfahren, Schwimmen), Krankengymnastik, ggf. Schuheinlagen oder achsenmodulierende Orthesen. Diese führen idealerweise zu einer teilweisen Entlastung des inneren oder äußeren Teils des Kniegelenkes und können so die Wirkung einer Korrekturosteotomie simulieren (Bracetest). Sie werden allerdings meist nur zeitlich begrenzt vertragen, da der Tragkomfort stellenweise beschränkt ist.

Patienten bis zu einem Alter von ca. 60 Jahren, deren Beinachse eine hohe Abweichung aufweist, profitieren besonders von einer Beinachsenkorrektur. Neben dem O- und X-Bein gibt es weitere Fehlstellungen der Knochen im Ober- und Unterschenkel (sogenannte Torsionsfehlstellungen), die auf Dauer zu Schmerzen und Abnutzung des Gelenkknorpels führen können. Bei der anfänglichen Untersuchung ermittelt der Arzt die Art sowie den Grad der Fehlstellung, um die beste OP-Methode zu wählen. Hier spielt die Ganzbein-Aufnahme (genormte Röntgenaufnahme des gesamten Beins) eine entscheidende Rolle.

Welche Methoden bzw. OP-Verfahren kommen bei der Beinachsenkorrektur zum Einsatz?

Bei der Beinachsenkorrektur wird der Knochen durchtrennt und anschließend in der korrigierten Stellung meist mit einer Platte verbunden, damit er wieder zusammenwachsen kann. Welche Methode zum Einsatz kommt und an welcher Stelle der Arzt den Knochen durchtrennt, hängt von der Art der Fehlstellung ab.

Bei O-Beinen besteht die Fehlstellung in der Regel im Schienbein. Der Arzt durchtrennt den Knochen ungefähr 4 cm unterhalb des Schienbeinkopfes und spreizt ihn abhängig von einer computergestützten Planung einige Millimeter weit auf. Nach dieser Korrektur wird der Knochen mit einer Titanplatte und -schrauben fixiert.

Bei X-Beinen ist das Verfahren ähnlich. Allerdings muss der Arzt den Knochen hier nicht aufspreizen, sondern einen Knochenkeil entfernen. Bei der Korrektur von X-Beinen dauert die Rehabilitation normalerweise etwas länger.

Es kann auch vorkommen, dass eine Fehlstellung im Oberschenkelknochen vorliegt. Ob dies der Fall ist, lässt sich mittels Röntgenbildern (Ganzbeinaufnahme) in Erfahrung bringen. Bei einer Fehlstellung des Oberschenkelknochens erfolgt die Operation an der entsprechenden Stelle. Bei kombinierten Abweichungen kann die kombinierte Korrektur des Oberschenkel- und des Unterschenkelknochens notwendig sein.

Wie ist die Nachsorge nach einer Beinachsenkorrektur gestaltet?

Nach rund drei bis fünf Tagen kann der Patient die Klinik wieder verlassen. Im Regelfall nutzt der Patient beim Gehen sechs Wochen lang Unterarmgehstützen. Während der gesamten Zeit hilft Physiotherapie beim Erhalt der Beweglichkeit.

Die Dauer der Rehabilitation variiert von Patient zu Patient. Sie ist von individuellen Faktoren abhängig, zu denen unter anderem der Korrekturwinkel gehört. Im Regelfall können Patienten spätestens sechs Wochen nach der Operation wieder kürzere Strecken ohne Gehstützen zurücklegen. Um Ihre volle Mobilität zurückzuerlangen, sollten Sie sich ca. drei Monate lang physiotherapeutisch behandeln lassen.

Der Arzt entfernt die Titanplatten rund 12 bis 18 Monate nach der Operation. Unter Umständen führt der Chirurg dann auch eine Arthroskopie durch, um den Knorpel zu untersuchen und, wenn nötig, ungenügend geheilte Knorpelstellen zu behandeln und anzufrischen. Nach dem Entfernen der Metallplatte ist nur ggf. eine Entlastung erforderlich.

Die Umstellungen im Knochen heilen schneller als der Knorpel. Während der Heilungszeit sollte der Patient regelmäßig zur Kontrolle beim Arzt erscheinen. Mit der Zeit erreicht das Bein erneut seine volle Belastbarkeit. Wer einen Beruf ausübt, der einem körperlich nur wenig abverlangt, darf bald nach der Operation wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Bei körperlich belastenden Berufen muss sich der Patient rund 12 Wochen lang gedulden.

Komplikationen, Risiken, Prognose

Wie bei jeder Operation besteht auch bei der Beinachsenkorrektur die Gefahr, dass sich eine Infektion oder eine Thrombose entwickeln. Sehr selten kann es zu einer Schädigung von Gefäßen und Nerven kommen.

Darüber hinaus besteht das Risiko für eine Fehlverheilung des Knochens. Falls sich im Osteotomiespalt nicht genügend Knochen bildet, nennt sich ein solcher Zustand Pseudoarthrose.

Für starke Raucher oder deutlich übergewichtige Patienten ist eine Beinachsenkorrektur in der Regel weniger empfehlenswert. Allgemein lässt sich sagen, dass der Eingriff als sehr sicher gilt und Komplikationen in der Regel gänzlich ausbleiben.

Die Prognosen nach der Umstellungsosteotomie sind sehr gut. Nach zehn Jahren sind die Langzeitergebnisse mehr als zufriedenstellend. Langfristig gesehen kann ein Gelenkersatz meist nicht verhindert werden. In den meisten Fällen lässt er sich jedoch durchschnittlich um 10 Jahre hinauszögern. Statistiken zufolge benötigt rund ein Drittel der Patienten innerhalb von zehn Jahren nach der Operation eine Gelenkprothese.

Quellen

https://www.orthopaedie-linz.com/downloads/HTO.pdf
https://www.hessing-kliniken.de/orthopaedische-fachkliniken/sportorthopaedie-arthroskopische-chirurgie-und-schulterchirurgie/beinachsenfehlstellung/
https://www.chirurgie-orthopaedie.de/operation/umstellungsoperationen/index_ger.html
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