Prof. Minovi: Mit Shaver und Navigationssystem gegen chronische Sinusitis

24.02.2022
Claudia Dechamps
Redakteurin

Als Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Plastische Gesichtschirurg hat sich Professor Dr. med. Amir Minovi auf plastische und rekonstruktive Kopf-Hals-Chirurgie spezialisiert. Am St. Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Hohenlind leitet Prof. Minovi seit 2017 die Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische Operationen. Schon über zehn Jahre hatte er sich zuvor mit hochklassigen Behandlungen im breiten HNO-Spektrum einen Namen gemacht – beispielsweise mit seiner Expertise bei Sinusitis, also der Nasennebenhöhlenentzündung. Überregional bekannt ist er auch für seine innovativen mikrochirurgischen Eingriffe in der Mittelohrchirurgie und bei implantierbaren Hörgeräten. Der Leading Medicine Guide sprach mit dem empathischen Experten über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Sinusitis.

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Leading Medicine Guide: Ist die Sinusitis, gerade die chronische Sinusitis, eine Erkrankung, die die Betroffenen in ihrer Lebensqualität sehr beeinträchtigt?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Es ist vielleicht nicht so bekannt, aber die Sinusitis betrifft in Deutschland pro Jahr jeden zehnten Einwohner. Patientinnen und Patienten, die unter dieser dauerhaften Entzündung der Nasennebenhöhlen leiden, fühlen sich in ihrem Alltag und Arbeitsleben sehr eingeschränkt. In einer Studie hat man sogar festgestellt, dass eine chronische Sinusitis so beeinträchtigend wirkt, dass sie Symptome einer mittelschweren oder schweren Depression provoziert.

Leading Medicine Guide: Wann sprechen Mediziner von einer chronischen Sinusitis im Gegensatz zur akuten Sinusitis?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Die akute Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Sie ist gekennzeichnet durch eine verstopfte Nase mit Nasenlaufen und Kopfschmerzen und manchmal Fieber. Sie wird in der Regel ambulant behandelt. Zum Einsatz kommen je nach Schweregrad Antibiotika, abschwellende Nasentropfen und Cortisonspray. Geht sie in ein chronisches Stadium über – und davon sprechen wir, wenn die Beschwerden langer als zwölf Wochen anhalten –, dann sollte man sich an einen Spezialisten wenden. Die Nasennebenhöhlen sind Hohlkammern im Gesichtsschädel, sie bestehen aus den Stirnhöhlen, den Kiefer- und den Keilbeinhöhlen und den sogenannten Siebbeinzellen. Die Nebenhöhlen dienen dazu, die Atemluft anzufeuchten, zu filtern und vorzuwärmen. Dazu sind sie mit einer speziellen Schleimhaut ausgekleidet und mit Flimmerhärchen versehen, die Schmutzpartikel und Schleim transportieren können. Wenn die Schleimhäute zu stark anschwellen oder dauerhaft geschwollen sind, werden die Nebenhöhlen nicht mehr gut belüftet.

Leading Medicine Guide: Was kann die Ursache dafür sein?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Eine chronische Sinusitis kann verschiedene Ursachen haben: anatomische Varianten wie eine verbogene Nasenscheidewand, verengte Nebenhöhleneingänge, in denen sich Sekret staut, oder Nasenpolypen.

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Leading Medicine Guide: Wie untersuchen Sie? Welche Geräte kommen zum Einsatz?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Es gibt die konservative Untersuchungsmethode mit der Lampe oder ich setze ein endoskopisches Gerät ein. Bei bildgebenden Verfahren wie dem CT kann man genau sehen, wie viel Schleimhaut betroffen ist, eine Durchflussmessung gibt weiteren Aufschluss.

Leading Medicine Guide: Wie sieht die Behandlung aus?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Zunächst beginnen wir mit der konservativen Behandlung: salzhaltige Spülungen, cortisonhaltige Nasensprays, pflanzliche Mittel. Damit erzielen wir unterschiedliche Erfolge. Je nach Leidensdruck und Alter empfehlen wir eine Operation. Gerade jüngere Menschen sind nicht bereit, so lange mit den Beeinträchtigungen durch eine chronische Sinusitis zu leben. Wenn die Sinusitis nicht nur durch Polypen verursacht wurde, sondern auch mit einer Fehlstellung der Nasenscheidewand zusammenhängt, wird alles in einer Operation korrigiert.

Leading Medicine Guide: Können Sie uns das Operationsverfahren etwas näher beschreiben?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Seit Jahrzehnten operieren wir mit Endoskopen, alles minimal-invasiv durch die Nasenlöcher ohne Schnittführung von außen. Es geht im Prinzip darum, die Drainagewege in den Nebenhöhlen wieder zu öffnen. Das geschieht einmal über das Abtragen von verdickter Schleimhaut und von Polypen. Es kann aber auch wesentlich anspruchsvoller sein, indem wir anatomische Varianten korrigieren oder sogar Verknöcherungen wegschleifen. Die gesunde Schleimhaut wird nicht angetastet, das würde nur zu Narbenbildung führen. Für die Polypen und die veränderten Schleimhautteile gibt es ein neues Verfahren, den sogenannten Shaver, mit dem sich die Schleimhaut präzise abtragen lässt. In neueren Studien wurde die entzündete Schleimhaut sehr radikal entfernt, mit dem Effekt, dass sich die Rückbildungstendenz von Polypen verringerte. Hier verfolgen wir den Stand der Wissenschaft aufmerksam und richten danach unsere Behandlungsstrategien aus.

Leading Medicine Guide: Was gibt es noch Neues in Ihrem Fachgebiet?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Ein neues Verfahren sind cortisonbeschichtete Implantate mit einer gitterartigen Struktur, die wir am Eingang der Stirnhöhle einsetzen. Mit diesen Gittern fallen die Wundreaktionen deutlich geringer aus. Das Gitter setzt über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Wochen schleimhautabschwellendes Cortison frei und löst sich dann langsam auf. Auch in der medikamentösen Behandlung hat es wichtige Neuentwicklungen gegeben. Da können wir sogenannte Biologika einsetzen, die direkt in das Immunsystem eingreifen, und mit denen wir beispielsweise bei der Typ-2-Inflammation der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen gute Erfolge erzielen. Immunzellen bilden verschiedene Botenstoffe, die eine wichtige Rolle bei chronischen Erkrankungen spielen. Eigentlich sind die Botenstoffe dazu da, Viren und Bakterien unschädlich zu machen. Wenn die Produktion aber überschießt, gewissermaßen aus dem Ruder läuft, dann wirken die Botenstoffe gewebeschädigend. Hier können die Biologika ansetzen und die Entzündungskaskaden unterbrechen.

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Leading Medicine Guide: Das klingt sehr vielsprechend.

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Ja, aber leider muss ich die Hoffnungen gleich ein wenig dämpfen. Zwar lassen sich mit diesen Medikamenten Operationen vermeiden und eine Rückbildung der Polypen wird erreicht. Doch der Patient muss regelmäßig behandelt werden, und leider sind die Medikamente relativ teuer. Es kommen auch nicht alle Patienten mit ihrem Krankheitsbild für diese Behandlung infrage, wir fragen das nach einem bestimmten Kriterienkatalog individuell ab.

Leading Medicine Guide: An Ihrer Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am St. Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Hohenlind orientieren Sie und Ihr Team sich nicht nur an den neuesten wissenschaftlichen Standards, Sie setzen auch die modernsten Instrumente ein – natürlich auch bei Sinusitis.

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Den speziellen Shaver für die Schleimhäute der Nebenhöhlen habe ich bereits erwähnt. Wir verfügen auch über gute Instrumente, um Papillome in den Kiefernhöhlen zu entfernen. Das sind gutartige Tumore, die wir so herausnehmen können, dass sie nicht wiederkommen und – da ist es besonders wichtig, dass die Strukturen in der Nase erhalten werden können. Im Operationssaal nutzen wir ein modernes Navigationssystem, das uns gerade bei komplexen anatomischen Strukturen eine wertvolle Hilfe ist. Oft haben wir mehrfach operierte Patientinnen und Patienten oder auch welche mit anatomischen Problemen der Stirnhöhle in der Behandlung. Über das Navigationssystem können wir uns da genauestens orientieren. Schon vor dem Eingriff berechnen wir die anatomische Situation hochpräzise. Während der Operation liefert das System punktgenaue Positionsdaten und warnt bei geringsten Abweichungen vom Operationspfad, was bei unserem sensiblen Operationsgebiet Kopf sehr wichtig ist. Daneben verfügen wir natürlich noch über hocheffiziente Bohrsysteme. Aber unser chirurgisches Instrumentarium ausführlich zu beschreiben, führt vielleicht für den Laien etwas zu weit. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir in der Diagnostik und Therapie alle technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, nutzen.

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Leading Medicine Guide: Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, wie geht es nach der OP weiter?

Prof. Dr. med. Amir Minovi: Nach der Operation bleiben die Patienten ein paar Tage auf der Station, anschließend werden sie ambulant von uns weiter betreut. Etwa drei Wochen körperliche Schonung sind wichtig, sechs Wochen muss die Nase vorsichtig behandelt werden, Schneuzen beispielsweise ist nicht erlaubt. Auch bei der Nachbehandlung ist die Medizin nicht stehengeblieben, wir setzen heute selbstauflösende, relativ kleine Tamponaden ein, dann muss nichts mehr entfernt werden, nur Reste muss man möglicherweise absaugen.

Herr Professor Minovi, wir danken Ihnen sehr für die aufschlussreichen Informationen, die sicher für viele von uns außerordentlich nützlich sind.

Direkten Kontakt mit dem ausgewiesenen Spezialisten, der als Experte für Sinusitis auch mit dem Focus-Siegel ausgezeichnet wurde, kann man über die Profilseite des Leading Medicine Guide aufnehmen.

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