Dr. med. Wolfram Wenz: „Die Füße sind die Basis für Bewegung!“

07.03.2022
Claudia Dechamps
Redakteurin

Als ausgewiesener Spezialist für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie hat sich Dr. med. Wolfram Wenz in den Jahrzehnten seiner Arbeit einen internationalen Ruf erarbeitet – vor allem bei allen Arten von Verletzungen, Erkrankungen und Deformitäten des Fußes. Mit seiner 2020 gegründeten, hochmodern ausgestatteten Spezialklinik Experts First bietet der Facharzt der Orthopädie in Heidelberg ein exzellentes Diagnose- und Therapiespektrum, von dem Menschen aus der ganzen Welt profitieren – auch zahlreiche Kinder. Es gibt weltweit wohl kaum einen Arzt, der gerade bei schwierigen und komplexen Deformitäten über mehr Erfahrung und Expertise verfügt als Dr. Wenz.  Dank seines Fachwissens, seiner umfangreichen Erfahrung und seiner Spezialisierung wird er auch oft aufgesucht, wenn Fälle hoffnungslos erscheinen oder Operationen nicht erfolgreich verlaufen sind. Dem Leading Medicine Guide gewährte er Einblicke in sein umfangreiches Fachwissen.

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Leading Medicine Guide: Herr Dr. Wenz, lassen Sie uns mit einer Frage beginnen, auf die Sie wahrscheinlich zwei Antworten geben werden: Finden Sie High Heels schön?

Dr. med. Wolfram Wenz: Für mich als Orthopäden gibt es da eigentlich nur eine Antwort. Klar, zu bestimmten Outfits passen nur High Heels und da gefallen sie mir auch aus optischen Gründen. Aber bitte nur einmal alle zwei Wochen, auf keinen Fall tagein tagaus. Das ist einfach enorm schlecht für die Füße. Denn je höher der Absatz, desto größer die Belastung für die Fußgelenke, speziell im Vorfußbereich. Die Schädigungen machen sich nicht sofort bemerkbar, das kommt dann erst mit den Jahren. Deshalb lautet meine ernste Empfehlung – und nicht nur an die Damenwelt –, bequeme und flache Schuhe zu tragen.

Leading Medicine Guide: Eigentlich gibt es kaum jemanden, gerade im fortgeschrittenen Alter, der nicht über Probleme mit den Füßen klagt, oder?

Dr. med. Wolfram Wenz: Das ist ein Problem unserer Zivilisation. Wir laufen zu wenig barfuß und tragen zwar modische, aber oft zu enge Schuhe. Das nehmen die Füße übel, sie verändern sich. Unser Fuß ist eine hochkomplexe Einheit von 33 Gelenken und über hundert Sehnen, Bändern und Kapseln. In der normalen Schuhmode wird dieses Zusammenspiel zu wenig trainiert.

Leading Medicine Guide: Sie sind ein international anerkannter Spezialist für besondere Fußprobleme. Vor einigen Jahren erhielten Sie in einer Fernsehdokumentation den Spitznamen Dr. Foot. In all den Jahren als Spezialist für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie sowie Kinderorthopädie haben Sie sicher Fälle gesehen, von den andere nicht träumen – sondern eher Alpträume kriegen.

Dr. med. Wolfram Wenz: In der Tat, ich habe wirklich schon die unglaublichsten medizinischen Fälle behandeln können. Ich wage zu behaupten, dass ich das ganze Spektrum an Veränderungen und Fehlbildungen der Füße gesehen habe, das auf der Welt vorkommt. Und gerade das ist das Wunderschöne an meinen Beruf, ich habe diesen betroffenen Menschen helfen können. Das Ergebnis meiner Arbeit ist sichtbar, das ist großartig. Ein Chirurg für Innere Medizin erlebt das nicht so unmittelbar. Jeder kann sehen, wie der Patient sich wieder schmerzfrei bewegen kann, laufen kann. Gehen zu können, das ist Lebensqualität. Die Füße sind die Basis für Bewegung. Und wenn ich das wieder möglich machen kann, das ist schon etwas sehr Schönes.

Leading Medicine Guide: Dabei behandeln Sie nicht nur Erwachsene. Aus der ganzen Welt bringen Eltern ihre Kinder zu Ihnen wegen Ihres Fachwissens.

Dr. med. Wolfram Wenz: Oft sind es noch Säuglinge, die mit besonderen orthopädischen Problemen in meine Behandlung gegeben werden. Und wenn ich sie dann als junge Erwachsene wieder erlebe, das bewegt mich schon. Zu sehen, dass ich habe helfen können. Das ist schön.

Leading Medicine Guide: Was war Ihr vielleicht spektakulärster Fall?

Dr. med. Wolfram Wenz: Oh, da könnte ich aus den vielen Jahrzehnten Praxiserfahrung viele Fälle aufzählen. Ein Fall, der auch durch die Doku „Die Knochendocs“ festgehalten wurde, ist das Mädchen Veronika. Sie litt an einem sehr seltenen Defekt, dem Proteus-Syndrom, einem Riesenwuchs der Füße. Ich habe sie mehrmals operiert im Laufe der Jahre, zum Schluss konnte sie normale Sportschuhe tragen – das war ihr Ziel und eine hohe Messlatte für mich. Aber wir haben es geschafft. Veronika war ein tolles Mädchen, intelligent, stark, mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Sie hat dann begonnen, Jura zu studieren, gehörte zu den Besten ihres Jahrgangs. Die Geschichte ist tragisch, denn sie ist an den Komplikationen nach einer Schönheitsoperation gestorben. Ich habe sie so oft operieren müssen, es ist nie etwas passiert. Und dann so etwas. Das macht mich richtig traurig.

Leading Medicine Guide: Wenn Sie so komplizierte Fälle haben, wissen Sie dann immer, wie Sie technisch vorgehen müssen?

Dr. med. Wolfram Wenz: Ich habe während meiner Zeit an der Uniklinik Heidelberg in siebzehn Jahren sicher 450 Operationen pro Jahr durchgeführt. Dabei lernt man den Fuß medizinisch wirklich bis ins kleinste Detail kennen und man lernt, was wie funktioniert und was man braucht zum Gehen und was nicht. Unsere Füße sind hohen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt. Wir haben Stand- und Schwungphasen, also müssen die Füße gleichzeitig sehr beweglich und sehr stabil sein. Und erstaunlicherweise brauchen wir für einen guten Bewegungsablauf die mittleren Zehen gar nicht.

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Leading Medicine Guide: Haben Sie sich mit Ihrer Klinik Experts first in Heidelberg einen Traum erfüllt? Endlich die Art von Medizin machen zu können, die Sie machen wollen?

Dr. med. Wolfram Wenz: Ja, das kann so sagen. Es gilt in mehrerlei Hinsicht. Zuerst einmal muss die Verpackung stimmen: Bei uns soll man sich wohlfühlen, es sieht nicht aus wie eine normale Arztpraxis. Die Beleuchtung, das Lampenkonzept muss stimmen, der Geruch muss gut sein. Bei uns riecht es nicht nach Medizin, sondern nach Red Berry. Die Geräusche müssen angenehm sein. Dann muss der Inhalt stimmen. Ich bringe eine fast jahrzehntelange Erfahrung als orthopädischer Chirurg des Fußes und Sprunggelenks ein und mein Praxis-Partner Professor Dr. Michael Akbar seine Expertise in der Wirbelsäulen- und Skoliosechirurgie. So ergänzen wir uns gut, wir haben beide viel Erfahrung im High End Bereich, wir wissen, was wir können. Und als Drittes: Wir arbeiten mit der modernsten Diagnostik, bei uns kommen die neuesten Technologien zum Einsatz. Da halten wir uns immer auf dem Laufenden, schauen uns die modernsten Apparate an, prüfen sie und entscheiden dann, was wir in unserer Praxis einsetzen wollen.

Leading Medicine Guide: Experts first in Heidelberg wurde 2020, mitten in der Corona-Zeit eröffnet. Wie hat sich die Pandemie auf Ihren Praxisbetrieb ausgewirkt?

Dr. med. Wolfram Wenz: Zunächst einmal so, dass wir keine Einweihung feiern konnten. Das war schade. Dann hatten wir anfangs natürlich wenige Patientinnen und Patienten, die sich auch noch wegen des Abstandes aus dem Weg gehen mussten. Also haben wir den Patienten Stundenslots zugewiesen. Und ganz ehrlich – davon möchte ich jetzt gar nicht mehr abgehen. Wenn ich mir so viel Zeit für einen Patienten nehme, dann lerne ich ihn wirklich umfassend kennen und ich kann viel ganzheitlicher, verantwortlicher mit ihm umgehen. Das gefällt mir viel besser.

Leading Medicine Guide: Ihre Patienten sind Privatversicherte und Selbstzahler, nehmen Sie auch Kassenpatienten?

Dr. med. Wolfram Wenz: Ja, die Patienten kommen zu uns auf Selbstzahler-Basis – ein Trend, der übrigens stark zunimmt. Oder es sind Privatpatienten. Weil Prof. Akbar und ich aber keinen ausschließen möchten, haben wir auch ein Angebot für Kassenpatienten. Die können dann gegebenenfalls an einer Kassen-Klinik von uns operativ behandelt werden.

Leading Medicine Guide: Zu einem Volksleiden gewissermaßen entwickelt sich der Hallux valgus, der sogenannte Ballenzeh. Dabei schiebt sich der große Zeh nach innen, der Ballen wölbt sich vor und in der Regel ist das sehr schmerzhaft. Für Sie gehört ein Hallux sicher zu den weniger herausfordernden Erkrankungen – trotzdem, wie behandeln Sie den Hallux?

Dr. med. Wolfram Wenz: Der Hallux ist auch so eine Zivilisationskrankheit und ich habe es ja anfangs schon gesagt, enge und zu kleine Schuhe richten Schaden an. Beim Hallux konzentrieren sich viele Mediziner meines Fachgebietes nur auf den großen Zeh. Dabei liegt die Instabilität im ersten Mittelfußknochen. Ich habe mal auf einem Kongress einen Orthopäden erlebt, der hat auf das Bild des schiefen Zehs den Turm von Pisa kopiert. Das fand ich sehr eindrücklich, denn bei dem schiefen Turm würde man ja auch nicht hingehen und oben was abschneiden, um ihn zu begradigen. Ich wende bei meinen Patienten die Lapidus-Arthrodese an, dabei wird das Gelenk in drei Dimensionen korrigiert und fixiert. Ich rede ungern von Versteifen – das schreckt die Patienten immer so ab. Fusion – habe ich die Erfahrung gemacht – klingt besser. Wenn ich den Patienten Videos zeige, was alles an Bewegung mit einem „versteiften“ Gelenk wieder möglich ist, bekommen sie einen anderen Blick darauf. Mit der Lapidus-Arthrodese erreiche ich eine langfristige und nachhaltige Zufriedenheit bei den Patienten.

Herr Dr. Wenz, wir danken recht herzlich für das interessante Gespräch über ein Thema, das für uns alle von großer Wichtigkeit ist. Direkten Kontakt mit dem Spezialisten kann man über seine Profilseite des Leading Medicine Guide aufnehmen.

 

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