Prof. Dr. Peter Vajkoczy im Gespräch: Neurochirurgie an der größten Klinik Europas

18.10.2022
Matthias Kühn
Redakteur

Er zählt zu den bekanntesten Neurochirurgen der Welt – und er leitet eine der größten Kliniken ihrer Art in Europa: Professor Dr. Peter Vajkoczy gilt als absolute Koryphäe bei Operationen am Gehirn. Als 2020 sein Bestseller „Kopfarbeit“ erschien, schrieb der Verlag Droemer Knaur: „Bis zu hundert Patienten aus aller Welt betreut er auf seinen drei Stationen und führt mit seinem Team bis zu fünf, sechs Operationen pro Tag durch – meist geht es um Schlaganfälle, Gehirntumore, Bypässe und Störungen an der Wirbelsäule.“ Dem Leading Medicine Guide gab der renommierte Direktor der Klinik für Neurochirurgie mit Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie (CVK) Einblicke in eine faszinierende und äußerst komplexe Welt.

Prof. Vajkoczy

Die Charité Universitätsmedizin zählt zu den ältesten Krankenhäusern und den größten Arbeitgebern Berlins. Mit 3.099 Betten und einem Stab von 17.615 Beschäftigten (Zahlen von 2021) ist die Charité gar die größte medizinische Einrichtung Europas. International angesehen ist vor allem die dortige Klinik für Neurochirurgie, wo komplexe Erkrankungen des Nervensystems herausragend behandelt werden – zerebrovaskuläre Erkrankungen, Hirn- und Schädelbasistumore, aber auch Erkrankungen der Wirbelsäule, des Liquorsystems, des Rückenmarks und der peripheren Nerven. Auch funktionelle Neurochirurgie und Schmerztherapie werden ebenfalls an der neurochirurgischen Klinik der Charité abgedeckt. Jährlich kann die Kljnik auf stolze fünftausend Operationen zurückschauen. Klinikdirektor Prof. Dr. Peter Vajkoczy hat sich dabei vor allem mit kopmplexen Operationen einen Namen gemacht. Ehemals aus München, kam er mit akademischen Zwischenstationen in Mannheim und Heidelberg nach Berlin.

Leading Medicine Guide: Herr Professor Vajkoczy, welche Behandlungen führen Sie am häufigsten durch? Worauf haben Sie sich also insbesondere spezialisiert?

Prof. Dr. Peter Vajkoczy: Ich führe ungefähr fünfzig Prozent der Eingriffe am Gehirn und die andere Hälfte der Eingriffe an der Wirbelsäule durch. Das sind bei mir insgesamt etwa 800 Operationen pro Jahr. Im Bereich des Gehirns fassen wir komplexe mikrochirurgische Operationen wie gefäßchirurgische Eingriffe, also Aneurysmen, Angiome, Bypässe,und  Tumoroperationen wie Gliome und Schädelbasistumore zusammen. Im Bereich der Wirbelsäule zählen die Behandlungen von Dekompressionen, Stabilisierungen und Korrekturen der Wirbelsäule bei degenerativen Erkrankungen, Entzündungen und Tumorerkrankungen dazu.

Leading Medicine Guide: Von welchen Faktoren hängt der Erfolg eines Eingriffes aus Ihrer Sicht ab?

Prof. Dr. Peter Vajkoczy:
Der Erfolg dieser Eingriffe hängt von einer großen Fallzahl, der tiefen Erfahrung mit diesen teils seltenen Fällen und einer herausragenden interdisziplinären Infrastruktur ab – all das bietet die Charité im besonderen Maße.

Leading Medicine Guide: Zu Ihren beruflichen Stationen gehört u. a. die LMU München, die Universitätsklinik Mannheim, die Heidelberger Uniklinik und schließlich die Charité in Berlin – die größte Klinik Europas. Was konnten Sie aus Ihren vergangenen, sehr wichtigen Stationen mitnehmen?

Prof. Dr. Peter Vajkoczy:
Aus dem Institut für Chirurgische Forschung der LMU München habe ich meine Ausbildung in hochrangiger wissenschaftlicher Arbeit mit Bezug zur chirurgischen klinischen Praxis erhalten. Ich habe dort beispielsweise gelernt, wie wichtig kontinuierliche wissenschaftliche Arbeit für die Weiterentwicklung unseres Faches ist, im Labor und am Patientenbett. Und ich habe die Vereinbarkeit von Forschung und Arbeit am OP-Tisch verstanden. In Mannheim und Heidelberg habe ich eine breite neurochirurgische klinische Ausbildung erhalten und hatte die Ehre, von herausragenden Vertretern unseres Fachs ausgebildet zu werden. Auch hatte ich hier die nötige Freiheit, mein theoretisches und praktisches Wissen weiter auszubauen.

Leading Medicine Guide: Und welche medizinischen Vorteile sehen Sie in der Charité?

Prof. Dr. Peter Vajkoczy:
Die Charité bietet den Vorteil einer sehr hohen Fallzahl, das bedeutet, hier ist es möglich, mit seltenen und oft komplexen Krankheitsbildern ein hohes Maß an Erfahrung und Expertise zu sammeln und das Feld weiterzuentwickeln. Die Größe der Charité ist gleichzeitig ihre Stärke. Auch zeichnet sich das Krankenhaus durch einen hohen akademischen Anspruch aus. Die Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Arbeit auf unserem Gebiet sind hier einmalig.

Leading Medicine Guide: Welche Schwerpunkte verfolgen Sie in der Neurochirurgischen Klinik der Charité, Herr Professor Vajkoczy?

Prof. Vajkoczy:
Mit seiner einmaligen Größe erlaubt die Charité mehrere Schwerpunkte als gewöhnlich zu setzen. Darunter fallen die Gefäßneurochirurgie, die Tumorneurochirurgie – also Gliome und Schädelbasis –, die Wirbelsäulenchirurgie, die Kinderneurochirurgie, die Behandlung von Bewegungsstörungen und die Epilepsiechirurgie.

Leading Medicine Guide: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Vajkoczy!

Die Charité kann übrigens auf eine über dreihundertjährige Geschichte zurückschauen: Um 1710 ließ Friedrich I., damals König in Preußen, inmitten der wütenden Epidemie vor den Toren Berlins ein Pesthaus errichten. Später wurde es als Hospiz für ältere Menschen genutzt, als „Arbeitshaus für Obdachlose“ und als Entbindungseinrichtung für Frauen, die unverheiratet schwanger geworden waren. Heute sind natürlich ganz andere Zeiten!


Über die Profilseite von Prof. Dr. Peter Vajkoszy im Leading Medicine Guide können Sie direkt Kontakt zu ihm  aufnehmen. Die Neurochirurgische Klinik befindet sich an gleich drei Charité-Campi: Am Campus Charité Mitte, dem Campus Virchow-Klinikum und dem Campus Benjamin Franklin. An allen drei Standorten finden Sie eine Neurochirurgische Hochschulambulanz. Bitte beachten Sie auch: Da die Klinik sehr viele Gebiete abdeckt und ein umfangreiches Therapieangebot umfasst, sind die Spezialsprechstunden nach Fachgebieten unterteilt.

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