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Behandlung · Pneumologie

Weaning | Spezialisten & Behandlungsinfos

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Behandlungsziel
Das Weaning soll die selbstständige Atmung ermöglichen und die Unterstützung durch das Beatmungsgerät so weit wie möglich verringern.
Ablauf
Nach vorbereitenden Untersuchungen wird die Spontanatmung erprobt; auch Sedierung, Muskelkraft und Mobilität werden berücksichtigt.
Dauer
Die Beatmungsentwöhnung kann einfach, schwierig oder prolongiert verlaufen; eine feste Dauer lässt sich nicht vorhersagen.
Kosten
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ein medizinisch notwendiges stationäres Weaning; für Erwachsene gelten meist die üblichen Krankenhauszuzahlungen.
Behandlungsteam
Die Beatmungsentwöhnung gehört zur Weiterbildung in der Pneumologie; zertifizierte Zentren beschäftigen außerdem qualifizierte Atmungstherapeutinnen oder Atmungstherapeuten.

Weaning ist die Entwöhnung von einer künstlichen Beatmung. Dabei wird geprüft, ob Patientinnen und Patienten wieder ausreichend selbstständig atmen können und wie viel Atemunterstützung sie noch benötigen.

Dauert die Entwöhnung länger oder scheitert ein erster Versuch auf der Intensivstation, kann die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum fortgesetzt werden.

Was ist Weaning und für wen kommt es infrage?

Der Begriff Weaning bezeichnet die schrittweise Entwöhnung vom Beatmungsgerät. Ziel ist es, die maschinelle Unterstützung zu reduzieren und zu prüfen, ob die eigene Atmung wieder ausreicht. Der Weaningprozess gehört zur intensivmedizinischen Versorgung beatmeter Patientinnen und Patienten.

Das Verfahren kommt infrage, sobald nach einer invasiven Beatmung ein Entwöhnungsversuch möglich erscheint. Auch bei geschwächter Atemmuskulatur können ein Spontanatmungsversuch und die Entfernung des Beatmungsschlauchs geprüft werden.

Nach dem zeitlichen Verlauf wird zwischen einfachem, schwierigem und prolongiertem Weaning unterschieden.

Bronchospasmus, Lungenentzündung und Mangelernährung wurden in einer Untersuchung als Faktoren für ein erschwertes Weaning beschrieben. Vorerkrankungen und Muskelschwäche fließen ebenfalls in die klinische Einschätzung ein.

Nach einem erfolglosen Versuch auf der Intensivstation kann die Behandlung fortgesetzt werden. Besonders bei prolongiertem Weaning kommt eine Verlegung in ein spezialisiertes Weaning-Zentrum infrage.

Welche Erfolgsaussichten hat die Beatmungsentwöhnung?

Die Erfolgsaussichten hängen von der Erkrankung, dem Zustand der Atemmuskulatur und dem bisherigen Verlauf ab. Ein gescheiterter erster Versuch schließt eine spätere Entwöhnung nicht aus. Weaning-Zentren behandeln insbesondere Menschen, bei denen die Trennung vom Gerät länger dauert.

In einer deutschen Registerauswertung gelang die Entwöhnung bei mehr als 60 Prozent der Menschen mit COPD, die in ein spezialisiertes Zentrum verlegt worden waren. Dieses Ergebnis erlaubt keine sichere Vorhersage für einzelne Patientinnen und Patienten.

Weaning
Weaning bezeichnet die Entwöhnung vom Beatmungsgerät Schritt für Schritt zurück zur selbständigen Atmung @ Jorge Ferreiro /AdobeStock

Auch eine Schwäche des Zwerchfells schließt einen Entwöhnungsversuch nicht grundsätzlich aus. Ärztinnen und Ärzte können prüfen, ob die Spontanatmung ausreicht und eine Extubation, also die Entfernung des Beatmungsschlauchs, möglich ist.

Wie wird das Weaning vorbereitet und durchgeführt?

Vor dem Entwöhnungsversuch wird untersucht, ob der Körper die zusätzliche Atemarbeit übernehmen kann. Beurteilt werden können die Funktion des Zwerchfells, die Belüftung der Lunge, die Herzfunktion und die allgemeine Muskelkraft.

Auch die Sedierung wird überprüft. In einer internationalen Beobachtungsstudie war eine stärkere Sedierung mit einem späteren Beginn des Weanings verbunden. Welche Anpassung möglich ist, beurteilen Ärztinnen und Ärzte anhand der jeweiligen Behandlungssituation.

Zu den möglichen Bestandteilen des Weaningprozesses gehören:

  • Atmung, Herzfunktion und Muskelkraft können beurteilt werden.
  • Die Sedierung wird vor Entwöhnungsversuchen überprüft.
  • Bei einem Spontanatmungsversuch übernimmt die Patientin oder der Patient mehr Atemarbeit.
  • Das Behandlungsteam beurteilt, ob die selbstständige Atmung stabil genug ist.
  • Auch die Entfernung des Beatmungsschlauchs kann geprüft werden.

Begleitend empfiehlt die Leitlinie für kritisch Erkrankte eine schrittweise Mobilisierung bis zur individuell höchstmöglichen Stufe. Eine feste tägliche Dauer gibt sie nicht vor. Das Vorgehen richtet sich nach der Belastbarkeit und dem Unterstützungsbedarf.

Wie lange dauert das Weaning?

Die Dauer lässt sich im Einzelfall nicht zuverlässig vorhersagen. Entscheidend ist unter anderem, wie belastbar die Atemmuskulatur ist, wie gut die Spontanatmung vertragen wird und ob erschwerende Erkrankungen vorliegen.

In einem deutschen Register sank die erfasste Dauer des prolongierten Weanings zwischen 2011 und 2015 von 22 auf 18 Tage. Daraus ergibt sich kein fester Zeitrahmen für die Beatmungsdauer einzelner Betroffener.

Ein unkomplizierter Verlauf kann auf der Intensivstation betreut werden. Für prolongiertes Weaning verfügen manche Kliniken über spezialisierte Stationen. Dort wird der Weaningprozess fortgesetzt, wenn wiederholte Versuche oder eine länger dauernde Atemunterstützung nötig sind.

Welche Risiken können beim Weaning auftreten?

Ein unmittelbares Risiko nach der Extubation ist eine erneute Intubation. Dabei muss erneut ein Beatmungsschlauch gelegt werden, weil die eigene Atmung nicht ausreicht.

In einer rückblickenden Untersuchung mussten 32 von 252 beatmeten Patientinnen und Patienten erneut intubiert werden, rund 13 Prozent der untersuchten Gruppe. Wie häufig dies geschieht, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Eine allgemeine Muskelschwäche kann den Verlauf erschweren und zusammen mit einer Funktionsstörung des Zwerchfells auftreten. Beide Probleme können die Atemarbeit erschweren.

Auch nach einer zunächst gelungenen Trennung kann die Atmung wieder instabil werden. Eine kleine Studie mit kritisch Kranken zeigt, dass die Trennung vom Beatmungsgerät innerhalb von 48 Stunden scheitern kann.

Was geschieht nach der Entwöhnung?

Nach der Entwöhnung wird überwacht, ob die selbstständige Atmung stabil bleibt. In einem nach den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zertifizierten Zentrum gehört außerdem eine routinemäßige Untersuchung des Schluckens zur Versorgung.

Gelingt die vollständige Trennung von der Beatmung nicht, kommen mehrere weitere Wege infrage. Manche Betroffene können zu Hause mit einer Beatmungsmaske versorgt werden. Diese außerklinische Beatmung benötigt keinen Beatmungsschlauch in der Luftröhre, bleibt jedoch eine Form der Atemunterstützung.

Weaning
Beim Weaning soll der Patient Zug für Zug die selbstständigen Atmung wieder erlernen @ Ralf Geithe /AdobeStock
MöglichkeitWann kommt sie infrage?Bedeutung für Betroffene
Erneuter EntwöhnungsversuchWenn die Trennung beim ersten Versuch nicht gelingtDer Weaningprozess wird nach erneuter Prüfung fortgesetzt.
Behandlung im spezialisierten ZentrumBei schwierigem oder prolongiertem Verlauf nach einem gescheiterten VersuchSpezialisierte Strukturen unterstützen die weitere Entwöhnung vom Beatmungsgerät.
Beatmungsmaske zu HauseWenn weiterhin Unterstützung nötig ist und eine Maske ausreichtDie Langzeitbeatmung kann außerhalb der Klinik fortgeführt werden.

Was zahlt die Krankenversicherung?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ein medizinisch notwendiges stationäres Weaning und rechnet die Krankenhausbehandlung direkt mit der Klinik ab.

Gesetzlich versicherte Erwachsene zahlen bei einem stationären Aufenthalt in der Regel 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Jahr. Dabei handelt es sich um die gesetzliche Krankenhauszuzahlung und nicht um den Preis einer einzelnen Weaning-Sitzung.

Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach Versicherungsvertrag und Tarif. Vor einer geplanten Verlegung in eine andere Einrichtung kann es sinnvoll sein, die Kostenübernahme mit dem Versicherungsunternehmen zu klären.

Welche Ärztinnen und Ärzte führen Weaning durch?

Die Beatmungsentwöhnung gehört zur ärztlichen Weiterbildung in der Pneumologie, die auch die Mitbehandlung außerklinisch beatmeter Menschen umfasst. Je nach Verlauf erfolgt die Versorgung in der Intensivmedizin oder in einer spezialisierten Einrichtung für Beatmungsmedizin.

Ein von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zertifiziertes Weaning-Zentrum muss eine entsprechend ausgebildete Atmungstherapeutin oder einen entsprechend ausgebildeten Atmungstherapeuten beschäftigen. Die Atmungstherapie ergänzt die ärztliche und pflegerische Behandlung.

Eine Zertifizierung ist ein überprüfbares Qualitätsmerkmal. Dabei werden die Strukturen, Behandlungsabläufe und Ergebnisse des Zentrums kontrolliert. Außerdem muss die ärztliche Vertretung geregelt sein.

Diese Fragen können Sie im Erstgespräch stellen:

  • Ist die Einrichtung als Weaning-Zentrum zertifiziert?
  • Welche Untersuchungen sind vor dem nächsten Spontanatmungsversuch vorgesehen?
  • Wie wird die Mobilisierung organisiert?
  • Wie ist die ärztliche Betreuung außerhalb der regulären Dienstzeiten geregelt?

Spezialistinnen und Spezialisten für Weaning finden Sie im Anschluss an diesen Text.

Häufige Fragen zum Weaning

Ist Weaning trotz einer Schwäche des Zwerchfells möglich?

Ja. Auch bei einer Zwerchfellschwäche können Ärztinnen und Ärzte einen Spontanatmungsversuch durchführen und prüfen, ob der Beatmungsschlauch entfernt werden kann.

Welche Erfolgsaussichten bestehen bei COPD?

Nach den Registerdaten gelang die Entwöhnung bei mehr als 60 Prozent dieser Patientengruppe, nachdem sie in ein spezialisiertes Zentrum verlegt worden war. Eine individuelle Vorhersage ist daraus nicht möglich.

Ist eine Beatmung mit Maske zu Hause möglich?

Ja, manche Patientinnen und Patienten können bei weiterhin bestehendem Unterstützungsbedarf zu Hause mit einer Beatmungsmaske versorgt werden. Dabei handelt es sich um eine Form der außerklinischen Beatmung.

Ist nach einem gescheiterten Versuch eine weitere Entwöhnung möglich?

Ja. Nach einem zunächst gescheiterten Entwöhnungsversuch auf der Intensivstation kann eine Behandlung in einem spezialisierten Weaning-Zentrum infrage kommen.

Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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Quellen

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

3 Spezialisten

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