Weaning ist die Entwöhnung von einer künstlichen Beatmung. Dabei wird geprüft, ob Patientinnen und Patienten wieder ausreichend selbstständig atmen können und wie viel Atemunterstützung sie noch benötigen.
Dauert die Entwöhnung länger oder scheitert ein erster Versuch auf der Intensivstation, kann die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum fortgesetzt werden.
Was ist Weaning und für wen kommt es infrage?
Der Begriff Weaning bezeichnet die schrittweise Entwöhnung vom Beatmungsgerät. Ziel ist es, die maschinelle Unterstützung zu reduzieren und zu prüfen, ob die eigene Atmung wieder ausreicht. Der Weaningprozess gehört zur intensivmedizinischen Versorgung beatmeter Patientinnen und Patienten.
Das Verfahren kommt infrage, sobald nach einer invasiven Beatmung ein Entwöhnungsversuch möglich erscheint. Auch bei geschwächter Atemmuskulatur können ein Spontanatmungsversuch und die Entfernung des Beatmungsschlauchs geprüft werden.
Nach dem zeitlichen Verlauf wird zwischen einfachem, schwierigem und prolongiertem Weaning unterschieden.
Bronchospasmus, Lungenentzündung und Mangelernährung wurden in einer Untersuchung als Faktoren für ein erschwertes Weaning beschrieben. Vorerkrankungen und Muskelschwäche fließen ebenfalls in die klinische Einschätzung ein.
Nach einem erfolglosen Versuch auf der Intensivstation kann die Behandlung fortgesetzt werden. Besonders bei prolongiertem Weaning kommt eine Verlegung in ein spezialisiertes Weaning-Zentrum infrage.
Welche Erfolgsaussichten hat die Beatmungsentwöhnung?
Die Erfolgsaussichten hängen von der Erkrankung, dem Zustand der Atemmuskulatur und dem bisherigen Verlauf ab. Ein gescheiterter erster Versuch schließt eine spätere Entwöhnung nicht aus. Weaning-Zentren behandeln insbesondere Menschen, bei denen die Trennung vom Gerät länger dauert.
In einer deutschen Registerauswertung gelang die Entwöhnung bei mehr als 60 Prozent der Menschen mit COPD, die in ein spezialisiertes Zentrum verlegt worden waren. Dieses Ergebnis erlaubt keine sichere Vorhersage für einzelne Patientinnen und Patienten.

Auch eine Schwäche des Zwerchfells schließt einen Entwöhnungsversuch nicht grundsätzlich aus. Ärztinnen und Ärzte können prüfen, ob die Spontanatmung ausreicht und eine Extubation, also die Entfernung des Beatmungsschlauchs, möglich ist.
Wie wird das Weaning vorbereitet und durchgeführt?
Vor dem Entwöhnungsversuch wird untersucht, ob der Körper die zusätzliche Atemarbeit übernehmen kann. Beurteilt werden können die Funktion des Zwerchfells, die Belüftung der Lunge, die Herzfunktion und die allgemeine Muskelkraft.
Auch die Sedierung wird überprüft. In einer internationalen Beobachtungsstudie war eine stärkere Sedierung mit einem späteren Beginn des Weanings verbunden. Welche Anpassung möglich ist, beurteilen Ärztinnen und Ärzte anhand der jeweiligen Behandlungssituation.
Zu den möglichen Bestandteilen des Weaningprozesses gehören:
- Atmung, Herzfunktion und Muskelkraft können beurteilt werden.
- Die Sedierung wird vor Entwöhnungsversuchen überprüft.
- Bei einem Spontanatmungsversuch übernimmt die Patientin oder der Patient mehr Atemarbeit.
- Das Behandlungsteam beurteilt, ob die selbstständige Atmung stabil genug ist.
- Auch die Entfernung des Beatmungsschlauchs kann geprüft werden.
Begleitend empfiehlt die Leitlinie für kritisch Erkrankte eine schrittweise Mobilisierung bis zur individuell höchstmöglichen Stufe. Eine feste tägliche Dauer gibt sie nicht vor. Das Vorgehen richtet sich nach der Belastbarkeit und dem Unterstützungsbedarf.
Wie lange dauert das Weaning?
Die Dauer lässt sich im Einzelfall nicht zuverlässig vorhersagen. Entscheidend ist unter anderem, wie belastbar die Atemmuskulatur ist, wie gut die Spontanatmung vertragen wird und ob erschwerende Erkrankungen vorliegen.
In einem deutschen Register sank die erfasste Dauer des prolongierten Weanings zwischen 2011 und 2015 von 22 auf 18 Tage. Daraus ergibt sich kein fester Zeitrahmen für die Beatmungsdauer einzelner Betroffener.
Ein unkomplizierter Verlauf kann auf der Intensivstation betreut werden. Für prolongiertes Weaning verfügen manche Kliniken über spezialisierte Stationen. Dort wird der Weaningprozess fortgesetzt, wenn wiederholte Versuche oder eine länger dauernde Atemunterstützung nötig sind.
Welche Risiken können beim Weaning auftreten?
Ein unmittelbares Risiko nach der Extubation ist eine erneute Intubation. Dabei muss erneut ein Beatmungsschlauch gelegt werden, weil die eigene Atmung nicht ausreicht.
In einer rückblickenden Untersuchung mussten 32 von 252 beatmeten Patientinnen und Patienten erneut intubiert werden, rund 13 Prozent der untersuchten Gruppe. Wie häufig dies geschieht, hängt von der jeweiligen Situation ab.
Eine allgemeine Muskelschwäche kann den Verlauf erschweren und zusammen mit einer Funktionsstörung des Zwerchfells auftreten. Beide Probleme können die Atemarbeit erschweren.
Auch nach einer zunächst gelungenen Trennung kann die Atmung wieder instabil werden. Eine kleine Studie mit kritisch Kranken zeigt, dass die Trennung vom Beatmungsgerät innerhalb von 48 Stunden scheitern kann.
Was geschieht nach der Entwöhnung?
Nach der Entwöhnung wird überwacht, ob die selbstständige Atmung stabil bleibt. In einem nach den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zertifizierten Zentrum gehört außerdem eine routinemäßige Untersuchung des Schluckens zur Versorgung.
Gelingt die vollständige Trennung von der Beatmung nicht, kommen mehrere weitere Wege infrage. Manche Betroffene können zu Hause mit einer Beatmungsmaske versorgt werden. Diese außerklinische Beatmung benötigt keinen Beatmungsschlauch in der Luftröhre, bleibt jedoch eine Form der Atemunterstützung.

| Möglichkeit | Wann kommt sie infrage? | Bedeutung für Betroffene |
|---|---|---|
| Erneuter Entwöhnungsversuch | Wenn die Trennung beim ersten Versuch nicht gelingt | Der Weaningprozess wird nach erneuter Prüfung fortgesetzt. |
| Behandlung im spezialisierten Zentrum | Bei schwierigem oder prolongiertem Verlauf nach einem gescheiterten Versuch | Spezialisierte Strukturen unterstützen die weitere Entwöhnung vom Beatmungsgerät. |
| Beatmungsmaske zu Hause | Wenn weiterhin Unterstützung nötig ist und eine Maske ausreicht | Die Langzeitbeatmung kann außerhalb der Klinik fortgeführt werden. |
Was zahlt die Krankenversicherung?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ein medizinisch notwendiges stationäres Weaning und rechnet die Krankenhausbehandlung direkt mit der Klinik ab.
Gesetzlich versicherte Erwachsene zahlen bei einem stationären Aufenthalt in der Regel 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Jahr. Dabei handelt es sich um die gesetzliche Krankenhauszuzahlung und nicht um den Preis einer einzelnen Weaning-Sitzung.
Bei privat Versicherten richtet sich die Erstattung nach Versicherungsvertrag und Tarif. Vor einer geplanten Verlegung in eine andere Einrichtung kann es sinnvoll sein, die Kostenübernahme mit dem Versicherungsunternehmen zu klären.
Welche Ärztinnen und Ärzte führen Weaning durch?
Die Beatmungsentwöhnung gehört zur ärztlichen Weiterbildung in der Pneumologie, die auch die Mitbehandlung außerklinisch beatmeter Menschen umfasst. Je nach Verlauf erfolgt die Versorgung in der Intensivmedizin oder in einer spezialisierten Einrichtung für Beatmungsmedizin.
Ein von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zertifiziertes Weaning-Zentrum muss eine entsprechend ausgebildete Atmungstherapeutin oder einen entsprechend ausgebildeten Atmungstherapeuten beschäftigen. Die Atmungstherapie ergänzt die ärztliche und pflegerische Behandlung.
Eine Zertifizierung ist ein überprüfbares Qualitätsmerkmal. Dabei werden die Strukturen, Behandlungsabläufe und Ergebnisse des Zentrums kontrolliert. Außerdem muss die ärztliche Vertretung geregelt sein.
Diese Fragen können Sie im Erstgespräch stellen:
- Ist die Einrichtung als Weaning-Zentrum zertifiziert?
- Welche Untersuchungen sind vor dem nächsten Spontanatmungsversuch vorgesehen?
- Wie wird die Mobilisierung organisiert?
- Wie ist die ärztliche Betreuung außerhalb der regulären Dienstzeiten geregelt?
Spezialistinnen und Spezialisten für Weaning finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zum Weaning
Ist Weaning trotz einer Schwäche des Zwerchfells möglich?
Ja. Auch bei einer Zwerchfellschwäche können Ärztinnen und Ärzte einen Spontanatmungsversuch durchführen und prüfen, ob der Beatmungsschlauch entfernt werden kann.
Welche Erfolgsaussichten bestehen bei COPD?
Nach den Registerdaten gelang die Entwöhnung bei mehr als 60 Prozent dieser Patientengruppe, nachdem sie in ein spezialisiertes Zentrum verlegt worden war. Eine individuelle Vorhersage ist daraus nicht möglich.
Ist eine Beatmung mit Maske zu Hause möglich?
Ja, manche Patientinnen und Patienten können bei weiterhin bestehendem Unterstützungsbedarf zu Hause mit einer Beatmungsmaske versorgt werden. Dabei handelt es sich um eine Form der außerklinischen Beatmung.
Ist nach einem gescheiterten Versuch eine weitere Entwöhnung möglich?
Ja. Nach einem zunächst gescheiterten Entwöhnungsversuch auf der Intensivstation kann eine Behandlung in einem spezialisierten Weaning-Zentrum infrage kommen.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Wie funktioniert eine Beatmungstherapie bei Atemproblemen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, 2025
- Weaning from Invasive Ventilation in Specialist Centers Following Primary Weaning Failure. Deutsches Ärzteblatt International, 2020
- [Outcome in Prolonged Weaning. Pneumologie, 2022
- S3-Leitlinie Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, 2025
- Prolonged Weaning from Mechanical Ventilation. Deutsches Ärzteblatt International, 2020
- Im Krankenhaus. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
- Atmungstherapie. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
- Managing respiratory muscle weakness during weaning from invasive ventilation. Annals of Intensive Care, 2023
- Incidence and outcome of weaning from mechanical ventilation in medical wards at Thammasat University Hospital. Autorinnen und Autoren der Studie, 2018
- Outcomes after Prolonged Weaning in Chronic Obstructive Pulmonary Disease Patients: Data from the German WeanNet Initiative. Respiration, 2022
- Integrated comprehensive assessment for predicting weaning success in difficult-to-wean critically ill patients: the WEAN-US study. Autorinnen und Autoren der WEAN-US-Studie, 2026
- Weaning from mechanical ventilation in intensive care units across 50 countries (WEAN SAFE): a multicentre, prospective, observational cohort study. The Lancet Respiratory Medicine, 2023
- S3-Leitlinie Lagerungstherapie und Mobilisation von kritisch Erkrankten auf Intensivstationen. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 2024
- Low mechanical ventilation times and reintubation rates associated with a specific weaning protocol in an intensive care unit setting: a retrospective study. Clinics, 2012
- Extubation. Respiratory Care, 2002
- Diaphragmatic dysfunction in patients with ICU-acquired weakness and its impact on extubation failure. Intensive Care Medicine, 2016
- Occurrence and Effects on Weaning From Mechanical Ventilation of Intensive Care Unit Acquired and Diaphragm Weakness: A Pilot Study. Frontiers in Medicine, 2022
- Association between abdominal muscle weakness and weaning failure in mechanically ventilated critically ill patients: an ultrasound assessment. Autorinnen und Autoren der Studie, 2026
- Erhebungsbogen zur Zertifizierung von Weaning-Zentren. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, 2025
- Was erstattet die Krankenkasse?. Verbraucherzentrale
- [WeanNet: The Network of Respiratory Weaning Centers]. Pneumologie, 2019
