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Erkrankung · Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG)

Kieferentzündung: Symptome, Ursachen und Behandlung im Überblick

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: K10.2

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Unter einer Kieferentzündung versteht man eine bakterielle Entzündung im Bereich des Kieferknochens. Die von einem einzelnen Zahn, dem Zahnhalterapparat oder dem umliegenden Gewebe ausgehen kann. Häufige Auslöser sind Parodontitis, Zahnextraktionen oder Verletzungen des Kieferknochens. Typische Anzeichen sind Schmerzen, eine Schwellung sowie im akutem Stadium Fieber und Abgeschlagenheit. Der Zahnarzt untersucht die Region klinisch und setzt beim Bedarf bildgebende Verfahren ein. Die Behandlung erfolgt meist mit einem Antibiotikum in Kombination mit der Beseitigung der Ursache, etwa durch eine gezielte Zahnbehandlung oder professionellen Zahnreinigung.

Schmerzen oder Schwellungen im Zahn- und Kieferbereich sind meist harmlos und klingen nach kurzer Zeit von selbst ab. In manchen Fällen steckt jedoch eine Kieferentzündung dahinter, die sich unbemerkt entwickeln und unbehandelt schwerwiegende Folgen haben kann. Welche Ursachen zugrunde liegen, welche Symptome typisch sind und wie die Behandlung abläuft erfahren Sie im folgenden Artikel.

Definition: Formen der Kieferentzündung

Als Kieferentzündung bezeichnet man entzündliche Prozesse im Bereich des Kieferknochens und der angrenzenden Strukturen. Der Kiefer ist fest mit dem Schädel verbunden und trägt als Teil des Zahnhalterapparats die Zähne in ihren knöchernen Fächern. Kommt es zu einer Entzündung, können ein einzelner Zahn, Nerven und Knochensubstanz gleichermaßen getroffen sein. Auch das Kiefergelenk kann in seltenen Fällen mit betroffen sein, wenn sich der Prozess weiter ausbreitet. Je nach betroffener Struktur unterscheidet die Zahnmedizin verschiedene Arten von Kieferentzündungen:

  • Ostititis: Entzündung der Gefäßkanäle im Knochen
  • Periostitis: Entzündung der Knochenhaut, die den Kiefer umgibt
  • Osteomyelitits: Entzündung des Knochenmarks

Diese Formen können ineinander übergehen, wenn die Ursache nicht rechtzeitig behandelt wird. Betroffen sein kann grundsätzlich jeder Zahn im Ober- oder Unterkiefer, wobei Weißheitszähne aufgrund ihrer Lage besonders häufig eine Rolle spielen. Unbehandelt kann sich aus einer akuten rasch eine chronische Verlaufsform entwickeln, die deutlich hartnäckiger auf eine Therapie anspricht.

Kieferentzündung
Fest mit dem Schädel verbunden, ist der Kieferknochen der tragende Teil der Zähne © SciePro | AdobeStock

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht eine Kieferentzündung?

Wie entsteht eine Kieferentzündung? In den meisten Fällen liegt der Ursache der Kieferentzündung eine bakterielle Infektion zugrunde, die über einen geschädigten Zahn oder eine offene Wunde in den Knochen vordringt. Auch eine einzelne, hartnäckige Bakterie kann genügen, damit sich der geschwächte Bereich entzünden kann. Häufige Ursachen sind:

Zahnextraktionen: Vor allem das Entfernen stark entzündeter Zähne, etwa bei einer Weisheitszahn-OP, kann Bakterien den Weg in den Knochen öffnen.

Karies: Unbehandelte Karies kann zu einer Eiterbiludng an der Zahnwurzel führen, die sich bis zum Kieferknochen ausbreitet.

Parodontitis: Die umgangssprachlich als Parodontose bekannte Entzündung des Zahnhalteapparats gilt als bedeutender Risikofaktor.

Schlechte Mundhygiene begünstigt die Vermehrung von Bakterien im Mundraum.

Infektionen im Körper: auch eine Streptokokkeninfektion an anderer Stelle kann sich bis auf den Kieferknochen ausbreiten.

Häufige Ursachen, die das Immunsystem zusätzlich schwächen und die Wundheilung erschweren sind Diabetes mellitus, Rauchen und Drogenkonsum. Bei diesen Risikogruppen kann sich eine Entzündung schneller ausbreiten als bei ansonsten gesunden Menschen.

Vorbeugung: So kann man einer Kieferentzündung vorbeugen

Ein gewisses Restrisiko lässt sich nie vollständig ausschließen, dennoch können Sie mit einfachen Maßnahmen vorbeugen. Eine gründliche Mundhygiene mit zweimal täglichem Zähneputzen und der Reinigung der Zahnzwischenräume entzieht den Bakterien den Nährboden. Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt helfen Karies oder eine beginnende Parodontitis frühzeitig zu erkennen, bevor sich eine Infektion tiefer im Kiefer ausbreitet. Wer an Diabetes mellitus leidet, sollte den Blutzucker gut einstellen, da eine dauerhafte erhöhte Blutzuckerkonzentration die Wundheilung verzögert. Auch der Verzicht auf Rauchen und Drogenkonsum stärkt das Immunsystem und senkt das Risiko nachhaltig. Nach zahnärztlichen Eingriffen, etwa einer Zahnextraktion, sollten die Hinweise zur Nachsorge konsequent eingehalten werden, um Bakterien keine Angriffsfläche zu bieten.

Symptome der Kieferentzündung

Die Beschwerden machen sich nicht immer sofort bemerkbar und entwickeln sich häufig schleichend. Typische Symptome sind ein Druckgefühl im Kieferbereich, das sich beim Kauen verstärken kann. Häufig kommt akuter Zahnschmerz hinzu, der sich einem einzelnen Zahn oder einer ganzen Region zuordnen lässt. Weitere mögliche Anzeichen sind: Eine Schwellung im Gesicht und am Zahnfleisch, Rötung der betroffenen Region, Zahnlockerung, schlechte Wundheilung nach zahnärztlichen Eingriffen.

Ist die Entzündung akut, kommen häufig grippeähnliche Beschwerden wie Fieber und Abgeschlagenheit hinzu. Treten zusätzlich Herz-Kreislauf-Beschwerden auf, deutet dies auf eine bereits fortgeschrittene Entzündung hin, die dringend ärztlich abgeklärt werden muss. Jede Beschwerde dieser Art sollte ernst genommen werden, da über die Blutbahn im schlimmsten Fall eine Sepsis drohen kann. Nicht alle Symptome müssen dabei gleichzeitig auftreten. Gerade zu Beginn reicht mitunter an einzelnes Anzeichen, wie eine leichte Schwellung.

Bei einer chronischen Verlaufsform sind die Beschwerden oft weniger eindeutig: statt starker Schmerzen berichten Betroffene mitunter nur von einem dumpfen Ziehen an einem einzelnen Zahn oder einem wiederkehrenden Spannungsgefühl, das über Wochen bestehen bleibt. Gerade diese schleichende Form wird zunächst leicht als normale Zahnempfindlichkeit fehlgedeutet, weshalb regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig sind, um sie von einer harmlosen Reizung zu unterscheiden.

Diagnose beim Zahnarzt: Schwellung, Zahnschmerz, Entzündung - erkannt und behandelt

Beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden beginnt die Untersuchung in der Regel mit einer Blickdiagnose sowie den Abtasten der betroffenen Region. Bereits dann bei lassen sich viele entzündliche Prozesse erkennen. Zur genaueren Abklärung setzen Zahnärzte bildgebende Verfahren ein: eine Röntgenaufnahme zeigt Veränderungen am Knochen und kann Hinweise auf Karies, eine Entzündung an der Wurzelspitze oder Knochenabbau liefern. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf eine tiefer liegende Osteomyelitis kommen ergänzend eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) zum Einsatz, um das Ausmaß der Entzündung zu beurteilen. So lässt sich auch ausschließen, dass eine gutartige Zyste oder eine andere, nicht bakterielle Ursache hinter den Beschwerden steckt.

Kieferentzündung
Die Blickdiagnose ist der erste Schritt © WavebreakmediaMicro | AdobeStock

Behandlung der Kieferentzündung

Wie eine Kieferentzündung behandelt wird, richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und der zugrundeliegenden Ursache. Die Ursache ist meist bakteriell bedingt, weshalb die Therapie in der Regel zwei Ebenen umfasst: Die Bekämpfung der Keime und die Beseitigung des Auslösers. Es ist daher wichtig, die Symptome einer Kieferentzündung zu erkennen und richtig behandeln, sowie die Auslöser für eine Kieferentzündung zu finden.

Bei einer akuten bakteriellen Entzündung erfolgt in der Regel die Einnahme von Antibiotika. Häufig testen Ärzte zunächst mehrere Präparate, um festzustellen, welches Antibiotikum die Bakterien am wirksamsten bekämpft. Die Gabe von Antibiotika allein reicht jedoch nicht aus, wenn die Ursachen einer Kieferentzündung bestehen bleibt. Manchmal genügt bereits eine widerstandsfähige Bakterie, um trotz Medikation weiter Beschwerden zu verursachen. Deshalb gehört zur Behandlung immer auch die Beseitigung des Entzündungsherds.

Stark geschädigte Zähne werden behandelt oder im Rahmen einer Zahnentfernung entfernt. Ebenso spielt die Behandlung von Karies eine wichtige Rolle, um der Entzündung im Kiefer vorzubeugen. Bei einer Entzündung an der Wurzelspitze kann eine Wurzelbehandlung den betroffenen Zahn erhalten.

Bildet sich ein Abszess, entfernt ihr Zahnarzt ihn operativ. Auch Zysten und andere Entzündungsherde werden auf diese Weise beseitigt. Ist der Knochen bereits abgestorben, ist ein chirurgischer Eingriff zum Wiederaufbau der Knochensubstanz notwendig.

Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung entzieht den Bakterien den Nährboden und beugt eine erneuten Entzündung vor.

Hausmittel und Selbsthilfe

Für eine wirksame Behandlung einer Kieferentzünung, greifen viele Betroffene auf Hausmittel wie Quarkwickel oder kühlende Umschläge zurück. Diese können eine Schwellung mindern, ersetzen jedoch keinesfalls den Besuch beim Zahnarzt. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb kurzer Zeit oder verschlechtern sich die Anzeichen einer Kieferentzündung, sollte umgehend fachlicher Rat eingeholt werden. Von eigenständigen Eingriffen, wie dem Aufstechen einer Schwellung ist bei einer Entzündung im Kieferknochen dringend abzuraten.

Verlauf ohne Therapie

Wird eine Kieferentzündung frühzeitig erkannt und behandelt, heilt sie in den meisten Fällen folgenlos aus. Bleibt sie dagegen unerkannt, kann sich aus einer akuten eine chronische Kieferentzündung entwickeln. Die Behandlung einer Kieferentzündung ist daher unumgänglich.

Viele Kieferentzündungen werden auch chronische Entzündung genannt. Eine chronische Entzündung verläuft oft schleichend und hat ohne Behandlung schwerwiegende Folgen. Sie greift zunehmend auf umliegendes Gewebe über und kann langfristig zum Verlust von Zähnen oder Knochensubstanz führen. Breitet sich die Entzündung über die Blutbahn aus, drohen schwerwiegende Komplikationen bis hinzu einer Sepsis. In sehr seltenen Fällen greift eine unbehandelte Infektion auf den Mundboden über und erfordert dann eine sofortige stationäre Therapie. Je früher eine Kieferentzündung erkannt wird, desto besser lässt sich dieses Risiko senken. Ein guter Grund Beschwerden nicht auf die lange Bank zu schieben.

Welcher Facharzt ist zuständig?

Kieferentzündung gehört in der Regel in die Hände eines Zahnarztes, der je nach Ursache und Schweregrad an einen Kieferorthopäden, Oralchirurgen oder Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie überweist, der komplexere Eingriffe, wie eine Zahnwurzelbehandlung oder einen operativen Wiederaufbau des Kieferknochens durchführt.

Bei Anzeichen einer Sepsis, etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, in Kombination mit hohem Fieber, ist der direkte Weg in die Notaufnahme sinnvoller als das Warten auf einen Termin.

Häufig gestellte Fragen

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Über den Fachautor

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Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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