Chirurgischer Eingriff an der Brust

Gründe für eine Rekonstruktion der Brust gibt es viele: Nach einer Brustkrebsoperation kann die operierte Seite völlig anders aussehen als gesunde. Oder nach einer Mastektomie (chirurgische Entfernung von Brustgewebe) muss eine Brust wieder aufgebaut werden. Zur Wahl stehen heute verschiedene Techniken und Verfahren: Die Brust wird rekonstruiert mit Silikonimplantaten oder sie wird mit Eigengewebe wieder aufgebaut und modelliert. Prof. Dr. Milomir Ninkovic, Chefarzt an der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie am Klinikum Bogenhausen, spricht mit Leading Medicine Guide über die chirurgische Brustrekonstruktion.

Nicht einmal zehn Prozent der Brustkrebspatientinnen kennen die verschiedenen Methoden der Brustrekonstruktion. Woran liegt das? 

Prof. Dr. Ninkovic: Der Arzt, der die Patientin am Anfang behandelt, müsste die Informationen weitergeben. Aber zunächst geht ja um den Tumor und die passende Behandlung dafür. Da tritt die Rekonstruktion erst einmal in den Hintergrund. Entsprechend der Größe des Tumors und seiner Klassifikation, der Lymphknotenbeteiligung und Histopathologie wird das chirurgische Vorgehen festgelegt. Dann wird zunächst der Tumor entfernt, anschließend die erforderliche Therapie durchgeführt (Bestrahlung, Chemotherapie, Hormontherapie etc.) und später erst über die Rekonstruktion nachgedacht. Diese Vorgehensweise halte ich auch für die beste Lösung. 

Was erreicht man mit einer Brustrekonstruktion, was bewirkt sie?

Prof. Dr. Ninkovic: Mit einer Brustrekonstruktion bekommen die erkrankten Frauen in erster Linie ihr Selbstwertgefühl wieder zurück. Die Rekonstruktion verbessert das körperliche Wohlbefinden, hebt das Selbstbewusstsein und sorgt für mehr Lebensqualität. So viele Patientinnen sagen mir, dass sie jeden Morgen unter der Dusche mit ihrer Erkrankung konfrontiert werden. Mit der Rekonstruktion können wir ihnen auch ein positives Gefühl für ihren Körper zurückgeben. Die Frauen gehen wieder in die Sauna, ins Schwimmbad, können sich wieder weiblich nach Lust, Laune und Mode kleiden. 

Die Möglichkeiten zur Rekonstruktion der weiblichen Brust haben sich in den letzten 30 Jahren enorm weiterentwickelt und zeigen in fast allen Fällen sehr gute Ergebnisse mit hoher Patientinnenzufriedenheit. Entscheidend für den Erfolg sind ein individuelles Behandlungskonzept, ein chirurgisch erfahrenes Team und umfassende Nachbehandlungsmöglichkeiten.

Schauen wir uns das mal genauer an: welche Methoden der Rekonstruktion gibt es?

Prof. Dr. Ninkovic: Bei einer Tumor-OP entsteht ein Gewebedefizit. Es geht dann bei der Rekonstruktion darum, Volumen, Haut und möglicherweise auch Brustwarze und Warzenhof wieder herzustellen. Die Mediziner unterscheiden bei der Rekonstruktion verschiedene Methoden. Einmal kann das Brustvolumen mithilfe eines Silikonimplantates wieder aufgebaut werden. Dazu wird die Hautpartie erst mit einem sogenannten Gewebsexpander entsprechend gedehnt. 

Die andere Methode besteht darin, die Brust mit Eigengewebe wieder in ihrer ursprünglichen Form herzustellen. Künstliche Brustimplantate haben, das muss man dazu sagen, eine gewisse Komplikationsrate und sie müssen spätestens nach zehn Jahren ausgetauscht werden. Und es ist auch so, dass viele Patientinnen die Verwendung von Fremdmaterialien wegen der hohen Komplikationsrate besonders nach einer Bestrahlung und der oft unnatürlichen Konsistenz ablehnen.   

Wie finde ich als Patientin einen Operateur mit der entsprechenden Erfahrung?

Prof. Dr. Ninkovic: Der behandelnde Arzt bespricht mit der Patientin auch das weitere Vorgehen. Man kann davon ausgehen, dass jeder Arzt das empfehlen wird, was er am besten kann. Leider werden noch viel zu oft Implantate zur Rekonstruktion empfohlen. Man sollte allerdings wissen, dass nach einer Bestrahlung ein Implantat nicht wirklich sinnvoll ist. Die bestrahlte Haut ist beschädigt, ein Implantat zusammen mit einem Gewebsexpander ist dann die falsche Wahl. Vielmehr sollte hier gesundes Gewebe eingebracht werden, das bedeutet, eine Rekonstruktion mit Eigengewebe. Ich rate daher jeder Patientin, sich selbst sehr genau zu informieren. Das kann man ja heute ausführlich recherchieren, wer Experte beispielsweise auf dem Gebiet der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe ist. Und ich empfehle, sich unbedingt auch eine zweite oder dritte Meinung einzuholen. 

Was müssen die Voraussetzungen sein für eine rekonstruktive Brust-OP mit Eigengewebe?

Prof. Dr. Ninkovic: Die Tumorbehandlung muss abgeschlossen sein und die Patientin muss sich in einem guten gesundheitlichen Zustand befinden. Das Alter spielt keine Rolle für den Erfolg der Rekonstruktion. Ich hatte eine 85-Jährige, die mir sagte, ‚ich brauche das einfach für mich‘. Die Entscheidung muss jede Patientin selbst treffen. 

Welche Komplikationen gibt es?

Prof. Dr. Ninkovic: Wir haben beim Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe eine Komplikationsrate von nur drei bis fünf Prozent. Leider haben wir häufiger bei Raucherinnen Wundheilungsstörungen. Durch den Nikotinkonsum ist bei ihnen die Durchblutung gerade der feinen Gefäße gestört. Daneben kann es zu Nachblutungen kommen. Im schlimmsten Fall kann das verpflanzte Gewebe verloren gehen. 

Woher entnehmen Sie das Gewebe, mit dem Sie die Brust aufbauen? 

Prof. Dr. Ninkovic: Zu meinen Patientinnen sage ich immer scherzhaft, dass sie gleichzeitig eine Bauchstraffung bekommen. Das Gewebe entnehmen wir am Bauch. Das ist die beste Methode und sie eignet sich auch für schlanke Frauen. Es gibt aber auch je nach Patientin viele andere Entnahmestellen für die Brustrekonstruktion durch Eigengewebe – wie beispielsweise an den Oberschenkeln, am Rücken oder Gesäß. Mit einer mikrochirurgischen Transplantation wird aus dem Eigengewebe eine neue Brust geformt. Das geht, aber es ist ein Kunstwerk und braucht sehr viel Erfahrung. 

Die hohe mikrochirurgische Expertise wird im Rahmen der Facharztausbildung in der Plastischen Chirurgie erlernt. Ich führe diese Operationen bereits seit 1989 durch. Ziel ist es, ein möglichst natürliches, symmetrisches Ergebnis und vor allem auch permanentes Ergebnis zu erzielen. Die Operation dauert vielleicht drei bis vier Stunden, das Resultat ist eine rekonstruierte Brust von normaler Konsistenz, die das ganze restliche Leben bleibt. 

Wie lange dauert die “Rekonvaleszenz”? 

Prof. Dr. Ninkovic: Nach der Operation bleibt die Patientin eine Woche im Krankenhaus. Dann folgen drei Wochen zur Erholung, bevor sie wieder vollumfänglich wieder arbeiten gehen kann. Zur Nachsorge muss eventuell eine angleichende Bruststraffung an der nicht rekonstruierten Seite stattfinden und eine Brustwarzenrekonstruktion sowie Warzenhof-Tätowierung an der rekonstruierten Seite vorgenommen werden. Das ist alles. 


Was bedeutet Rekonvaleszenz eigentlich? 

Das Wort Rekonvaleszenz kommt vom lateinischen reconvalescere und bedeutet „wieder heil, wieder kräftig werden, gesunden“. Reconvaleszenz ist also die Beschreibung für den Gesundungs-, Heilungs- oder Genesungsphase.


Wie sehen Sie als Plastischer Chirurg den Busen-Implantat-Wahn, den wir heute haben? 

Prof. Dr. Ninkovic: Da spielen natürlich die Medien und der Wunsch nach dem “Perfekt-Sein” eine wichtige Rolle. Patientinnen, die mit diesen Wünschen kommen, muss man sehr gut führen und ihnen erklären, dass ein Implantat immer ein Fremdkörper bleibt, auf den der eigene Körper mit gewissen Abwehrmechanismen reagiert. Wir machen für jede Patientin ein individuelles Konzept und gehen selbstverständlich auf ihre Wünsche ein. Entscheidend ist, die Patientin über alle Vor- und Nachteile einer ästhetischen Brustvergrößerung aufzuklären sowie über die Form und Qualität eines Brustimplantats genauestens zu sprechen. 

Bei der Auswahl der Implantate legen wir großen Wert auf die höchste Qualität, die sich unter anderem auch auf unseren langjährigen Erfahrung mit den Implantatherstellern speißt. Seit 15 Jahren bin ich Chefarzt in Klinikum Bogenhausen, und seitdem verwenden wir nur ganz bestimmte Implantate, auf deren Qualität wir uns verlassen können. 

Vielen Dank für das sehr informative Gespräch, Herr Professor Ninkovic.  

Erfahren Sie hier mehr und nehmen Sie heute noch Kontakt auf, wenn Sie direkte Fragen an den Arzt haben. 


MN370AC, LMG19 / Bildquelle: (c) fotogestoeber (c) Bongkochrut (c) resket (c) Attila Németh (c) Janina Dierks (c) underdogstudios – Adobe Stock. 

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