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Erkrankung · Kinderchirurgie

Kielbrust / Trichterbrust - Ursachen & operative Behandlung einer Kielbrust (auch Hühnerbrust / Pectus carinatum)

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: Q67.7

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Kielbrust (Pectus carinatum), umgangssprachlich auch „Hühnerbrust" genannt, ist eine Verformung des Brustkorbs, bei der das Brustbein nach außen ragt – sie entsteht meist im Laufe des Wachstums durch ein übermäßiges Wachstum der Rippenknorpel. Die Ausprägung kann symmetrisch oder asymmetrisch sein und tritt familiär gehäuftauf, ohne dass ein eindeutiger Erbgang nachgewiesen ist. Medizinisch ist die Kielbrust in den meisten Fällen unbedenklich, kann jedoch zu psychischer Belastung führen. Je nach Ausprägung der Kielbrust stehen konservative, operative und minimalinvasive Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die Kielbrust, auch Trichterbrust oder Hühnerbrust genannt, ist eine kielförmig ausgewölbte Verformung des Brustbeins. Betroffene fühlen sich durch die Kielbrust oft psychisch belastet. Medizinisch problematisch ist die Kielbrust jedoch nicht. Betroffene lassen Behandlungen zumeist aus ästhetischen Gründen durchführen.

Was ist eine Kielbrust?

Die Kielbrust ist eine Deformität des Brustbeins, bei der es kielförmig nach außen ragt. Sie ist die 2. häufigste angeborene im Kindesalter. Ärzte unterscheiden bei der Kielbrust zwischen einer symmetrischen und einer asymmetrischen Form:

  • Bei der symmetrischen Kielbrust wölben sich beide Seiten des Brustbeins gleichförmig vor.
  • Bei der asymmetrischen Kielbrust ist die Wölbung dagegen auf einer Seite markanter. Es kann sogar sein, dass eine der beiden Seiten kaum oder gar nicht betroffen ist.

Ursachen einer Kielbrust

Die genauen Gründe für das Auftreten einer Trichterbrust sind umstritten. Allerdings gibt es eine allgemein akzeptierte Erklärung. Diese besagt, dass die Kielbrust durch ein übermäßiges Wachstum der Knorpelverbindungen im Brustbereich entsteht (gemeint sind die Knorpelverbindungen zwischen Rippen und Brustbein).

In den meisten Fällen zeigt sich die Kielbrust erst im Laufe des Wachstums – nur selten ist sie bereits bei der Geburt erkennbar. Die Deformation entsteht meistens in der Wachstumsphase während der Kindheit. Außerdem scheint die Deformierung in bestimmten Familien häufiger aufzutreten. Allerdings konnten Wissenschaftler bisher keinen genauen genetischen Vererbungsweg feststellen. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Zu den bekanntesten Fehlstellungen des Brustkorbs gehören die Trichterbrust (Pectus excavatum) und die Kielbrust @ Pepermpron /AdobeStock

In einigen Fällen tritt die Kielbrust als Begleiterscheinung einer anderen Krankheit auf. Folgende Primärerkrankungen können dazu führen, dass sich der Brustbereich vorwölbt:

  • Mukopolysaccharidose
  • Thorakales Emphysem
  • Marfan-Syndrom
  • Skoliose
Brustkorbfehlbildungen
Brustkorbfehlbildungen

Symptome einer Kielbrust

Zur Diagnose setzt der Arzt neben einer körperlichen Untersuchung auch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT ein, um Ausprägung und Symmetrie der Verformung genau zu beurteilen. Patienten mit einer Kielbrust sind durch ihre körperliche Verformung oft psychisch belastet. Hänseleien oder seltsame Blicke stehen für sie an der Tagesordnung. Daher wirkt sich die Kielbrust oft negativ auf das Selbstwertgefühl und die Selbstzufriedenheit der Patienten aus. Die seelischen Belastungen sind meistens der Grund, warum Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Im Zusammenhang mit der Pectus Carinatum können auch medizinische Probleme entstehen, etwa Beeinträchtigungen der Atmung oder Schlafstörungen durch Schmerzen. Besonders Bauchschläfer wachen mehrmals pro Nacht wegen der Schmerzen auf. 

Sie bekommen meist Schmerzmittel, um wieder durchschlafen zu können. Des Weiteren können Schmerzen auch durch ein lokales Trauma am Brustbein entstehen.

Behandlung einer Kielbrust

Folgende Behandlungen sind bei einer Kielbrust möglich:

  • Konservativ: Ärzte setzen bei Kindern eine Druckbandage (Pelotte) ein.
  • Offen operativ: Nach dem Ende der Pubertät können Betroffene eine Kielbrust-OP durchführen lassen.
  • Minimalinvasiv: Alternativ können Betroffene das MIPCR (Minimal Invasive Pectus Carinatum Repair) Verfahren wählen. Bei dem MICPR Verfahren implantieren Ärzte einen Metallbügel, der den Kiel hinunter drückt.

Konservative Behandlung der Kielbrust

Besonders bei jungen Patienten kommt neben einer Druckbandage (Pelotte) auch Physiotherapie als konservative Methode zum Einsatz. Die Pelotte ist ein Druckverband, der im Sanitätshaus individuell angepasst wird und das Brustbein durch konstanten Druck von außen eindrückt.

Dieses Verfahren kann nur dann zum Einsatz kommen, wenn der Brustbereich noch nicht vollständig ausgewachsenund fest ist. Durch den steten Druck ist die Pelotte mit Schmerzen und Unbehagen verbunden.

Operative Behandlung der Kielbrust

Die operative Behandlung erfolgt durch Kielbrust-Spezialisten. Eine OP ist dann sinnvoll, wenn sich der Brustkorb nicht mehr eindrücken lässt. Sprich, wenn der Patient am Ende der pubertären Wachstumsphase angelangt ist.

Bei der offenen Operation wird die Brustwand freigelegt, damit der Zugang zu den Knorpelverbindungen möglich ist. Danach erfolgt die Korrektur der Position – Ärzte drücken das Brustbein zurück und fixieren es mit Metallimplantaten. Ärzte fixieren und sichern das Brustbein an der neuen Position mit Metallimplantaten.

Minimalinvasive Behandlung der Kielbrust

Eine minimalinvasive Alternative ist das MIPCR Verfahren. Bei dem MICPR Verfahren setzt der Chirurg auf beiden Seiten des Brustkorbes jeweils einen Längsschnitt.

Anschließend befestigt er Stabilisatoren an den Rippen und setzt einen Bügel ein. Bügel und Stabilisatoren helfen, die Vorwölbung des Brustbeins aufzuheben. Allerdings eignet sich nicht jede Kielbrust für die MIPCR. Ob Sie für einen minimalinvasiven Eingriff in Frage kommen, sollten Sie mit einem Kielbrust-Spezialisten besprechen.

Psychische Belastung durch die Kielbrust

Die psychische Belastung ist für viele Patientinnen und Patienten der eigentliche Leidensdruck bei einer Kielbrust. Besonders insbesondere während der Pubertät, wenn das Körperbewusstsein zunimmt, empfinden Betroffene die Verformung des Brustkorbs als stark störend. Hänseleien in der Schule oder Unsicherheit beim Sport können das Selbstwertgefühl nachhaltig beeinträchtigen.

In schweren Fällen empfiehlt sich neben der körperlichen Behandlung auch eine psychologische Begleitung, um den Betroffenen zu helfen, ihre Körperhaltung und ihr Selbstbild positiv zu entwickeln. Sportarten wie Rudern und Schwimmen können dabei helfen, die Haltung zu verbessern und gleichzeitig das Körpergefühl zu stärken. Auch gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur unterstützen das Wohlbefinden.

Ein erstes Gespräch mit dem Hausarzt oder einem spezialisierten Zentrum für Brustkorb-Fehlstellungen kann helfen, die individuell beste Therapie zu finden.

FAQ

Was ist eine Kielbrust?

Die Kielbrust ist eine Fehlbildung, bei der das Sternum (Brustbein) kielförmig nach außen ragt – die hervorstehendeWölbung ist meist gut sichtbar.

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Eine Behandlung ist vor allem dann notwendig, wenn die Verformung Schmerzen verursacht, die Atmung einschränkt oder die Lebensqualität durch psychische Belastung leidet.

Welche konservative Behandlung gibt es?

Bei Kindern kommt eine individuell angepasste Druckbandage (Pelotte oder Orthese) zum Einsatz, die das Brustbein durch konstanten Druck zurückformt.

Wer führt die Operation durch?

Kielbrust-OPs werden von spezialisierten Chirurgen durchgeführt, oft in Abteilungen der Kinder- und Jugendchirurgie.

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Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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