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Erkrankung · Kinderchirurgie

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - Infos & Behandlung in der Poliklinik / Kieferorthopädie

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: Q37

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen und entsteht, wenn Nasenwülste und Gaumenfortsätze im Mutterleib unvollständig zusammenwachsen. Je nachdem, wann die Entwicklung stockt, entstehen verschiedene Spaltformen – von Lippenspalten über Lippen-Kiefer-Spalten bis zu isolierten Gaumenspalten, die nur den weichen Gaumen oder auch den harten Gaumen betreffen. Die Ursache ist multifaktoriell: Erbliche Veranlagung und äußere Einflüsse während der Schwangerschaft wirken zusammen. Behandelt wird interdisziplinär – Fachärzte für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie, HNO und Logopädie begleiten die Kinder vom Säuglingsalter bis zum Wachstumsabschluss.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind eine der am häufigsten vorkommenden angeborenen Fehlbildungen. Eines von insgesamt 500 Babys kommt mit dieser Deformation des Mund-Nasen-Gaumen-Bereichs zur Welt. Im Volksmund werden die Gaumenspalte als Wolfsrachen und die Lippenspalte als Hasenscharte bezeichnet – beide Begriffe gelten heute als überholt und sollten vermieden werden. Verantwortlich ist eine gestörte embryonale Entwicklung.


Weitere Informationen zur Lippen-Kiefer-Gaumenspalte finden Sie weiter unten.

Welche Ursachen hat die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Die Fehlbildung entsteht in den ersten Schwangerschaftswochen. Normalerweise verschmelzen zwischen der 5. und 7. Woche die Nasenwülste mit dem Oberkieferwulst zur Oberlippe; bis zur 12. Woche schließen sich die Gaumenfortsätze in der Mitte. Bleibt dieser Vorgang aus, entsteht eine Spalte. Außerdem kann es passieren, dass das bereits zusammengewachsene Gewebe wieder aufreißt.

Die entstandenen Fehlbildungen unterscheiden sich stark voneinander, je nachdem, wann sie in der Embryonalentwicklung auftreten.

Die Entstehung gilt heute als multifaktoriell: Eine genetische / erbliche Veranlagung und äußere Einflüsse während der Schwangerschaft müssen zusammenkommen. Hat ein Elternteil eine Spalte, ist die Wahrscheinlichkeit einer Spaltbildung bei den Kindern leicht erhöht.

Sind beide Eltern betroffen, hat das Kind ein Risiko von 35%, da die Vererbung durch mehrere Gene erfolgt.

Andere Faktoren, die für die gestörte Entwicklung sind:

  • Eine Sauerstoff-Unterversorgung der werdenden Mutter (Hypoxämie)
  • Übermäßiger Alkoholmissbrauch
  • Starker Tabakkonsum
  • Ionisierende Strahlung (z.B. bei einer Strahlentherapie)
  • Umweltgifte (Dioxin)
  • Ein Übermaß an Vitamin A und E
  • Ein Mangel an Folsäure
  • Eine Röteln-Erkrankung der Schwangeren
  • Fieber
  • Gebärmutter-Blutungen
  • Die Einnahme von anti-epileptischen Medikamenten (Hydantoin)

Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, ist das Risiko, dass das Kind später mit einer LKG-Spalte geboren wird, deutlich erhöht.

Welche Spaltformen gibt es?

Je nachdem, in welcher Woche die Entwicklung stockt, entstehen verschiedene Spaltformen. Sie reichen von einer kaum sichtbaren Kerbe bis zu einer durchgehenden Spalte durch Lippe, Oberkiefer und Gaumen.

  • Lippenspalten betreffen nur die Oberlippe; der Spalt verläuft zwischen Lippenrot und Nasenloch.
  • Lippen-Kiefer-Spalten reichen zusätzlich in den Kieferkamm hinein – oft fehlt dort der seitliche Schneidezahn oder ist verlagert.
  • Isolierte Gaumenspalten treten ohne Beteiligung der Lippe auf. Sie sind von außen nicht sichtbar und fallen erst bei der Untersuchung des Mundraums auf.
  • Am schwerwiegendsten ist die durchgehende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, bei der Mund- und Nasenraum nicht getrennt sind.

Ist der Gaumen nur unvollständig gespalten, spricht man von einer submukösen Spalte: Die Schleimhaut ist geschlossen, die Muskulatur darunter jedoch nicht verwachsen. Lippen-Kieferspalten und Gaumenspalten können ein- oder beidseitig auftreten.

Welche Auswirkungen hat die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Schon vor der Geburt lässt sich eine Lippenspalte erkennen: Mit einem modernen Ultraschallgerät sieht der Gynäkologe die Spalte meist ab der 20. Schwangerschaftswoche. Eine isolierte Gaumenspalte bleibt im Ultraschall dagegen häufig verborgen. Direkt nach der Geburt untersuchen Ärzte deshalb routinemäßig den gesamten Mundraum, auch wenn das Gesicht unauffällig wirkt. Nach der Geburt sieht man, dass das Kind eine gekrümmte Nasenscheidewand hat. Auch der eine Nasenflügel ist flacher als der andere. Dadurch ist die Atmung behindert.

Die Gaumenspalte verursacht Probleme beim Saugen: Die aufgenommene Nahrung gelangt immer wieder in den Nasenraum. Auch das Stillen gestaltet sich schwieriger als bei Kindern ohne Fehlbildung. Es ist ohne spezielle Hilfsmittel wie einen Haberman Feeder oder den Einsatz einer Gaumenplatte kaum möglich.

Für das Sprechen ist vor allem der weiche Gaumen entscheidend: Er trennt Mund- und Nasenraum beim Sprechen ab. Ist er gespalten, entweicht Luft durch die Nase – das Kind näselt und bildet bestimmte Laute kehlig. Eine Spalte im harten Gaumen stört dagegen eher die Nahrungsaufnahme. Es kommt weiters zu Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen wie Mittelohrentzündung, Hörminderung mit der Folge einer gestörten Sprachentwicklung.

Weitere Symptome sind:

Wie behandelt man die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte?

Die Behandlungsmöglichkeiten werden mit den Eltern kurz nach der Geburt in einem spezialisierten Zentrum besprochen. Die erste Maßnahme erfolgt meist schon in den ersten Lebenstagen. Sie sollte zum Zeitpunkt der Einschulung so weit fortgeschritten sein, dass sie sich in der Folgezeit normal entwickelt. Auch im frühen Erwachsenenalter können weitere Behandlungen erforderlich sein.

Gleich nach der Geburt erhalten Babys, die von einer einseitigen LKG-Spalte betroffen sind, eine herausnehmbare Gaumenplatte. Sie trennt den Mund vom Nasenraum und fördert das Zusammenwachsen des Kiefers. Außerdem führt sie die Zungenlage in die anatomisch richtige Position – das unterstützt das Wachstum des Kiefers.

Die Gaumenplatte ermöglicht die Nasenatmung und erleichtert das Stillen und die Nahrungsaufnahme aus der Flasche. Befürchten die HNO-Ärzte, dass es zur Mittelohrentzündung kommt, setzen sie Paukenröhrchen ein, die das Ohr ausreichend belüften.

Den Verschluss der Lippe nehmen Chirurgen in der Regel im dritten bis sechsten Lebensmonat vor, den Gaumenverschluss zwischen dem 9. und 18. Monat. Durchgeführt werden die Eingriffe an einem Universitätsklinikum oder in einer spezialisierten Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Dies geschieht entweder in mehreren Operationen oder mit einem einzigen chirurgischen Eingriff.

Diese Primär-Operationen führen Ärzte durch, bevor das Kind die ersten Laute spricht. Spätestens dann, wenn sie sich sicher sind, dass die Operation das Kieferwachstum nicht hemmt.

Bei Babys, die eine doppelseitige LKG-Spalte haben, müssen Ärzte zusätzlich die Nase operativ verlängern (Columellaplastik). Beeinträchtigt die Spaltbildung die Stabilität des Kieferknochens, führen sie eine Sekundär-Operation durch.

Bei der Kieferspaltosteoplastik setzen sie zwischen dem 8. und 11. Lebensjahr Knochengewebe aus dem Beckenkamm in den Kieferspalt ein. So erhalten die bleibenden Schneidezähne im Spaltbereich ein stabiles Knochenbett.

Nach dem Wachstumsabschluss – also mit Abschluss des Wachstums von Kiefer und Nase im späten Jugendalter – folgt bei Bedarf eine plastisch-chirurgische Korrektur. Fachärzte für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie begradigen dabei die Nasenscheidewand und formen Lippe und Nasenspitze nach. Diese Eingriffe verbessern nicht nur die Ästhetik, sondern oft auch die Nasenatmung; rein ästhetisch motivierte Nachkorrekturen sind seltener nötig.

Um dem Kind normales Sprechen zu ermöglichen, formen Ärzte das Gaumensegel mit einer Velopharyngoplastik. Anschließend ist noch eine Behandlung durch den Sprachtherapeuten notwendig. Dieser übt mit dem Patienten die korrekte Bildung bestimmter, zuvor falsch ausgesprochener Laute.

Im Rahmen der kieferorthopädischen Betreuung werden Zahnfehlstellungen korrigiert. Eine kieferorthopädische Behandlung mit fester Zahnspange beginnt meist im Wechselgebiss und kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Regelmäßig durchgeführte Hörtests sollen verhindern, dass es zu einer Hörminderung kommt.

Da Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oft Hänseleien ausgesetzt sind, kann es bei ihnen zu psychischen Problemen kommen. Daher empfiehlt es sich, die psychologischen Angebote wahrzunehmen. Alternativ bietet sich eine Selbsthilfegruppe an. Sie kann den betroffenen Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen

Eine gelungene Behandlung der Lippen-Gaumen-Spalte
Eine gelungene Behandlung der Lippen-Gaumen-Spalte

FAQ

Wann wird die Spalte erkannt?
Meist schon vor der Geburt – bei der Ultraschalluntersuchung um die 20. Schwangerschaftswoche. Isolierte Gaumenspalten fallen oft erst direkt nach der Geburt auf.

Wann wird operiert?
Die Lippe wird in der Regel im dritten bis sechsten Lebensmonat verschlossen, der Gaumen zwischen dem 9. und 18. Monat.

Können betroffene Kinder normal sprechen?
In den meisten Fällen ja. Nach dem Verschluss des Gaumens und logopädischer Übung entwickeln die meisten Kinder eine altersgerechte Aussprache.

Wächst der Kiefer nach der Operation normal?
Überwiegend ja. Bleibt eine Fehlstellung der Schneidezähne oder eine Enge im Oberkiefer zurück, korrigiert das später eine kieferorthopädische Behandlung.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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