Insektengiftallergie - Informationen und Spezialisten

03.01.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Ein kleiner, unbedachter Moment, und schon sticht sie zu: Viele Menschen werden gelegentlich von Wespen, Bienen und anderen Insekten gestochen. Was für Gesunde nur ein kleines Ärgernis an einem schönen Sommertag ist, kann bei einer Insektengiftallergie schnell zu einer lebensbedrohlichen Gefahr heranwachsen. Schlimmstenfalls reagieren Allergiker innerhalb von Minuten mit einem anaphylaktischen Schock, der extremsten Reaktion auf allergene Stoffe. In diesen Notfall ist schnelle Hilfe unverzichtbar.

Was Sie über die Insektengiftallergie, ihre Symptome und Behandlungsmöglichkeiten wissen müssen, erfahren Sie in diesem Artikel. Finden Sie hier außerdem ausgewählte Spezialisten für die Behandlung einer Insektengiftallergie.

ICD-Codes für diese Krankheit: T63.4

Empfohlene Insektengiftallergie-Spezialisten

Insektengiftallergie Fälle in Deutschland

5.666 Fälle im Jahr 2020
5.760 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Insektengiftallergie?

Etwa ein bis fünf Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben eine Insektengiftallergie, schätzt der Deutsche Allergikerbund. Ein weiteres Viertel reagiert auf Bienen- und Wespenstiche mit gesteigerter Immunantwort, meist in Form von roten Schwellungen und Schmerzen. Bei Kindern leiden bis zu 50 Prozent unter einer heftigen Reaktion auf Insektenstiche.

Wenn eine Biene oder Wespe zusticht, injiziert sie mit ihrem Stachel ein Insektengift in die Haut. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern führt bei den meisten Menschen zu einer kleinen Schwellung und starkem Juckreiz. Diese normalen Symptome sind harmlos. Allergiker allerdings reagieren auf das Gift mit einer starken Immunreaktion: Der Körper fährt alle Waffen auf, um sich gegen bestimmte Eiweißbestandteile im Insektengift zu wehren. Je nachdem, wie stark eine solche allergische Reaktion ausfällt, kann es sogar zu lebensbedrohlichen Störungen im Herz-Kreislauf-System kommen.

Die Insektengiftallergie ist nicht angeboren. Sie entsteht im Laufe der Zeit, ab dem ersten Stich, den ein Mensch erleidet. Wie lange das dauert und wann erste allergische Reaktionen auftreten, kann sehr unterschiedlich sein. Von Stich zu Stich erinnert sich die körpereigene Abwehr an die eindringenden Fremdstoffe aus dem Gift. Diese Allergene greift das Immunsystem dann mit allen Mitteln an. Eine solche Überreaktion bezeichnen wir als Insektengiftallergie.

Häufige Auslöser sind Stiche von

  • Wespen
  • Bienen
  • Hornissen (bei vorliegender Wespengiftallergie)
  • sehr selten auch Stiche von Hummeln, Ameisen oder Mücken.

Symptome der Allergie gegen Insektengift

Eine Schwellung rund um die Einstichstelle, wenn die Biene oder Wespe zugestochen haben, beobachten die meisten Menschen. Bei einer allergischen Reaktion ist diese Schwellung sehr stark, sie kann mehr als zehn Zentimeter im Durchmesser erreichen und hält 24 Stunden und länger an. Begleitet wird diese Schwellung von starken Schmerzen, Brennen oder extremem Juckreiz.

Die Schwellung unter der Haut ist besonders gefährlich, wenn Hornissen oder Bienen in der Region von Mund und Rachen zustechen. Die Atemwege können zuschwellen, es besteht im Extremfall akute Erstickungsgefahr.

Eine anaphylaktische Reaktion, auch als anaphylaktischer Schock bekannt, kann den gesamten Körper betreffen. Hier gibt es von leichten bis lebensbedrohlichen Symptomen eine große Bandbreite an Immunreaktionen auf das Gift.

Die häufigsten Symptome einer allergischen Reaktion auf Insektengifte:

  • Nesselsucht (rote Quaddeln auf der Haut)
  • Schwindel
  • Juckreiz überall am Körper
  • Übelkeit
  • allgemeine Schwäche
  • Schwellungen der Hände und im Gesicht
  • Schluckbeschwerden
  • bei schweren Verläufen Atemnot
  • Bewusstlosigkeit
  • Blutdruckabfall
  • bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es bei Insektengiftallergien?

Ob ein Mensch allergisch auf Insektengift reagiert, hängt von vielen Faktoren ab. Insektengifte enthalten verschiedene Allergene, auf die Allergiker stark reagieren.

Als Auslöser für das Entstehen einer Allergie kommen zum Beispiel frühere allergische Reaktionen in Frage. Wer schon einmall allergisch auf Insektengift reagiert hat, tut dies beim nächsten Stich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit wieder.

Menschen, die besonders oft von Hornissen, Bienen oder Wespen gestochen werden, haben ebenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine Insektengiftallergie zu entwickeln. Berufsbedingt betrifft das zum Beispiel Imker, aber auch Landwirte, Gärtner und Verkäufer von Obst, Eis, Süßspeisen oder Backwaren.

Mit steigendem Alter steigt auch das Risiko einer Insektengiftallergie.

Außerdem begünstigen bestimmte Vorerkrankungen, dass der Körper allergisch reagiert, etwa Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Mastozytose.

Nicht zuletzt treten Medikamente als Verstärker von allergischen Symptomen auf: Beta-Blocker und ACE-Hemmer etwa können das individuelle Risiko deutlich nach oben treiben.

Untersuchung und Diagnose: Wie die Insektengiftallergie festgestellt wird

Bei Verdacht auf eine Insektengiftallergie führt der erste Weg geradewegs zum Arzt, bei schweren Symptomen oder bekannter Allergie auch zum Notarzt.

Zur Diagnose wird sich der Arzt erkundigen, welches Insekt gestochen hat und welche Beschwerden bisher aufgetreten sind. Auch frühere Allergie-Reaktionen, chronische Erkrankungen, Medikamente und andere Allergien werden erfragt. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen und ein sogenannter Prick-Test.

Welche Behandlung gibt es bei Insektengiftallergie?

Vorbeugend sollten von Allergien Betroffene natürlich möglichst jeden Insektenstich vermeiden. Hat doch eine Biene oder Wespe zugestochen, entfernen Helfer oder Arzt den Stachel des Tiers aus der Haut. Anschließend kann die Stichstelle gekühlt werden. Kühl-Salben helfen gegen Juckreiz. Antihistaminika sind bei starken Reaktionen der Haut hilfreich, anschließend sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Hat die Wespe im Mund zugestochen, muss unbedingt eine ärztliche Praxis aufgesucht werden – oder der Rettungsdienst bestellt werden.

Bei schweren allergischen Reaktion ist eine Zeit der Beobachtung im Krankenhaus nötig, denn es können auch später noch schwerere Reaktionen auftreten.

Allergiker sollten ein Notfall-Set immer bei sich haben. Darin finden sich meist Bronchienspray, eine Autoinjektionsspritze mit Adrenalin gegen Kreislaufbeschwerden oder Antihistaminika. Diese Mittel können Helfer oder Betroffene einsetzen, bis der Rettungsdienst da ist.

Langfristig ist in manchen Fällen eine spezifische Immuntherapie möglich, die die Insektengiftallergie zurückdrängt. Für diese Therapie, genannt Hyposensibilisierung, müssen aber die Auslöser genau bekannt sein.

Über einen längeren Zeitraum hinweg gibt der Arzt bei der Hyposensibilisierung eine kleine Menge des Allergieauslösers als Spritze. Das Immunsystem soll durch steigende Mengen der Allergene darauf trainiert werden, mit dem allergieauslösenden Stoff zurechtzukommen. Die Hyposensibilisierung nimmt manchmal mehrere Jahre in Anspruch, sie kann die Allergie zwar lindern, aber nicht völlig auslöschen.

Fazit: Insektenstiche meiden und im Fall der Fälle schnell reagieren

Die Insektengiftallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf das Gift von Wespen, Bienen oder Hornissen. Die Stichstelle schwillt stark an, meist folgen sehr schnell weitere allergische Reaktionen. Beschwerden können bei einer anaphylaktischen Reaktion überall am Körper in unterschiedlicher Stärke auftreten.

Die Insektengiftallergie betrifft rund zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung, Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko.

Wichtigste Präventionsmaßnahme ist es, Insekten nicht zu reizen, um Stiche zu vermeiden. Im Fall einer allergischen Reaktion suchen Sie schnell ärztliche Hilfe.

Quellen

https://www.initiative-insektengift.at/
http://klinikum-bremen-mitte.medical-guide.net/deutsch/A/Allergien/Insektengiftallergie/page.html
https://allergiecheck.de/allergie-ausloeser/insektengiftallergie
https://gesund.bund.de/insektengiftallergie#ursachen
https://www.daab.de/allergien/wichtig-zu-wissen/hauptausloeser/insekten/
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