Sarkomspezialistin Prof. Dr. Carolin Tonus: „Ich mache persönliche Medizin!“

11.07.2022
Claudia Dechamps
Redakteurin

Sie ist Ärztliche Direktorin der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg – und Chefärztin der dortigen Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie: Prof. Dr. med. habil. Carolin Tonus ist als ausgebildete Fachärztin für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie und Proktologie ein Paradebeispiel moderner Hochleistungsmedizin. Am bekanntesten wurde sie allerdings dadurch, dass sie das bundesdeutsche Sarkomzentrum des Asklepios-Konzerns aufgebaut hat. Gerade bei Sarkomen, diesen relativ seltenen Weichteiltumoren, die zumeist vom Bindegewebe, von Knochen oder Muskeln ausgehen, verfügt Prof. Tonus über eine herausragende Expertise. Der Leading Medicine Guide sprach mit der außergewöhnlichen Medizinerin.

Tonus2.jpgDie renommierte Chirurgin Professor Dr. Carolin Tonus hinterlässt Eindruck – in vielerlei Hinsicht. Im persönlichen Gespräch erlebt man eine warmherzige, zugewandte Frau, die schon im Alter von fünf Jahren wusste, was sie einmal werden wolle: Ärztin. Einer der Hauptgründe für diesen frühen Berufswunsch: Sie liebt den Kontakt zu Menschen. Auch wenn es in ihrer Familie keine beruflichen Vorbilder für diese Richtung gab, erfüllte sie sich den Kindheitstraum und studierte Medizin.

Kein Wunder also, dass es ihr auch heute ein Anliegen ist, technisch hochanspruchsvolle Medizin immer auch mit Menschlichkeit und Zuwendung zu verbinden. „Ich übe meinen Beruf sehr gern aus“, sagt sie. Als Spezialistin für die komplexe Chirurgie im Bauchraum hat sie Freude daran, handwerklich gefordert zu sein: „Gerade bei der Darmchirurgie geht es darum, feine Fäden und anspruchsvolle Nahttechniken zu beherrschen.“ Gleichzeitig werde der Geist gefordert, wenn es um Krebserkrankungen geht, wenn also in der Onkologie individuell passende Therapien zu entwickeln sind. „Die wahre, tiefe Zufriedenheit entsteht für mich aus dem Patientenkontakt“, verrät Prof. Tonus. „Das Lächeln einer Patientin oder eines Patienten – das ist für mich unbezahlbar.“

Klare Devise: „Immer eine persönliche Beziehung“

Ihr ist es sehr wichtig, dass Krebspatientinnen und -patienten in ihrem Haus rund um die Therapie einen Hauptansprechpartner haben. „Beziehung aufbauen, Zeit haben für Menschen, die in einer Ausnahmesituation ihres Lebens sind – das ist so extrem wichtig“, findet sie. „Ich nehme mir immer sehr viel Zeit für das Erstgespräch. Und ich sage meinen Patientinnen und Patienten dann: Ich stehe an Ihrer Seite, ich begleite Sie durch diese Krankheit, ich kümmere mich um Sie.“

Mitfühlend, empathisch zu sein als Medizinerin, human mit den Menschen umzugehen, das ist für Prof. Tonus eine innere Erfüllung. Gleichzeitig weiß sie um die schwierige Gratwanderung: „Ich bin ein emotionaler Mensch, das möchte ich auch bleiben und ich kann nur mitfühlend sein, wenn ich meine innere Mitte halte, meinen Ausgleich habe.“

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Fußball bringt Ausgleich zum anstrengenden Beruf

Die schöne Lage der Asklepios Klinik St. Georg, die sie seit 2021 als Ärztliche Direktorin leitet, nahe der Außenalster in Hamburg, verschafft mit dem Blick aufs Wasser Ruhemomente im Krankenhausalltag. Und die Begeisterung für Fußball, die sie mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn teilt, sorgt für Ausgleich. Der Spaß am Sport, die Arbeit in einer auch heute noch eher männlich dominierten Disziplin der Chirurgie – das alles passt für die Spezialistin, die sich gern feminin kleidet, bestens zusammen: „Ich bin kein Genderprodukt und ich hatte beruflich keine Nachteile als Frau.“ Außerdem findet sie, dass den Patientinnen und Patienten gerade das Weibliche in der Medizin gut tue. Und deshalb betont sie es und lebt es.

Aufbau des zentralen Sarkomzentrums in Hamburg

Ihr Weg hat sie dank ihrer Beharrlichkeit, ihres Arbeitswillens, ihrer Energie und nicht zuletzt wegen ihres Teamgeistes stetig nach oben geführt. Zu den Stationen zählen das Klinikum Offenbach, die BG Unfallklinik Frankfurt, das Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda und schließlich die Asklepios-Klinik Nord und St. Georg in Hamburg, deren Ärztliche Direktorin sie heute ist. Nach der Facharztprüfung für Chirurgie absolvierte sie Zusatzausbildungen in Viszeralchirurgie, Spezieller Viszeralchirurgie und Proktologie, aber die Allgemein- und Viszeralchirurgie ist ihr Fachgebiet geblieben. 2010 wurde ihr eine außerplanmäßige Professur verliehen, 2017 baute sie an der Asklepios-Klinik St. Georg das zentrale Sarkomzentrum der Klinik-Gruppe auf.

„Wir konzentrieren uns in Hamburg auf die Sarkome des Bauchraums und der Extremitäten. Asklepios hat die Behandlung dieser seltenen Weichteiltumore deutschlandweit hier in der Klinik St. Georg zentriert“, erklärt Prof. Tonus. Unterstützt wird sie von einem interdisziplinären Team mit Expertinnen und Experten aus den Fachgebieten Radiologie, Pathologie, Nuklearmedizin, Anästhesie, Onkologie und Strahlentherapie sowie verschiedenen chirurgischen Disziplinen. Dazu kam 2022 noch eine hochspezialisierte Technik, die es bisher selten in Deutschland gibt: die intraoperative Strahlentherapie, auch IORT genannt.

Innovation: Das IORT-Verfahren in der Sarkomtherapie

Prof. Tonus erklärt das Verfahren, zu dem sie selbst schon jahrelang geforscht hat: „Noch während der Operation, während das OP-Gebiet also noch offen liegt, setzen wir diese Bestrahlung ein. Dazu wird ein Gerät, das wie eine Kugelmatte geformt ist, in das Tumorbett appliziert. So können wir ganz gezielt die Stelle bestrahlen, wo der Tumor gesessen hat und mikroskopisch kleine Reste bearbeiten, die nicht entfernt werden konnten.“ Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, umliegende Organe und Körperteile zu schonen und nur gezielt und millimetergenau das direkte Tumorumfeld anzugehen. „Es ist ein Add-on einer notwendigen Operation. Aber das Schöne an dieser Technik ist, dass wir empfindliche Bereiche wie den Dünndarm oder den Harnleiter schonen und die unerwünschten Nebenwirkungen sehr geringhalten können“, beschreibt Prof. Tonus die neue Strahlentherapie. Nach der etwa 30- bis 45-minütigen Behandlung wird das OP-Feld verschlossen. „Leider haben Sarkome die Neigung, sich auch nach einer erfolgreichen Entfernung erneut zu bilden, das können wir jetzt mit der IORT besser verhindern.“

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Präsidentin des Asklepios Krebskongresses

Prof. Tonus freut sich über die Möglichkeiten, die der Klinikkonzern Asklepios ihr in beruflicher und arbeitstechnischer Hinsicht bietet. „Ich kann mich hier entfalten, ich habe so viele Möglichkeiten, ich bin zufrieden“, sagt sie. In der Asklepios Medical School gibt sie, nachdem sie in Frankfurt extern habilitiert hatte, ihr Wissen mit Freude weiter. Als Präsidentin des Asklepios Krebskongresses in Hamburg bringt sie 2023 Ärzte, Pflegekräfte, Psycho(onko)logen und Studierende zum fachlichen Austausch und zur Fortbildung zusammen. Kollegialen Austausch zu haben, neues Wissen zu erlangen – das liebt sie. Doch bei aller anspruchsvollen Fachlichkeit bleibt für sie der Mensch im Mittelpunkt: „Ich mache persönliche Medizin!“, betont Prof. Carolin Tonus.

Frau Prof. Tonus, wir danken recht herzlich für das informative und persönliche Gespräch!

Der direkte Kontakt mir unserer Spezialistin kann über ihre Profilseite des Leading Medicine Guide aufgenommen werden.

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