Priv.-Doz. Dr. med. Mike H. Baums ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten und gilt als anerkannter Experte auf dem Gebiet der Gelenkchirurgie.
Mit besonderer Spezialisierung auf Schulter-, Ellenbogen- und Kniegelenke sowie auf die Sporttraumatologie verfügt er über umfassende Erfahrung in der konservativen wie auch operativen Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates. Seine Tätigkeit umfasst sowohl gelenkerhaltende arthroskopische Eingriffe als auch den Einsatz künstlicher Gelenke (Endoprothesen), insbesondere an Schulter und Knie. Als zertifizierter Schulter-, Ellenbogen- und Kniechirurg verbindet Dr. Baums höchste fachliche Kompetenz mit modernen, patientenorientierten Therapiekonzepten.
Die Behandlung erfolgt stets nach aktuellen nationalen und internationalen Standards – unterstützt durch eine moderne technische Ausstattung und ein hochqualifiziertes Team. Die Klinik unter seiner Leitung bietet ein breites Versorgungsspektrum, das neben der endoprothetischen Versorgung auch die Akut- und Notfallversorgung, die Alterstraumatologie sowie ambulante und stationäre Eingriffe umfasst. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, die Mobilität und Lebensqualität der Patienten durch präzise Diagnostik, individuelle Therapieplanung und eine persönliche, menschliche Betreuung nachhaltig zu verbessern.
Zur Endoprothetik der Schulter führte die Redaktion des Leading Medicine Guide ein Gespräch mit PD Dr. Baums.
Die Endoprothetik der Schulter hat sich in den letzten Jahren zu einem etablierten und wirkungsvollen Behandlungsverfahren bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß oder irreparablen Schulterverletzungen entwickelt. Wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen, kann der Einsatz eines künstlichen Schultergelenks die Beweglichkeit deutlich verbessern, Schmerzen lindern und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig steigern. Je nach Befund und individueller Ausgangslage kommen verschiedene Prothesentypen zum Einsatz – von der anatomischen bis hin zur inversen Schulterprothese. Moderne Operationstechniken, eine sorgfältige Indikationsstellung und eine gezielte Nachbehandlung ermöglichen dabei stabile Ergebnisse und eine zügige Rückkehr in den Alltag.
Starke Beschwerden in der Schulter entstehen meist durch degenerative, entzündliche oder traumatische Veränderungen im Gelenk oder den umliegenden Strukturen.
„Schulterschmerzen treten häufig nicht nur lokal in der Schulter auf, sondern strahlen typischerweise auch in den Oberarm aus – teilweise bis hin zum Ellenbogen. Dieses Schmerzbild ist zunächst unspezifisch und kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Zu den häufigsten zählen Arthrose im Schultergelenk, Risse der Rotatorenmanschette oder Probleme mit der Bizepssehne. Je nach zugrunde liegender Erkrankung richtet sich das therapeutische Vorgehen, wobei konservative Maßnahmen stets an erster Stelle stehen. Zu den wichtigsten Behandlungsformen zählt die Krankengymnastik. Sie dient vor allem dazu, den Bewegungsumfang zu erhalten, die Muskulatur zu stärken und die Schulterfunktion langfristig zu stabilisieren. Bei bestimmten Krankheitsbildern wie Sehnenreizungen oder der sogenannten Kalkschulter kommen zudem moderne Verfahren wie die extrakorporale Stoßwellentherapie zum Einsatz. Bei entzündlichen Veränderungen, etwa einer Schleimbeutelentzündung, kann ergänzend eine gezielte Injektion unter das Schulterdach erfolgen – meist mit Kortison oder einem entzündungshemmenden Medikament. Die konservative Therapie unterscheidet sich dabei im Grundsatz kaum von der Behandlung anderer großer Gelenke, auch wenn die biomechanischen Anforderungen an das Schultergelenk besonders komplex sind“, erläutert PD Dr. Baums zu Beginn unseres Gesprächs und erklärt noch mehr zum Phänomen der Kalkschulter:
„Ein spezielles Krankheitsbild stellt die Kalkschulter dar. Dabei lagern sich Kalziumkristalle im Bereich der Sehnenansätze der Rotatorenmanschette ab. Die genaue Ursache dieser Ablagerungen ist bislang nicht vollständig geklärt. Zunächst verursacht das Kalkdepot häufig keine Beschwerden. Problematisch wird es, wenn es so groß wird, dass es unter dem Schulterdach zu einem mechanischen Engpass kommt. Besonders schmerzhaft ist die Situation, wenn das Kalkmaterial in den Schleimbeutel unterhalb des Schulterdachs einbricht und dort eine ausgeprägte Entzündungsreaktion auslöst. Die konservative Therapie steht auch bei der Kalkschulter an erster Stelle. Wenn die Beschwerden jedoch trotz gezielter Maßnahmen bestehen bleiben oder immer wiederkehren, wird eine operative Entfernung des Kalkdepots notwendig. In solchen Fällen erfolgt der Eingriff in der Regel arthroskopisch, also minimalinvasiv, um das Gewebe möglichst wenig zu belasten und die Erholungszeit zu verkürzen. Zur Diagnostik der Kalkschulter reicht häufig bereits ein konventionelles Röntgenbild oder eine Ultraschalluntersuchung, um die Ablagerungen sichtbar zu machen. Um die Ausdehnung des Kalkdepots genau zu beurteilen und den Zustand der Sehnen der Rotatorenmanschette zu erfassen, ist in vielen Fällen eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll. Diese liefert eine detaillierte Darstellung der Weichteilstrukturen und unterstützt die Therapieentscheidung – insbesondere bei operativen Fragestellungen“.
Erst wenn sich trotz konservativer Maßnahmen keine ausreichende Besserung einstellt, die Schmerzen fortbestehen oder sich sogar verschlimmern und die Lebensqualität durch Einschränkungen im Alltag deutlich beeinträchtigt ist, wird über eine operative Versorgung mit einer Schulterprothese nachgedacht.
„Die Entscheidung, ob bei einem Patienten eine Schulterprothese in Betracht gezogen werden muss, basiert maßgeblich auf den bildgebenden Befunden und dem klinischen Beschwerdebild. Eine der häufigsten Ursachen für eine notwendige Endoprothetik ist die Arthrose des Schultergelenks – ein degenerativer Gelenkverschleiß, der sich über Jahre hinweg entwickeln kann, häufig ohne konkrete Auslöser. Solche degenerativen Veränderungen zeigen sich im konventionellen Röntgenbild meist durch eine deutliche Verschmälerung des Gelenkspalts sowie durch knöcherne Anbauten, sogenannte Osteophyten. Neben der primären Arthrose gibt es auch sekundäre Ursachen, die zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen können. Dazu zählen insbesondere frühere Frakturen des Oberarmkopfes oder rezidivierende Schulterluxationen. Solche Vorerkrankungen können das Gelenk langfristig schädigen und die Entstehung einer Arthrose begünstigen. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Schultergelenkchirurgie ist die Integrität der Rotatorenmanschette. Schäden oder vollständige Defekte dieser Sehnenstruktur können das Gleichgewicht und die Zentrierung des Oberarmkopfs im Schultergelenk nachhaltig stören. In fortgeschrittenen Fällen führt dies zu einer sogenannten Defektarthropathie, bei der nicht nur der Knorpel abgenutzt ist, sondern auch die muskuläre Führung verloren geht. Im Röntgenbild zeigt sich dies häufig daran, dass der Oberarmkopf im Gelenk nicht mehr zentral steht, sondern deutlich nach oben verlagert ist – ein Hinweis auf eine Dezentrierung infolge einer insuffizienten Rotatorenmanschette. In solchen Fällen kommt häufig eine inverse Schulterprothese zum Einsatz. Dieses spezielle Implantatkonzept ist darauf ausgelegt, die Funktion des Gelenks auch bei fehlender oder stark geschädigter Rotatorenmanschette wiederherzustellen, indem es die Kraftübertragung auf den Deltamuskel verlagert. Die Bildgebung spielt somit eine zentrale Rolle bei der Differenzierung zwischen einer herkömmlichen Arthrose und einer sogenannten Rotatorenmanschetten-Arthropathie – und damit auch bei der Auswahl des geeigneten Prothesentyps“, so PD Dr. Baums.
Die Wahl zwischen einer anatomischen und einer inversen Schulterprothese hängt im Wesentlichen von der Struktur und Funktion der Rotatorenmanschette, dem Zustand des Knochens, dem Alter und der körperlichen Aktivität des Patienten ab.
„Bei der anatomischen Schulterprothese erfolgt der Ersatz der geschädigten Gelenkstrukturen entsprechend der natürlichen Anatomie. Der Oberarmkopf wird durch eine runde Prothesenkomponente ersetzt, die der ursprünglichen Form entspricht. Auch die Gelenkpfanne – normalerweise relativ flach bis leicht konkav – erhält eine passende, formgerechte Prothese. Dieses Verfahren setzt allerdings eine intakte Rotatorenmanschette voraus. Sie spielt eine zentrale Rolle, da sie gewissermaßen als ,Motor´ der Schulterprothese fungiert und entscheidend zur Bewegungsführung beiträgt. Ist die Rotatorenmanschette hingegen beschädigt oder gar großflächig gerissen, wird eine inverse Prothese notwendig. Dabei werden die anatomischen Strukturen umgekehrt: Der Kugelanteil der Prothese wird auf der Schulterpfanne angebracht, während der konkave Anteil auf den Oberarmkopf kommt. Durch diese Umkehrung wird das biomechanische Zentrum des Gelenks verlagert. Das führt dazu, dass die umliegende Muskulatur stärker unter Spannung steht – eine Maßnahme, die es erlaubt, auch bei defekter Rotatorenmanschette eine gute Funktion zu erreichen. In diesem Fall übernehmen andere Muskeln, insbesondere der Deltamuskel, teilweise die Aufgaben der geschädigten Sehnen“, macht PD Dr. Baums deutlich und führt weiter aus:
„Der Einbau einer inversen Prothese bedeutet nicht zwangsläufig eine funktionelle Einschränkung, sondern stellt vielmehr eine andere Form der Versorgung dar – mit angepasster Technik und Nachbehandlung. Während bei der anatomischen Prothese die Rotatorenmanschette zur Freilegung des Gelenks durchtrennt und am Ende der Operation sorgfältig rekonstruiert werden muss, erfordert dies eine längere Heilungsphase. Die postoperative Nachbehandlung ist deshalb bei der anatomischen Variante oft zurückhaltender und von einer längeren Ruhigstellung geprägt. Im Gegensatz dazu kann die Rehabilitationsphase bei einer inversen Prothese meist etwas lockerer gestaltet werden, da keine Sehnenheilung berücksichtigt werden muss. Beide Verfahren sind somit klar voneinander abzugrenzen – in Indikation, Operationstechnik und Nachsorge – und erlauben eine individuell angepasste Therapie, abhängig vom Zustand der Schulterstrukturen“.
Chirurgische Techniken spielen bei der Versorgung von Schultergelenkserkrankungen eine zentrale Rolle und bestimmen wesentlich den Zugang, das Vorgehen und die postoperative Nachbehandlung. Die Anatomie der Schulter erlaubt dabei ein relativ minimalinvasives Vorgehen. Es gibt natürliche Muskellücken, über die man – insbesondere über den klassischen vorderen Zugang – das Schultergelenk erreichen kann. Dieser Zugang nutzt die vorhandene Struktur des Körpers und ermöglicht es, auf schonende Weise zu operieren.
PD Dr. Baums kommentiert dazu: „Bei der Implantation einer anatomischen Schulterprothese ist es jedoch notwendig, die Rotatorenmanschette zu eröffnen. Nur so lässt sich das Schultergelenk vollständig freilegen. Dieser Schritt ist unverzichtbar, da eine intakte Rotatorenmanschette die Voraussetzung für den Einsatz einer anatomischen Prothese ist. Nach der Operation muss die Sehne sorgfältig rekonstruiert und wieder angenäht werden – mit entsprechender Auswirkung auf die Dauer der Heilung. Anders ist es bei der inversen Prothese. Hier ist die Situation häufig bereits dadurch geprägt, dass die Rotatorenmanschette aufgrund von Verschleiß oder Rissbildungen stark geschädigt ist. Der Zugang zum Gelenk erfolgt dann meist über die bereits vorhandenen Defekte, was das operative Vorgehen erleichtert. Dennoch bleibt auch in diesem Fall das Ziel, möglichst gewebeschonend und knochensparend zu arbeiten. Sowohl bei der anatomischen als auch bei der inversen Prothese kommen moderne Implantatsysteme zum Einsatz, die ein minimalinvasives Vorgehen im Sinne eines geringen Knochenverlustes ermöglichen. Statt klassisch schaftverankerter Prothesen werden zunehmend metaphysär verankerte Systeme verwendet. Diese sitzen stabil im oberen Bereich des Oberarmknochens und erhalten wertvolle Knochensubstanz. Das ist insbesondere mit Blick auf mögliche spätere Revisionsoperationen von großem Vorteil, da so mehr eigener Knochen zur Verfügung bleibt“.
Nach der Operation muss der Patient ein bisschen Geduld mitbringen. „Der Arm des Patienten wird über sechs Wochen hinweg in einem speziellen Abduktionskissen gelagert. Während dieser Zeit heilt die rekonstruierte Sehne, wobei die Schulter dennoch passiv bewegt werden darf. Dazu erhält der Patient ein individuell abgestimmtes Nachbehandlungsschema, das mit dem behandelnden Physiotherapeuten gemeinsam umgesetzt wird. Diese Kombination aus gezielter Ruhigstellung und kontrollierter Mobilisation fördert eine stabile Heilung und stellt eine funktionelle Rehabilitation sicher. Schmerzen nach einer Schulteroperation sind grundsätzlich unangenehm, lassen sich jedoch gut kontrollieren. In unserer Klinik erhalten die Patienten von den Narkoseärzten in der Regel einen sogenannten Schmerzblock oder Schmerzkatheter. Damit wird gezielt der Hals-Schulter-Bereich betäubt, sodass der postoperative Schmerz in den ersten Tagen gut beherrscht werden kann. Diese Maßnahme reduziert den Bedarf an Tabletten erheblich und ermöglicht es, die besonders schmerzintensive Anfangsphase – also die ersten zwei bis drei Tage – deutlich angenehmer zu gestalten. Nach Ablauf der sechs Wochen, in denen die Schulter in einer speziellen Schiene ruhiggestellt wird, beginnt die Rehabilitationsphase. Diese dauert in der Regel zwei bis drei Wochen und kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. In dieser Phase wird die Basis für den weiteren funktionellen Aufbau gelegt. Ziel ist es, die Beweglichkeit zu verbessern und die Belastbarkeit der Schulter schrittweise zu steigern. Man darf jedoch nicht erwarten, dass unmittelbar nach der Operation eine volle Beweglichkeit vorhanden ist. Viele Patienten kommen bereits mit einem teilweise eingesteiften Gelenk zur Operation – häufig durch langjährigen Verschleiß und Schonung. Diese Einschränkungen können sich durch die notwendige Ruhigstellung in den ersten Wochen zunächst sogar verstärken. Deshalb dient die Reha lediglich als Einstieg in einen längerfristigen Prozess. Bis zur weitgehenden Wiederherstellung der Schulterbeweglichkeit vergehen meist sechs bis neun Monate. In einigen Fällen gelingt sogar eine vollständige Normalisierung, etwa beim Schwimmen oder bei bestimmten Sportarten. In anderen Fällen bleibt die Funktion etwas eingeschränkt – je nachdem, wie gut sich die Muskulatur anpasst und wie lange der Schaden vor dem Eingriff bestanden hat“, schildert PD Dr. Baums.
Die individuelle Regeneration hängt stark von der allgemeinen körperlichen Verfassung ab – insbesondere von der Muskelkraft und der Kompensationsfähigkeit. Hier spielt das Lebensalter natürlich eine gewisse Rolle.
„Entscheidender ist jedoch oft, wie lange die Vorschädigung bereits bestanden hat. Ein Patient, der seit zehn Jahren mit einer eingeschränkten Schulterbeweglichkeit lebt, wird deutlich länger für die Wiederherstellung brauchen als jemand mit einer erst seit kurzem bestehenden Problematik. Grundsätzlich wird immer gemeinsam mit dem Patienten eine individuelle Lösung gesucht. Das Alter allein stellt dabei kein Ausschlusskriterium für eine Schulterprothese dar. Ein gutes Beispiel ist eine Patientin, die ich im Alter von 92 Jahren operiert habe und sich heute – mit 97 – noch immer gut mit ihrer Prothese zurechtfindet. Solche Fälle sind zwar Ausnahmen, zeigen aber, dass eine operative Versorgung auch im hohen Alter erfolgreich sein kann. Die meisten Patienten befinden sich allerdings im Altersbereich zwischen 60 und 70 Jahren. Wichtiger als das Alter sind Begleiterkrankungen – etwa des Herzens oder der Lunge – sowie der subjektive Leidensdruck. Wenn alle konservativen Therapieansätze ausgeschöpft sind und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist, wird eine Prothetik in Erwägung gezogen. In Fällen, in denen bisher keine konservativen Maßnahmen versucht wurden, sollte zunächst dieser Weg gewählt werden. Erst wenn dieser ausgereizt ist, wird individuell über eine operative Versorgung entschieden“, konstatiert PD Dr. Baums.
Die Schulterendoprothetik birgt, wie jede größere Operation, spezifische Risiken und Komplikationen, die sowohl den Eingriff selbst als auch die postoperative Phase betreffen. Zu den häufigsten Problemen zählen Infektionen, Prothesenlockerungen, Luxationen (Ausrenkungen), Frakturen, Nervenverletzungen sowie Weichteilprobleme.
„Wie bei jeder Operation bestehen auch bei der Implantation einer Schulterprothese gewisse Risiken. Ein zentrales Thema ist dabei das Risiko einer Infektion – wie bei allen Kunstgelenken. Eine solche Infektion kann nicht nur unmittelbar nach dem Eingriff, sondern auch langfristig auftreten und im ungünstigsten Fall zu einer Lockerung der Prothese führen. Ein weiteres spezifisches Risiko im Vergleich zu Hüft- oder Knieprothesen ist die Möglichkeit einer Instabilität des Schultergelenks, wodurch es zu einem Auskugeln der Prothese kommen kann. Glücklicherweise tritt dieses Problem nur selten auf, bleibt jedoch eine Besonderheit der Schulterendoprothetik. Bei Patienten mit einer zu Beginn noch intakten Rotatorenmanschette kann es im Verlauf der Jahre zu einem Sehnenriss kommen. In einem solchen Fall kann es notwendig werden, eine ursprünglich eingesetzte anatomische Prothese in eine inverse Prothese umzuwandeln. Dieser Wechsel ist grundsätzlich möglich und stellt eine bewährte Option dar, wenn sich der Zustand der Weichteile im Laufe der Zeit verschlechtert. Bezüglich der Haltbarkeit lässt sich festhalten, dass Schulterprothesen im Durchschnitt eine vergleichbare Lebensdauer wie Hüft- oder Knieprothesen aufweisen. Die gängigen Registerdaten sprechen von einer durchschnittlichen Standzeit von etwa 15 Jahren. Natürlich gibt es dabei individuelle Schwankungen. Manche Prothesen halten deutlich länger, während andere, insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder rheumatischen Erkrankungen, früher gewechselt werden müssen. Solche frühzeitigen Lockerungen sind jedoch eher selten geworden. Die verwendeten Materialien haben sich in den letzten Jahren stark verbessert, sodass heute ein Großteil der Schulterprothesen zementfrei eingesetzt werden kann. Eine zementierte Verankerung wird nur noch in Ausnahmefällen gewählt – beispielsweise bei Osteoporose oder bei komplexen Knochenbrüchen, bei denen eine stabile knöcherne Verankerung nicht sichergestellt werden kann. Die Fortschritte in der Materialtechnologie und Operationstechnik tragen also wesentlich dazu bei, das Risiko für Komplikationen zu minimieren und die Langlebigkeit der Implantate zu erhöhen“.
Das St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten ist ein hochspezialisiertes Zentrum für orthopädische und sporttraumatologische Versorgung. Geprägt von modernster minimalinvasiver Technik und 3D-Planung ist es besonders auf Schulterchirurgie und Schulterendoprothetik fokussiert. Dank der engen Zusammenarbeit von Operateuren, Physiotherapeuten und Reha-Experten profitieren Patienten von individuell zugeschnittenen Behandlungskonzepten für eine schnelle Rückkehr in Bewegung und Alltag.
„In unserem Haus führen wir jährlich etwa 80 Schulterprothesen-Operationen durch. Das ist eine beachtliche Zahl und zeugt von einer hohen Spezialisierung und Erfahrung in diesem Bereich. Ein besonderer Aspekt unserer Arbeit ist die präzise und moderne Operationsvorbereitung. Vor jedem Eingriff wird eine softwaregestützte, dreidimensionale Planung vorgenommen. Grundlage dafür ist eine zuvor durchgeführte Computertomographie, mit deren Hilfe sich die knöcherne Anatomie exakt abbilden lässt. Bereits im Vorfeld kann dadurch nicht nur die Position der Prothese genau geplant werden, sondern auch mögliche knöcherne Defekte erkannt und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen berücksichtigt werden. Diese dreidimensionale Planung umfasst auch eine Simulation des späteren Bewegungsablaufs. Zwar hängt die tatsächliche Beweglichkeit postoperativ maßgeblich von der Weichteilsituation – also von Muskulatur und Sehnen – ab, dennoch erlaubt diese virtuelle Vorbereitung bereits eine sehr genaue Einschätzung des zu erwartenden funktionellen Ergebnisses. Besonders innovativ ist der Einsatz einer Virtual-Reality-Brille während der Operation. So lässt sich die vorab geplante Prothese während des Eingriffs virtuell in das Operationsfeld projizieren. Das erleichtert die exakte Umsetzung der Planung und verbessert die Positionierung der Implantatkomponenten deutlich. Auch organisatorisch ist der Ablauf bei uns gut strukturiert. Die Rehabilitationsmaßnahmen werden bereits im Vorfeld der Operation koordiniert, sodass für die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt ein nahtloser Übergang in die Nachsorge gewährleistet ist. Damit schaffen wir optimale Voraussetzungen für eine sichere Operation und eine erfolgreiche Genesung“, verdeutlicht PD Dr. Baums, und damit beenden wir unser Gespräch.
Vielen Dank, Herr Priv.-Doz. Dr. Baums, für den guten Einblick in Ihre Arbeit!
