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Experteninterviews

Interdisziplinäre Therapien von Erkrankungen des Pankreas

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Alexandra Pfitzmann ·

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Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erfordern häufig eine besonders sorgfältige Diagnostik und individuell abgestimmte Behandlung. Je nach Krankheitsbild kommen dabei verschiedene Fachdisziplinen zusammen, um für jeden Patienten die bestmögliche Therapie zu entwickeln. Moderne bildgebende Verfahren, endoskopische Techniken, medikamentöse Behandlungen und spezialisierte operative Eingriffe greifen heute oft nahtlos ineinander. Die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Experten ermöglicht es, selbst komplexe Pankreaserkrankungen umfassend zu beurteilen und zielgerichtet zu behandeln.

Univ.-Prof. Dr. med. Maximilian Bockhorn, FEBS

„Sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Bauchspeicheldrüsenkrebs wird längst nicht mehr zwangsläufig mit einer aussichtslosen Prognose gleichgesetzt. Dazu beigetragen haben vor allem erweiterte operative Möglichkeiten, etwa die zusätzliche Entfernung von Gefäßen oder benachbarten Organen, sowie moderne Behandlungskonzepte vor und nach dem Eingriff, beispielsweise durch Chemo- oder in Einzelfällen Strahlentherapie. Dennoch bleibt Bauchspeicheldrüsenkrebs eine ernste Erkrankung, die häufig erst in einem späten Stadium entdeckt wird und dadurch die Behandlung erschwert. Umso wichtiger ist es, auf Warnsignale des Körpers zu achten und frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen. Zu den möglichen Alarmsignalen zählen anhaltende Oberbauchschmerzen oder wiederkehrende Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Besonders aufmerksam sollte man bei einem neu aufgetretenen Diabetes mellitus werden, da dieser als eines der wichtigsten Warnzeichen gilt. Auch gelb werdende Augen können ein Hinweis sein, wobei sich die Erkrankung dann unter Umständen bereits in einem fortgeschritteneren Stadium befindet. Darüber hinaus können typische Begleiterscheinungen wie nächtliches Schwitzen, Gewichtsverlust oder schlechter Schlaf Warnsignale sein. Mittlerweile weiß man zudem, dass bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ähnliche Zusammenhänge bestehen wie bei anderen Tumorerkrankungen des Verdauungstrakts: Chronische Entzündungen können langfristig das Krebsrisiko erhöhen. Deshalb sollte bei wiederholten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse besonders darauf geachtet werden, dass aus den entzündungsbedingten Veränderungen des Gewebes nicht irgendwann eine Krebserkrankung entsteht“, schildert Prof. Dr. Bockhorn zu Beginn unseres Gesprächs.

Moderne bildgebende Verfahren und endoskopische Untersuchungen haben die Diagnostik und Therapieplanung bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse grundlegend verändert. Da das Pankreas tief im Bauchraum liegt und Beschwerden oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium auftreten, kommt der präzisen Bildgebung eine Schlüsselrolle zu.

„Treten Beschwerden auf, bedeutet das natürlich nicht automatisch, dass ein Bauchspeicheldrüsenkrebs vorliegt. Ziel der Diagnostik ist es daher zunächst, die Ursache der Symptome möglichst rasch einzugrenzen oder andere Erkrankungen auszuschließen. Dabei stehen heute deutlich leistungsfähigere bildgebende Verfahren zur Verfügung als noch vor 20 Jahren. Neben modernen radiologischen Untersuchungen, insbesondere der Magnetresonanztomographie (MRT), spielt die gastroenterologische Abklärung eine zentrale Rolle. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Endoskopie und die Endosonographie, also die direkte Ultraschalluntersuchung der Bauchspeicheldrüse von innen heraus. Bereits bei der ersten Vorstellung können zudem eine körperliche Untersuchung sowie ein konventioneller Ultraschall wichtige Hinweise liefern und eine Vielzahl möglicher Diagnosen ausschließen. Insgesamt ermöglicht die moderne Diagnostik heute eine wesentlich präzisere und frühzeitigere Beurteilung von Veränderungen der Bauchspeicheldrüse als noch vor wenigen Jahrzehnten“, verdeutlicht Prof. Dr. Bockhorn.

Univ.-Prof. Dr. med. Maximilian Bockhorn, FEBS


Moderne Bildgebung und Endoskopie bilden das Fundament einer individualisierten Pankreasmedizin. Sie ermöglichen eine präzise Diagnosestellung, minimieren diagnostische Unsicherheiten und schaffen die Grundlage für maßgeschneiderte Therapiekonzepte, bei denen Chirurgen, Gastroenterologen, Radiologen, Pathologen und Onkologen eng zusammenarbeiten. Dadurch können Behandlungen heute deutlich zielgerichteter geplant und die Erfolgsaussichten für die Patienten verbessert werden.


Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehören zu den anspruchsvollsten Krankheitsbildern in der modernen Medizin. Das liegt zum einen an der zentralen Lage des Organs im Bauchraum und seiner engen Verbindung zu benachbarten Strukturen wie Magen, Zwölffingerdarm, Leber, Gallenwegen und wichtigen Blutgefäßen. Zum anderen umfasst das Spektrum der Pankreaserkrankungen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, von akuten und chronischen Entzündungen über zystische Veränderungen bis hin zu gut- und bösartigen Tumoren. Für eine optimale Versorgung reicht die Expertise einer einzelnen Fachrichtung daher meist nicht aus.

Hierzu erläutert Prof. Dr. Bockhorn: „Bei Veränderungen der Bauchspeicheldrüse ist die Entscheidung für eine bestimmte Therapie nie schematisch, sondern hängt von der Art des Befundes und der Gesamtsituation des Patienten ab. Nicht jede Auffälligkeit ist automatisch mit Krebs gleichzusetzen und nicht jede Veränderung erfordert sofort eine Operation. Manche Befunde können zunächst in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, während bei anderen aufgrund ihrer Merkmale nur wenig Zweifel besteht, dass eine operative Behandlung notwendig ist. Deshalb erhält jeder Patient zunächst ein standardisiertes diagnostisches Programm mit den entsprechenden Untersuchungen. Die Ergebnisse werden anschließend in einer interdisziplinären Expertenrunde besprochen, um das weitere Vorgehen festzulegen. Häufig zeigt sich dabei, dass ein Befund zwar auffällig ist, jedoch zunächst engmaschig beobachtet werden kann. In anderen Fällen sprechen zusätzliche Faktoren wie eine neu aufgetretene Zuckererkrankung, Gelbsucht, ungewollter Gewichtsverlust oder das Alter des Patienten für einen hochgradigen Tumorverdacht. Oft wird ergänzend eine Gewebeprobe aus der Bauchspeicheldrüse entnommen, um den Verdacht auf Krebs zu bestätigen oder auszuschließen. Allerdings bedeutet eine unauffällige Probe nicht zwangsläufig, dass kein Tumor vorliegt. In manchen Fällen lässt sich die endgültige Diagnose erst nach einer Operation durch die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes sicherstellen. Umso wichtiger ist die Erfahrung des Behandlungsteams und die gemeinsame Bewertung aller Befunde“, und führt weiter aus:

„An der Therapieentscheidung sind verschiedene Fachrichtungen beteiligt. Dazu gehören insbesondere die Chirurgie, die Gastroenterologie, die Radiologie und die Onkologie. Gemeinsam beurteilen die Spezialisten, welche Behandlung im individuellen Fall die größten Erfolgsaussichten bietet. Wird ein Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, kommen heute Chirurgie und Onkologie häufig Hand in Hand zum Einsatz. Grundsätzlich soll möglichst jedem Patienten eine zusätzliche medikamentöse Behandlung vor oder nach der Operation ermöglicht werden. Eine vorgeschaltete, sogenannte neoadjuvante Therapie wird vor allem dann eingesetzt, wenn der Tumor zunächst nicht vollständig operabel erscheint und durch eine Chemotherapie zunächst verkleinert werden soll. Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine spätere vollständige Entfernung zu verbessern. Denn trotz aller Fortschritte bleibt die Operation bei Bauchspeicheldrüsenkrebs der zentrale Goldstandard der Behandlung. Das gemeinsame Ziel aller beteiligten Fachdisziplinen besteht darin, den Tumor letztlich möglichst vollständig entfernen zu können“.


Moderne Pankreasmedizin ist heute Teamarbeit. Je enger die beteiligten Fachdisziplinen zusammenarbeiten, desto individueller, sicherer und erfolgreicher kann die Behandlung gestaltet werden.


Die Wahl der optimalen Therapie bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab und erfordert häufig eine individuelle Abwägung im interdisziplinären Team. Entscheidend sind dabei vor allem die zugrunde liegende Erkrankung, ihr Schweregrad, die Ausdehnung der Veränderungen, das Vorliegen von Beschwerden oder Komplikationen sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.

„Für viele Patienten ist es zunächst schwer nachvollziehbar, warum ein neu diagnostizierter Tumor nicht sofort operiert wird. Die intuitive Reaktion lautet häufig: ,Der Tumor muss so schnell wie möglich raus.´ Genau deshalb gehört die Aufklärung über die Behandlungsstrategie zu den wichtigsten Aufgaben des Behandlungsteams. Patienten müssen verstehen, dass eine vorgeschaltete Therapie keine Verzögerung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts ist. Ziel ist es, die Erfolgsaussichten einer späteren Operation zu verbessern und optimale Bedingungen für eine vollständige Tumorentfernung zu schaffen. Denn in der Tumorchirurgie genügt es nicht, den Tumor lediglich teilweise zu entfernen. Entscheidend ist ein klares therapeutisches Konzept mit dem Ziel, den Tumor möglichst vollständig und als Ganzes zu beseitigen. Ist dies zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht möglich, müssen zunächst andere Behandlungswege gewählt werden, um den Tumor in ein operables Stadium zu überführen. Die Vorbehandlung dient somit der Vorbereitung einer möglichst erfolgreichen chirurgischen Sanierung. Auch nach einer Operation spielt die Onkologie häufig weiterhin eine wichtige Rolle. Grundsätzlich wird versucht, möglichst jedem Patienten eine ergänzende medikamentöse Therapie zu ermöglichen. Ob und in welchem Umfang dies sinnvoll ist, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: vom allgemeinen Gesundheitszustand, davon, wie gut eine mögliche Vorbehandlung vertragen wurde, und nicht zuletzt davon, wie rasch sich der Patient von der Operation erholt. Mitunter zeigen sich auch erst während eines Eingriffs Befunde, die in den Voruntersuchungen nicht erkennbar waren. Stellt sich beispielsweise heraus, dass die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist oder Tochterabsiedlungen gebildet hat, muss das Behandlungskonzept möglicherweise angepasst werden. In solchen Situationen kann anstelle einer Operation eine andere Therapieoption in den Vordergrund treten. Nicht jeder Patient profitiert in diesem Stadium von einem chirurgischen Eingriff. Generell gilt, dass Patienten mit operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs im Durchschnitt bessere Überlebenschancen haben als Patienten, bei denen eine Operation nicht möglich ist. Dennoch lassen sich Verlauf und Prognose nie pauschal vorhersagen. Die Spannbreite ist groß und hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab. Gegenstand aktueller Forschung ist unter anderem die Frage, welche biologischen und genetischen Merkmale beeinflussen, welcher Patient besonders von einer Operation, von einer Kombinationstherapie oder von anderen Behandlungsansätzen profitiert. Trotz aller Fortschritte bleibt die Lebenserwartung bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs allerdings häufig begrenzt, sodass eine ehrliche und zugleich einfühlsame Kommunikation über Therapieziele, Lebensqualität und realistische Erwartungen ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist“, betont Prof. Dr. Bockhorn.


Akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen werden zunächst meist konservativ behandelt. Erst bei Komplikationen oder fehlendem Therapieerfolg sind interventionelle oder operative Eingriffe erforderlich. Eine Operation ist vor allem bei Tumoren sowie bestimmten chronischen oder strukturellen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse notwendig. Welche Therapie zum Einsatz kommt, entscheiden Spezialisten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam und individuell für jeden Patienten.


Minimalinvasive und robotergestützte Verfahren haben in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der Pankreaschirurgie eingenommen. Während Operationen an der Bauchspeicheldrüse früher fast ausschließlich über große Bauchschnitte durchgeführt wurden, können heute viele Eingriffe über wenige kleine Zugänge erfolgen. Die technische Entwicklung hat dazu beigetragen, dass selbst komplexe Operationen in ausgewählten Fällen minimalinvasiv und zunehmend auch robotergestützt durchgeführt werden können.

Univ.-Prof. Dr. med. Maximilian Bockhorn, FEBS

„Auch in der Bauchspeicheldrüsenchirurgie gewinnen minimalinvasive und robotergestützte Verfahren zunehmend an Bedeutung. In vielen Fällen wird heute versucht, Eingriffe möglichst schonend durchzuführen. Dafür stehen moderne laparoskopische Techniken ebenso zur Verfügung wie Operationsroboter, die eine hochpräzise, minimalinvasive Pankreaschirurgie ermöglichen. Allerdings eignet sich nicht jeder Patient gleichermaßen für ein solches Vorgehen. Besonders bei Menschen, die bereits mehrfach oder sehr ausgedehnt am Bauch operiert wurden, oder bei bestimmten medizinischen Voraussetzungen kann es notwendig sein, auf ein offenes Operationsverfahren zurückzugreifen. Eine allgemeingültige Zahl, wie viele Patienten für eine robotische Operation infrage kommen, lässt sich jedoch nicht nennen, da die Entscheidung stets individuell getroffen wird. Bei der Wahl des geeigneten Verfahrens spielt neben dem Krankheitsbild auch der Allgemeinzustand des Patienten eine wichtige Rolle. Dabei wird heutzutage weniger auf das kalendarische Alter geachtet als vielmehr auf die sogenannte Gebrechlichkeit (,Frailty´). Nicht selten sind Patienten biologisch deutlich jünger oder älter, als ihr tatsächliches Lebensalter vermuten lässt. Diese Faktoren fließen in die Behandlungsplanung ebenso ein wie Begleiterkrankungen und die körperliche Belastbarkeit. Die Bauchspeicheldrüsenchirurgie beschränkt sich jedoch nicht auf die Behandlung von Tumorerkrankungen. Ein weiterer wichtiger Bereich sind Patienten mit chronischer Pankreatitis, die häufig unter wiederkehrenden oder dauerhaften starken Schmerzen leiden. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von Steinbildungen über bestimmte Medikamente und Zysten bis hin zu alkoholbedingten Veränderungen. In ausgewählten Fällen kann eine Operation helfen, die Beschwerden nachhaltig zu lindern. Hintergrund ist, dass die chronische Entzündung die Bauchspeicheldrüse im Laufe der Zeit umbaut und zu Verengungen im Gangsystem führen kann. Dadurch wird der Abfluss des Bauchspeicheldrüsensekrets behindert, häufig zusätzlich verstärkt durch Steinbildungen. Ziel einer drainierenden Operation ist es, diese Engstellen zu beseitigen und den Abfluss wieder zu verbessern. Gelingt dies, können die oft erheblichen Schmerzen deutlich reduziert oder sogar vollständig beseitigt werden. Auch bei dieser Erkrankung erfolgt die Therapieentscheidung interdisziplinär. Gemeinsam wird geprüft, ob eine konservative Behandlung ausreicht, ob endoskopische Verfahren erfolgversprechend sind oder ob eine operative Sanierung die beste Option darstellt. Kommt eine Operation infrage, handelt es sich dabei in der Regel um einen einmaligen Eingriff mit dem Ziel, die Ursache der Beschwerden dauerhaft zu beheben“, erklärt Prof. Dr. Bockhorn.


Minimalinvasive und robotergestützte Eingriffe ermöglichen oft weniger Schmerzen, einen geringeren Blutverlust, eine schnellere Erholung und kürzere Krankenhausaufenthalte. Dank hochauflösender 3D-Sicht und präziser Instrumente können selbst anspruchsvolle Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse besonders schonend durchgeführt werden. Allerdings eignet sich nicht jeder Patient für diese Verfahren. Entscheidend sind Tumorart und -ausdehnung, Voroperationen, Gefäßbeteiligungen und der allgemeine Gesundheitszustand. Moderne Pankreaszentren können je nach individueller Situation zwischen offenen, minimalinvasiven und robotergestützten Verfahren wählen und so die bestmögliche Behandlung gewährleisten. Entscheidend bleibt dabei stets die sichere und vollständige Therapie der Erkrankung.


Bei der Wahl des behandelnden Arztes oder der passenden Klinik kommt es vor allem auf Erfahrung und Spezialisierung an. Empfehlenswert sind zertifizierte Zentren, große Kliniken oder Universitätskliniken, die sich nachweislich seit vielen Jahren mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse beschäftigen.

Hierzu kommentiert Prof. Dr. Bockhorn: „Gerade bei komplexen Krankheitsbildern wie Bauchspeicheldrüsenkrebs oder chronischen Entzündungen profitieren Patienten von eingespielten interdisziplinären Teams, in denen Chirurgen, Gastroenterologen, Radiologen und Onkologen eng zusammenarbeiten. Viele der heute etablierten Behandlungsverfahren sind nicht grundsätzlich neu. Auch vor 20 Jahren wurden entsprechende Operationen bereits durchgeführt. Allerdings haben sich sowohl die chirurgischen Techniken als auch die begleitende Diagnostik deutlich weiterentwickelt. Moderne Bildgebung, präzisere Operationsverfahren und bessere Möglichkeiten der perioperativen Betreuung tragen heute dazu bei, Behandlungen gezielter und sicherer durchzuführen. Für die Zukunft sieht die Medizin vor allem in der Früherkennung und Prävention großes Potenzial. Ein wichtiges Ziel besteht darin, Risikopatienten früher zu identifizieren und die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs möglichst zu verhindern. Dabei rücken auch Veränderungen wie Zysten oder andere auffällige Befunde der Bauchspeicheldrüse stärker in den Fokus. Sie müssen sorgfältig überwacht und regelmäßig bewertet werden, da einige dieser Veränderungen mit der Zeit in eine bösartige Erkrankung übergehen können. Die Herausforderung besteht darin, den richtigen Zeitpunkt für einen Eingriff zu erkennen: Nicht jede Veränderung erfordert sofort eine Operation, gleichzeitig darf eine notwendige Behandlung nicht zu spät erfolgen. Zunehmend an Bedeutung gewinnt zudem die genetische und familiäre Risikobewertung. Schon heute zeigt sich, dass familiäre Häufungen von Krebserkrankungen wichtige Hinweise liefern können. Mit den Fortschritten in der Forschung wird es künftig wahrscheinlich möglich sein, individuelle Risikoprofile noch genauer zu bestimmen. Deshalb wird Menschen, in deren Familie Krebserkrankungen gehäuft auftreten, empfohlen, dies ärztlich abklären zu lassen und gegebenenfalls an Vorsorge- oder Kontrollprogrammen teilzunehmen. Das gilt grundsätzlich für verschiedene Krebsarten, kann aber insbesondere bei Bauchspeicheldrüsenkrebs einen wichtigen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung leisten“.

Als universitäres Spitzenzentrum bündelt das Klinikum Oldenburg im Nordwesten Deutschlands die Expertise zahlreicher hochspezialisierter Fachbereiche in interdisziplinären Zentren. Für Patienten mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse bedeutet das kurze Wege zwischen moderner Bildgebung, Gastroenterologie, Onkologie und Viszeralchirurgie sowie eine gemeinsame Therapieplanung durch erfahrene Spezialisten. Die enge Vernetzung des Zentrums für Innere Medizin, des Zentrums für Onkologie, des Zentrums für Diagnostik und Radiologie sowie des Zentrums für Operative Medizin schafft optimale Voraussetzungen für die Behandlung selbst komplexer Pankreaserkrankungen. Als Universitätsklinikum mit etablierten spezialisierten Zentren bietet das Klinikum Oldenburg damit die Expertise und Infrastruktur, die für eine moderne, interdisziplinäre und individuell abgestimmte Pankreasmedizin erforderlich sind.

Univ.-Prof. Dr. med. Maximilian Bockhorn, FEBS

Prof. M. Ellrichmann (Gastroenterologie), Prof. M. Maurer (Radiologie), Prof. A. Morgner-Miehlke (Vorständin Universitätsklinik Oldenburg), Prof. C. Khandanpour (Onkologie), Dr. A. Philippi (Gesundheitsminister Nds.), Jörn Krogmann (Oberbürgermeister Oldenburg), Prof. M. Bockhorn (Chirurgie), Prof. H.-G. Nothwang (Dekan der Universitätsmedizin Oldenburg)

„Im Klinikum Oldenburg wird das gesamte Spektrum der Bauchspeicheldrüsenchirurgie angeboten – von gewebeschonenden Eingriffen bis hin zu komplexen, ausgedehnten Operationen. Diese Erfahrung besteht bereits seit vielen Jahren. Ergänzt wird das Angebot durch moderne minimalinvasive und robotergestützte Operationsverfahren, die heute für immer mehr Patienten infrage kommen. Gleichzeitig profitieren Betroffene von einem eng vernetzten Umfeld aus Gastroenterologie, Onkologie und weiteren spezialisierten Fachbereichen. Dadurch können Diagnostik, Therapieplanung und Nachsorge umfassend und interdisziplinär aus einer Hand erfolgen. Wie lange eine Behandlung oder ein operativer Eingriff den Patienten insgesamt beansprucht, hängt wesentlich vom individuellen Gesundheitszustand ab. Grundsätzlich gilt: Je fitter ein Patient vor der Operation ist, desto besser wird der Eingriff in der Regel vertragen und desto schneller verläuft die Erholung. Nach größeren Bauchspeicheldrüsenoperationen kann der Krankenhausaufenthalt grob zwischen sieben und zehn Tagen liegen, wobei individuelle Abweichungen möglich sind“, erläutert Prof. Dr. Bockhorn und empfiehlt zum Abschluss unseres Gesprächs:

„Wer seine Bauchspeicheldrüse langfristig schützen möchte, sollte vor allem auf die allgemeinen Regeln für einen gesunden Lebensstil achten. Spezifische Vorsorgeempfehlungen ausschließlich für die Bauchspeicheldrüse gibt es kaum. Als wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs gelten insbesondere Rauchen und hoher Alkoholkonsum. Entscheidend ist daher ein verantwortungsvoller Umgang mit beiden Faktoren. Hinzu kommen eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht. Auch bei der Ernährung zeichnet sich seit Jahren ein Wandel ab. Ein bewussterer Umgang mit Nahrungsmitteln und ein höherer Anteil pflanzlicher Mahlzeiten werden zunehmend als sinnvoll für die allgemeine Gesundheit angesehen. Selbst innerhalb der medizinischen Fachwelt spiegelt sich diese Entwicklung wider. Was früher auf Fachkongressen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen kaum denkbar gewesen wäre, nämlich weitgehend auf Fleischgerichte zu verzichten, wird heute zunehmend selbstverständlich. Das zeigt, wie stark sich das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit in den vergangenen Jahren verändert hat“.


  • Direktor der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Oldenburg
  • Professor für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Universität Oldenburg
  • Spezialist für komplexe Eingriffe an Speiseröhre, Magen, Leber und Bauchspeicheldrüse
  • Ausgewiesener Experte für die chirurgische Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und Pankreastumoren
  • Schwerpunkt auf minimalinvasiven und robotergestützten Operationsverfahren
  • Leiter des Zentrums für interdisziplinäre robotische Chirurgie (ZIRCOL)
  • Leiter des Darmkrebszentrums am zertifizierten Onkologischen Zentrum des Klinikums Oldenburg
  • Internationale Expertise durch aktive Mitarbeit in führenden Fachgesellschaften der Pankreas- und Viszeralchirurgie
  • Forschungsmethoden zu Tumorentstehung, Entzündungsprozessen und Therapieresistenzen
  • Verfolgt einen interdisziplinären Behandlungsansatz bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

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Über den Fachautor

Alexandra Pfitzmann

Redakteurin

Als Diplomatentochter weltweit Zuhause, lebt Alexandra Pfitzmann seit dem Jahr 2000 glücklich in Berlin und auf Mallorca.

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