Myome sind gutartige Wucherungen der Gebärmutter und gehören zu den häufigsten gynäkologischen Befunden überhaupt. In Deutschland entwickeln über 50 % der Frauen im Laufe ihres Lebens mindestens ein Myom, besonders häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
Viele Myome bleiben unbemerkt, andere verursachen starke Blutungen, Schmerzen oder beeinträchtigen die Fruchtbarkeit. Wie diese Erkrankung verläuft und welche Behandlungsoptionen es gibt, erfuhr die Redaktion des Leading Medicine Guide in einem Gespräch mit Professor Dr. med. Hans-Christian Kolberg.

„Werden Myome nur zufällig entdeckt, etwa im Ultraschall, und hat die Patientin keine Symptome, besteht auch keinerlei Behandlungsbedarf. Erst wenn Myome Beschwerden machen, werden sie medizinisch relevant und gelten als behandlungsbedürftig.
Wichtig ist dabei jedoch, sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um ein Myom handelt. Es gibt eine extrem seltene, aber entscheidende Differenzialdiagnose: das Sarkom, eine bösartige Erkrankung, die im Ultraschall und sogar im MRT genauso aussehen kann wie ein Myom. Unterscheiden lassen sich beide letztlich nur über die Wachstumsgeschwindigkeit, weshalb die Beurteilung durch einen erfahrenen Frauenarzt so wichtig ist.
In der Sprechstunde ist deshalb eine der ersten Fragen, wie lange die Patientin die Veränderung schon kennt. Wenn jemand seit zehn Jahren Myome hat, kann es kein Sarkom sein. Auch wenn diese bösartige Variante selten ist, sollte man sie einmal angesprochen und im Hinterkopf haben.
Abgesehen davon gilt: Myome müssen nur dann behandelt werden, wenn sie tatsächlich Beschwerden verursachen“, erklärt Prof. Dr. Kolberg und beschreibt dann, wie Myome entstehen:
„Myome entstehen im Grunde wie jeder andere gutartige Tumor, denn letztlich handelt es sich genau darum: um gutartiges Gewebe, das an einer Stelle wächst, an die es eigentlich nicht gehört. Der Begriff ,Tumor´ macht vielen Menschen unnötig Angst, dabei bedeutet er zunächst nur, dass irgendwo Gewebe entsteht, das dort nicht hingehört.
Es gibt bösartige Tumore, die gefährlich sind, und gutartige, die keine Schäden anrichten. Bei Myomen wächst Muskelgewebe außerhalb des funktionellen Verbands der Gebärmutterwand, es kann sich also nicht zusammenziehen und bildet stattdessen einen Knoten – genau das ist ein Myomknoten. Warum Frauen Myome bekommen, lässt sich nicht auf Umweltfaktoren, Ernährung oder Medikamente zurückführen.
Am wahrscheinlichsten ist eine genetische Veranlagung. Ein konkretes Gen wurde bislang nicht identifiziert, und es gibt keine Möglichkeit, das Risiko vorherzusagen oder zu testen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass Frauen ein erhöhtes Risiko haben können, wenn Mutter oder Schwester ebenfalls Myome hatten, auch wenn sich dieses Risiko nicht exakt beziffern lässt. Entscheidend bleibt, dass Myome nur dann zur Krankheit werden, wenn sie Beschwerden verursachen.
Was das Wachstum betrifft, gibt es keine festen Regeln, sondern die Beurteilung beruht auf Erfahrungswerten. Wird ein Myom erstmals entdeckt und misst etwa zwei Zentimeter, wird häufig nach sechs Monaten erneut kontrolliert. Bei jungen Frauen mit regelmäßigem Zyklus und normalem Hormonspiegel ist es völlig üblich, dass ein Myom in dieser Zeit auf drei Zentimeter anwächst.
Ein bis zwei Zentimeter Wachstum pro Jahr gelten als normal, wobei Myome nicht linear wachsen, sondern in Schüben. Manche bleiben über Jahre unverändert. Ein Sarkom hingegen wächst kontinuierlich und zeigt innerhalb von sechs Monaten meist eine deutliche Größenzunahme, oft eine Verdoppelung. Wenn trotz Verlaufskontrollen Unsicherheit besteht, ob es sich wirklich um ein Myom handelt, wird es entfernt“.
Die Häufigkeit von Myomen lässt sich nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleich genau angeben, aber bestimmte Tendenzen sind gut belegt.
„Bei afrikanischen Frauen weiß man relativ zuverlässig, dass etwa die Hälfte der Frauen unter 40 Jahren Myome hat. Das wirkt auf den ersten Blick erstaunlich, weil viele Frauen auf dem afrikanischen Kontinent trotz dieser hohen Rate problemlos mehrere Kinder bekommen. Der Zusammenhang erklärt sich jedoch über das Alter, in dem Frauen dort schwanger werden: Wenn eine Frau bereits mit 16 beginnt, Kinder zu bekommen, können viele Schwangerschaften stattfinden, bevor Myome überhaupt groß genug werden, um Beschwerden zu verursachen.
Beginnt eine Frau dagegen erst mit Mitte 30 mit der Familienplanung, haben Myome deutlich mehr Zeit, sich zu entwickeln und Probleme zu machen. Für Deutschland und andere europäische Bevölkerungsgruppen geht man davon aus, dass bei Frauen über 30 etwa jede vierte Frau Myome hat.
Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit weiter an, weil Myome sich im Laufe des Lebens entwickeln und wachsen. Am häufigsten findet man sie zwischen 40 und 50 Jahren. In dieser Altersgruppe könnten sogar bis zu 50 Prozent der Frauen Myome haben – allerdings bedeutet das nicht, dass all diese Frauen Beschwerden haben. Nur etwa 20 Prozent der Betroffenen spüren tatsächlich Symptome, die behandelt werden müssen“, erläutert Prof. Dr. Kolberg.
Viele Frauen mit Myomen bemerken zunächst keine Veränderungen, weil diese gutartigen Tumore oft langsam wachsen und der Körper sich an die schleichenden Veränderungen anpasst. Beschwerden entstehen meist erst dann, wenn ein Myom eine bestimmte Größe erreicht oder so liegt, dass es die Gebärmutter verformt oder auf umliegende Organe drückt.

Dazu schildert Prof. Dr. Kolberg: „Myome müssen nicht automatisch entfernt werden, sobald sie Beschwerden verursachen, denn letztlich entscheidet immer die Frau selbst, wie stark ihr Leidensdruck ist und ob sie eine Behandlung möchte. Manche Frauen empfinden stärkere Blutungen oder gelegentliche Schmerzen als kaum störend und möchten nichts unternehmen, während andere schon bei deutlich geringeren Veränderungen sagen, dass das für sie nicht akzeptabel ist.
Beide Haltungen sind völlig legitim. Ein ,Müssen´ gibt es nur in der extrem seltenen Situation, in der unklar ist, ob es sich wirklich um ein Myom oder möglicherweise um ein Sarkom handelt. Da Sarkome weniger als zwei Prozent dieser Befunde ausmachen und viele Myome nie Beschwerden verursachen, werden sie auch nicht vorsorglich behandelt, sondern erst dann, wenn tatsächlich Symptome auftreten.
Die Beschwerden selbst lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst alles, was durch die Ausdehnung eines Myoms entsteht: Schmerzen, Druckgefühl, häufiges Wasserlassen, Verstopfung oder andere Beschwerden, die durch das Zusammendrücken von Organen entstehen. Die zweite Gruppe betrifft Blutungsstörungen.
Viele Frauen haben Zwischenblutungen oder vor allem sehr starke Periodenblutungen, die zwar regelmäßig bleiben, aber deutlich stärker ausfallen als früher. Das ist einer der häufigsten Gründe für eine Behandlung. Die dritte Gruppe betrifft den unerfüllten Kinderwunsch. Myome können die Struktur der Gebärmutter verändern, Eileiter verlegen oder die Bewegungen der Gebärmutter beeinflussen und damit den Transport der Spermien stören.
Sie können also eine Ursache für ausbleibende Schwangerschaften sein, müssen es aber nicht“. Zusätzlich können sie auch eine Ursache für Fehlgeburten oder selten auch Frühgeburten sein.
Myome sitzen fast immer in der Gebärmutter, denn sie entstehen dort, wo glatte Muskulatur vorhanden ist. Deshalb spricht man auch von Uterusmyomen.
„Myome können in allen Schichten der Gebärmutterwand auftreten oder im Bandapparat der Gebärmutter liegen, aber sie wandern nicht an andere Orte. Vom äußeren Bauchfellüberzug bis tief in die Gebärmutterhöhle können sie überall dort entstehen, wo Muskelgewebe vorhanden ist. Häufig kommt es zu verstärkten oder verlängerten Monatsblutungen, die bis zur Blutarmut führen können, sowie zu krampfartigen Schmerzen im Unterbauch.
Manche Frauen spüren ein Druck- oder Völlegefühl im Becken, das sich beim Sitzen oder bei Bewegung verstärkt. Wenn ein Myom auf die Blase drückt, treten häufiger Harndrang oder Probleme beim vollständigen Entleeren der Blase auf, während Myome in Darmnähe zu Verstopfung oder Druckbeschwerden führen können.
Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Einschränkungen der Fruchtbarkeit sind möglich, wenn Myome die Gebärmutterhöhle verändern. Trotz dieser möglichen Symptome bleiben viele Myome lange unbemerkt, weil kleine oder ungünstig gelegene Myome keinerlei Beschwerden verursachen. Selbst größere Myome können unauffällig bleiben, wenn sie so wachsen, dass sie weder die Gebärmutterhöhle noch benachbarte Organe beeinträchtigen.
Viele Frauen interpretieren leichte Zyklusveränderungen oder gelegentliche Schmerzen zudem als normale Schwankungen und suchen erst spät ärztlichen Rat. Da Myome meist über Jahre wachsen, gewöhnt sich der Körper an die Veränderungen, sodass Beschwerden erst dann auffallen, wenn das Myom deutlich größer wird oder sich seine Lage verändert.
Eine gynäkologische Untersuchung ist deshalb wichtig, wenn Blutungsstörungen, Schmerzen oder Druckgefühle auftreten, um die Ursache sicher abzuklären“, empfiehlt Prof. Dr. Kolberg.
Myome lassen sich am zuverlässigsten durch bildgebende Verfahren erkennen, weil diese die Gebärmutter klar darstellen und Veränderungen früh sichtbar machen. Eine ärztliche Abklärung ist dabei immer wichtig, besonders wenn Blutungsstörungen, Schmerzen oder Druckgefühle auftreten, da nur ein Facharzt sicher beurteilen kann, ob ein Myom vorliegt und welche Bedeutung es hat.

„Die Diagnostik beginnt immer mit dem Gespräch, denn entscheidend ist zuerst, welche Beschwerden eine Frau tatsächlich hat und wie stark ihr persönlicher Leidensdruck ist. Viele Patientinnen kommen in die bei uns eingerichtete Myomsprechstunde, weil sie selbst Symptome bemerken, andere wiederum, weil ihr Frauenarzt im Ultraschall Myome entdeckt hat, ohne dass sie selbst etwas davon gespürt hätten.
In solchen Fällen, in denen keinerlei Beschwerden bestehen, ist oft schon nach dem Gespräch klar, dass keine Behandlung notwendig ist. Deshalb steht am Anfang immer die Frage, ob und wodurch die Patientin belastet ist. Im nächsten Schritt lässt sich der größte Teil der Diagnostik durch einen Ultraschall klären.
Der vaginale Ultraschall ist dabei das wichtigste Verfahren, weil man damit sehr genau sehen kann, wo die Myome sitzen und ob sie für die geschilderten Beschwerden verantwortlich sein könnten. Ergänzend kann ein Ultraschall über die Bauchdecke sinnvoll sein, wenn die Lage oder Größe der Myome das erfordert. Für spezielle Fragestellungen, etwa wenn die genaue Ausdehnung oder die Beziehung zu bestimmten Strukturen unklar ist, kommt manchmal eine Kernspintomographie zum Einsatz. Eine CT spielt in der Myomdiagnostik hingegen keine Rolle“, so Prof. Dr. Kolberg.
Der transvaginale Ultraschall ist das wichtigste und am häufigsten eingesetzte Verfahren, weil er die Gebärmutter sehr detailliert darstellt und Größe, Lage und Anzahl der Myome zuverlässig sichtbar macht
Moderne, schonende Behandlungsverfahren für Myome zielen heute darauf ab, Beschwerden zu lindern und die Gebärmutter möglichst zu erhalten. Welche Methode sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation ab – etwa von der Größe und Lage der Myome, dem Beschwerdebild und dem Kinderwunsch.
Prof. Dr. Kolberg klärt auf: „Um die Behandlung von Myomen zu verstehen, muss man sich zunächst klar machen, welche Möglichkeiten es grundsätzlich gibt. Es stehen operative und nicht‑operative Verfahren zur Verfügung, und bevor man über konkrete Schritte spricht, ist es wichtig, beide Seiten vollständig zu erklären.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage nach der Familienplanung, denn sie bestimmt maßgeblich, welche Optionen überhaupt sinnvoll sind. Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr haben, können aus einem größeren Spektrum an Maßnahmen wählen, während bestimmte Eingriffe für Frauen mit Kinderwunsch nicht infrage kommen. Auch wenn die Patientinnen meist nicht alt sind – Myome sind bis auf extrem seltene Ausnahmen ein Thema vor den Wechseljahren –, haben längst nicht alle noch den Wunsch nach einer Schwangerschaft.
Sobald die Wechseljahre einsetzen, verlieren Myome ohnehin an Bedeutung, weil sie durch den Hormonentzug nicht weiterwachsen und sich oft sogar verkleinern. Bei den operativen Möglichkeiten unterscheidet man zwischen gebärmuttererhaltenden Eingriffen, bei denen die Myome entfernt und die Gebärmutter rekonstruiert wird, und der Entfernung der gesamten Gebärmutter. Eine gebärmuttererhaltende Operation kommt vor allem dann infrage, wenn eine Frau noch Kinder bekommen möchte oder wenn nicht‑operative Therapien nicht gewünscht oder nicht erstattet werden.
Wenn jedoch kein Kinderwunsch mehr besteht und eine Operation gewünscht wird, ist die Entfernung der Gebärmutter meist der deutlich komplikationsärmere Eingriff. Er dauert kürzer, birgt ein geringeres Risiko und löst das Problem endgültig, da Myome danach nicht mehr auftreten können. Während man für eine Gebärmutterentfernung heute in der Regel kein Blut mehr bereithalten muss, wird bei einer Myomentfernung fast immer Blut gekreuzt, weil das Risiko einer Bluttransfusion deutlich höher ist.
Das bedeutet nicht, dass der Erhalt der Gebärmutter kein wertvolles Ziel wäre – im Gegenteil, für Frauen mit Kinderwunsch ist er essenziell –, aber aus rein medizinischer Sicht ist die Gebärmutterentfernung der risikoärmere Weg. Bezüglich der Erholungszeit nach den Eingriffen muss für die Gebärmutterentfernung sicher eine Zeit von 4-6 Wochen eingeplant werden, während bei dem uteruserhaltenden Eingriff nach etwa 14 Tagen wieder Arbeitsfähigkeit besteht.
Am Ende bleibt die Entscheidung immer bei der Patientin. Sie allein bestimmt, wie hoch ihr Leidensdruck ist, welche Risiken sie akzeptieren möchte und welche Lösung ihr am sympathischsten erscheint. Die Aufgabe der Ärzte besteht darin, alle Optionen verständlich darzustellen, nicht darin, eine bestimmte Richtung vorzugeben.
Gebärmuttererhaltende Operationen werden häufig durchgeführt, gerade weil viele junge Frauen Myome haben und sich eine organerhaltende Behandlung wünschen. Sie sind jedoch aufwendiger und können bei großen Myomen schnell zwei bis drei Stunden dauern“ und betont:
„Es kommt praktisch nicht vor, dass einer Frau mit Kinderwunsch gesagt werden muss, dass ihre Gebärmutter entfernt werden muss. Wenn eine Patientin ihre Gebärmutter behalten möchte, gibt es keinen medizinischen Grund, ihr das zu verwehren. Auch sehr ausgedehnte Befunde lassen sich in der Regel organerhaltend operieren.
Viele Frauen kommen für eine Zweitmeinung zu uns, weil ihnen in nicht spezialisierten Einrichtungen gesagt wurde, eine Entfernung sei unumgänglich. Doch selbst extreme Fälle lassen sich oft anders lösen. Die Erfahrung zeigt, dass selbst aus einer Gebärmutter mit Dutzenden Myomen – in einem Fall waren es sechzig – alle Knoten entfernt werden können und die Frau später dennoch schwanger wird und ein gesundes Kind bekommt“.
Eine Operation wird nötig, wenn Myome starke Beschwerden, schnelles Wachstum, Fruchtbarkeitsprobleme oder diagnostische Unsicherheit verursachen. Sehr große oder ungünstig liegende Myome lassen sich oft nur operativ entfernen. Besteht kein Kinderwunsch mehr, kann in ausgeprägten Fällen auch eine Gebärmutterentfernung infrage kommen – immer abhängig von den individuellen Beschwerden und Bedürfnissen.
Nicht‑operative Behandlungsoptionen umfassen sowohl medikamentöse als auch verschiedene minimalinvasive Verfahren, die darauf abzielen, Myome zu verkleinern oder ihre Symptome zu lindern, ohne dass operativ Gewebe entfernt werden muss.
„Die wichtigste medikamentöse Möglichkeit ist heute die Behandlung mit sogenannten GnRH‑Antagonisten. Diese Wirkstoffe blockieren die hormonelle Stimulation der Eierstöcke, sodass die Frau vorübergehend in einen künstlichen Wechseljahreszustand versetzt wird. Um typische Wechseljahresbeschwerden abzufangen, werden in einer festen Kombination geringe Mengen Hormone hinzugegeben, das sogenannte Add‑Back.
Diese Therapie kann Myome verkleinern und Beschwerden deutlich reduzieren. Viele Patientinnen nutzen sie, um Zeit zu gewinnen: Sie werden für einige Monate beschwerdefrei und können in Ruhe entscheiden, ob und welche weitere Behandlung sie möchten. Die Therapie kann zeitweise eingesetzt, pausiert und bei erneut auftretenden Beschwerden wieder aufgenommen werden.
Die Medikamente müssen nicht lebenslang eingenommen werden, weil jede Myombehandlung nur bis zum Eintritt in die Wechseljahre notwendig ist. Danach verlieren Myome ihre hormonelle Grundlage, wachsen nicht weiter und werden oft sogar kleiner, sodass keine Therapie mehr gebraucht wird. Die medikamentöse Behandlung kann zwar über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, aber für die meisten Patientinnen ist sie eine vorübergehende Lösung.
Viele beginnen damit erst in einem Alter, in dem die Wechseljahre ohnehin näher rücken, und nutzen die Medikamente, um Beschwerden zu lindern oder Zeit zu gewinnen, bis eine endgültige Entscheidung über weitere Schritte getroffen ist. Bei sehr jungen Frauen wird diese Therapie in der Regel nicht dauerhaft angewendet. Dort dient sie eher dazu, eine Operation vorzubereiten oder akute Beschwerden zu beruhigen.
Eine langfristige Einnahme wäre schon deshalb nicht sinnvoll, weil unter dieser Behandlung keine Schwangerschaft möglich ist.“, verdeutlicht Prof. Dr. Kolberg und führt weiter aus:
„Neben der medikamentösen Behandlung gibt es drei nicht‑operative Verfahren, die direkt am Myom ansetzen. Eine häufig angebotene Methode ist die Uterusarterien‑Embolisation. Dabei wird nach vorheriger MRT‑Abklärung über eine Angiografie Material in die Blutgefäße eingebracht, die das Myom versorgen.
Diese kleinen Partikel verschließen die Gefäße, sodass das Myom weniger durchblutet wird und schrumpft. Bei 70 bis 80 Prozent der Patientinnen bessern sich die Symptome deutlich. Eine weitere Möglichkeit ist der hochfokussierte Ultraschall. Hier werden Ultraschallwellen so gebündelt, dass sie sich an einem Punkt im Körper treffen und dort Hitze erzeugen.
Temperaturen von 70 bis 80 Grad führen dazu, dass Myome schrumpfen und Beschwerden nachlassen, ebenfalls mit Erfolgsraten von etwa 70 bis 80 Prozent. Beide Verfahren eignen sich allerdings nur für Myome unter acht Zentimetern Durchmesser. Die dritte Option ist die Radiofrequenzablation, eine Art Zwischenform aus minimalinvasiv und operativ. Unter Narkose wird ein Stab durch die Gebärmutterhöhle in das Myom geführt, und mithilfe von Radiofrequenzenergie wird das Gewebe gezielt erhitzt und verkleinert, ohne dass etwas herausgeschnitten wird.
Aus all diesen Möglichkeiten wird gemeinsam mit der Patientin diejenige ausgewählt, die am besten zu ihren Beschwerden, ihren Vorstellungen und der individuellen Myomkonstellation passt. Manche Myomformen eignen sich besser für bestimmte Verfahren als andere, sodass die Entscheidung immer sehr individuell getroffen wird“.
In den Knappschaft Kliniken Marienhospital Bottrop wird die gebärmuttererhaltende Operation nicht nur angestrebt, sondern in den allermeisten Fällen auch möglich gemacht. Selbst komplexe Myombefunde werden dort organerhaltend operiert – gerade für Frauen mit Kinderwunsch ein entscheidender Unterschied.
„Es liegt weniger an einer unbekannten Technik als an der operativen Erfahrung, ob eine Gebärmutter trotz vieler Myome erhalten werden kann. Wenn ein Uterus mit zwanzig, dreißig oder vierzig Myomen operiert wird, sieht er während des Eingriffs tatsächlich so aus, als hätte man eine Explosion im Gewebe gehabt und man muss anschließend jedes einzelne Stück wieder sorgfältig zusammensetzen.
Das ist technisch anspruchsvoll, dauert lange und erfordert viel Routine. Wer solche Eingriffe selten durchführt, kann sich oft kaum vorstellen, dass eine Rekonstruktion zuverlässig gelingt – und empfiehlt deshalb schneller die Entfernung der Gebärmutter. Genau deshalb sollten Myome in spezialisierten Myomsprechstunden behandelt werden, wo die Diagnostik und die Operationen von Teams durchgeführt werden, die solche Fälle regelmäßig sehen.
Das ist ähnlich wie in der Onkologie: Je erfahrener das Zentrum, desto sicherer und differenzierter können Entscheidungen getroffen werden. Viele Patientinnen, denen in nicht spezialisierten Einrichtungen zur Gebärmutterentfernung geraten wurde, konnten in solchen spezialisierten Zentren organerhaltend operiert werden – gerade, wenn ein Kinderwunsch besteht.
Die Haltung, dass letztlich die Frau entscheidet, spielt dabei eine zentrale Rolle. Es gibt immer noch Kollegen, die eher direktiv arbeiten und selbst festlegen, was möglich oder sinnvoll ist. Doch ob ein Kinderwunsch für die Patientin ein realistisches Ziel ist, ist nicht die Entscheidung des Arztes. Auch wenn die Chancen nach einer komplexen Myomentfernung nicht perfekt sind, bleibt die Möglichkeit einer Schwangerschaft bestehen – während sie nach einer Gebärmutterentfernung bei null liegt.
Am Ende hängt vieles von der individuellen Erfahrung des Operateurs und der Ausstattung des Zentrums ab. Je komplexer der Befund, desto wichtiger ist es, jemanden zu haben, der solche Operationen häufig und erfolgreich durchführt“, hebt Prof. Dr. Kolberg hervor, und damit beenden wir unser Gespräch.
- Langjähriger Chefarzt (über 20 Jahre) und führender Experte der gynäkologischen Onkologie mit besonderer Erfahrung in der Behandlung von Brustkrebs und Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane.
- Herausragende operative Kompetenz, insbesondere bei komplexen gynäkologischen Eingriffen, Myomen, Beckenbodensenkungen und Inkontinenz.
- Pionier moderner, schonender Therapien wie hochfokussiertem Ultraschall (HIFU) bei Myomen und Fibroadenomen sowie intraoperativer Strahlentherapie bei Brustkrebs.
- International anerkannter Wissenschaftler und Lehrender, aktiv in Fachgesellschaften, Studien, Publikationen und als Visiting Professor in China und Malaysia.
- Leiter eines mehrfach zertifizierten Brust- und Genitalkrebszentrums, das höchste Qualitätsstandards in Diagnostik, Therapie und technischer Ausstattung erfüllt.
- Engagierter Geburtsmediziner mit Expertise in Hochrisikogeburtshilfe, sanften Kaiserschnitten und Wassergeburten.
- Medizin auf Augenhöhe, geprägt von persönlicher Begleitung, moderner Hochleistungsmedizin und dem Anspruch, Patientinnen individuell und verantwortungsvoll zu betreuen.
