Krankenhausreform auf einen Blick
Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) strukturiert die deutsche Krankenhauslandschaft neu. Kliniken sollen sich durch definierte Leistungsgruppen stärker spezialisieren und nachgewiesene Qualitätskriterien erfüllen. Mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wird die stationäre Krankenhausversorgung seit April 2026 praxisnah fortentwickelt.
Bei planbaren Eingriffen kann die Wahl einer spezialisierten Klinik zukünftig noch wichtiger werden. Die Notfallversorgung bleibt wohnortnah erhalten und soll flächendeckend sichergestellt werden.
Einführung von Leistungsgruppen, stärkere Spezialisierung, Zentrenbildung in der Hochleistungsmedizin, Qualitätsanforderungen als Voraussetzung für die Vergütung sowie Ablösung der bisherigen Fallpauschalen durch eine Vorhaltefinanzierung (Vorhaltevergütung).
Das KHVVG ist am 12. Dezember 2024 in Kraft getreten. Das Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG) wurde vom Bundestag im März 2026 beschlossen und ist seit April 2026 in Kraft. Die weitere Umsetzung – inklusive Fristen zur Erfüllung der Qualitätskriterien – läuft bis 2027; die Krankenhausplanung liegt bei den Bundesländern.
Was ist die Krankenhausreform?
Die Krankenhausreform – gesetzlich verankert im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG, in Kraft seit Dezember 2024) und praxisnah fortentwickelt durch das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG, in Kraft seit April 2026) – ist eine der größten Reformen der stationären Krankenhausversorgung in Deutschland seit Jahrzehnten.
- Kliniken erhalten definierte Leistungsgruppen, für die sie qualitätsbezogene Anforderungen nachweisen müssen.
- Die bisherigen Fallpauschalen werden durch eine Vorhaltefinanzierung (Vorhaltevergütung) ergänzt – damit sollen finanzielle Anreize für unnötige Eingriffe reduziert werden. Der Transformationsfonds unterstützt Kliniken mit 29 Milliarden Euro beim Umbau der Krankenhauslandschaft.
- Kliniken sollen sich stärker spezialisieren; hochkomplexe stationäre Krankenhausleistungen werden an qualifizierten Zentren gebündelt.
- Ziel ist eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung bei gleichzeitiger Stärkung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Krankenhäusern.
- Die Umsetzung liegt bei den Bundesländern im Rahmen ihrer Krankenhausplanung; Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (Bundesministerium für Gesundheit, BMG) koordiniert die Fortentwicklung der Krankenhausreform im Rahmen des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD.
Warum wird die Krankenhauslandschaft verändert?
Deutschland verfügt über eine der dichtesten stationären Krankenhausversorgungen weltweit. Gleichzeitig bestehen erhebliche Unterschiede in Spezialisierung, Ausstattung und Versorgungsqualität zwischen einzelnen Häusern.
- Viele Kliniken führen eine breite Palette an Leistungen durch – unabhängig davon, wie häufig bestimmte Eingriffe tatsächlich erfolgen.
- Internationale Erfahrungen zeigen: Bei komplexen Erkrankungen können Erfahrung und Fallzahlen mit besseren Behandlungsergebnissen verbunden sein.
- Die bisherige Krankenhausfinanzierung über Fallpauschalen setzte Anreize für eine hohe Zahl an Fällen – nicht primär für Qualitätsvorgaben und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung.
- Durch Bündelung komplexer Leistungen an spezialisierten Zentren soll die Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten erhöht und eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung sichergestellt werden.
- Gleichzeitig soll die Grundversorgung wohnortnah erhalten bleiben – insbesondere für Notfälle und häufige Erkrankungen sowie Krankenhäuser im ländlichen Raum.
Was sind Leistungsgruppen?
Leistungsgruppen sind ein zentrales Instrument der Krankenhausreform. Sie legen fest, welche medizinischen Versorgungsbereiche ein Krankenhaus anbieten und abrechnen darf – und welche Anforderungen es dafür erfüllen muss.
Warum sind Leistungsgruppen wichtig?
- Sie schaffen Transparenz darüber, welche Klinik für welche Behandlung qualifiziert ist.
- Krankenhäuser müssen für jede Leistungsgruppe nachweisen, dass sie über die erforderlichen personellen (ärztliche und pflegerische Fachkräfte), strukturellen und prozessualen Voraussetzungen verfügen.
- Für Patientinnen und Patienten können Leistungsgruppen zu einem Qualitätssignal werden: Eine Klinik, die eine Leistungsgruppe führt, hat bei der Erfüllung der Qualitätskriterien definierte Standards nachgewiesen.
- Die Anforderungen variieren je nach Komplexität der Leistungsgruppe – von der Grundversorgung bis zur Hochspezialisierung.
Beispiele für Leistungsgruppen
Allgemeine Innere Medizin
Grundlegende internistische Versorgung als eine der zentralen stationären Krankenhausleistungen – mit Anforderungen an ärztliches Fachpersonal und strukturelle Ausstattung am Standort.
Herzmedizin / Kardiologie
Behandlung von Herzerkrankungen, ggf. mit Anforderungen an Katheterlabor und Herzchirurgie.
Onkologie
Krebsbehandlung mit Anforderungen an interdisziplinäre Tumorboards und onkologische Expertise.
Stroke Unit
Spezialisierte Schlaganfalleinheit mit 24/7-Verfügbarkeit und neurologischer Fachkompetenz.
Endoprothetik
Gelenkersatz mit Anforderungen an Fallzahlen, Implantateregister und Nachsorge.
Geburtshilfe
Versorgungsstufen von der Basisversorgung bis zur Perinatalmedizin mit Neonatologie.
Intensivmedizin
Anforderungen an Bettenzahl, Fachpersonal und technische Ausstattung der Intensivstation.
Was bedeutet die Krankenhausreform für Patienten?
Die Reform verändert, wie Krankenhausversorgung in Deutschland organisiert ist. Für Patientinnen und Patienten entstehen daraus konkrete Fragen.
Klinikwahl bei planbaren Eingriffen
- Bei planbaren Behandlungen – etwa Krebsoperationen, Gelenkersatz oder Herzerkrankungen – kann die Wahl einer spezialisierten Klinik relevant sein.
- Kliniken mit entsprechenden Leistungsgruppen haben definierte Qualitätsvoraussetzungen nachgewiesen.
- Zertifizierungen (z. B. Organkrebszentrum, EndoProthetikZentrum) bieten zusätzliche Orientierung bei der Klinikwahl.
- Die Erfahrung des Behandlungsteams und interdisziplinäre Zusammenarbeit bleiben wichtige Kriterien.
Notfallversorgung
- Im Notfall gilt: Notruf 112 wählen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen – keine Zeit für Klinikrecherche.
- Die Notfallversorgung soll weiterhin flächendeckend erreichbar bleiben und eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung sicherzustellen.
- Für zeitkritische Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vermitteln Rettungsdienste direkt in geeignete Kliniken.
Warum werden Spezialisierung und Zentrenbildung wichtiger?
Spezialisierung bedeutet, dass eine Klinik oder ein Behandlungsteam sich auf bestimmte Erkrankungen oder Eingriffe konzentriert – und damit Expertise, Erfahrung und technische Ausstattung gezielt aufbaut.
- Fallzahlen und Erfahrung: Studien zeigen, dass bei komplexen Eingriffen höhere Fallzahlen und spezialisierte Teams mit günstigeren Ergebnissen verbunden sein können.
- Interdisziplinäre Teams: Spezialisierte Zentren bringen verschiedene Fachrichtungen zusammen – z. B. Onkologen, Chirurgen, Radiologen und Psychoonkologen in einem Krebszentrum.
- Technische Ausstattung: Bestimmte Behandlungen erfordern spezifische Geräte oder Infrastruktur, die nur an spezialisierten Standorten wirtschaftlich vorgehalten werden kann.
- Qualitätszertifizierungen: Zertifizierte Zentren müssen regelmäßig nachweisen, dass sie definierte Qualitätsstandards einhalten.
Welche Fachbereiche sind besonders betroffen?
Die Krankenhausreform betrifft alle medizinischen Fachbereiche – in einigen Bereichen sind die Veränderungen jedoch besonders spürbar, weil dort Spezialisierung und Mindestmengen bereits eine etablierte Rolle spielen.
Onkologie und Krebsmedizin
Onkologische Zentren bündeln Expertise aus Chirurgie, internistischer Onkologie, Strahlentherapie und Supportivmedizin für eine umfassende Krebsbehandlung.
Herzmedizin und Kardiologie
Herzzentren verbinden interventionelle Kardiologie, Herzchirurgie und Notfallversorgung für Patienten mit Herzerkrankungen.
Schlaganfallversorgung / Stroke Unit
Stroke Units ermöglichen eine schnelle und spezialisierte Behandlung nach einem Schlaganfall – entscheidend für Funktionserhalt und Lebensqualität.
Orthopädie und Endoprothetik
Für Gelenkersatz-Operationen gelten Mindestmengen und Zertifizierungen als Qualitätsmerkmal – ein Bereich, in dem Spezialisierung messbar ist.
Geburtshilfe und Neonatologie
Geburtshilfliche Versorgung wird in Stufen organisiert – von der Basisversorgung bis zur Perinatalmedizin für Risikoschwangerschaften und Frühgeburten.
Universitätskliniken / Maximalversorger
Universitätskliniken übernehmen komplexeste Fälle, Forschung und Lehre – und sind oft erste Anlaufstelle für internationale Patienten und seltene Erkrankungen.
Krankenhausreform in den Bundesländern
Die Umsetzung der Krankenhausreform liegt in Deutschland bei den Bundesländern. Jedes Bundesland plant seine Krankenhausversorgung eigenständig – das kann zu regionalen Unterschieden in Tempo und Ausgestaltung der Versorgungsstrukturen führen.
- Dem Gesetzentwurf der Bundesregierung lag ein gemeinsames Eckpunktepapier von Bund und Ländern zugrunde; die Krankenhausplanung selbst obliegt den Bundesländern.
- Welche konkreten Auswirkungen sich für einzelne Kliniken ergeben, hängt von den jeweiligen Länderplänen und der Erfüllung der Qualitätskriterien ab.
- Krankenhäuser im ländlichen Raum erhalten erweiterte Kooperationsmöglichkeiten und Ausnahmeregeln, um eine flächendeckende und bedarfsgerechte Grundversorgung vor Ort sicherzustellen.
- Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen und Ambulantisierung sollen die Versorgungslandschaft flexibler gestalten; weitere Regelungen und Fristen zur Krankenhausstruktur sind bis 2027 geplant.
- Regionale Besonderheiten – etwa städtische Verdichtung oder ländliche Versorgung – spielen bei der Umsetzung eine Rolle.
Glossar: Wichtige Begriffe zur Krankenhausreform
Häufig gestellte Fragen zur Krankenhausreform
Was ist die Krankenhausreform einfach erklärt?
Was ist das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG)?
Was bedeutet die Krankenhausreform für Patienten?
Was sind Leistungsgruppen im Krankenhaus?
Müssen Patienten künftig weiter fahren?
Werden kleine Krankenhäuser geschlossen?
Welche Rolle spielen spezialisierte Zentren?
Welche Fachbereiche sind besonders betroffen?
Was bedeutet die Krankenhausreform für internationale Patienten?
Quellenangaben
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Informationen zur Krankenhausreform (bundesgesundheitsministerium.de)
- Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) – in Kraft seit 12. Dezember 2024
- Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) – Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform, in Kraft seit 15. April 2026
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Beschlüsse und Richtlinien
- Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) – Positionspapiere und Stellungnahmen
- Fachgesellschaften: DGK, DGHO, DGU, DGGG und weitere
- Wissenschaftliche Studien zu Fallzahlen, Qualität und Spezialisierung
- Experteninterviews – in Planung
- Gesundheitsministerien der Bundesländer – regionale Krankenhausplanung
Stand der Informationen: 10.06.2026. Diese Seite wird regelmäßig aktualisiert. Da sich gesetzliche Grundlagen und regionale Umsetzungen ändern können, empfehlen wir, aktuelle Informationen direkt bei den zuständigen Behörden und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einzuholen.
