Leading Medicine Guide Logo

Experteninterview mit Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy: Neues aus der Berlin Charité Neurochirurgie – jüngste Entwicklungen in Kopf und Wirbelsäule

29.08.2025

Professor Dr. med. Peter Vajkoczy ist eine der weltweit führenden Persönlichkeiten in der Neurochirurgie und eine herausragende Stimme im Bereich der Behandlung komplexer Erkrankungen des Nervensystems. Als Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Berliner Charité, der renommierten Universitätsmedizin, vereint er jahrzehntelange Erfahrung, wissenschaftliche Exzellenz und chirurgische Präzision auf höchstem Niveau. Jährlich führt er rund 800 hochkomplexe Operationen durch, darunter mikrochirurgische Eingriffe bei Hirntumoren – wie Gliomen, Hypophysenadenomen und Vestibularisschwannome –, Operationen bei Schädelbasistumoren, die bei schwierigen Zugängen im Schädelinneren eine besondere Herausforderung darstellen, sowie die Behandlung von Gehirn-Gefäßmalformationen wie Aneurysmen und Angiome.

Seine Expertise umfasst zudem die minimal-invasive Therapie von Bandscheibenvorfällen, Stenosen sowie die Stabilisierung von Wirbelsäulendeformitäten und die chirurgische Behandlung von Wirbelsäulentumoren. Seine Arbeitsweise ist geprägt von einer Kombination aus mikrochirurgischer Präzision, innovative Technologien und einer ganzheitlichen Betreuung seiner Patienten. Damit zählt er zu den weltweit führenden Spezialisten, die auch bei den schwierigsten Eingriffen an Gehirn und Wirbelsäule höchste Erfolge erzielen.

Neben seiner chirurgischen Tätigkeit ist Prof. Dr. Vajkoczy auch Autor des Buches „Kopfarbeit“, in dem er seinen Arbeitsalltag sowie die faszinierende Welt des Gehirns schildert. Das Buch vermittelt Einblicke in die intensive, oft langwierige und hochkomplexe Arbeit eines Neurochirurgen – geprägt von Leidenschaft, Verantwortung und Wissenschaft. Seine Arbeit ist geprägt von einer tiefen Leidenschaft für die Forschung und ständiger Weiterentwicklung, um innovative Therapien zu entwickeln und die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Als Wissenschaftler veröffentlicht er regelmäßig hochklassige Publikationen, ist an internationalen Kongressen aktiv und engagiert sich für die Ausbildung kommender Generationen an der Berliner Charité.

Seine IP, verbunden mit modernster Technik und einem hochqualifizierten Team, ermöglicht es ihm, auch in den schwierigsten Fällen exzellente Ergebnisse zu erzielen. Besonders bei anspruchsvollen Eingriffen, wie dem operativen Entfernen großer oder schwer zugänglicher Hirntumore, bei Aneurysma-Operationen oder bei der Behandlung von Krebserkrankungen im Gehirn oder an der Wirbelsäule, beweist er immer wieder seine chirurgische Brillanz. Sein Credo lautet, den Patienten gegenüber Verantwortung, Empathie und höchste Fachkompetenz zu verbinden.

Mit Prof. Dr. Vajkoczy konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide sprechen und erfuhr mehr über die neuesten Entwicklungen in der Charité Berlin sowie über jüngste Fortschritte in der Kopf- und Wirbelsäulenchirurgie.

Prof_Vajkoczy_neu.jpg

Die neuesten Entwicklungen in der Neurochirurgie an der Berliner Charité betreffen vor allem die Verbesserung der Sicherheit und Effizienz von Hirntumoroperationen. Dazu wurde eine Plattform entwickelt, die sowohl vor der Operation als auch während des Eingriffs zum Einsatz kommt. Diese ermöglicht eine sehr detaillierte Untersuchung der sogenannten eloquenten Areale, also der wichtigen Hirnregionen, die in Bezug auf den Tumor eine zentrale Rolle spielen. Dabei kommen auch innovative Methoden zum Einsatz, bei denen teilweise ,Machine Learning´, also künstliche Intelligenz (KI), genutzt wird, um die Fasertrakte im Gehirn sichtbar zu machen. Das bedeutet, dass die wichtigsten Funktionen und deren Bahnen vor der Operation präzise dargestellt werden können, was eine optimierte OP-Planung erlaubt. Während des Eingriffs trägt das intraoperative MRT dazu bei, den Verlauf der Operation genau zu kontrollieren und zu überprüfen, inwieweit der Tumor vollständig entfernt wurde. Ziel ist es, die Rate der kompletten Tumorentfernung weiter zu erhöhen. Zudem gibt es neuartige Methoden, um Tumore bereits während der Operation noch genauer zu diagnostizieren. Bei Bedarf kann auch direkt in der Operation bestrahlt werden, mithilfe spezieller intraoperativer Bestrahlungstechniken. Diese innovativen Ansätze sollen dazu beitragen, Hirntumore noch sicherer und effizienter zu operieren. Dadurch wird die Grundlage geschaffen, dass die Patienten im Anschluss optimal in die weiteren Therapien – wie Chemotherapie oder Strahlentherapie – eingebunden werden können“, schildert Prof. Dr. Vajkoczy am Anfang unseres Gesprächs. 

Foto Charité

Die intraoperative Magnetresonanztomografie, ein Verfahren, das während eines chirurgischen Eingriffs eingesetzt wird, bietet bedeutende Vorteile bei der Behandlung von Tumoren im Gehirn. 

Es ermöglicht eine verbesserte intraoperative Diagnostik durch spezielle Spektralverfahren, die es erlauben, Tumore von gesundem Gewebe zu unterscheiden und teilweise sogar schon eine Diagnose während der Operation zu stellen. Zudem wird die Funktion des Hirngewebes lokalisiert, beispielsweise durch navigierte transkranielle Magnetstimulation, was die operative Präzision erheblich erhöht. Dadurch kann die Operation gezielt auf die jeweiligen Gewebe abgestimmt werden, um möglichst alle Tumorzellen zu entfernen, ohne funktionell wichtige Bereiche zu schädigen. Ein weiterer bedeutender Fortschritt ist die Möglichkeit, den Patienten während des Eingriffs wach zu lassen, um wichtige Funktionen wie Sprache und Motorik in Echtzeit zu überwachen. So können beispielsweise Sprach- oder Bewegungsstörungen sofort erkannt und die Operation entsprechend angepasst werden. Zudem gewinnt das Verständnis für weitere Hirnfunktionen wie Persönlichkeit, Gedächtnis oder Antriebskraft zunehmend an Bedeutung. Durch spezielle Überwachungsmethoden während der OP werden diese Funktionen geschützt, was die Prognose langfristig verbessert. Solche Verfahren haben in der Neurochirurgie bereits einen großen Schritt nach vorn gemacht und ermöglichen deutlich präzisere Eingriffe, bei denen die funktionelle Integrität des Gehirns bestmöglich bewahrt wird. Damit lässt sich das Risiko von Komplikationen erheblich verringern und die postoperative Genesung fördern“, macht Prof. Dr. Vajkoczy deutlich. 

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Eine der größten Herausforderungen bei der Diagnostik besteht darin, dass viele Patienten bereits vor ihrem Besuch bei einem Spezialisten auf der Suche nach einer Lösung waren. Sie kommen häufig nicht als Erstkontakt, sondern nachdem sie bereits mehrere Ärzte aufgesucht haben und möglicherweise auch schon operiert wurden. 

Prof. Dr. Vajkoczy kommentiert hierzu: „Das bedeutet, dass die Krankheit oft schon fortgeschritten ist oder Hinweise vorliegen, die eine genauere Untersuchung erfordern. Es gibt aber auch Patienten, die mit unerklärlichen Beschwerden wie Schmerzen im Bein, Rücken oder Kopf zu uns kommen. Diese Patienten suchen gezielt nach einer konkreten Diagnose, weil bisherige Untersuchungen keine Ursache liefern konnten. Ziel unserer Plattform ist es, diese Patienten frühzeitig abzuholen, um ihnen ein spezialisiertes Zentrum mit modernster Diagnostik und Behandlung anzubieten. Es ist sehr wichtig, möglichst zeitnah die richtige Stelle aufzusuchen, bevor bereits Eingriffe oder Vernarbungen erfolgt sind. Denn wenn Patienten schon operiert wurden und anschließend noch Fragen oder Beschwerden bestehen, ist der Zeitpunkt, um noch wirksam nachzusteuern, oftmals schon überschritten. Was die Behandlung betrifft, fällt es in der Regel leichter, bei sogenannten ,jungfräulichen´ Patienten – also solchen, die noch keine oder nur wenige Voroperationen hinter sich haben – erfolgreiche und risikoärmere Eingriffe durchzuführen. Patienten, bei denen bereits Voroperationen stattgefunden haben und die sich noch von den Vernarbungen erholen müssen, tragen ein höheres Risiko für Komplikationen. Deshalb ist eine frühzeitige und präzise Diagnostik, um den optimalen Therapieweg zu bestimmen, bei uns stets ein zentrales Ziel“. 

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) in die neurochirurgische Praxis erfolgt vor allem in der Unterstützung der Ausbildung und der Operationsvorbereitung, nicht jedoch direkt während des eigentlichen Eingriffs. 

Wir nutzen moderne Technologien wie Virtual-Reality-Brillen, um die Ausbildung zu verbessern und komplexe Operationsszenarien realitätsnah zu simulieren. Die KI wird zunehmend eingesetzt, um Entscheidungen bei der Behandlung zu unterstützen; sie kann etwa Risikoabschätzungen bei Hirntumorpatienten vornehmen. Durch die Analyse verschiedener Parameter, die mittels ,Machine Learning´ ausgewertet werden, können Ärzte beispielsweise das Risiko für Komplikationen kalkulieren oder die Erfolgsaussichten einer Operation besser einschätzen. Es ist zu erwarten, dass diese Technologien sich langsam aber stetig verbreiten, wobei der Schwerpunkt auf der Unterstützung bei der Behandlung liegt. So werden beispielsweise Tumore, die früher als nicht operabel galten, durch die verbesserten Bewertungssysteme in einigen Fällen doch operiert. Bei der Robotik ist die Anwendung im Bereich der Wirbelsäulentumore und bei Biopsien inzwischen ebenfalls etabliert. Insbesondere bei Biopsie-Entnahmen, etwa bei Hirntumoren, unterstützt die Robotik die präzise Probenentnahme, wenn nicht operativ vollständige Tumorentfernungen erfolgen. Damit trägt die Robotik schon heute dazu bei, Eingriffe sicherer, präziser und risikoärmer durchzuführen“, hält Prof. Dr. Vajkoczy fest. 

Die größte Herausforderung bei Hirntumoren besteht darin, Patienten durch komplexe Operationen mit hohem technologischem Aufwand zu behandeln, ohne dass sie funktionelle Einschränkungen erleiden. 

Das Ziel ist es, die Eingriffe so sicher wie möglich zu gestalten und Komplikationswahrscheinlichkeiten deutlich zu reduzieren. Das chirurgische Team konzentriert sich darauf, innovative Verfahren direkt in den Operationssaal zu integrieren, um die Sicherheit der Operationen zu erhöhen und gleichzeitig die Risiken für die Patienten zu minimieren. In den nächsten fünf Jahren wird diese dynamische Entwicklung voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Methoden entwickelt werden, die einzelne Tumore noch lokal und minimalinvasiv behandeln können. Zudem wird die Forschung Fortschritte erzielen, um im Falle von Komplikationen die funktionalen Ausfälle bestmöglich zu kompensieren und die Rehabilitation zu verbessern. Hierbei spielen Technologien wie Neuromodulation und die Verstärkung der Plastizität des Gehirns eine wesentliche Rolle, um Funktionen nach Operationen wiederherzustellen oder zu verbessern. Im Anschluss an die Behandlung übernimmt die Neuro-Onkologie die weitere Nachsorge, die in der Regel in einer zertifizierten neuro-onkologischen Sprechstunde erfolgt. Das interdisziplinäre Tumor-Board, das im Rahmen des Comprehensive Charité Cancer Centers tätig ist, bespricht die Fälle sowohl zu Beginn der Behandlung als auch im weiteren Verlauf, wenn neue Aspekte oder Veränderungen auftreten“, so Prof. Dr. Vajkoczy und führt weiter aus:

Bei einem gutartigen Tumor genügt oft schon eine kurze Erholungsphase: Nach etwa zwei Wochen kann der Patient beispielweise in der Regel wieder Blumen pflanzen. Bei bösartigen Tumoren, insbesondere wenn eine Strahlentherapie oder Chemotherapie notwendig ist, dauert die Nachbehandlungszeit meist mehrere Wochen bis Monate. Insgesamt liegt die Dauer der Nachsorge – typischerweise zwei bis drei Monate – im Rahmen einer individuell abgestimmten, kontinuierlichen Behandlung, bei der das Ziel immer die bestmögliche Rückkehr zu einem möglichst normalen Alltag ist“. 

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Optimale Versorgung und kontinuierliche Weiterentwicklung in der Neurochirurgie der Charité Berlin.

Ein wichtiger Wunsch an die medizinische Struktur in Deutschland ist, die Förderung hoch spezialisierter Zentren stärker auf die hohen Fallzahlen und die komplexen Anforderungen unserer Spitze zu richten. Gerade in der Neurochirurgie erfordern die Operationen ein hohes Maß an Digitalisierung, moderne Bildgebungstechnologien und hochqualifiziertes Personal. Diese Ressourcen müssen entsprechend berücksichtigt und in der Budgetierung abgebildet werden, damit wir die Qualität der Versorgung dauerhaft sichern können. Gleichzeitig ist es meiner Ansicht nach essenziell, die medizinische Forschung in diesen Spitzenzentren weiter zu fördern, um innovative Behandlungsmethoden zu entwickeln und die Therapien stetig zu verbessern. Ich sehe den Operationssaal dabei auch als einen Ort, an dem Lernen und Erkenntnis möglich sind. Das ist für mich enorm wichtig, weil wir hier nicht nur einzelne Erkrankungen behandeln, sondern auch unser Verständnis der Gehirnfunktionen erweitern können. Besonders die Möglichkeiten, die Wachoperationen bieten, nutze ich aktiv, um während des Eingriffs mehr über die Funktion des Gehirns zu lernen. Diese Erfahrungen helfen uns, Operationen noch sicherer zu machen und innovative Verfahren weiterzuentwickeln“, erklärt Prof. Dr. Vajkoczy und betont:

Mit mehr als 20.000 Operationen an Kopf und Wirbelsäule über 18 Jahre hinweg hat mich vor allem der Antrieb geprägt, die Grenzen meines Fachgebiets immer wieder neu zu definieren. Für mich ist die Arbeit in diesem Bereich auch eine Form der Kreativität und der ständigen Weiterentwicklung. Ich möchte die Herausforderungen, die komplexe Operationen mit sich bringen, nicht nur meistern, sondern auch neue Möglichkeiten entdecken, um die Behandlung noch besser und sicherer zu gestalten. Der Umgang mit Ängsten meiner Patienten ist für mich eine zentrale Aufgabe. Ich versuche, diese frühzeitig zu erkennen, offen darüber zu sprechen und sie während und nach der Operation bestmöglich zu begleiten. Besonders bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Glioblastomen, die wir mehrmals wöchentlich behandeln, ist die individuelle Betreuung unerlässlich. In diesen Fällen sehe ich es auch als meine Verantwortung, frühzeitig im Krankenhaus die richtigen Schritte einzuleiten, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten. Das gibt den Patienten wertvollen Spielraum, um die bestmögliche Therapie zu erhalten und ihre Chancen auf eine gute Lebensqualität zu maximieren“. 

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Derzeit gibt es bedeutende Fortschritte in der Behandlung von Tumorerkrankungen der Wirbelsäule. Neue therapeutische Ansätze und innovative Technologien tragen dazu bei, die Prognose für betroffene Patienten zu verbessern und die Behandlungsergebnisse nachhaltiger zu gestalten.

In den letzten Jahren hat sich die Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulentumoren deutlich weiterentwickelt. Drei Fortschritte sind dabei besonders wichtig:

Multidisziplinäre Tumorzentren: Patienten werden heute zunehmend in spezialisierten Zentren behandelt, wo Neurochirurgie, Onkologie, Strahlentherapie und Pathologie eng zusammenarbeiten. Durch die Diskussionen in interdisziplinären Tumorboards wird die Therapiequalität verbessert, die Prognose optimiert und der Zugang zu klinischen Studien ermöglicht.

Individualisierte und minimalinvasive Chirurgie: Analog zur personalisierten medikamentösen Therapie setzen wir auch in der Operation auf maßgeschneiderte Strategien. Je nach Situation kann die Chirurgie eskaliert oder deeskaliert werden, um Morbidität und Mortalität zu senken. Minimalinvasive Techniken reduzieren Komplikationen und ermöglichen eine schnellere Rückkehr zu adjuvanten Therapien.

Technologische Innovationen: Neue Implantate verursachen weniger Artefakte in der MRT-Bildgebung, was eine präzisere Planung der Strahlentherapie und eine bessere Nachsorge erlaubt. Fortschritte in Neuronavigation und Robotik erhöhen Präzision und Sicherheit und machen die Eingriffe zugleich schonender.

Diese Entwicklungen haben zusammen nicht nur die unmittelbare operative Sicherheit gesteigert, sondern auch die langfristige Prognose der Patienten verbessert. Zudem wird die spinale Onkologie zunehmend akademisch geprägt – mit wachsender Forschungsaktivität sowohl im klinischen als auch im grundlagenwissenschaftlichen Bereich“, macht Prof. Dr. Vajkoczy klar.

Derzeit werden verschiedene innovative Ansätze entwickelt, um fortgeschrittene Verschleißerscheinungen, Fehlstellungen und Instabilitäten der Wirbelsäule effektiver zu behandeln und zu korrigieren. Diese Verfahren zielen darauf ab, die Therapieergebnisse zu verbessern und die Mobilität sowie die Lebensqualität der Patienten zu steigern. 

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

In der Behandlung fortgeschrittener Verschleißerscheinungen und Fehlstellungen der Wirbelsäule haben wir in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt:

Minimalinvasive und digitale Chirurgie: Durch moderne Navigation und Robotik sind die Eingriffe sicherer, präziser und zugleich schonender geworden. Patienten profitieren von kleineren Zugängen, weniger Blutverlust und einer schnelleren Erholung.

Kombinierte Zugangswege: Immer häufiger werden vordere (anteriore) mit hinteren (posterioren) Operationszugängen kombiniert. So lassen sich Fehlstellungen minimalinvasiv korrigieren, ohne auf große Osteotomien zurückgreifen zu müssen. Das reduziert die Belastung, verkürzt die Liegezeit und verbessert die Rekonvaleszenz.

Personalisierte Implantate: Mit Hilfe künstlicher Intelligenz werden Implantate zunehmend patientenspezifisch geplant. Das führt zu stabileren Konstruktionen, weniger Materialversagen (z. B. Stabbrüche) und besseren Korrekturergebnissen.

Optimiertes Komplikationsmanagement: Wir verstehen heute besser, wie sich Risiken wie Wundheilungsstörungen reduzieren lassen. Auch das trägt wesentlich zur Verbesserung der Ergebnisse bei diesen komplexen Eingriffen bei.

Diese Innovationen dafür, dass selbst schwere Fehlstellungen und Instabilitäten der Wirbelsäule heute deutlich effektiver, sicherer und patientenschonender behandelt werden können“, verdeutlicht Prof. Dr. Vajkoczy.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgen, Wirbelsäulenchirurgen und Onkologen spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei komplexen Erkrankungen der Wirbelsäule. Durch den gemeinsamen Austausch von Fachwissen und Erfahrung können individuelle Therapiekonzepte optimiert und die Behandlung auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden.

Zunächst sollte man klarstellen: Die Unterscheidung zwischen Neurochirurgen und Wirbelsäulenchirurgen ist in dieser Form nicht korrekt. Heute gilt – ganz im Sinne der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft –, dass alle, die an der Wirbelsäule zertifiziert und hochqualitativ arbeiten, als Wirbelsäulenchirurgen zu verstehen sind – unabhängig davon, ob sie ursprünglich aus der Neurochirurgie, Orthopädie oder Unfallchirurgie kommen. Die Behandlung komplexer Wirbelsäulenerkrankungen ist nur noch im Team erfolgreich möglich. In interdisziplinären Strukturen arbeiten Wirbelsäulenchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen eng zusammen. In Tumorboards werden die Fälle bereits vor einer Operation diskutiert, sodass operative Strategien, onkologische Therapien und Strahlentherapie optimal aufeinander abgestimmt werden können. Das Ergebnis ist eine maßgeschneiderte, individuelle Therapieplanung, die den gesamten Behandlungsverlauf berücksichtigt. Die Patienten profitieren dadurch von höherer Qualität, mehr Sicherheit und gleichzeitig einem besseren Zugang zu innovativen Studien und modernen Therapien. Diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit hat die Prognose bei komplexen Wirbelsäulenerkrankungen in den letzten Jahren entscheidend verbessert“, betont Prof. Dr. Vajkoczy abschließend.

Herzlichen Dank, Professor Dr. Vajkoczy, für diesen detaillierten Einblick in Ihre Arbeit!