Universitätsprofessor Dr. med. Thomas Vogl ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der diagnostischen und interventionellen Radiologie in Europa. Als Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität verfügt er über eine umfassende Expertise in diagnostisch-minimal-invasiven patientenschonenden Verfahren.
Besonders hervorzuheben ist seine Pionierarbeit bei der Entwicklung und Anwendung innovativer Technologien, wie dem einem von ihm mitentwickelten Angiographie-Roboter, die präzisere Diagnosen ermöglichen und die Behandlung von Tumorerkrankungen deutlich verbessern.
Prof. Dr. Vogl ist spezialisiert auf komplexe interventionelle Verfahren, darunter transarterielle Chemoperfusion und Embolisationen, thermische Tumorablation sowie Uterusarterienembolisation und Vertebroplastie. Seine Arbeiten haben international Maßstäbe gesetzt und tragen wesentlich zur Weiterentwicklung diagnostischer und therapeutischer Methoden bei. Dabei legt er großen Wert auf eine enge Patientennähe, die präzise Planung sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, um individuelle Behandlungswege optimal zu gestalten.
Neben seiner klinischen Tätigkeit ist Prof. Dr. Vogl ein renommierter Wissenschaftler und Autor zahlreicher Fachpublikationen und Standardwerke. Er fördert kontinuierlich den Einsatz modernster Technologien, darunter auch Verfahren mit künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Bildqualität bei gleichzeitig reduzierter Strahlenbelastung. Durch seine langjährige Erfahrung, seine Innovationskraft und sein Engagement für Qualitätssicherung zählt Prof. Dr. Vogl zu den herausragenden Persönlichkeiten der Radiologie im deutschsprachigen Raum und international. Die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin hat als erste Einrichtung in Hessen das photonenzählende CT-System Naetom Alpha Peak in Betrieb genommen. Dieses innovative Gerät der nächsten Generation ermöglicht eine schnellere und genauere Bildgebung bei gleichzeitig deutlich reduzierter Strahlendosis für die Patienten. Entwickelt von deutschen Ingenieuren, stellt das photonenzählende CT einen wichtigen Fortschritt für Diagnostik, Forschung und Patientensicherheit dar. Mit dem Einsatz dieser Technologie erweitert die Klinik ihre diagnostischen Möglichkeiten und trägt zur Verbesserung der Patientenversorgung bei.
Zu diesem neuen CT-System konnte die Redaktion des Leading Medicine Guide mit Prof. Dr. Vogl sprechen und erfuhr mehr über die vielen Vorteile.

Die Radiologie ist ein Fachgebiet der Medizin, das minimalinvasive bildgebende Verfahren zur Diagnose und Behandlung von Erkrankungen nutzt. Mithilfe bildgebender Technologien werden Eingriffe präzise geplant und schonend durchgeführt, was für Patienten mit weniger Belastung und schnelleren Erholungszeiten verbunden ist. Der Einsatz eines photonenzählenden CT-Systems stellt dabei einen bedeutenden Fortschritt dar. Es ist ein modernes bildgebendes Verfahren, das sich grundlegend von herkömmlichen CT-Systemen unterscheidet. Während klassische CT-Scanner Röntgenstrahlen als Gesamtsignal messen und in elektrische Impulse umwandeln, erfasst ein photonenzählendes CT einzelne Photonen – also einzelne Röntgenquanten – und analysiert deren Energie präzise. Diese Technologie nutzt spezielle Detektoren, die nicht nur die Anzahl der einfallenden Photonen zählen, sondern auch deren jeweilige Energie unterscheiden können. Dadurch entsteht eine viel detailliertere und kontrastreichere Bildinformation, weil verschiedene Gewebearten anhand ihrer spezifischen Absorptionseigenschaften besser differenziert werden können.
Das photonenzählende CT (Computed Tomography) stellt eine bedeutende technologische Weiterentwicklung gegenüber herkömmlichen CT-Systemen dar und trägt maßgeblich zur Reduktion der Strahlenbelastung bei interventionellen Eingriffen bei.
„Das neue CT-Gerät bringt einen deutlichen Fortschritt gegenüber bisherigen Verfahren. Das klassische Röntgenprinzip, wie es einst von Wilhelm Conrad Röntgen entdeckt wurde, beruhte darauf, dass Röntgenstrahlen auf eine Fotoplatte trafen. Dort wurden die Photonen in Licht umgewandelt, das wiederum die Platte belichtete. So entstanden die ersten Röntgenaufnahmen – ein Prinzip, das sich über mehr als 100 Jahre hinweg gehalten hat, technisch zwar weiterentwickelt, aber im Kern unverändert. Mit der neuen Technologie – dem sogenannten Photon Counting – findet nun ein echter Paradigmenwechsel statt. Anstatt die Photonen wie bisher in Licht umzuwandeln, werden sie direkt gezählt. Dabei durchdringen die Photonen den menschlichen Körper wie gewohnt, verändern sich auf ihrem Weg, und treffen am Ende auf spezielle Kristalle. Diese Kristalle machen es möglich, die einzelnen Photonen exakt zu registrieren – ganz ohne Umweg über Licht oder Helligkeitsstufen. Daraus ergeben sich drei wesentliche Vorteile. Erstens lässt sich mit deutlich weniger Strahlung die gleiche, wenn nicht sogar eine bessere Bildqualität erzeugen. Das bedeutet eine geringere Belastung für den Patienten – ein besonders wichtiger Aspekt bei Kindern oder wiederholt zu untersuchenden Personen. Zweitens sind diese neuen Geräte schneller. Die Bildgebung erfolgt zügiger, die Abläufe werden effizienter, und gleichzeitig verbessert sich die diagnostische Aussagekraft. Drittens ist die räumliche Auflösung noch einmal höher als bei bisherigen Systemen. Feinste Strukturen lassen sich klarer darstellen, Unterschiede im Gewebe präziser erkennen – ein erheblicher Gewinn für die Diagnosequalität. Diese Kombination aus reduzierter Strahlendosis, höherer Geschwindigkeit und besserer Bildauflösung verbessert die Patientenversorgung deutlich. Die durchschnittliche Strahlenbelastung lässt sich dabei um bis zu 50 Prozent senken. Auch für das medizinische Personal entsteht ein höheres Maß an Sicherheit, weil die Strahlenexposition insgesamt abnimmt“, erklärt Prof. Dr. Vogl begeistert von dem neuen CT und ergänzt:
„Ein Nachteil darf bei all den Vorteilen nicht außer Acht gelassen werden: Diese neue Technologie ist deutlich teurer. Das liegt vor allem an den verwendeten Kristallen, die für das Photon Counting notwendig sind – sie sind kostenintensiv. Auch die dahinterstehende Elektronik ist aufwendig und entsprechend teuer. Hinzu kommt, dass sich die Geräte extrem schnell drehen müssen, was ebenfalls hohe technische Anforderungen mit sich bringt – und damit zusätzliche Kosten verursacht. Auch die Wartungsverträge liegen preislich über dem gewohnten Niveau. Das Ganze ist also kein ,free upgrade´. Deshalb ist es besonders wichtig, die Vor- und Nachteile dieser Technologie sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um klar beurteilen zu können, in welchen Fällen sie tatsächlich einen entscheidenden Mehrwert bietet – und in welchen vielleicht nicht“.
Besonders von den technischen Vorteilen des photonenzählenden CT profitieren interventionelle Verfahren, bei denen höchste Präzision und eine exzellente Bildqualität entscheidend sind.
Dazu zählen vor allem tumorgerichtete Therapien wie die thermische Ablation, bei der Tumore mittels Radiofrequenz-, Mikrowellen- oder Laserinterventionen gezielt zerstört werden. Das photonenzählende CT ermöglicht hier eine exakte Lokalisierung und Überwachung des Behandlungsareals, was die Wirksamkeit der Therapie steigert und umliegendes gesundes Gewebe schont. Auch bei der transarteriellen Chemoembolisation (TACE), einer Methode zur gezielten Behandlung von Lebertumoren durch Kathetereinführung und Medikamentengabe, erleichtert das photonenzählende CT die Darstellung der Gefäßstrukturen und Tumorversorgungen. Die verbesserte Kontrastauflösung und Materialunterscheidung unterstützen die präzise Platzierung von Kathetern und das optimale Management des Eingriffs. Darüber hinaus profitieren minimal-invasive Biopsien und Drainageverfahren von der klareren und detaillierteren Bildgebung, da selbst kleine Zielstrukturen besser erkannt und sicher punktiert werden können. Bei komplexen Gefäßinterventionen wie Stentimplantationen oder Embolisationen hilft die verbesserte Bildqualität, das Risiko von Komplikationen zu minimieren und den Eingriff effizienter zu gestalten.
Die verbesserte Bildqualität des photonenzählenden CT trägt wesentlich dazu bei, minimalinvasive Eingriffe präziser und sicherer zu gestalten. Durch die deutlich höhere räumliche Auflösung und die bessere Kontrastunterscheidung lassen sich selbst kleinste anatomische Strukturen, Gefäße oder Läsionen exakter darstellen. Dies ermöglicht eine genauere Lokalisierung des Zielgebietes, was für die präzise Platzierung von Kathetern, Nadeln oder anderen Instrumenten entscheidend ist. Zudem können unterschiedliche Gewebearten und Materialien besser voneinander unterschieden werden, was die Planung komplexer Interventionen erleichtert und potenzielle Risiken minimiert.
„Patienten profitieren besonders in der Herzdiagnostik. Hier bringt die neue CT-Technologie eine kleine Revolution mit sich: Mit deutlich geringerer Strahlenbelastung lassen sich das Herz, die Herzkranzgefäße und auch die Herzklappen heute wesentlich schneller und präziser untersuchen. Das ist einer der größten Vorteile. Ein weiterer Bereich mit großem Nutzen ist die Gefäßdiagnostik. Die Gefäße lassen sich durch die höhere Auflösung und die schnellere Aufnahme deutlich besser darstellen. Die Schnelligkeit des Geräts hilft außerdem, Bewegungen einzufrieren – ein klarer Vorteil in der Bildqualität und damit auch in der Diagnosesicherheit. Das ist besonders relevant für die präoperative Planung, bei der möglichst viele Details im Vorfeld bekannt sein müssen. Hier bietet die neue Technik eine deutlich verbesserte Grundlage“, schildert Prof. Dr. Vogl und führt weiter aus:
„Auch im Bereich der Früherkennung wird das Gerät eingesetzt – insbesondere im Lungenkrebs-Screening. Dort spielt die geringere Strahlenbelastung eine entscheidende Rolle. Für Personen mit erhöhtem Risiko, etwa langjährige Raucherinnen oder Raucher, ist die Untersuchung besonders sinnvoll. In diesen Fällen besteht eine klare Indikation. Grundsätzlich gilt jedoch: Wer keine Beschwerden hat, für den muss sorgfältig abgewogen werden, ob eine Strahlenuntersuchung sinnvoll ist. Beim Lungen-Screening sind klare Kriterien festgelegt, zum Beispiel die Dauer und Intensität des Rauchens. Technologisch handelt es sich um eine echte Revolution – und gleichzeitig um eine bemerkenswerte deutsche Ingenieursleistung. Aktuell ist diese Technologie ausschließlich bei deutschen Herstellern verfügbar. Weder aus China, den USA noch Frankreich gibt es bislang vergleichbare Systeme. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dass dieses Gerät nun an der Klinik verfügbar ist, ist umso bemerkenswerter. Mittlerweile steht es auch an einigen großen onkologischen Zentren. Bei der Erkennung von Tumoren liefert es entscheidende Vorteile: bessere Lokalisierung, exaktere Größenbestimmung, präzisere Charakterisierung. Zudem verbessert es die Planung von Zugängen, Operationen oder minimalinvasiven Eingriffen – alles in allem ein enormer Fortschritt“.
Am Universitätsklinikum Frankfurt wurden am 1. Juli 2025 die ersten klinischen Untersuchungen mit dem innovativen photonenzählenden CT-System Naeotom Alpha Peak von Siemens Healthineers erfolgreich durchgeführt. Als erster Patient konnte kein Geringerer als Fußball-Weltmeister Mario Götze gewonnen werden, der sich im Rahmen einer sportmedizinischen Diagnostik einer Untersuchung unterzog. Der Einsatz dieser neuesten Generation der Computertomografie markiert einen bedeutenden Schritt in der Bildgebungsdiagnostik – mit deutlich verbesserter Bildqualität bei gleichzeitig geringerer Strahlendosis. Die Untersuchung unterstreicht das Engagement des Klinikums, medizinische Innovation frühzeitig in der klinischen Praxis anzuwenden.
Prof. Dr. Vogl erläutert: „Wenn alles gut läuft, rechnen wir damit, dass wir an diesem Gerät künftig 40 bis 50 Patienten pro Tag untersuchen werden. Das ist ein beachtliches Pensum. Die Untersuchungen selbst dauern in der Regel nur wenige Minuten. Unsere Abläufe sind so organisiert, dass die Patienten etwa im Viertelstunden-Takt untersucht werden können. Diese Technologie ist eine deutsche Entwicklung – eine echte Ingenieursleistung ,made in Germany´. Darauf kann man auch ein Stück weit stolz sein. Die weltweite Nachfrage ist enorm. Die Hersteller kommen mit der Produktion kaum noch hinterher – das zeigt, wie stark das Interesse an dieser neuen CT-Generation ist“.
Professor Dr. Vogl – herzlichen Dank für den Einblick in die neue CT-Technologie!