Drogen sind kein Randproblem

Am 26. Juni ist Anti-Drogentag. Bei dem Wort Drogen haben viele Bilder von Kriminellen, von sozialem Abstieg und körperlichem Verfall im Kopf. Der Großteil denkt zuerst an illegale Stoffe wie Heroin, Kokain, Ecstasy oder Crack. Die weltweit am meisten verbreiteten Drogen sind aber legal – zumindest ab einem bestimmten Alter. Es sind Alkohol und Nikotin. Sucht betrifft damit viele Menschen. Alkohol und Nikotin sind gesellschaftlich akzeptiert. Daher wird die Gefahr dieser „Alltagsdrogen“ immer noch verharmlost.

Noch eine Zigarette, ein Glas und dann die Tablette

Drogen sind Substanzen, die in unserem Körper Veränderungen hervorrufen. Diese Definition hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Zu den Drogen, die unseren Organismus verändern, gehören illegale Drogen sowie eben auch Alkohol, Nikotin und Medikamente. Auch Onlinesucht macht krank.

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit rauchen in Deutschland etwa 14,7 Millionen Menschen, 1,8 Millionen sind alkohol- und geschätzte 2,3 Millionen medikamentenabhängig. Dazu gibt es über eine halbe Million Onlinesüchtige. Alle zusammengerechnet, ergibt das über 19 Millionen Menschen, die nach ganz legalen Drogen süchtig sind. Ganz schön viele bei einer Bevölkerungszahl von knapp weniger als 83 Millionen Deutschen. Diejenigen, die illegale Drogen nehmen, sind noch gar nicht mitgezählt.

Den Spitzenplatz unter den illegalen Drogen nimmt bei uns Cannabis ein. Die Hanfpflanze wird geraucht, in Getränke gerührt und in Kuchen und Kekse eingebacken. Vor allem bei Teenagern ist der Konsum trendy. Dabei ist Cannabis sehr umstritten. Die einen betonen, dass es kaum abhängig macht und wollen es legalisieren. Die anderen warnen, da es bei manchen Konsumenten Psychosen, Angstzustände und Wahnvorstellungen auslöst. Cannabis-Konsumenten suchen tatsächlich am häufigsten Hilfe in Drogenberatungsstellen. Mit deutlichem Abstand werden Crystal Meth, Speed, Ecstasy und Kokain genommen.

Tod durch Alltagsdrogen

Laut dem Bundeskriminalamt starben im Jahr 2016 in Deutschland 1.333 Menschen durch illegale Drogen. Vor allem Kokain ist im Kommen. Jährlich sterben hierzulande aber auch schätzungsweise 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs und über 120.000 an den Folgen von Tabakkonsum.

Rauchen gilt als größtes vermeidbares Gesundheitsrisiko. Mehr als 80% aller Lungenkrebserkrankungen gehen auf Tabakkonsum zurück. Die Zahl der Raucher ging/geht in den letzten Jahren aber zurück. Dafür aber steigt die Zahl der Medikamentenabhängigen.

Bei Alkohol hält der Trend an. Die Deutschen schlucken gern und viel. Im internationalen Vergleich mischt Deutschland beim Alkoholkonsum im oberen Drittel mit. Stellen Sie sich eine gut gefüllte Badewanne vor: Etwa 134 Liter passen dort ein. So viel Alkohol konsumieren wir pro Kopf im Jahr. Der hohe Konsum hat Folgen, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Alkoholmissbrauch verursacht mehr als 200 Krankheiten und ist ein erheblicher Risikofaktor für Krebs, Leber- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Jugendliche sind besonders gefährdet

Tankstellen verkaufen abends nicht nur Benzin, sondern vor allem auch Bier, Wein und Zigaretten. In größeren Städten haben sogenannte „Spätis“ rund um die Uhr geöffnet und bieten von Nudeln angefangen bis hin zu Schnaps alles an. Sich rund um die Uhr mit Alltagsdrogen einzudecken, ist nicht schwer. Wer auf einer Party an einer Limo nippt, darf sich auf Bemerkungen aus dem Freundeskreis gefasst machen. Erwachsene stecken hämische Sprüche vielleicht noch mit einem Achselzucken weg, Jugendliche eher nicht.

Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sind Alltagsdrogen bei Jugendlichen ein größeres Problem als illegale Drogen. Zigaretten sind bei Jugendlichen zwar immer weniger angesagt, dafür sind aber neue Produkte auf dem Markt. Bei E-Zigaretten und E-Shishas glauben viele oft an eine „gesunde“ Alternative, dabei sind sie längst nicht schadstofffrei. Da E-Zigaretten vergleichsweise frisch auf dem Markt sind, lassen sich deren genauen und langfristigen Nebenwirkungen noch gar nicht abschätzen.

In der Pubertät kommen die meisten zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt. Es ist die Zeit, in der sich Körper und Gehirn verändern, in der sich junge Menschen von den Eltern abgrenzen, sich selber finden und dabei auch mal gefährlichere Sachen ausprobieren. Was verboten ist, macht in dem Alter oft neugierig. Die erste Kippe, das erste Bier und der erste Joint bleiben oft nicht die letzten. Auch Gruppenzwang ist ein Grund, in jungem Alter Drogen zu probieren. Die Abhängigkeit ist schneller da, als man denkt.

Tipps für Sie

  • Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind Drogen nimmt, dann sprechen Sie es darauf an.
  • Bleiben Sie ruhig, sachlich und vermeiden Sie Abwertungen.
  • Seien Sie Vorbild beim Umgang mit Tabak, Alkohol und anderen Suchtmitteln.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe von Psychologen und Sozialarbeitern. Suchtberatungsstellen helfen, egal ob Ihr Kind, Freunde oder Sie selber von Drogen abhängig sind. Informationen zu den verschiedenen Süchten und Adressen der Beratungsstellen finden Sie unter: http://www.dhs.de

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