Welt-Aids-Tag – Grund zum Feiern oder was wissen wir eigentlich über den HIV?

Heute, am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag! In diesem Jahr findet der Welt-Aids-Tag zum 30. Mal statt. Grund zum Feiern? Die Bekämpfung der Krankheit Aids ist eine Geschichte von medizinischen Erfolgen einerseits und vielen politischen und sozialen Hindernissen andererseits. 1981 wurde zum ersten Mal bei einigen zuvor gesunden, jungen, homosexuellen Männern eine schwerwiegende Immunschwäche, verbunden mit einer Lungenentzündung, festgestellt.

 

Krankheit ohne Namen

Zunächst gab es keinen Namen für diese Erkrankung, von der man dachte, sie betreffe nur homosexuelle Männer. Dann stellte man fest, dass auch Empfänger von Bluttransfusionen und heterosexuelle Drogenabhängige infiziert wurden. 1982 einigte man sich darauf, das Krankheitsphänomen Acquired Immune Deficiency Syndrome – kurz Aids – zu nennen. In diesem Jahr wurde die Erkrankung auch erstmals in Deutschland an einem Patienten diagnostiziert. Ein Jahr später identifizierten Forscher ein bisher unbekanntes Virus, das man als Ursache für Aids vermutete. 1986 hatte sich dann der Name Humanes Immunschwächevirus (HIV) für den Aidserreger etabliert. 1987 entstand das erste Anti-Aidsprogramm der Weltgesundheitsorganisation, ein Jahr später ernannte sie den 1. Dezember zum Welt-Aids-Tag.

 

Medizinische Erfolge

Grund zum Feiern gibt es in medizinischer Hinsicht. Zwar ist Aids, trotz aller Forschungsbemühungen, nach wie vor nicht heilbar. Doch inzwischen wurde eine ganze Reihe von Medikamenten entwickelt, die das Virus massiv in Schach halten und sogar vor einer Ansteckung schützen können. Seit den 90er Jahren gibt es sogenannte antiretrovirale Medikamente, welche das Virus über Jahre unterdrücken und so eine Erkrankung hinauszögern. Die Betroffenen können mit der regelmäßigen Einnahme ein fast normales Leben führen. Mit entsprechenden Medikamenten kann man heute auch verhindern, dass eine HIV-positive Mutter das Virus auf ihr Baby überträgt.

 

Ein munter mutierendes Virus

Als Schutz vor Ansteckung gilt nach wie vor die Anwendung von Kondomen, es gibt aber inzwischen auch ein Medikament, das zu 90 Prozent eine Ansteckung verhindern kann. Seit 2016 ist die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) in Europa zugelassen. PrEP ist gedacht für Männer der Risikogruppe „mit wechselnden Partnern“. Die verschreibungspflichtigen Tabletten sollten in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt und vor allem regelmäßig eingenommen werden.

An einer Impfung gegen Aids arbeiten die Forscher schon länger. Probleme bereitet den Wissenschaftlern allerdings die enorme Wandlungsfähigkeit des Virus. Als Reaktion auf die medikamentöse Behandlung hat der Virus mittlerweile viele Mutationen und Unterarten hervorgebracht, was es schwer macht, einen wirklich wirksamen Impfstoff zu entwickeln.

 

Weltweit große Unterschiede

Wer sich heute in der westlichen Welt mit HIV infiziert, kann dank des medizinischen Fortschritts trotzdem mit einer Lebenserwartung von bis zu 75 Jahren rechnen. Weltweit sieht das anders aus. Politische, soziokulturelle und strukturelle Voraussetzungen entscheiden hier über Ansteckung und Behandlung. Schätzungen zufolge gab es 2016 etwa 37 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Laut UNAIDS erhielten etwa 16 Millionen der weltweit Infizierten jene Medikamente, die eine Vermehrung der Viren verhindern.

Während in den Industriestaaten die Zahl der Neuinfektionen über die Jahre ungefähr gleich bleibt, steigt sie in Osteuropa und Zentralasien rasant an – zwischen 2010 und 2016 um fast 60 Prozent! Aufklärung, Prävention, Selbsthilfe und Behandlung sind gerade in Osteuropa schwierig, weil Homosexualität dort ein Tabuthema ist und homosexuelle Männer eher Ausgrenzung und Verfolgung anstelle von Hilfe erfahren.

 

Problemfall Afrika

Etwa eine Million Aidskranke starben 2016 an den Folgen der Erkrankung. Die meisten Todesfälle bei Aids gibt es auf dem afrikanischen Kontinent. Denn nach wie vor ist das südliche Afrika besonders stark von der Epidemie betroffen. Zwar zeigen die Aufklärungs- und Präventionsprogramme hier langsam Erfolge, die Zahl der Neuinfektionen ist seit Beginn des neuen Jahrtausends gesunken. Doch von den insgesamt 25,5 Millionen Infizierten in Afrika südlich der Sahara erhalten 12 Millionen Aidskranke keine antiretrovirale Therapie und 1,85 Millionen sind jünger als 15 Jahre.  

 

Strukturelle Ursachen

Dass Aids im südlichen Afrika nur mühsam eingedämmt werden kann, hat strukturelle Ursachen: Die Menschen sind zu arm, um sich Kondome, geschweige denn Medikamente leisten zu können. Wegen der unzureichenden medizinischen Versorgung stecken sich nach wie vor viele Neugeborene bei der Geburt an. Viel zu lange haben politische Kräfte Aufklärungsprogramme verhindert, viele Menschen haben auch gar keinen Zugang zu Bildung und sind daher schwer erreichbar. Das Sexualverhalten mit Prostitution und Gewalt gegenüber (jungen) Frauen sorgt für hohe Ansteckungsquoten.

Seit 2002 engagieren sich die Industrieländer im Globalen Fonds gemeinsam. Ziel des Globalen Fonds ist es, die weltweiten Epidemien Aids, Tuberkulose und Malaria bis 2030 zu beenden. Deutschland hat dem Globalen Fonds seit seiner Gründung mehr als 2,5 Milliarden Euro (Stand 2018) zur Verfügung gestellt. Bei der letzten Konferenz des Fonds sagten die Geberländer insgesamt fast 13 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2017 bis 2019 zu. Die Erfolge der Arbeit zeigen sich langsam.


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