Was Sie einen Zahnexperten schon immer Fragen wollten…

Liebe Leserin und lieber Leser,

geben wir es zu! Da gibt es doch die ein oder andere Frage, die wir gern mal einem Zahnmediziner stellen möchten, die vielleicht außerhalb des üblichen „Behandlungsthemas“ liegt. Nicht unbedingt so etwas wie, ob man auch zu Mittag Zähneputzen sollte, sondern eher Fragen aus dem Alltag: Wie geht man etwa am besten mit Angstpatienten um? Eine Wurzelbehandlung beispielsweise stellt man sich dann wirklich kompliziert vor! Eine andere spannende Frage ist auch,  was passiert, wenn man Erkrankungen am Zahn (wie Parodontitis) nicht behandeln würde! Wissen Sie was dann passiert? Herr Prof. Jäger schon. Darum und um weiter spannende Themen geht es im folgenden Gespräch:

 


Wer ist Professor KURT JÄGER eigentlich? 

# Experte für Rekonstruktive Zahnmedizin # Praxisinhaber Praxis-Team St. Margarethen in Aarburg & Reinach (Schweiz) # Professor für Zahnmedizin # Lehrbeauftragter am Biomaterial Science Center der Uni Basel # Chef des zahnärztlichen Dienstes der Schweizer Armee # Spezialist für Prophylaxe, Dentalhygiene, Kieferorthopädie, Ästhetik, Implantologie, Paradondologie und Lasermedizin


 

Die Endodontie ist ein Teilgebiet der Zahnerhaltungskunde, das sich mit dem Inneren des Zahnes beschäftigt. Dazu gehört die Zahnwurzel. Bei Wurzelbehandlungen haben die meistens Patienten ein mulmiges Gefühl und Furcht vor Schmerzen. Wann ist eine Wurzelbehandlung notwendig und wie können dabei Schmerzen begrenzt werden?

Prof. Jäger: Heute kann und muss man schmerzfrei behandeln. Dazu gibt es verschiedene Methoden der Lokalanästhesie. Wenn die Spritze nichts nützt, sollte man bei starken Schmerzen die Behandlung abbrechen und neu terminieren. Angstpatienten erzeugt man unter anderem dadurch, dass der Zahnarzt einfach den Schmerz ignoriert. Bei Wurzelbehandlungen steht meistens die Karies als Ursache im Zentrum. Es gibt aber noch andere Gründe, die ein Entfernen des Zahnnervs nötig machen. Dazu gehören Unfälle mit tiefen Zahnfrakturen oder weitere Krankheitsformen wie ein internes Granulom. Auch aus prothetischen Gründen kann die Entfernung des Nervs angezeigt sein.

Parodontitis, oder umgangssprachlich Parodontose, ist einfach ausgedrückt eine unbehandelte Zahnfleischentzündung. Doch diese Erkrankung sollte man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Was passiert, wenn hier keine professionelle Behandlung erfolgt?

Prof. Jäger: Keinesfalls! Denn die chronische Entzündung des Zahnbetts kann zu Knochenschwund führen und letztlich zum Zahnverlust. Daneben darf man nicht vergessen: Die Mundhöhle ist eine mögliche Eintrittspforte für Keime in den eigenen Organismus. Das kann auch über Zahnfleischtaschen geschehen. Bei Herzkreislaufpatienten ist daher Achtsamkeit gefragt. 

Und, Herr Prof. Jäger, Sie setzen bei der Behandlung modernste Technik wie Laser ein. Welche Vorteile bringt eine Laser-Behandlung für die Patienten?

Prof. Jäger: Der Einsatz von Lasertechnologie ist eine große Bereicherung in der Zahnmedizin. Dabei ist die Wellenlänge des Lasers entscheidend für die Therapie am Patienten. Nehmen wir beispielsweise den Er:Yag-Laser. Damit kann minimal-invasiv Zahnhartsubstanz, also die Bereiche Dentin, Zahnschmelz und Wurzelzement, „präpariert“ werden. Daneben gibt es Laser wie die CO-2-Laser, die im Weichgewebe wirksamer sind. Damit lässt sich narbenfrei Weichgewebe bearbeiten! Wir können damit gutartige Fibrome, also Geschwulste im Mundraum, entfernen oder andere Weichteilkorrekturen unterstützend bearbeiten.

Die Laser dienen der Entzündungshemmung in der Desinfektion des Wurzelkanals, der Behandlung von Parodontitis und der Schmerzbehandlung. Auch das Bleichen der Zähne kann mit dem Laser unterstützt werden.

Wenn ein Zahn nicht mehr zu retten ist, kann rekonstruktive Zahnmedizin helfen. Hier kommen Brücken oder Kronen, Halbprothesen und Vollprothesen zum Einsatz. Wie hat sich dieses Gebiet der Zahnmedizin in den letzten 10 Jahren verändert? Gibt es neue Methoden und Materialien, die zu besseren Ergebnissen führen?

Prof. Jäger: Ja, enorm! Durch die Implantologie mit oder ohne Knochenaufbau ist die rekonstruktive Zahnmedizin in den letzten zwei Jahrzehnten revolutioniert worden. Niemand muss heute unter wackeligen Prothesen leiden. Zudem sind tolle neue Materialien entwickelt worden: Zirkonoxide für Vollkeramik, PEEK, PEKTON, Titan etc.

PEEK und PEKTON sind Polymerkunststoffe, die sich besonders für Herstellung von Zahnersatz eigenen. Die Kunststoffe entsprechen den Eigenschaften des menschlichen Knochens. Dadurch sind zum Beispiel metallfreie Kronen- und Brückengerüste, Prothesenbasen und –klammern herstellbar.

Zirkonoxid-Keramik ist der Ausgangsstoff für Vollkeramik-Kronen und Brücken. Diese keramischen Werkstoffe sind lichtdurchlässig und können mit Pigmenten in jeder Farbe eingefärbt werden. Sie kommen dem natürlichen Zahn in seinen Eigenschaften so nahe, dass sie von menschlichen Zähnen kaum zu unterscheiden sind. 

ber diese Frage brennt uns ja nun doch unter den Nägeln: Der durchschnittliche Europäer putzt nach dem Aufstehen und vor dem zu Bett gehen die Zähne. Einige greifen auch nach dem Mittagessen zur Zahnbürste. Welche zusätzlichen Maßnahmen können zuhause vorbeugend zur Gesunderhaltung der Zähne ergriffen werden?

Prof. Jäger: Unabhängig davon, ob Sie die Zeit und Möglichkeit haben, sich die Zähne tatsächlich nach dem Mittagessen zu putzen, ist generell zu empfehlen, sich gesund, d.h. möglichst zuckerarm zu ernährenRauchen schadet den Zähnen und dem Zahnhalteapparat sogar offensichtlich. Wichtig ist auch die regelmäßige adäquate Reinigung der Zahnzwischenräume. Und mein ganz persönlicher Tipp: Lassen Sie Ihre Zähne ein bis zweimal jährlich von einer/ einem Dentalhygieniker*in oder einer/ einem Zahnarzt*in untersuchen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite!

 

Vielen Dank für Ihre wertvollen Tipps und das nette Gespräch, Herr Professor Jäger!


 

Hat Ihnen das Gespräch mit dem Zahnexperten Prof. Jäger gefallen? Wollen Sie mehr erfahren oder sogar direkt Kontakt zu ihm aufnehmen? Dann besuchen Sie Leading Medicine Guide. Hier können Sie nach seiner ganz persönlichen Expertenmeinung fragen. Er hilft Ihnen weiter.

 

 


Bildquelle: © vladimirfloyd, © Maksym Yemelyanov, © Drobot Dean, © Stefano Garau, © lenets_tan – fotolia.com

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One comment

  1. Sehr wertvolle Tipps und lehrreiche Infos zur Zahnpflege, mein herzliches Dankeschön! Mir wurde die Überkronung empfohlen, aber ich habe Angst nach der Erfahrung von Mutti auf diesem Gebiet. Wäre ein Ersatz nicht sinnvoller? Danke im Voraus!

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