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Behandlung · Psychiatrie

Systemische Therapie | Ärzte & Behandlungsinfos

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Systemischer Ansatz
Im Mittelpunkt stehen die Wechselwirkungen zwischen psychischen Beschwerden, Beziehungen und dem sozialen Umfeld.
Ablauf
Zum Einsatz kommen beispielsweise lösungsorientierte und zirkuläre Fragen sowie die gemeinsame Betrachtung von Beziehungsmustern.
Dauer
Eine Einzelsitzung dauert gewöhnlich 50 Minuten; zwischen den Terminen können eine oder mehrere Wochen liegen.
Kosten
Eine selbst bezahlte Einzelsitzung kann je nach Abrechnung etwa 44 bis 101 Euro kosten.
Qualifikation
Die Therapie bieten entsprechend ausgebildete ärztliche und nichtärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an.

Die Systemische Therapie ist ein Psychotherapieverfahren, das psychische Beschwerden im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen betrachtet. Sie kann helfen, belastende Beziehungsmuster zu erkennen und persönliche Stärken für neue Lösungen zu nutzen.

Die Behandlung erfolgt in Gesprächen, einzeln, in der Gruppe oder gemeinsam mit wichtigen Bezugspersonen. Angehörige müssen nicht daran teilnehmen. Eine Einzelsitzung dauert gewöhnlich 50 Minuten.

Für wen eignet sich die Systemische Therapie bei einer psychischen Störung?

Die Systemische Therapie betrachtet die betroffene Person als Teil eines sozialen Systems. Dazu gehören Beziehungen innerhalb der Familie, in der Partnerschaft oder in anderen Lebensbereichen. Im Mittelpunkt stehen die Wechselwirkungen zwischen psychischen Beschwerden, Kommunikation und dem Verhalten beteiligter Personen.

Eine Therapie kann infrage kommen, wenn Beschwerden mehrere Wochen bestehen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Sie ist für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche mit behandlungsbedürftigen Erkrankungen verfügbar. Auch belastende Beziehungsmuster im Kontext psychischer Störungen können bearbeitet werden.

Eine Paar- und Familientherapie ohne Krankheitsbezug ist von einer Krankenbehandlung zu unterscheiden, auch wenn ähnliche Gesprächselemente zum Einsatz kommen können. Entscheidend ist, ob eine psychische Erkrankung behandelt wird.

Was ist über die Wirksamkeit bekannt?

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie hängt von der behandelten Störung und der Altersgruppe ab. Bei Erwachsenen mit Depressionen fand eine Metaanalyse von 30 randomisierten Studien stärkere Verbesserungen als bei unbehandelten Vergleichsgruppen. Gegenüber anderen aktiven Therapien zeigte sich kein statistisch gesicherter Unterschied.

Bei jungen Menschen unterscheidet sich die Studienlage je nach Erkrankung. Für Essstörungen fand das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen Hinweise auf Vorteile gegenüber bestimmten anderen Behandlungen.

Für weitere Anwendungsbereiche liegen folgende Ergebnisse vor:

  • Affektive Störungen: In untersuchten Vergleichen gab es Hinweise auf einen geringeren Nutzen als bei einer anderen anerkannten Psychotherapie.
  • Hyperkinetische Störungen: Ergänzend zu Medikamenten zeigte die Systemische Therapie einen Vorteil gegenüber einer alleinigen medikamentösen Behandlung.
  • Substanzbezogene Störungen: Es gab Hinweise auf Vorteile gegenüber einer anderen anerkannten Psychotherapie.

Beim systemischen Ansatz sind daher nicht alle Erkrankungen gleich gut untersucht. Welche Behandlung geeignet ist, richtet sich nach der Erkrankung und dem Alter. Auch persönliche Ziele und bisherige Behandlungen fließen in die Entscheidung ein.

Wie beginnt die Behandlung?

Die Vorbereitung beginnt üblicherweise mit einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Dabei wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegen könnte und welche Hilfe geeignet erscheint. Für dieses erste Gespräch benötigen Sie keine ärztliche Überweisung.

Anschließende Probesitzungen dienen dem gegenseitigen Kennenlernen. Dabei können Sie prüfen, ob Sie sich verstanden fühlen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten möglich ist. Auch die voraussichtliche Dauer wird besprochen.

Vor dem Antrag auf eine längerfristige Therapie prüft eine Ärztin oder ein Arzt, ob körperliche Ursachen zu den Beschwerden beitragen könnten. Dabei wird ebenfalls geklärt, ob gesundheitliche Gründe gegen eine Psychotherapie sprechen.

Wie läuft die Systemische Therapie ab?

Die Systemische Therapie arbeitet mit Gesprächen über Beschwerden und Beziehungen. Gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten betrachtet die Therapeutin oder der Therapeut wiederkehrende Interaktionen. Dabei geht es darum, wie Beteiligte aufeinander reagieren und wodurch belastende Muster aufrechterhalten werden könnten.

Ein typischer therapeutischer Ablauf kann so aussehen:

  1. Zu Beginn werden Beschwerden, Erwartungen und persönliche Ziele besprochen.
  2. Danach erkundet die Therapeutin oder der Therapeut Beziehungen und wiederkehrende Reaktionen im sozialen Umfeld.
  3. Zirkuläre Fragen verdeutlichen, wie verschiedene Beteiligte eine Situation wahrnehmen und sich gegenseitig beeinflussen.
  4. Lösungsorientierte Fragen machen persönliche Stärken und bereits hilfreiche Verhaltensweisen sichtbar.
  5. Zwischen den Terminen können neue Sichtweisen im Alltag erprobt und später gemeinsam ausgewertet werden.

Die Behandlung ist als Einzel- oder Gruppentherapie möglich und kann wichtige Bezugspersonen einbeziehen. Angehörige nehmen teil, wenn dies therapeutisch sinnvoll und gewünscht ist. Ihre Bedeutung lässt sich jedoch auch besprechen, ohne dass sie anwesend sind. Die systemische Familientherapie ist somit eine mögliche Form, aber keine Voraussetzung.

Eine Einzelsitzung dauert in der Regel 50 Minuten, eine Gruppensitzung üblicherweise 100 Minuten. Zwischen zwei Terminen können eine oder mehrere Wochen liegen. Eine Kurzzeittherapie umfasst bis zu 24 Therapiestunden. Reicht dies nicht aus, kann eine längere Therapie beantragt werden. Ambulant kann die Behandlung in einer Praxis stattfinden.

Welche Risiken sind bei der Systemischen Therapie möglich?

Auch dieses Verfahren kann zeitweise belastend sein. Wie häufig unerwünschte Wirkungen speziell bei der Systemischen Therapie auftreten, lässt sich aus den verfügbaren Untersuchungen nicht verlässlich bestimmen.

Wenn sich gewohntes Verhalten durch eine Psychotherapie verändert, können Spannungen in der Partnerschaft, in der Familie oder im Freundeskreis entstehen.

Bei einer Depression verschlimmern sich die Beschwerden trotz Psychotherapie bei etwa 2 bis 5 von 100 Menschen vorübergehend. Diese Häufigkeit gilt nicht speziell für die Systemische Therapie. Auftretende Belastungen oder andere Schwierigkeiten sollten Sie während der Therapie offen ansprechen.

Worauf sollten Sie am Ende der Behandlung achten?

Das Ende der Therapie sollte rechtzeitig vorbereitet werden. In den letzten Gesprächen geht es um erreichte Veränderungen und weiterhin schwierige Situationen. Hilfreiche Strategien können noch einmal überprüft werden. Zum Abschluss lassen sich die Abstände zwischen den Terminen schrittweise vergrößern.

Nach dem Abklingen einer Depression empfiehlt die Patientenleitlinie, eine erfolgreiche Psychotherapie zunächst zur Stabilisierung fortzuführen und nicht unvermittelt zu beenden. Wie lange diese Phase dauert, richtet sich nach dem individuellen Verlauf. Treten Beschwerden erneut auf, können bereits erarbeitete Strategien wieder aufgegriffen werden.

Welche Alternativen gibt es zur Systemischen Therapie?

Abhängig von der Erkrankung und dem Behandlungsziel können auch andere Psychotherapieverfahren infrage kommen. Dazu gehören die Verhaltenstherapie sowie die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie. Die Auswahl wird in der psychotherapeutischen Sprechstunde vorbereitet.

VerfahrenKennzeichnender AnsatzMögliche Bedeutung
Systemische TherapieUntersucht Beschwerden im sozialen Zusammenhang und bezieht Beziehungsmuster ein.Kann einzeln, in Gruppen oder mit wichtigen Bezugspersonen stattfinden.
VerhaltenstherapieAnalysiert besonders problematische Verhaltensmuster und übt andere Verhaltensweisen ein.Kommt als Alternative zur Systemischen Therapie infrage.
Tiefenpsychologisch fundierte PsychotherapieIst ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren.Kann abhängig von den Beschwerden und dem Behandlungsziel eine Alternative sein.
Analytische PsychotherapieIst ein eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren.Gehört ebenfalls zu den möglichen Alternativen.

Bei der Auswahl zählt auch, ob eine vertrauensvolle therapeutische Zusammenarbeit möglich ist. Patientinnen und Patienten können dies in den Probesitzungen prüfen.

Was kostet die Systemische Therapie?

Eine selbst bezahlte systemische Einzelsitzung kann je nach ärztlicher Abrechnung etwa 44 bis 101 Euro kosten. Das tatsächliche Honorar kann zwischen den Praxen abweichen. Lassen Sie sich die Kosten daher vor Beginn schriftlich mitteilen.

Bei einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung ist die Systemische Therapie ein anerkanntes Psychotherapieverfahren, dessen Kosten die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen. Für Kinder und Jugendliche ist eine qualifiziert angebotene Systemische Therapie seit dem 1. Juli 2024 als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung verfügbar.

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie bewertet die wissenschaftliche Anerkennung eines Verfahrens. Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet über dessen Aufnahme in die Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung. Für Versicherte ist praktisch entscheidend, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt und die Praxis für das Verfahren zugelassen ist.

Eine systemische Beratung, die ausschließlich der Ehe-, Lebens- oder Erziehungsberatung dient, bezahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht. Für die Kostenübernahme ist ausschlaggebend, dass eine psychische Erkrankung behandelt wird. Bei privaten Krankenversicherungen richten sich die Erstattung und das Antragsverfahren nach dem jeweiligen Vertrag.

Welche Ärztinnen und Ärzte führen Systemische Psychotherapie durch?

Das Verfahren bieten entsprechend ausgebildete ärztliche und nichtärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an. Zu den ärztlichen Fachgebieten gehören Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Auch Ärztinnen und Ärzte anderer Fachrichtungen können eine psychotherapeutische Zusatzqualifikation besitzen.

Für eine Behandlung zulasten der gesetzlichen Krankenkasse benötigt die Praxis eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung. Dazu muss sie die fachliche Befähigung für das Verfahren und die jeweilige Altersgruppe nachweisen. Dieses Merkmal unterscheidet qualifizierte Kassenangebote von allgemeinen Angeboten für Beratung und Therapie ohne entsprechende Zulassung.

Im Erstgespräch können Sie beispielsweise folgende Fragen stellen:

  • Welche Erfahrung haben Sie mit meiner Erkrankung?
  • Welche Ziele sind bei meinen Beschwerden realistisch?
  • Mit welchen Belastungen oder Nebenwirkungen muss ich rechnen?
  • Wie lange wird die Behandlung voraussichtlich dauern?
Geocentric universe - Hartmann Schedel - Liber chronicarum mundi - 1493
Die Erde im Zentrum des Kosmos: Das geozentrische Weltbild in der Schedelschen Weltchronik (um 1493)

Achten Sie außerdem darauf, ob Ziele und Vorgehen verständlich erklärt werden. Das gilt ebenso für mögliche Risiken und Kosten. Spezialistinnen und Spezialisten für Systemische Therapie finden Sie im Anschluss an diesen Text.

Häufige Fragen zur Systemischen Therapie

Wie läuft eine Sitzung ab?

In den Gesprächen werden psychische Beschwerden und wiederkehrende Reaktionen in Beziehungen betrachtet. Zirkuläre Fragen beziehen unterschiedliche Sichtweisen ein, während lösungsorientierte Fragen persönliche Stärken und mögliche Veränderungen erschließen sollen.

Muss meine Familie an den Sitzungen teilnehmen?

Nein, Angehörige müssen nicht anwesend sein. Ihre Bedeutung und der Einfluss familiärer Beziehungen können auch allein mit der Patientin oder dem Patienten besprochen werden.

Wie lange dauert eine Sitzung der Systemischen Therapie?

Je nach Format dauert eine Sitzung üblicherweise 50 oder 100 Minuten. Zwischen den Terminen können eine oder mehrere Wochen liegen.

Hilft die Systemische Therapie bei Depressionen?

Bei Erwachsenen mit Depressionen zeigte eine Metaanalyse Vorteile gegenüber unbehandelten Vergleichsgruppen. Im Vergleich mit anderen aktiven Therapien ergab sich kein statistisch gesicherter Unterschied.

Können sich Beschwerden zunächst verschlechtern?

Ja, Beschwerden können sich während einer Psychotherapie vorübergehend verstärken. Bei Depressionen betrifft dies etwa 2 bis 5 von 100 Menschen; die Angabe gilt nicht speziell für die Systemische Therapie. Schwierigkeiten sollten Sie während der Behandlung ansprechen.

Zahlt die Krankenkasse die Systemische Therapie?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlung, wenn eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegt und die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. Reine Ehe-, Lebens- oder Erziehungsberatung wird nicht bezahlt. Bei privaten Versicherungen richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Vertrag.

Über den Fachautor

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Erich W. Burrer

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Quellen

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