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Behandlung · Psychiatrie

Verhaltentherapie: Informationen & Verhaltenstherapeuten

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Verhaltenstherapie ist ein wissenschaftlich fundiertes Psychotherapieverfahren, das auf der Lerntheorie basiert: Problematisches Verhalten gilt als erlernt und damit auch als veränderbar. Sie zählt in Deutschland zu den anerkannten Richtlinienverfahren, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, sofern eine entsprechende Diagnose vorliegt. Grundlage jeder Behandlung ist die Verhaltensanalyse, mit der Auslöser, Reaktionen und aufrechterhaltende Faktoren eines Problems erfasst werden. Zu den zentralen Methoden zählen Reizkonfrontation, operante Verfahren, der Aufbau sozialer Kompetenzen sowie kognitive Techniken zur Veränderung verzerrter Denkmuster. Moderne Weiterentwicklungen wie die Schematherapie oder die rational-emotive Therapie ergänzen den klassischen Methodenkanon. Eingesetzt wird Verhaltenstherapie unter anderem bei Angststörungen, Zwangsstörungen, Depressionen, psychosomatischen Beschwerden sowie unterstützend bei chronischen Schmerzen und Essstörungen. Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist die aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe.

Verhaltenstherapie zählt zu den am besten erforschten Formen der Psychotherapie und wird bei einer Vielzahl psychischer Störungen eingesetzt. Sie hilft Patientinnen und Patienten dabei, belastende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, zu verändern und neue, tragfähige Bewältigungsstrategien zu erlernen. 

Hier erfahren Sie, wie Verhaltenstherapie funktioniert, welche Instrumente zum Einsatz kommen und was die Behandlung kostet.

Was versteht man unter Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie (VT) geht auf den sogenannten Behaviorismus zurück und wird seit den 1950er-Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Ihr liegt die Lerntheorie zugrunde: Problematisches Verhalten wird demnach nicht als angeborenes Merkmal, sondern als erlerntes Muster verstanden. Weil ein bestimmtes Verhalten erlernt wurde, kann es ebenso wieder verlernt und durch hilfreichere Verhaltensweisen ersetzt werden.

Anders als die Psychoanalyse nach Freud oder die analytische Psychotherapie, die stark auf unbewusste Konflikte fokussieren, orientiert sich die Verhaltenstherapie an beobachtbarem Verhalten und aktuellen, konkret benennbaren Problemen. Sie ist damit vergleichsweise transparent, stark problemorientiert und alltagsnah.

Die moderne Verhaltenstherapie bezieht zusätzlich kognitive Prozesse wie Denken, Bewerten und Erinnern mit ein. Man spricht dann von kognitiver Verhaltenstherapie. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt heute als eines der am besten untersuchten Verfahren bei zahlreichen psychischen Erkrankungen.

Durchgeführt wird eine Verhaltenstherapie von speziell ausgebildeten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die über eine mehrjährige Zusatzqualifikation verfügen.

In Deutschland gehört die Verhatlenstherapie neben der tiefenpsychologisch fundierten und der analytischen Psychotherapie sowie der systemischen Therapie zu den anerkannten Richtlinienverfahren. Das bedeutet: Die Kosten für eine verhaltenstherapeutische Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern eine entsprechende Diagnose vorliegt.

Grundprinzip der Verhaltenstherapie ist die Hilfe zur Selbsthilfe: Patientinnen und Patienten sollen befähigt werden, künftige Probleme zunehmend eigenständig zu bewältigen. Die Therapeutin oder der Therapeut übernimmt dabei eine begleitende, unterstützende Rolle, während die aktive Mitarbeit der Betroffenen im Mittelpunkt steht.

Im Mittelpunkt der Verhaltenstherapie: Die Verhaltensanalyse

Das Kernstück der Diagnostik der Verhaltenstherapie ist die Verhaltensanalyse. Sie erarbeitet,

  • unter welchen Bedingungen ein Problem auftritt,
  • wie der Betroffene damit umgeht und
  • welche kurz- und langfristigen Konsequenzen daraus entstehen.

Ein Beispiel: Panikattacken treten häufig auf, wenn eine Patientin durch Schlafmangel oder anhaltenden Stress bereits stark belastet ist. Kommt es etwa in einem Geschäft zu einer Attacke, flüchten Betroffene aus der Situation. Nicht selten reagiert das Umfeld darauf, indem es Aufgaben übernimmt, so dass etwa der Partner künftig die Einkäufe erledigt. Solche Reaktionen wirken zwar kurzfristig entlastend, tragen aber ungewollt dazu bei, unerwünschtes Verhalten zu festigen.

Solche Verhaltens- und Denkmuster lassen sich meist erst durch eine sorgfältige Analyse vollständig erfassen. Diese Zusammenhänge sind für den weiteren Therapieplan entscheidend. Sie zeigen einerseits, wie sich die Wahrscheinlichkeit künftiger Panikattacken verringern lässt, etwa durch einen regelmäßigen Schlafrhythmus und gezielten Stressabbau. Andererseits machen sie deutlich, dass vermeintlich hilfreiche Reaktionen des Umfelds ein problematisches Verhalten verstärken können, ohne dass dies beabsichtigt ist.

Instrumente der Verhaltenstherapie

Therapeutische Techniken der Verhaltenstherapie helfen dabei, individuelle Therapieziele Schritt für Schritt zu erreichen. Dabei kommt eine Vielzahl von Methoden zum Einsatz, die sich je nach Störungsbild und Beschwerdebild unterscheiden.

Reizkonfrontation / Exposition

Viele Menschen meiden Situationen, die Symptome wie Ängste oder Zwangshandlungen auslösen. Im Rahmen der Reizkonfrontation sucht er diese ganz gezielt auf. Ziel ist, die Symtpome zu überwinden und dadurch wieder mehr Lebensraum zu gewinnen.

Dies ist ein sehr effektives Verfahren der Verhaltenstherapie, das für den Patienten allerdings sehr anstrengend ist. Es fordert ihm hohe Motivation ab. Deshalb ist vor jeder Reizkonfrontation genau zu planen, was sich der Patient zumuten will und in welchen Schritten eine Besserung machbar ist.

Ein Beispiel: Eine Patientin mit Panikstörungen vermeidet insbesondere geschlossene Räume mit vielen Menschen. Sie sucht nun zunächst gemeinsam mit ihrer Therapeutin geschlossene Räume mit relativ wenigen Menschen (z.B. Behörde) auf. Als Nächstes folgen in Räume mit mittelvielen Menschen (z.B. Supermarkt) und begibt sich als letztes in ein enges und volles Kaufhaus.

Wenn sie diese Situationen gemeistert hat, führt sie diese Schritte in der nächsten Stufe der Verhaltenstherapie alleine durch.

Operante Methoden

Operante Methoden steuern gezielt das Verhalten im Rahmen der Verhaltenstherapie. Methoden der Steuerung sind:

  • „Bestrafung“ von Problemverhalten und (das ist viel wichtiger!) „Belohnung“ von erwünschtem Verhalten
  • durch eine optimale Gestaltung der Umwelt

Ein Beispiel dafür wäre die Behandlung von Essattacken: Einerseits hilft die Erstellung eines Essensplans dem Patient dabei, regelmäßig ausreichende Mengen zu essen, um möglichst gar keinen Heißhunger zu bekommen.

Wenn er diesen Essensplan einhält, belohnt er sich in vorher abgesprochener Art und Weise (z.B. ins Kino gehen). Zusätzlich sieht die Gestaltung der Umwelt vor, dass z.B. keine großen Mengen hochkalorischer Nahrung im Haushalt gelagert sind.

Wenn diese Verhaltenssteuerung weitgehend vom Patienten selbst übernommen wird, spricht man von zunehmendem „Selbstmanagement“.

Aufbau von Kompetenzen

Viele Patienten sind schlecht in der Lage, sich z.B.

  • bei Konflikten durchzusetzen,
  • ihre Meinung selbstbewusst zu vertreten oder
  • Probleme selbständig zu lösen.

Für solche Konstellationen bietet sich das Training sozialer Kompetenzen oder auch ein Problemlösetraining an. Dabei wird meist in Gruppen zunächst besprochen, welches Verhalten als angemessen eingestuft werden kann und dieses wird in der Folge schrittweise geübt.

Kognitive Verfahren der Verhaltenstherapie

Bei kognitiven Verfahren erarbeitet der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten, in welcher Weise dieser eine verzerrte Sichtweise hat. Z.B. sehen depressive Personen die Welt häufig sehr pessimistisch, Angstpatienten schätzen viele Ereignisse übermäßig gefährlich ein. Sie erörtern alternative Sichtweisen und der Patient eignet sich diese an.

Ein Beispiel wäre die vorgenannte Panikpatientin, die im Rahmen ihrer Panikanfälle immer wieder die Befürchtung entwickelt, sie könnte in Ohnmacht fallen. Der Therapeut bespricht mit ihr, welche Gründe dafür und welche dagegensprechen, dass sie in geschlossenen Räumen ohnmächtig wird.

Dazu gehört z.B.

  • die Überlegung, wie häufig sie bisher ohnmächtig wurde (meist nämlich noch nie!),
  • wie häufig sie so etwas schon mitbekommen hat und
  • ob evtl. bekannte Fälle erkennbare Ursachen haben (z.B. wurde eine Tante in einem stickigen Raum an einem heißen Sommertag ohnmächtig. Sie hatte aber den ganzen Tag fast nichts getrunken).

Daraus wird im Gespräch abgeleitet, dass ihre Befürchtung sehr unrealistisch ist. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft, die gefürchteten Situationen im nächsten Schritt der Verhaltenstherapie aktiv aufzusuchen.

Junge Frau bei einer Psychotherapeutin
Junge Frau bei einer Psychotherapeutin

Moderne Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie

Neben den klassischen Instrumenten haben sich im Rahmen der modernen Verhaltenstherapie weitere Ansätze etabliert. Dazu zählen etwa die Schematherapie, die früh erlernte, problematische Denk- und Verhaltensmuster in den Blick nimmt, sowie die rational-emotive Therapie, die gezielt an irrationalen Grundüberzeugungen ansetzt. Diese Weiterentwicklungen erweitern die klassische Verhaltenstherapie um zusätzliche verhaltenstherapeutische Ansätze für komplexere Problemstellungen.

Ablauf, Kostenübernahme und Abgrenzung zu anderen Verfahren

Vor Beginn einer verhaltenstherapeutischen Behandlung finden in der Regel probatorische Sitzungen statt. Sie dienen dazu, die Beziehung zwishcen Patientin oder Patient unt Therapeutin oder Therapeut zu klären und die Behandlungsprinzipien sowie realistische Therapieziele gemeinsam festzulegen. Erst danach beginnt die eigentliche Therapie mit regelmäßigen Sitzungen.

Da Verhaltenstherapie zu den Richtlinienverfahren zählt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, wenn eine entsprechende psychische oder psychosomatische Erkrankung diagnostiziert wurde. Auch eine psychotherapeutische Behandlung im Rahmen der Verhaltenstherapie setzt daher stets eine gesicherte Diagnose voraus. Im Unterschied zur analystischen Psychotherapie, die tief in die Biografie und unbewusste Konflikte eintaucht, arbeitet die Verhaltenstherapie meist zielgerichteter und zeitlich begrenzter an konkreten Problemen und Strategien im Umgang mit belastenden Situationen. Das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" zieht sich dabei durch alle Phasen der Behandlung bis zum Abschluss der Therapie.

Wie viele Sitzungen im Rahmen einer Verhaltenstherapie notwendig sind, hängt stark vom individuellen Beschwerdebild ab. Bei umschriebenen Problemen können bereits wenige Sitzungen ausreichen, während komplexere psychische Erkrankungen häufig eine längerfristige Begleitung über mehrere Monate und Jahre erfordern. Die Sitzungsfrequenz wird gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten festgelegt und im Verlauf der Behandlung regelmäßig überprüft.

Für wen eignet sich kognitive Verhaltenstherapie?

Verhaltenstherapie kommt bei vielen psychischen Störungen zum Einsatz, etwa bei Angststörungen, Zwangsstörungen, depressiven Erkrankungen sowie bei psychosomatisch bedingten Beschwerden mit körperlichen Reaktionen auf psychische Belastung. Auch bei körperlichen Erkrankungen, die durch Verhaltensveränderungen positiv beeinflusst werden können, wird sie ergänzend eingesetzt. 

Damit zählt Verhaltenstherapie zu den Verfahren, die am häufigsten zum Einsatz kommen, wenn psychische Störungen behandelt werden sollen. Menschen mit psychischen Problemen profitieren besonders dann von Verhaltenstherapie, wenn sie aktiv an der Bewältigung konkreter Gesundheitsthemen mitarbeiten möchten.

Auch bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Esstörungen und im Umgang mit belastenden Lebensveränderungen kann Verhaltenstherapie unterstützend eingesetzt werden. Voraussetzung ist stets, dass die betroffene Person bereit ist, aktiv an einem Problemlöseprozess mitzuarbeiten und neue Denk- und Verhaltensmuster im Alltag zu erproben.

Häufig gestellte Fragen zur Therapie

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

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Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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