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Erkrankung · Psychiatrie

Eine Zwangsstörung erkennen und behandeln lassen

Susanne_Schmieder.jpgMedizinische FachautorinMag. Susanne SchmiederStand: ICD-10: F42, F42.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Typische Merkmale
Meist gehören sowohl Zwangsgedanken als auch wiederkehrende Zwangshandlungen zur Erkrankung.
Früher Beginn
Erste Symptome treten häufig bereits in der Kindheit oder Jugend auf.
Diagnose
Mögliche Anzeichen müssen im Gespräch gezielt erfragt werden.
Behandlung
Die Therapie der ersten Wahl ist eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition.
Verlauf
Ohne angemessene Behandlung verlaufen Zwangserkrankungen meist chronisch, wobei die Stärke der Beschwerden schwanken kann.

Eine Zwangsstörung ist eine psychische Erkrankung mit wiederkehrenden Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Typisch sind aufdringliche Gedanken und Rituale, die sich schwer kontrollieren lassen. Behandelt wird vorrangig mit Verhaltenstherapie, die eine Konfrontation mit zwangsauslösenden Situationen einschließt.

Zwänge können den Alltag erheblich beeinträchtigen und Angehörige belasten. Wenn Gedanken oder Rituale zunehmend das Leben bestimmen, ist eine psychotherapeutische Sprechstunde eine geeignete erste Anlaufstelle.

Was ist eine Zwangsstörung?

Bei einer Zwangsstörung drängen sich Gedanken wiederholt auf oder Betroffene fühlen sich zu bestimmten Handlungen und Ritualen gezwungen. In der Regel umfasst die Störung Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Beide Formen können gemeinsam auftreten und einander verstärken.

Zwangsgedanken sind aufdringliche Gedanken, die wiederkehrend auftreten und sich nur schwer beiseiteschieben lassen. Eine Zwangshandlung ist ein zwanghaft ausgeführtes Verhalten oder Ritual. Bei Kindern gehören Kontrollhandlungen zu den häufigen Erscheinungsformen. Auch Ordnen und Zählen kommen vor.

Nicht jede Vorliebe für Ordnung und Sauberkeit ist eine Zwangserkrankung. Für die medizinische Einordnung zählt, wie häufig das Symptom auftritt und ob die Zwänge den Alltag beeinträchtigen. Eine intensive Beschäftigung mit Ordnung und Symmetrie kann im diagnostischen Gespräch ein Hinweis sein.

Die Erkrankung kann früh beginnen. Erste Anzeichen treten häufig bereits in der Kindheit oder Jugend auf. Frauen erkranken laut Patientenleitlinie oft später als Männer. Die Zwangssymptomatik kann sich somit je nach Person in unterschiedlichen Lebensphasen bemerkbar machen.

Welche Symptome sind typisch?

Typisch sind Gedanken oder Handlungen, die sich aufdrängen und nur schwer kontrollieren lassen. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich von Person zu Person. Maßgeblich ist, wie stark die auftretenden Zwänge den Alltag beeinträchtigen.

  • Zwangsgedanken: aufdringliche Gedanken kehren immer wieder
  • Zwangshandlungen: bestimmte Abläufe werden wiederholt
  • Kontrollzwang: Dinge werden mehrfach überprüft
  • Ordnungszwang: Ordnung oder Symmetrie beanspruchen viel Aufmerksamkeit
  • Wasch- und Putzzwang: Waschen oder Reinigen wird zum Ritual
  • Zählzwang: Gegenstände oder Abläufe müssen gezählt werden

Bei Kindern gehören Wasch- und Putzzwänge zu den häufigen Erscheinungsformen. Auch Kontroll-, Ordnungs- und Zählzwänge kommen oft vor. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn Händewaschen oder ein anderes Ritual den Alltag des Kindes zunehmend bestimmt.

Die Erkrankung mit ihren Zwangsritualen kann auch für Angehörige stark belastend sein. Sie erleben außerdem, wie viel Zeit die Handlungen beanspruchen. Im weiteren Verlauf können Isolation und sozialer Rückzug entstehen.

Was löst Zwänge aus?

Die Ursachen einer Zwangsstörung lassen sich nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen. Welche Einflüsse bedeutsam sind, unterscheidet sich von Person zu Person.

  • Genetische Einflüsse: eine mögliche biologische Beteiligung
  • Umwelteinflüsse: Erfahrungen und äußere Lebensbedingungen
  • Lebensereignisse: persönliche Erlebnisse können mit anderen Einflüssen zusammenwirken

Genetische Faktoren können gemeinsam mit Umwelteinflüssen wie Lebensereignissen an der Entstehung beteiligt sein. Daraus lässt sich keine einzelne Ursache ableiten. Auch eine sichere Vorhersage der Erkrankung ist so nicht möglich. Ein vermeintlich auslösendes Ereignis erklärt die Beschwerden daher nicht automatisch vollständig.

Wie wird eine Zwangsstörung festgestellt?

Die Diagnose beruht vor allem auf einem gezielten Gespräch über die Gedanken und Handlungen. Dabei geht es auch um deren Folgen im Alltag. Mögliche Anzeichen müssen ausdrücklich erfragt werden. Ein Selbsttest kann dieses klinische Gespräch nicht ersetzen.

Die Fachperson fragt beispielsweise, wie stark sich jemand mit Ordnung und Symmetrie beschäftigt.

Schildern Sie möglichst offen, welche Gedanken sich aufdrängen und welche zwanghaften Handlungen darauf folgen. Hilfreich ist auch die Angabe, wie viel Raum die Beschwerden einnehmen. Belastungen in der Familie oder im Beruf können für die Einordnung relevant sein. Gleiches gilt für Schule, Ausbildung und soziale Kontakte.

Wann sollten Sie professionelle Hilfe suchen?

Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn Gedanken oder Rituale wiederholt auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Eine psychotherapeutische Sprechstunde bietet ein erstes Beratungsgespräch bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung.

Für einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde brauchen Sie keine ärztliche Überweisung. Für die Behandlung kommen ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus der Psychiatrie und Psychotherapie sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten infrage.

Eltern sollten bei Verdacht auf behandlungsbedürftige Zwänge ihres Kindes nicht zögern, professionelle Hilfe zu suchen. Angehörige können Betroffenen ruhig und deutlich vermitteln, dass eine fachliche Abklärung nötig ist.

Neuronales Netz
Neuronales Netz

Welche Therapie hilft bei Zwangsstörungen?

Als Behandlung der ersten Wahl soll eine störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition angeboten werden. Exposition bedeutet, dass sich Betroffene während der Therapie mit zwangsauslösenden Situationen auseinandersetzen. Beim Reaktionsmanagement üben sie, die gewohnte Zwangshandlung nicht auszuführen.

Die Psychotherapie kann ambulant oder stationär erfolgen. Eine medikamentöse Therapie kommt ebenfalls infrage. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI, erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn.

VerfahrenFür wenDauerVorteile und Nachteile
Kognitive Verhaltenstherapie mit ExpositionErste Wahl bei ZwangsstörungenMeist eine Sitzung pro Woche; ein Einzelgespräch dauert ungefähr eine StundeSetzt direkt an den Zwängen an
Medikamentöse BehandlungNach individueller ärztlicher AbwägungDie Dauer legt das Behandlungsteam individuell festKann therapeutisch eingesetzt werden; Nebenwirkungen sind möglich
Kombination aus Verhaltenstherapie und MedikamentenWenn beide Verfahren zum individuellen Behandlungsplan gehörenIst nicht generell wirksamer als die kognitive Verhaltenstherapie allein

Wann kommt eine Klinik für Zwangsstörung infrage?

Eine Behandlung in einer Klinik kommt als stationäre Versorgungsform infrage. Die störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie wird sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Welche Form zur persönlichen Situation passt, bespricht das Behandlungsteam mit der betroffenen Person.

Bei einer ambulanten Therapie finden die Gespräche üblicherweise einmal pro Woche statt. Ein Einzelgespräch dauert meist ungefähr eine Stunde. Die gesamte Behandlungsdauer hängt von der Art der Erkrankung ab. Auch ihre Schwere und das gewählte Verfahren wirken sich darauf aus.

Eine Klinik für Zwangsstörung übernimmt die Behandlung stationär. Ob diese Form oder eine ambulante Versorgung infrage kommt, lässt sich nicht pauschal entscheiden. Das Behandlungsteam sollte die Wahl anhand der persönlichen Situation erläutern.

Wie sind Verlauf und Prognose?

Ohne angemessene Behandlung verlaufen Zwangserkrankungen meist chronisch. Die Stärke der Beschwerden kann dabei schwanken. Eine pauschale Aussage darüber, ob oder wann die Erkrankung vollständig zurückgeht, ist deshalb nicht möglich.

Anhaltende Zwänge können soziale Kontakte beeinträchtigen und zu Rückzug oder Isolation führen. Auch Angehörige können durch die Zwangserkrankung stark belastet werden. Ob und wie sie einbezogen werden, sollten Betroffene mit dem Behandlungsteam abstimmen.

Nach einer abgeschlossenen Behandlung können Selbsthilfegruppen zur Vorbeugung von Rückfällen beitragen. Sie ersetzen keine fachliche Behandlung.

Häufige Fragen zur Zwangsstörung

Was ist der Unterschied zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen?

Zwangsgedanken sind wiederkehrende, aufdringliche Gedanken. Zwangshandlungen bezeichnen Rituale oder Verhaltensweisen, zu denen sich Betroffene gedrängt fühlen. Zu einer Zwangsstörung gehören in der Regel beide Formen.

Ab wann sind Gedanken oder Rituale mehr als eine Angewohnheit?

Entscheidend ist, wie häufig die Beschwerden auftreten und wie stark sie das tägliche Leben beeinträchtigen. Die Beurteilung sollte in einem fachlichen Gespräch erfolgen, weil einzelne Gewohnheiten allein keine Diagnose erlauben.

Können Zwangsstörungen schon bei Kindern auftreten?

Erste Symptome beginnen häufig bereits in der Kindheit oder Jugend. Typische Formen sind Wasch- oder Putzzwänge. Auch wiederholtes Kontrollieren, Ordnen und Zählen kommt vor. Bei einem Verdacht sollten Eltern professionelle Hilfe suchen.

Kann eine Zwangsstörung ohne Medikamente behandelt werden?

Ja. Die störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition gilt als Psychotherapie der ersten Wahl. Eine Kombination mit Medikamenten ist nicht grundsätzlich wirksamer als die Verhaltenstherapie allein.

Welche Nebenwirkungen können selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer haben?

Bei selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern können Übelkeit oder Nervosität auftreten. Auch Schlafstörungen sind möglich. Welche Beschwerden im Einzelfall auftreten können, sollten Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.

Was kann einem Rückfall vorbeugen?

Nach der Behandlung können Selbsthilfegruppen zur Rückfallvorbeugung beitragen. Welche weiteren Schritte zur persönlichen Situation passen, sollte das Behandlungsteam mit Ihnen abstimmen.

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Über den Fachautor

Mag. Susanne Schmieder

Medizinische Fachautorin

Mag. Susanne Schmieder studierte Psychologie in Salzburg und absolvierte eine Weiterbildung zur Online-Redakteurin. Sie schreibt unter anderem Patientenratgeber, Blogbeiträge oder textet ganze Websites für Psychologen und Coaches.

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Quellen

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