Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Behandlung · Allgemeine Zahnheilkunde

Zahnextraktion - Medizinische Experten

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Behandlung
Die Zahnärztin oder der Zahnarzt entfernt den Zahn unter örtlicher Betäubung mit einer Zange, einem Hebel oder beiden Instrumenten.
Gründe
Häufig führen Karies oder Parodontitis zur Extraktion; auch Unfallschäden, Erkrankungen an der Wurzelspitze und kieferorthopädische Behandlungen kommen infrage.
Risiken
Mögliche Komplikationen sind eine Nachblutung, eine Infektion des Zahnfachs und eine trockene Alveole.
Nachsorge
Zu den untersuchten Verhaltensanweisungen nach einer Zahnextraktion gehörte, den Mund in den ersten 24 Stunden nicht auszuspülen.
Fachgebiet
Einfache Zahnextraktionen führen Zahnärztinnen und Zahnärzte durch; bei einer operativen Zahnentfernung können oralchirurgisch tätige Fachleute zuständig sein.

Eine Zahnextraktion ist das Entfernen eines Zahns aus dem Kiefer. Typische Gründe sind Karies, Parodontitis, ein Unfallschaden oder eine Erkrankung an der Wurzelspitze. Eine einfache Extraktion erfolgt meist unter örtlicher Betäubung.

Ob der betroffene Zahn tatsächlich gezogen werden muss, hängt von seinem Zustand und möglichen Alternativen ab. Liegt er tief im Kieferknochen oder ist er verlagert, kann statt der einfachen Zahnextraktion eine operative Zahnentfernung erforderlich sein.

Wann ist eine Zahnextraktion sinnvoll?

Eine Zahnextraktion kommt infrage, wenn ein erkrankter oder beschädigter Zahn nicht erhalten werden kann. Karies und Parodontitis sind bei Erwachsenen die häufigsten Gründe für diesen Eingriff. Auch eine kieferorthopädische Behandlung kann eine Indikation sein.

  • Wurzelspitzenerkrankung: Eine Erkrankung im Bereich der Zahnwurzel kann eine Zahnentfernung notwendig machen.
  • Unfallschaden: Ein gebrochener oder anderweitig geschädigter Zahn kann gezogen werden müssen.
  • Kieferorthopädische Behandlung: Mitunter werden Zähne entfernt, um die weitere Behandlung zu ermöglichen.
  • Verlagerter Zahn: Liegt der Zahn tief im Kieferknochen, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.

Manche Patientinnen und Patienten wünschen, einen Zahn ziehen zu lassen, bevor eine Behandlungsentscheidung getroffen wurde. Warum dieser Wunsch entsteht, ist nicht verlässlich geklärt. Schmerzen allein beantworten nicht, ob es die geeignete Behandlung ist, den Zahn zu ziehen.

Zahnextraktion
Bild KI generiert

Kann der Zahn erhalten werden?

Vor einer Zahnextraktion ist zu prüfen, ob der Zahn noch erhalten werden kann. Das gilt besonders für einen durch Parodontitis geschädigten Zahn.

BehandlungswegFür wen kommt er infrage?Dauer sowie Vor- und Nachteile
Zahnerhalt durch ParodontitisbehandlungFür ausgewählte, durch Parodontitis gefährdete ZähneDie Behandlung kann den Zahn unter Umständen noch über Jahre erhalten und den Zahnverlust aufschieben. Ob dies gelingt, hängt vom Zahnschaden ab.
Extraktion mit anschließendem ZahnimplantatWenn ein parodontal geschädigter Zahn entfernt und ersetzt werden sollZahnerhalt und Extraktion mit Implantat erreichen in Studien hohe Überlebensraten. Ein eindeutiger Vorteil einer Strategie ist nicht belegt.

Nach der Zahnentfernung kann die entstandene Lücke mit Zahnersatz versorgt werden. Welche Lösung geeignet ist, lässt sich nicht allein aus dem Grund für die Extraktion ableiten.

Wie bereite ich mich auf das Zahnziehen vor?

Vor dem Zahnziehen sollte die behandelnde Zahnärztin oder der behandelnde Zahnarzt über blutverdünnende Medikamente und das Rauchen informiert sein. Diese Angaben beeinflussen die Einschätzung des Blutungsrisikos und die Planung der Nachsorge.

  • Blutverdünner: Nennen Sie das Medikament und verändern Sie die Einnahme nicht eigenmächtig.
  • Mehrere geplante Extraktionen: Unter Blutverdünnern steigt das Risiko einer Nachblutung, wenn mehrere Zähne bei einem Termin entfernt werden.
  • Rauchen: Es erhöht das Risiko für eine trockene Alveole und sollte vor dem Eingriff angesprochen werden.

Blutverdünner sollten vor der Zahnextraktion nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden. In einer Metaanalyse war das Blutungsrisiko bei fortgesetzter Einnahme nicht signifikant höher als nach dem Absetzen. Die Entscheidung richtet sich nach dem persönlichen Risiko und dem geplanten Eingriff.

Wie läuft die Zahnextraktion ab?

Die einfache Zahnextraktion erfolgt üblicherweise unter Lokalanästhesie, also örtlicher Betäubung. Sie unterscheidet sich von der operativen Zahnentfernung, bei der tief liegende oder verlagerte Zähne chirurgisch entfernt werden.

  1. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt betäubt den Bereich um den zu entfernenden Zahn örtlich.
  2. Für die Extraktion kommen eine Zahnzange, ein Hebel oder beide Instrumente zum Einsatz.
  3. Anschließend wird der Zahn aus dem Zahnfach entfernt.

Eine feste Dauer für jede einfache Zahnextraktion lässt sich nicht angeben. Für die operative Entfernung eines verlagerten Zahns nennt die Fachgesellschaft je nach Aufwand etwa 15 bis 30 Minuten pro Zahn. Diese Zeit gilt nicht als Vorgabe für das gewöhnliche Ziehen eines Zahnes.

Die geplante Weisheitszahn-OP ist ein eigener Behandlungsfall. Für die operative Entfernung verlagerter Weisheitszähne reicht meist eine örtliche Betäubung. Bei empfindlichen Patientinnen und Patienten oder wenn mehrere Weisheitszähne entfernt werden, kommen auch Dämmerschlaf oder Vollnarkose infrage.

Für die operative Entfernung tief im Knochen liegender oder verlagerter Zähne ist die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ein einschlägiges Fachgebiet.

Welche Risiken und Komplikationen sind möglich?

Die meisten in einer Untersuchung betrachteten Zahnfächer heilten nach einer nicht operativen Zahnextraktion ohne Komplikation. Möglich sind dennoch eine Nachblutung, eine Infektion des Zahnfachs und eine trockene Alveole, medizinisch Alveolitis sicca genannt.

  • Trockene Alveole: Laut einer Übersichtsarbeit tritt diese schmerzhafte Heilungsstörung bei 1 % bis 5 % der üblichen Zahnextraktionen auf.
  • Typische Beschwerden: Starke Schmerzen beginnen meist etwa zwei bis drei Tage nach dem Eingriff und können von Mundgeruch begleitet sein.
  • Fehlender Blutpfropf: Bei einer trockenen Alveole fehlt der schützende Blutpfropf im Zahnfach teilweise oder vollständig.
  • Infektion: Eine Infektion der Alveole gehört zu den möglichen Heilungskomplikationen.
  • Nachblutung: Das Risiko steigt bei Menschen unter Blutverdünnern, wenn mehrere Zähne gleichzeitig gezogen werden.

Rauchen war in einer Metaanalyse mit einer mehr als dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine trockene Alveole verbunden. Dieser Zusammenhang sollte bei der Planung der Nachsorge berücksichtigt werden.

Worauf sollte ich achten, nachdem ein Zahn gezogen wurde?

Nach der Zahnextraktion muss sich in der Wunde ein stabiler Blutpfropf bilden können. Zu den untersuchten Verhaltensanweisungen gehörte deshalb, den Mund in den ersten 24 Stunden nicht auszuspülen.

Kommt es zu einer Nachblutung, kann Druck mit einem Gazetupfer helfen. In einer Untersuchung von Menschen unter Blutverdünnern ließen sich die meisten beobachteten Blutungen auf diese Weise stillen.

Leichte Schmerzen, nachdem der Zahn gezogen wurde, bedeuten nicht automatisch eine gestörte Wundheilung. Gegen akute Beschwerden können entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen. Das Mittel muss zu den persönlichen Erkrankungen und anderen Medikamenten passen.

Wenn starke Schmerzen auftreten oder vorhandene Beschwerden zunehmen, ist eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll. Das gilt besonders, wenn die Schmerzen erst einige Tage nach der Zahnextraktion deutlich werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann prüfen, ob eine Entzündung, Infektion oder trockene Alveole vorliegt.

Nach einer operativen Zahnentfernung dauert die Wundheilung laut Fachgesellschaft etwa eine Woche. Damit ist die vollständige Heilung des darunterliegenden Kieferknochens noch nicht beschrieben. Die Angabe lässt sich zudem nicht ohne Weiteres auf jede einfache Extraktion übertragen.

Welche Ärztinnen und Ärzte führen eine Zahnextraktion durch?

Einfache Zahnextraktionen werden von Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie oralchirurgisch tätigen Fachleuten durchgeführt. Die Zahnmedizin umfasst die Beurteilung des Zahns, die Planung der Behandlung und die spätere Versorgung.

Wichtig ist Erfahrung mit der jeweils geplanten einfachen oder operativen Zahnentfernung. Im Erstgespräch sollte verständlich erklärt werden, warum der Zahn entfernt werden soll und ob eine zahnerhaltende Behandlung infrage kommt.

Diese Fragen können Sie im Erstgespräch stellen:

  • Warum muss der Zahn entfernt werden?
  • Gibt es eine realistische Möglichkeit, den Zahn zu erhalten?
  • Ist eine einfache Extraktion möglich oder wird der Zahn operativ entfernt?
  • Mit welchen Schmerzen und Schwellungen ist nach dem Eingriff zu rechnen?

Spezialistinnen und Spezialisten für Zahnextraktionen finden Sie im Anschluss an diesen Text.

Häufige Fragen zur Zahnextraktion

Muss ich Blutverdünner vor dem Zahnziehen absetzen?

Nein, Blutverdünner dürfen vor einer Zahnextraktion nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Informieren Sie die Zahnärztin oder den Zahnarzt vor dem Eingriff über die eingenommenen Blutverdünner, damit das Blutungsrisiko und die Behandlung geplant werden können.

Reicht beim Zahnziehen eine örtliche Betäubung aus?

Für eine einfache Zahnextraktion reicht üblicherweise eine örtliche Betäubung aus.

Wie erkenne ich eine trockene Alveole?

Typisch sind starke Schmerzen, die etwa zwei bis drei Tage nach der Zahnentfernung beginnen. Hinzukommen kann Mundgeruch. Der Blutpfropf im Zahnfach fehlt teilweise oder vollständig.

Was soll ich bei zunehmenden Schmerzen nach dem Zahnziehen tun?

Starke oder zunehmende Schmerzen sollten zahnärztlich untersucht werden. Beginnen die Beschwerden erst einige Tage nach dem Eingriff, kann eine trockene Alveole dahinterstecken. Leichte Schmerzen allein bedeuten dagegen nicht zwangsläufig, dass die Wunde schlecht heilt.

Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

Mehr über den Fachautor →
Quellen

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen