Die Entstehung einer Parodontitis beginnt meist mit bakteriellen Belägen am Zahn. Wird Zahnbelag nicht regelmäßig durch gründliche Mundhygiene entfernt, mineralisiert er zu Zahnstein.
In der Folge entwickelt sich häufig zunächst eine Zahnfleischentzündung, auch Gingivitis genannt. Der Übergang von Gingivitis und Parodontitis ist fließend. Während die Gingivitis auf das oberflächliche Zahnfleisch begrenzt bleibt, greift die Entzündung der Parodontitis auf tiefere Strukturen über.
Sobald sich das Zahnfleisch vom Zahn löst, entstehen Zahnfleischtaschen. Dort können sich Bakterien schützt vermehren. Eine Parodontitis beginnt oft unbemerkt.
Ohne Therapie schreitet der Verlauf von Parodontitis fort: Es kommt zum Knochenabbau am Kieferknochen, Lockerung einzelner Zähne und schließlich kann Parodontitis zu einer Zerstörung des gesamten Zahnhalteapparates führen.

Die Entwicklung von einer Zahnfleischentzündung zur Parodontitis mit zurückweichendem Zahnfleisch © bilderzwerg | AdobeStock
Die deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) unterscheidet unterschiedliche Formen von Parodontitis. Neben der chronischen Verlaufsform existiert die aggressive Parodontitis, die schneller voranschreitet und häufig jüngere Menschen betrifft.
Die Stadien der Parodontitis reichen von frühen entzündlichen Veränderungen bis zur schweren Parodontitis mit ausgeprägtem Knochenverlust.
Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis sind bereits größere Anteile des Knochens betroffen. Der individuelle Verlauf einer Parodontitis hängt stark von allgemeinen Gesundheitsfaktoren und dem Therapiebeginn ab.
Die Entstehung von Parodontitis ist multifaktoriell, zu den wichtigsten Risikofaktoren für Parodontitis zählen:
- unzureichende Mundhygiene
- ausgeprägter Zahnbelag und Zahnstein
- genetische Disposition
- geschwächtes Immunsystem
- systemische Erkrankungen wie z.B. Diabetes Mellitus
- Rauchen als zentraler Risikofaktor
Diese Faktoren können Parodontitis begünstigen und erhöhen deutlich das Risiko für Parodontitis. Menschen mit Parodontitis weisen häufig mehrere dieser Einflussgrößen auf.
Typische Anzeichen einer Parodontitis sind:
- gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
- wiederkehrendes Zahnfleischbluten
- Mundgeruch
- Rückgang des Zahnfleisches
- Lockerung einzelner Zähne
Ein frühes Symptom ist häufig schmerzlos. Genau deshalb wird die Erkrankung häufig spät erkannt. Häufig wird eine Parodontitis festgestellt, wenn bereits Knochenabbau vorliegt.
Die Parodontitis ist zumeist eine langsam fortschreitende Erkrankung, kann jedoch in bestimmten Fällen rasch verlaufen.
Die Diagnostik ist die Grundlage jeder zahnärztlichen Behandlung. Der Zahnarzt erhebt zunächst den klinischen Befund von Zahn und Zahnfleisch.
Röntgenuntersuchungen bei Parodontitis
Röntgenuntersuchungen bei Parodontitis ermöglichen die Beurteilung des Knochenabbaus am Kieferknochen. Allerdings werden Veränderungen erst sichtbar, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Daher dient das Röntgen heute v.a. der Verlaufsbeurteilung.

Im Röntgenbild des Kiefers lässt sich der Zustand der Zähne gut überprüfen © Massimo Cattaneo | AdobeStock
Parodontaler Screening Index (PSI)
Dieser Index wurde von der deutschen Gesellschaft für Parodontologie etabliert. Mit einer speziellen WHO-Sonde misst der Zahnarzt die Tiefe der Zahnfleischtaschen.
Anhand definierter Codes lässt sich der Schweregrad bestimmen. Der PSI ermöglicht die frühzeitige Identifikation und ist Bestandteil der gesetzlichen Vorsorge.
aMMP-8-Schnelltest bei Parodontitis
Ein modernes Verfahren ist der aMMP-8-Schnelltest, mit dem aktive entzündliche Prozesse nachgewiesen werden können. Das Enzym wird bei Gewebeabbau freigesetzt und erlaubt eine differenzierte Einschätzung der Krankheitsaktivität.
Die Behandlung von Parodontitis erfolgt stufenweise nach aktueller Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis. Ziel ist die Reduktion pathogener Bakterien und die Stabilisierung des Zahnhalteapparates.
Initialphase
Zu Beginn erfolgt eine gründliche Zahnreinigung. Dabei werden harte und weiche Zahnbeläge entfernt. Eine professionelle Zahnreinigung ist essentiell, um oberflächliche Beläge zu beseitigen.
In tieferen Bereichen erfolgt eine mechanische Reinigung der Wurzeloberflächen. Diese Maßnahmen sind Teil der aktiven Parodontitis-Behandlung.

Eine gute Zahnhygiene dient dem Erhalt der Zähne und der Vorbeugung gegen Parodontitis © Prostock-studio | AdobeStock
weiterführende Therapie
Bei stärker ausgeprägten Befunden kann eine vertiefte Behandlung notwendig sein. Die sogenannte systematische Behandlung umfasst die subgingivale Instrumentierung, gegebenenfalls ergänzt durch die Behandlung mit Antibiotika.
Diese strukturierte Therapie entspricht den aktuellen Leitlinien und wird vollständig zahnärztlich durchgeführt.
Wird die Parodontitis behandelt, lässt sich der Knochenabbau häufig stoppen. Eine erfolgreiche Behandlung stetzt jedoch konsequente Nachsorge voraus.
Nach Abschluss der aktiven Therapie bleibt eine regelmäßige Kontrolle des Verlauf der Parodontitis entscheidend. Ohne unterstützende Maßnahmen kann eine bestehende Parodontitis erneut aktiv werden.
Eine unbehandelte Parodontitis führt langfristig zu fortschreitender Gewebezerstörung. Daher ist die kontinuierliche Betreuung durch den Zahnarzt unerlässlich.
Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen ist wissenschaftlich untersucht. Besonders relevant sind Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Chronische Entzündungsprozesse im Gewebe können Veränderungen der Gefäßinnenwände begünstigen, was z.b. zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen kann. Zwischen Rheuma und Parodontitis besteht ein enger Zusammenhang, da beide Erkrankungen durch chronische Entzündungsprozesse geprägt sind und ähnliche immunologische Mechanismen zur Gewebezerstörung beitragen.
Zudem beeinflusst Parodontitis das Risiko für metabolische Erkrankungen wie Diabetes, umgekehrt erschwert ein schlecht eingestellter Diabetes auch die Heilung.
Damit wird deutlich, dass Parodontitis auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben kann.
Parodontitis während der Schwangerschaft
Bereits seit den 1990er-Jahren ist bekannt, dass schwere Zahnfleischentzündungen während der Schwangerschaft das ungeborene Kind gefährden können. Hormonelle Veränderungen begünstigen eine Parodontitis, da das Zahnfleisch stärker durchblutet und anfälliger für bakterielle Besiedelung ist. Gelangen Erreger über die Blutbahn in die Gebärmutter, steigt das Risiko für Fehl- und Frühgeburten deutlich – eine unbehandelte Parodontitis erhöht dieses Risiko erheblich.
Neben einer konsequenten Mundhygiene sollten Schwangere daher sowohl ihren Frauenarzt als auch den Zahnarzt regelmäßig aufsuchen, um Parodontitis frühzeitig vorzubeugen und zu behandeln.
Um Parodontitis vorzubeugen, ist eine konsequente Mundhygiene entscheidend. Zweimal tägliches Zähneputzen, Reinigung der Zahnzwischenräume und regelmäßige Kontrollen reduzieren bakterielle Belastungen nachhaltig.
Regelmäßige professionelle Zahnreinigung unterstützt zusätzlich die Prävention. Wer diese Maßnahmen beachtet, kann aktiv Parodontitis vorbeugen und das individuelle Risiko an Parodontitis zu erkranken senken.
Was ist der Unterschied zwischen Gingivitis und Parodontitis?
Bei der Gingivitis handelt es sich um eine oberflächliche Zahnfleischentzündung. Die Parodontitis betrifft zusätzlich den Zahnhalteapparat und kann zu Knochenabbau führen.
Ist Parodontitis heilbar?
Eine vollständige Regeneration des zerstörten Knochens ist meist nicht möglich. Wird der Beginn einer Parodontitis frühzeitig erkannt und behandelt, kann der Krankheitsverlauf jedoch gestoppt und stabilisiert werden.
Wie läuft die Behandlung ab?
Zuerst werden die Zähne professionell gereinigt und Zahnbeläge entfernt. Anschließend erfolgt eine strukturierte Parodontitis-Therapie gemäß aktueller Leitlinien.
Was passiert ohne Therapie?
Eine unbehandelte Parodontitis verursacht fortschreitenden Knochenabbau, Zahnlockerung und letztendlich Zahnverlust.