Analfissur: Informationen & Analfissur-Ärzte

12.11.2025
Dr. med. Volker Fackeldey
Medizinischer Fachautor

Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Einriss in der Schleimhaut des Analkanals und zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Analbereich. Die Fissur ist in der Regel harmlos, kann jedoch starke Schmerzen und deutliche Beschwerden verursachen, insbesondere beim Stuhlgang. Viele Betroffene entwickeln infolge des Schmerzreizes eine Verkrampfung des Schließmuskels, wodurch eine Heilung erschwert wird.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Ärzte für Analfissuren.

ICD-Codes für diese Krankheit: K60

Kurzübersicht:

Eine Analfissur ist ein Einriss der Schleimhaut des Analkanals, der meist während des Stuhlgangs Schmerzen verursacht. Sie kann akut oder chronisch verlaufen und wird zunächst konservativ behandelt. Ziel der Behandlung einer Analfissur ist die Entspannung des Schließmuskels und die Regulierung der Stuhlkonsistenz, um die Abheilung zu fördern.

Artikelübersicht

Formen der Analfissur

Je nachdem, wie lange der Schleimhauteinriss bereits besteht, spricht man von einer

  • akuten Analfissur oder
  • einer chronischen Analfissur.

Die akute Analfissur besteht weniger als sechs Wochen, während eine länger bestehende als chronische Analfissur bezeichnet wird.

Bei der chronisch verlaufenden Form finden sich oft Vorpostenfalte, narbiges Gewebe und eine deutliche Entzündung am unteren Teil der Fissur.

Darüber hinaus unterscheidet man abhängig von der Ursache primäre von sekundären Analfissuren. Bei den sekundären Formen liegt der Fissur eine andere Erkrankung zugrunde, beispielsweise Verletzungen, Infektionen oder nach Geburten. Bei den primären Analfissur ist das nicht der Fall.

Abzugrenzen von Analfissuren sind Rhagaden. Das sind Einrisse der Haut um den After herum, keine Einrisse der Schleimhaut des Analkanals.

Symptome von Analfissuren

Die meisten Analfissuren befinden sich an dem zum Rücken zeigenden, untersten Abschnitt der Analöffnung. Die Fissur kann von außen sichtbar sein. Sie kann aber auch innen liegen und dann erst bei genauerer Inspektion des Analkanals gefunden werden.

Das wichtigste Symptom einer Analfissur ist ein stechender Schmerz beim Stuhlgang. Häufig treten auch Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder Blut auf dem Toilettenpapier auf.

Viele Patienten berichten über Brennen nach dem Stuhlgang, Juckreiz oder einen empfindlich reagierenden After.

Bei chronischen Analfissuren kann es zu Veränderungen um den Einriss der Schleimhaut kommen. Dabei sind vergrößerte Analpapillen zu nennen. Das sind etwa stecknadelkopfgroße Knötchen in der Schleimhaut. Bei einer Analfissur können sie bis zu einer Größe einer Kirsche wachsen. Dann werden sie auch Analpolypen oder Analfibrome genannt.

Daneben können Marsiken auftreten. Marisken sind Hautfalten um den After und werden deshalb auch Analfalten oder Vorpfostenfalten bezeichnet.

Die Beschwerden können oft stundenlang anhalten und infolge des Schmerzes kommt es nicht selten zu einer Obstipation, da der Stuhlgang verzögert oder unterdrückt wird.

Analfissur
Eine Analfissur ist eine kleine Wunde in der Schleimhaut des Analkanals © bilderzwerg | AdobeStock

Ursachen und Entstehungsmechanismus der Analfissur

In den meisten Fällen lässt sich keine Ursache für die Analfissur ausfindig machen. Die Ärzte sprechen dann von einer primären Anafissur.

Der Entstehungsmechanismus der Analfissur ist bislang noch nicht genau geklärt. Es wird aber vermutet, dass

eine Rolle in deren Entstehung spielen.

Als Folge der durch den Einriss auftretenden Schmerzen zieht sich der Schließmuskel krampfartig zusammen. Der Schließmuskel umgibt den Analkanal und reguliert die Entleerung des Stuhls. Durch diese Druckerhöhung des Schließmuskels verschlechtert sich die Blutversorgung der Schleimhaut. Das wirkt sich wiederum negativ auf die Wundheilung aus.

So kann sich aus einer akuten Analfissur ein chronischer Zustand entwickeln.

Sekundäre Analfissuren sind Einrisse, die aufgrund einer anderen Erkrankung oder Verletzung entstehen. Auslöser für eine sekundäre Analfissur können sein:

Als Risikofaktoren gelten Umstände, die Verstopfung und harter Stuhl und damit einen erhöhten Druck im Schließmuskel begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel

Weitere Risikofaktoren sind auch das Einführen von Fremdkörpern in den Analkanal sowie grober Analverkehr.

Untersuchung und Diagnose einer Analfissur

Zur Diagnose einer Analfissur untersucht der Arzt zunächst den After und den Analkanal. Oft kann der Untersucher durch Spreizen der Gesäßbacken die Analfissur bereits sehen. Auch lässt sich meist jetzt schon unterscheiden, ob eine Analfissur oder eine Hämorrhoide vorliegt.

In der Regel tastet der Proktologe dann den Analkanal mit dem Finger ab (digital-rektale Untersuchung). Diese Untersuchung ist bei akuter Analfissur meistens schmerzhaft und auch nicht immer erforderlich.

Die chronische Analfissur ist weniger schmerzhaft. Hier kann der Arzt mittels digital-rektaler Untersuchung gegebenenfalls eine narbige Verhärtung feststellen.

Mithilfe eines Analspreizers oder eines Proktoskops (kurzes Rohr mit einer Lichtquelle) beurteilt der Arzt den Analkanal. Diese Proktoskopie ist auch als

  • Analspiegelung,
  • Mastdarmspiegelung oder
  • Enddarmspiegelung

bekannt. 

Diese Untersuchung gibt Aufschluss über Veränderungen des Analkanals, die eine ähnliche Symptomatik wie Analfissuren zeigen und deshalb ausgeschlossen werden müssen.

Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf sekundär bedingte Fissuren können bildgebende Verfahren eingesetzt werden, z.B.:

Sie dienen zum Ausschluss anderer Erkrankungen beziehungsweise zur Diagnose von zugrunde liegenden Erkrankungen.

konservative Behandlung einer Analfissur

Die konservative Behandlung steht im Vordergrund der Therapie und wird nahezu bei allen akut auftretenden Fällen angewendet. Ziel der Behandlung der Analfissur ist die Verbesserung der Stuhlkonsistenz, die Entspannung der Schließmuskulatur sowie die Reduktion von Schmerzen und Entzündungen.

Empfohlen wird eine ballaststoffreiche Ernährung, um einen weichen und geformten Stuhl zu fördern. Mindestens 2 Liter pro Tag Flüssigkeit unterstützen die Verdauung ebenfalls.

Eine Salbe mit lokalen Wirkstoffen, z. B. Nitroglycerin oder Kalziumkanalblockern verbessert die Durchblutung und reduziert die Verkrampfung des Schließmuskels. Sitzbäder können ebenfalls angenehm sein und muskelentkrampfend wirken. Sie wird mindestens sechs bis acht Wochen empfohlen. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, wird in der Regel eine weiterführende Therapie erwogen.

operative Behandlung einer Analfissur

Wenn die Analfissur nach einer ausreichend langen konservativen Behandlung nicht heilen kann, ist ein operativer Eingriff in Erwägung zu ziehen. Dieser wird meist unter Narkose durchgeführt und zielt darauf ab, die Verkrampfung des Schließmuskels dauerhaft zu lösen und die Abheilung zu ermöglichen.

Der häufigste Eingriff ist die Sphinkterotomie. Dabei wird ein kleiner Teil des inneren Schließmuskels durchtrennt, um die Spannung zu reduzieren. 

Eine weitere Möglichkeit ist die Injektion von Botulinumtoxin, das die Muskulatur vorübergehend entspannt. 

In fortgeschrittenen Fällen kann ein Schleimhaut- oder Hautlappendeckung eingesetzt werden.

Verlauf und Prognose

Akute Fissuren heilen oft spontan, besonders bei frühzeitiger Behandlung und konsequenter Umsetzung der Maßnahmen.

Eine unbehandelte Fissur birgt das Risiko, in eine chronische Form überzugehen. 

Die Prognose ist bei adäquater Therapie sehr gut. Auch operative Maßnahmen zeigen hohe Erfolgsraten, jedoch besteht ein geringes Risiko für vorübergehende oder selten dauerhafte Inkontinenz

Vorbeugung

Zur Vorbeugung und zur Vermeidung von Rückfällen ist eine regelmäßige, ballaststoffreiche Ernährung wichtig.

Eine gute Stuhlregulation verhindert Reizung und erneutes Einreißen der Haut. Regelmäßige Bewegung sowie das vermeiden von starkem Pressen sind hilfreiche Maßnahmen

Häufige Fragen

Was ist eine Analfissur?

Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Einriss in der Schleimhaut des Analkanals.

Wie macht sich eine Analfissur bemerkbar?

Sie äußert sich durch Schmerzen beim Stuhlgang, Brennen, Juckreiz und leichte Blutungen.

Wie lange dauert die Heilung einer Analfissur?

Die akute Analfissur heilt meist innerhalb von sechs bis acht Wochen, wenn die Behandlung konsequent erfolgt.

Kann eine Analfissur chronisch werden?

Ja, wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen bestehen oder die Heilung ausbleibt, spricht man von einer chronischen Form.

Welche Ursachen haben Analfissuren?

Häufig entstehen Analfissuren durch Verstopfung, harten Stuhl, Pressen und daraus folgenden Einreissen der Analschleimhaut.

Quellen

  • Ebinger SM et al. (2020) Patientenleitlinie: Erkennen und Behandeln von Rissen im Analbereich (Analfissur). Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. AWMF-Registriernummer: 081-010.
  • Farke S (2018) Akute Analfissur. MMW Fortschritte der Medizin 9(160):47
  • Feisthammel J (2015) Analfissur. In: DGIM Innere Medizin. Berlin: Springer-Verlag
  • Marti L et al. (2020) S3-Leitlinie: Analfissur. AWMF-Registriernummer: 081-010. coloproctology 42:90–196

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