Syphilis: Informationen & Syphilis-Ärzte

01.08.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Syphilis wird auch Lues (venerea), harter Schanker oder Franzosenkrankheit genannt. Es handelt sich um eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit. Ursache ist eine Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum. Früher hatte Syphilis schwere Erkrankungen mit Spätschäden und sogar Todesfällen zur Folge. Heute verläuft die Infektion mit Treponema pallidum eher chronisch.

ICD-Codes für diese Krankheit: A50, A51, A52, A53

Empfohlene Syphilis-Ärzte

Syphilis Fälle in Deutschland

788 Fälle im Jahr 2020
805 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Ursachen der Syphilis

Ausgelöst wird die Syphilis durch eine Infektion mit dem Krankheitserreger Treponema pallidum. Das ist ein spiral- bzw. schraubenförmiges Stäbchenbakterium aus der Familie der Spirochäten.

Die Übertragung des Bakteriums erfolgt meistens durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner. Syphilis zählt daher zu den Geschlechtskrankheiten. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung liegt je nach Krankheitsstadium bei durchschnittlich 40 bis 60 Prozent.

Das Bakterium gelangt über kleinste Hautrisse oder intakte Schleimhäute in den menschlichen Organismus. Hier befällt es zunächst regionale Lymphknoten. Danach breitet sich der Syphilis-Erreger über die Lymphbahnen und den Blutweg im gesamten Körper aus. Schließlich sind alle Organe und das Zentralnervensystem befallen.

Der Syphilis-Erreger kann auch über Blutkonserven übertragen werden. Das kommt in Deutschland jedoch eher selten vor.

Auch eine Übertragung des Bakteriums an das ungeborene Kind in der Schwangerschaft ist möglich. Das hat mitunter Missbildungen, eine angeborene Syphilis oder eine Fehlgeburt zur Folge.

Symptome der Syphilis

Syphilis verläuft in der Regel in vier Stadien, sofern die Infektion nicht behandelt wird. Dabei wechseln sich Erkrankungs-Phasen mit starken Beschwerden und sogenannte Latenzphasen ab. In Latenzphasen ist der Infizierte mitunter jahrelang symptomfrei.

Am ansteckendsten sind Syphilis-Infizierte im akuten ersten Stadium (primäre Syphilis). Im zweiten Stadium (sekundäre Syphilis) nimmt die Ansteckungsgefahr ab. Im dritten und vierten Stadium (tertiäre und quartäre Syphilis) ist der Infizierte nicht mehr ansteckend.

Das erste Stadium: Lues I

Das erste Stadium der Syphilis wird auch Lues I genannt. Meistens treten 10 bis 30 Tage nach der Infektion die ersten Symptome auf.

An der Eintrittstelle der Bakterien bilden sich zunächst kleine, schmerzlose Geschwüre mit hartem Rand (sogenannte harte Schanker). Sie gehen mit einer massiven, aber schmerzlosen Schwellung der benachbarten Lymphknoten einher. Die Eintrittsstelle ist beim Mann der Penis oder After. Bei der Frau ist zunächst die Scheide, die Schamlippen oder der After betroffen.

Diese Geschwüre sondern eine farblose Flüssigkeit ab. Sie enthält große Mengen des Syphilis-Erregers und ist deshalb äußerst ansteckend. Meist heilen diese Geschwüre im Genitalbereich nach mehreren Wochen von selbst ab. Sie hinterlassen jedoch fast immer eine Narbe.

Das zweite Stadium: Lues II

Im zweiten Stadium der Syphilis breitet sich der Erreger über die Blut- und Lymphwege im gesamten Körper aus. Etwa acht Wochen nach Verschwinden der Geschwüre im Genitalbereich äußert sich die Infektion dann meist in Form von

  • Hautausschlägen,
  • Schleimhautentzündungen,
  • Haarausfall und
  • Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper.
Syphilis Stadium II
Ausschläge an der Hand in Syphilis Stadium II © nuengneng | AdobeStock

Auch allgemeine Krankheitssymptome wie

können in diesem Stadium der Syphilis auftreten. Danach kann eine Latenzphase folgen, in der der Infizierte mitunter jahrelang keine Symptome aufweist.

Das dritte Stadium: Lues III

Das dritte Stadium der Syphilis wird auch als Lues III oder Spätsyphilis bezeichnet. Es beginnt meist drei bis fünf Jahre nach der eigentlichen Infektion. Dann hat sich der Syphilis-Erreger im gesamten Körper ausgebreitet und zahlreiche Gewebe und Organe befallen, etwa

Es bilden sich dann gummiartig verhärtete Knoten (sogenannte Gummen) in

  • der Unterhaut,
  • den Knochen und
  • den Organen.

In der Hauptschlagader (Aorta) kann sich außerdem ein Aneurysma bilden. Platzt dieses Aneurysma, besteht höchste Lebensgefahr.

Das vierte Stadium: Lues IV

Das vierte Stadium der Syphilis wird Lues IV oder Neurosyphilis bezeichnet. Hier kommt es aufgrund des Bakterien-Befalls von

  • Gehirn,
  • Knochenmark und
  • Nervensystem

zu schweren neurologischen Störungen. Dazu gehören unter anderem

  • Lähmungen,
  • Gangunsicherheiten,
  • Gefühlsstörungen,
  • Reflexverlust,
  • Hör- und Sehstörungen,
  • Demenz,
  • Persönlichkeitsveränderungen und
  • Halluzinationen.

Bei mangelnder Behandlung beginnt dieses letzte Stadium meist nach einer weiteren beschwerdefreien Latenzphase. Diese beschwerdefreie Phase hält meistens zehn bis zwanzig Jahre an.

In etwa 10 Prozent der Fälle führen diese Spätfolgen einer unbehandelten Syphilis schließlich zum Tod des Betroffenen.

Häufigkeit von Syphilis

Insgesamt erkranken in Westeuropa jährlich etwa zwei von 100.000 Personen an Syphilis. In Deutschland sind das pro Jahr rund 3.000 bis 3.500 Syphilis-Fälle.

Am häufigsten stecken sich Männer an. Sie sind dann meistens 30 bis 40 Jahre alt. In 80 Prozent der Fälle stecken sie sich beim gleichgeschlechtlichen Sexualverkehr an.

Laut Infektionsschutzgesetz vom 1. Januar 2011 gehört Syphilis in Deutschland zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Diagnose der Syphilis

Bei Verdacht auf Syphilis entnimmt der Arzt eine Blutprobe und einen Abstrich vom Geschwür oder Ausschlag. Diese lässt er im Labor untersuchen.

Die Blutuntersuchung ergibt, ob der Körper des Patienten bereits Antikörper gegen den Syphilis-Erreger gebildet hat. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Erreger im Körper vorhanden ist.

Um die Diagnose Syphilis anschließend zu sichern, wird zudem der entnommene Abstrich unter dem Mikroskop untersucht. Auf diese Weise kann der Syphilis-Erreger selbst nachgewiesen werden.

Therapie der Syphilis

Die Behandlung von Syphilis erfolgt in der Regel mit dem Antibiotikum Penicillin. Es wird meist in den Gesäßmuskel des Patienten injiziert oder als Infusion verabreicht.

Leidet der Infizierte an einer Penicillinallergie, können ersatzweise auch andere Antibiotika wie etwa

  • Erythromycin,
  • Tetracyclin oder
  • Doxycyclin

eingesetzt werden.

Die Dosierung und Dauer der Antibiotika-Behandlung hängt vom Krankheitsstadium der Syphilis ab. Im ersten und zweiten Stadium der Syphilis reicht es meist aus, ein- oder zweimal ein langwirkendes Antibiotikum zu spritzen.

Auch der Partner des Infizierten muss sich auf Syphilis untersuchen und gegebenenfalls ebenfalls behandeln lassen. Bei einer länger zurückliegenden Infektion müssen auch frühere Partner informiert werden. Auch sie können sich mit Syphilis angesteckt haben und müssen sich deshalb testen lassen.

Prognose und Heilungsaussichten der Syphilis

Die Prognose bei Syphilis ist heutzutage generell gut bis sehr gut. Sie hängt aber davon ab, in welchem Stadium mit der Antiobitika-Behandlung begonnen wird. In den ersten zwei Stadien lässt sich die Syphilis durch eine konsequente Therapie erfolgreich behandeln. Dabei bleiben keine bleibende Schäden zurück.

Wird die Syphilis erst im dritten oder vierten Stadium erkannt und behandelt, können Spätschäden die Folge sein. Beginnt die Behandlung im Stadium der Neurosyphilis, ist die Prognose eher ungünstig.

Dann können beim infizierten Patienten unter anderem Lähmungen oder andere Schäden zurückbleiben. Sie erfordern oft eine lebenslange Pflege des Syphilis-Patienten. Unbehandelt führt Syphilis in etwa 10 Prozent der Fälle sogar zum Tod.

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