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Lähmung: Symptome, Querschnittslähmung, spastische Lähmungen und Ursachen neurologischer Ausfälle

09.01.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Eine Lähmung beschreibt den teilweisen oder vollständigen Verlust der willkürlichen Muskelbewegung und kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig liegt eine Schädigung von Gehirn, Rückenmark oder peripheren Nerven zugrunde, wodurch die Signalübertragung im Nervensystem gestört ist.

Je nach Lokalisation und Ausmaß kann eine Lähmung vollständig oder unvollständig auftreten und einzelne Körperteile, eine Körperhälfte oder mehrere Extremitäten betreffen. Besonders schwerwiegend ist die Querschnittslähmung, bei der das Rückenmark geschädigt ist und motorische sowie sensorische Funktionen unterhalb der Läsion beeinträchtigt sind.

ICD-Codes für diese Krankheit: G82

Kurzübersicht:

Eine Lähmung ist ein neurologisches Symptom mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen. Sie kann schlaff oder spastisch sein, vollständig oder teilweise auftreten und betrifft Muskeln, Beweglichkeit und oft auch weitere Körperfunktionen. Ursachen reichen von Schlaganfall und Tumoren bis zu Infektionen oder degenerativen Erkrankungen des Nervensystems. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Art der Lähmung und dem betroffenen Körperteil.

Artikelübersicht

Eine Querschnittlähmung ist auch als Paraplegie bezeichnet. Die Erkrankung beeinträchtigt das Alltagsleben des Patienten schwer. Die möglichen Ursachen reichen von Wirbelbrüchen über Tumoren bis hin zu Multipler Sklerose.

Querschnittslähmung und ihre Formen

Verschiedene Funktionen bzw. Nerven sind von der Unterbrechung des Rückenmarks betroffen:

  • motorisch: Steuern die von den Muskeln ausgeführten Bewegungen
  • vegetativ: Sind für Organfunktionen wie Herzfrequenz, Erweiterung der Blutgefäße und andere von Organen ausgeführte Tätigkeiten zuständig
  • sensibel: Steuern die Sinneserfassungen von bspw. Temperaturen und Druck

Mediziner unterscheiden je nach Ursache zwei Formen der Querschnittslähmung:

  • die traumatische Form: geht auf eine Verletzung zurück
  • die nicht-traumatische Form: tritt infolge bestimmter Erkrankungen auf.

Die Art der Funktionsausfälle richtet sich danach,

  • welches Rückenmark-Segment geschädigt ist,
  • welche Nerven betroffen sind und
  • ob die Funktionen vollständig oder nur zum Teil nicht erfüllbar sind.

Die vollständige Querschnittlähmung bezeichnet man als Plegie, die inkomplette als Parese. Bei der kompletten Querschnittslähmung sind sämtliche Nervenbahnen durchtrennt. Als Paraplegie bezeichnet der Mediziner die völlige Bewegungsunfähigkeit beider Beine.

Da die Querschnittslähmung das ganze Leben bestehen bleibt, gelten Menschen mit dieser Erkrankung als schwerbehindert. Sie benötigen in der Regel auf einen Rollstuhl angewiesen und erhalten entsprechend dem Schweregrad ihrer körperlichen Behinderung eine lebenslange Rente.

Wie es zu einer Querschnittslähmung kommt

Hauptursache für die Durchtrennung des Rückenmarks sind Unfälle, etwa 

  • Autounfälle,
  • Fahrrad- und Motorradunfälle oder
  • Stürze beim Ski-Abfahrtslauf.
Helfer transportieren verletzten Wintersportler zu Hubschrauber
Schwere Skiunfälle können unter anderem Querschnittslähmungen nach sich ziehen © faalt | AdobeStock

Außerdem tritt die Lähmung noch als Folge bestimmter Krankheiten auf. Dazu gehören beispielsweise

  • Infektionskrankheiten
  • degenerative Nervenerkrankungen des Gehirns
  • entzündliche Nervenerkrankungen (Kinderlähmung, multiple Sklerose)
  • Tumor-Erkrankungen
  • Blutungen im Rückenmark-Kanal
  • unterbrochene Blutversorgung des Rückenmarks aufgrund eines verengten Blutgefäßes (spinaler Infarkt)
  • Quetschung des Rückenmarks durch Bandscheibenvorfall oder verschobene Wirbel
  • Schädigung durch Strahlenbehandlung infolge einer Krebs-Therapie)

Forscher gehen davon aus, dass lediglich ein Drittel der Nervenzellen durch die akute Verletzung in Mitleidenschaft gezogen wird. Entzündliche Vorgänge und die Bildung von Narbengewebe zerstören dann die noch verbleibenden Nerven.

70 % aller Querschnittslähmungen gehen auf Verletzungen zurück, die im Rahmen von Unfällen geschehen. 

Häufigste Krankheitsursache ist mit etwa 43 Prozent die multiple Sklerose, eine in Schüben verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Die Unterbrechung des Rückenmarks bewirkt bei den Betroffenen unmittelbar einen spinalen Schock. Er legt sämtliche Funktionen unterhalb des geschädigten Wirbelsegments lahm. Die beeinträchtigten Gliedmaßen sind schlaff und bewegungsunfähig. Der Patient kann sie nun nicht mehr spüren.

Das vegetative Nervensystem ist ebenfalls am Krankheitsgeschehen beteiligt. Daher kann es zu einer Erweiterung der Blutgefäße kommen, die im schlimmsten Fall zu akutem Kreislaufversagen führt. Ist der Bereich oberhalb des fünften Brustwirbels verletzt, setzen Herzschlag und Atmung aus.

Patienten, die einen spinalen Schock erleiden, bedürfen sofortiger Behandlung in der Krankenhaus-Intensivstation. Einige Wochen oder Monate später geht der akute Schockzustand dann in eine Querschnittlähmung über.

Bei rechtzeitiger Notfallbehandlung kommt es einige Zeit nach der Rückenmarks-Durchtrennung zu einer wenigstens teilweisen Erholung der beeinträchtigten vegetativen Nerven.

Symptome der Querschnittslähmung

Die komplette Querschnittslähmung zeigt sich im vollständigen Ausfall

  • der motorischen Fähigkeiten (Muskellähmungen) und
  • sämtlicher Sinneswahrnehmungen.

Der Patient empfindet keinerlei Schmerzen und Druck an den betroffenen Körperregionen. Außerdem spürt er beispielsweise seine Beine nicht mehr. Es kommt ihm vor, als seien sie überhaupt nicht vorhanden. Außerdem hat er das Temperaturempfinden verloren.

Spätfolgen des Unfalls oder der zugrundeliegenden Erkrankung sind bei Personen beider Geschlechter sexuelle Impotenz trotz normalen Geschlechtstriebs.

Bei vollständiger und teilweiser Querschnittslähmung kommt es zuerst zur Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren und zum Stuhl-Verhalt. Im weiteren Krankheitsverlauf entsteht daraus eine Harninkontinenz und/oder Stuhlinkontinenz (unwillkürlicher Urin und/oder Stuhlabgang). Manche Betroffene leiden allerdings lebenslang an Verstopfung.

Wird die Nervenimpulsübermittlung in der Halswirbelsäulenregion unterbrochen (Halswirbel C1 bis C7), spricht man von Tetraplegie bzw. Tetraparese. Diese Patienten mit teilweiser Querschnittslähmung können beiden Arme und Beine nur eingeschränkt bewegen. Sind die Halswirbel C1 bis C4 betroffen, leidet der Patient zusätzlich an einer Lähmung des Zwerchfells und benötigt sofortige künstliche Beatmung.

Rückenmarksverletzung
Rückenmarksverletzungen können durch Wirbelkörperbrüche entstehen © TeraVector | AdobeStock

Ist die Signalübertragung unterhalb der Halswirbelsäule beeinträchtigt, kommt es zur Lähmung der Beine (Paraplegie, Paraparese). Bei einer Schädigung des Rückenmarks im Brustwirbel-Bereich sind außerdem bestimmte Rumpfmuskeln nicht mehr funktionsfähig.

Rückenmarksschäden in der Lendenregion führen zum teilweisen Verlust der Beinmobilität. Ist das Rückenmark auf der Höhe der untersten Wirbel (Sakralmark, Wirbel S1 bis S5) verletzt, kommt es zur Lähmung der Fußmuskeln, zu Blasen- und Darmproblemen und zu sexuellen Störungen.

Die kurz nach dem spinalen Schock auftretenden schlaffen Lähmungen verwandeln sich in den folgenden Wochen zu spastischen Lähmungen. Dabei verkrampfen sich die Muskeln, da die neu entstandenen Nervenverbindungen im Rückenmark nicht funktionstüchtig sind.

Diagnose einer Querschnittslähmung

Die Verdachtsdiagnose Querschnittslähmung erfolgt bei den meisten Betroffenen aufgrund ihrer Schilderungen des Unfallgeschehens. Mithilfe einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule und anderer bildgebender Verfahren lässt sich das genaue Ausmaß der Schädigung gut einschätzen.

Neurologische Tests geben Auskunft über die gegebenenfalls noch vorhandene Empfindungsfähigkeit und Beweglichkeit der Gliedmaßen. Ultraschallbilder zeigen, ob und in welchem Ausmaß innere Organe wie Harnblase und Nieren von der Rückenmarksschädigung betroffen sind. Blutdruck- und Herzfrequenzmessungen erlauben ebenfalls Rückschlüsse auf den Zustand des Patienten.

Krankheitsbedingte Querschnittslähmungen erfordern eine gesonderte Abklärung. Außerdem muss die auslösende Grunderkrankung behandelt werden.

Therapeutische Möglichkeiten bei einer Querschnittslähmung

Die Behandlung der Querschnittslähmung erfolgt bei krankheitsbedingter Ursache

  • kausal (an den Ursachen orientiert) und
  • symptomatisch (Behandlung der Begleitsymptome).

So behandelt man beispielsweise die vorhandene Stuhlverstopfung mit Abführmitteln. Blasenkatheter sorgen für eine störungsfreie Entleerung der Harnblase.

Anhand der bildgebenden Verfahren erkennt der behandelnde Spezialist, ob beim Patienten ein operativer Eingriff hilfreich ist oder nicht. Akute Fälle mit spinalem Schock werden umgehend auf der Intensivstation behandelt. Dort werden 

  • die Herzfunktion,
  • die Atmung und
  • andere Vitalfunktionen des Notfallpatienten

überwacht und stabilisiert.

Eine hochdosierte Verabreichung von Kortison soll eventuell auftretende Entzündungen der geschädigten Nerven verhindern. Außerdem erhält der Patient schmerzhemmende Medikamente.

Bei verunfallten Patienten mit instabilem Wirbelbruch lässt sich die Wirbelsäule nur mithilfe einer Operation stabilisieren. Bei Rückenmarkquetschungen können chirurgische Eingriffe ebenfalls weitere Schäden verhindern.

Frau im Rollstuhl
Menschen mit Querschnittslähmung können ihren Alltag oft gut meistern © Drazen | AdobeStock

Rehabilitation von Patienten mit Querschnittslähmung

Eine komplette Durchtrennung des Rückenmarks lässt sich grundsätzlich nicht mehr rückgängig machen. Das unterbrochene Rückenmark wächst auch durch eine Operation nicht mehr zusammen. Allerdings kann man mit bestimmten Maßnahmen das Auftreten von Muskelverkürzungen verhindern.

Sterben die Verunfallten nicht schon an ihren schweren Verletzungen, ist ihre Lebenserwartung keinesfalls geringer als die gesunder Personen. Bei künstlicher Beatmung kann das jedoch anders sein. 

Eine Querschnittslähmung bedeutet nicht unbedingt, dass man nur noch im Rollstuhl sitzt und dauerhaft auf andere Menschen angewiesen ist. Der Patient kann an Reha-Maßnahmen in Spezialkliniken teilnehmen. Deren Ziel ist es, die Autonomie des Betroffenen zu stärken. Mithilfe des Physiotherapeuten lernt er, seine noch intakten Muskeln gezielter einzusetzen und nur teilweise gelähmte Gliedmaßen zu bewegen.

Auch die willentliche Blasenentleerung kann der PAtient durch intensives Trainieren der Bauchpresse erlernen. Gelingt das nicht, können Patienten ihren Blasenkatheter mehrmals täglich selbst legen oder können mit einem alle vier Wochen ausgewechselten dauerhaften Blasenkatheter zu leben.

Massagen und körperliche Übungen im Wasser können helfen, die verlorene Sensibilität wenigstens teilweise zurückzugewinnen. In einer speziellen Selbsthilfegruppe für querschnittsgelähmte Menschen lernt der Betroffene, mit seinem veränderten Leben besser klar zu kommen und fühlt sich nicht mehr sozial isoliert.

FAQ zu Lähmungen

Was ist eine Lähmung medizinisch gesehen?

Eine Lähmung ist die Unfähigkeit, einen Muskel oder eine Muskelgruppe willentlich zu bewegen. Sie entsteht durch eine Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems, etwa im Gehirn oder Rückenmark.

Was ist der Unterschied zwischen vollständiger und unvollständiger Lähmung?

Bei einer vollständigen Lähmung sind motorische Funktionen komplett aufgehoben. Bei einer unvollständigen Lähmung bleiben Restfunktionen erhalten, etwa geringe Muskelkraft oder Sensibilität.

Was versteht man unter einer Querschnittslähmung?

Die Querschnittslähmung ist eine spezielle Form der Lähmung, bei der das Rückenmark geschädigt ist. Je nach Höhe der Läsion sind Beine, Arme oder alle vier Extremitäten betroffen.

Welche Ursachen können zu einer Lähmung führen?

Mögliche Ursachen sind Schlaganfall, Tumoren, Infektionen, Multiple Sklerose, Traumata oder Schädigungen des Rückenmarks. Auch Erkrankungen des peripheren Nervensystems kommen infrage.

Wie wird eine Lähmung behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Lähmung und umfasst häufig Physiotherapie, Ergotherapie, medikamentöse Behandlung und in einigen Fällen operative Maßnahmen. Ziel ist es, Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag trotz Lähmung zu verbessern.

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