Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betreffen kann. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen und vielfältige neurologische Symptome hervorrufen. Bei der multiplen Sklerose richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen, wodurch Entzündungen und Läsionen im ZNS entstehen können.
Häufig beginnt MS im jungen Erwachsenenalter, wobei der individuelle Verlauf schwer vorherzusagen ist. Ein Schub kann neue Symptome verursachen oder bereits bestehende Beschwerden verstärken. Neben der schubförmig remittierenden MS (RRMS) existieren progrediente Verlaufsformen, bei denen ein zunehmendes Fortschreiten auftreten kann. Moderne Diagnostik und Therapie ermöglichen es, die Krankheitsaktivität zu beurteilen und den Verlauf der MS bei vielen Betroffenen günstig zu beeinflussen.
Multiple Sklerose: Hintergrund
Die Diagnose der Nervenerkrankung Multiple Sklerose – kurz MS genannt – bedeutet für die Betroffenen eine belastende und unsichere Zukunft. Die medizinische Forschung hat in den letzten Jahrzehnten erfolgreiche Therapien hervorgebracht. Diese ermöglichen es, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten signifikant zu erhöhen.
Die folgenden Informationen klären über Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten auf. Die Vielschichtigkeit ihrer Erscheinungsformen hat der Multiplen Sklerose die Bezeichnung "Krankheit mit den tausend Gesichtern" eingebracht.
Bei der MS handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Nervensystems. Ein Großteil der Nervenfasern ist von der sogenannten Myelinschicht umgeben. Diese Schicht isoliert die Nervenfaser gegen das umliegende Gewebe. Sie sorgt dafür, dass die Informationen im Nervensystem störungsfrei und mit hoher Geschwindigkeit fließen, ganz ähnlich wie bei Stromkabeln.
Entzündliche Prozesse schädigen und zerstören die Myelinschicht. Nervenimpulse werden dadurch nicht mehr optimal weitergeleitet. Je nachdem, welcher Bereich von der Krankheit betroffen ist, zeigen sich unterschiedliche Symptome – von Sehstörungen bis Muskelschwäche.

Multiple Sklerose tritt gehäuft bei jungen Erwachsenen in westlichen Industrienationen auf. Eine Untersuchung der Charité aus dem Jahr 2009 ermittelte die höchsten Erkrankungsraten für Europa, Nordamerika und Australien. Hier leiden mindestens 30 von 100.000 Einwohnern an Multipler Sklerose. In Deutschland leben etwa 120.000 MS-Patienten. Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
Die ersten Aufzeichnungen über den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ein Enkel von Georg III. beschrieb das Krankheitsbild der MS in seinem Tagebuch.
Ursachen: Unklarheiten trotz intensiver Forschung
Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist es bis heute nicht gelungen, eindeutige Auslöser für die Krankheit zu identifizieren.
Aktuell geht die Medizin davon aus, dass ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren die Multiple Sklerose auslöst:
- genetische Veranlagung
- Übergewicht in der Kindheit
- Umweltgifte, zum Beispiel Zigarettenrauch
- Infektionskrankheiten durch Herpes- oder Masernviren
Darüber hinaus diskutieren die Forscher folgende Hypothesen:
- Hormonhypothese: Frauen erkranken häufiger als Männer
- Hygienehypothese: Kinder mit mehreren Geschwistern erkranken seltener als Einzelkinder; ihr Immunsystem lernt von Beginn an, sich mit verschiedensten Erregern auseinanderzusetzen.
- Vitamin-D-Stoffwechselhypothese: Mit der Nähe zum Äquator sinkt das Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken.
Die ersten Anzeichen für eine Multiple Sklerose
Der Ausbruch erfolgt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die ersten Symptome führen den Patienten zum Allgemeinarzt, der sie an einen Neurologen überweist.
Mit folgenden Beschwerden kommen die Betroffenen in der Regel zum Hausarzt:
- Sehstörungen
- Gleichgewichtsprobleme
- Paresen, also Lähmungserscheinungen
- Sensibilitätsstörungen
- Fatigue: Müdigkeit oder Erschöpfungssyndrom
Ein zuckendes Augenlid tritt sehr selten im Zusammenhang mit MS auf.
Diagnose
Die Schulmedizin bezeichnet die Multiple Sklerose auch als Encephalomyelitis disseminata (ED). Das aktuelle Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, das ICD-10-2016, kodiert die MS mit der Ziffer G35.
In einem ausführlichen Gespräch, der Anamnese, erhebt der Mediziner die Beschwerden des Patienten. Er macht sich ein Bild von dessen Lebenssituation sowie der Krankheitsgeschichte und befragt ihn nach Fällen von Multipler Sklerose in seiner Familie. Außerdem überprüft er grundlegende Nervenfunktionen wie Gleichgewicht, Koordination, Beweglichkeit und die Sinnesorgane.
Es gibt keinen Bluttest, der eine Multiple Sklerose eindeutig nachweist. Trotzdem ist eine umfassende Blutuntersuchung wichtig, um andere Erkrankungen auszuschließen. So rufen zum Beispiel HIV, Borreliose und einige Stoffwechselerkrankungen ähnliche Symptome hervor.
Sehr wichtige Hinweise im Hinblick auf die Diagnose liefern MRT-Untersuchung und Lumbalpunktion. Mit der Magnetresonanztomografie (MRT) erstellt der Neurologe eine Abbildung des Gehirns. Das Bild weist Ähnlichkeiten mit einer Röntgenaufnahme auf. Der Patient muss sich jedoch keiner gefährlichen Strahlung aussetzen. Das MRT arbeitet mit starken Magneten.
Im Rahmen der Lumbalpunktion führt ein Facharzt eine Hohlnadel in die Lendenwirbelsäule ein. Über die Nadel gewinnt er Nervenwasser, das auf bestimmte Eiweiße hin im Labor untersucht wird. Eine MS geht mit erhöhten Werten dieser Proteine einher.
Verlauf: drei Varianten sind möglich
Wenn die Untersuchungsbefunde die Diagnose MS bestätigen, muss sich der Betroffene mit einer unheilbaren Erkrankung auseinandersetzen. Sie tritt hauptsächlich in drei Verlaufsvarianten auf.
Schubförmiger Verlauf mit Remission
Hier zeigt sich die Multiple Sklerose in klar abgrenzbaren Schüben. Die Symptome bilden sich anschließend teilweise oder sogar vollständig zurück. Vierzig Prozent der Erkrankten durchleben die MS auf diese Weise.
Chronisch-progredienter Verlauf
Weitere vierzig Prozent der MS-Patienten leiden an einzelnen Krankheitsschüben, ohne dass sich die Symptome zwischen den Schüben zurückbilden.
Primär progredienter Verlauf
Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen müssen mit dieser Form der Multiplen Sklerose leben. Die Symptome bilden sich nicht mehr zurück und verschlimmern sich kontinuierlich.
Laut Charité sterben Betroffene etwa dreißig Jahre nach dem ersten Ausbruch der Erkrankung. In Ländern mit guter medizinischer Versorgung steigt die Lebenserwartung seit Jahren kontinuierlich.

Therapie der MS
Multiple Sklerose ist eine bedrohliche Erkrankung; sie stellt das Leben des Patienten und seiner Angehörigen auf den Kopf. Nicht selten entwickelt ein Betroffener eine behandlungsbedürftige Depression.
Aus diesem Grund begleitet idealerweise ein Team aus Fachärzten der Neurologie sowie Psychologen, Pflegepersonal und Sozialarbeiter die Therapie. Der Schwerpunkt liegt auf der Gabe von unterschiedlichen Medikamenten:
- akute Schübe: vor allem Kortikosteroide
- Langzeitbehandlung: zum Beispiel Interferone oder Dimethylfumarat
- hochaktive Verläufe: beispielsweise Natalizumab oder Mitoxantron
Darüber hinaus unterstützen Ergo- und Physiotherapie die Rückbildung motorischer Symptome. Treten Probleme beim Sprechen auf, bieten Logopäden ihre Hilfe an.
MS Spezialisten – Ausbildung und Qualifikation
Bei oben genannten Symptomen ist ein Neurologe der richtige Ansprechpartner. Der Facharzt für das Nervensystem beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie von Nervenerkrankungen. Wer Neurologe werden möchte, muss zunächst Medizin studieren. Anschließend erfolgt eine fünfjährige Ausbildung zum Facharzt für Neurologie.
Insbesondere in der symptomatischen Therapie der Multiplen Sklerose arbeiten Neurologen häufig mit Experten anderer Fachrichtungen zusammen. Physiotherapeuten können beispielsweise mithilfe von Krankengymnastik Schmerzen und Spastiken lindern. Bei Schluck- und Sprechstörungen kann der Neurologe einen Logopäden zu Rate ziehen.
Fazit
Multiple Sklerose, auch Encephalomyelitis disseminata genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft und bei jedem Menschen unterschiedlich verlaufen kann. Die Ursachen von multipler Sklerose sind noch nicht vollständig geklärt, weshalb auch die genaue Ursache der MS und die Entstehung einer MS Gegenstand intensiver Forschung bleiben. Der Beginn der Erkrankung beziehungsweise Erkrankungsbeginn kann sich durch sehr unterschiedliche erste Symptome bemerkbar machen. Zu den möglichen Verlaufsformen gehören die schubförmig remittierende MS, die sekundär progrediente MS und die primär progrediente MS, wobei sich ein schubförmiger Verlauf später zu einer progredienten MS entwickeln kann. Auch bei MS-Erkrankten mit schubförmig remittierender MS oder einem progredienten Verlauf der MS können Ausmaß und Geschwindigkeit der Beeinträchtigung stark variieren.
Die Diagnostik und Therapie werden deshalb individuell an die jeweilige Verlaufsform und den Verlauf der Erkrankung angepasst. Die Therapie der multiplen Sklerose kann unter anderem verlaufsmodifizierende Medikamente wie Teriflunomid umfassen; auch Vitamin D wird im Zusammenhang mit MS wissenschaftlich untersucht. Die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar, moderne Behandlungsmöglichkeiten können jedoch das Fortschreiten der Krankheit beeinflussen und Menschen mit MS langfristig unterstützen.
Die Lebenserwartung vieler Betroffener ist heute nur vergleichsweise wenig eingeschränkt, wobei die individuelle Prognose von zahlreichen Faktoren abhängt. Forschung zu „of multiple sclerosis“, zur schubförmigen MS, zu progredienten Verläufen und zur Heilung der MS soll dazu beitragen, die Erkrankung zukünftig noch gezielter behandeln zu können.
FAQ
Was ist Multiple Sklerose und welche ersten Symptome können auftreten?
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann Gehirn und Rückenmark betreffen und sehr unterschiedliche neurologische Symptome verursachen. Zu den möglichen ersten Symptomen gehören beispielsweise Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Schwäche, Koordinationsprobleme oder ausgeprägte Müdigkeit. Die ersten Symptome sind jedoch individuell verschieden und allein nicht ausreichend, um die Diagnose MS zu stellen. Aufgrund der unterschiedlichen Symptomatik wird MS häufig als Erkrankung mit vielen Gesichtern beschrieben.
Wie verläuft Multiple Sklerose?
Der Verlauf der MS ist individuell sehr unterschiedlich. Eine häufige Verlaufsform ist die schubförmig remittierende MS, bei der ein Schub von Phasen mit vollständiger oder teilweiser Rückbildung der Beschwerden gefolgt sein kann. Daneben gibt es die sekundär progrediente MS und die primär progrediente MS, bei denen das Fortschreiten der Krankheit eine größere Rolle spielt. Krankheitsaktivität, Häufigkeit der Schübe und Beeinträchtigung können sich von Mensch zu Mensch erheblich unterscheiden. Eine pauschale Prognose zum Verlauf der Erkrankung ist deshalb nicht möglich.
Wie wird die Diagnose Multiple Sklerose gestellt?
Bei Verdacht auf eine multiple Sklerose erfolgt eine umfassende neurologische Diagnostik. Neben der Anamnese und klinisch-neurologischen Untersuchung spielt insbesondere die Magnetresonanztomographie eine wichtige Rolle, um typische Läsionen in Gehirn und Rückenmark nachzuweisen. Je nach Situation können weitere Untersuchungen hinzukommen. Die Diagnose sollte fachärztlich gestellt werden, da andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können.
Ist Multiple Sklerose heilbar und welche Therapie gibt es?
Eine Heilung der MS ist derzeit nicht möglich, die Erkrankung lässt sich jedoch behandeln. Die Therapie der multiplen Sklerose basiert im Wesentlichen auf der Therapie eines akuten Schubs, einer verlaufsmodifizierenden Behandlung und der symptomatischen Therapie. Welche Medikamente eingesetzt werden, richtet sich unter anderem nach Krankheitsaktivität, Verlauf, individuellen Risikofaktoren und persönlichen Voraussetzungen. Die Behandlung wird deshalb individuell angepasst und im Verlauf regelmäßig überprüft.
Was beeinflusst das Fortschreiten der MS und die Lebenserwartung?
Wie stark eine multiple Sklerose fortschreitet, lässt sich für einzelne MS-Patienten nicht zuverlässig vorhersagen. Der Krankheitsverlauf hängt unter anderem von der Verlaufsform, der Krankheitsaktivität und dem individuellen Ansprechen auf die Therapie ab. Ziel einer verlaufsmodifizierenden Therapie ist es, die Krankheitsaktivität zu reduzieren und den weiteren Verlauf möglichst günstig zu beeinflussen. Wichtig ist außerdem, dass eine MS nicht zwangsläufig zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen führt.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →