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Übergewicht und Adipositas bei Kindern: was können Eltern tun?

23.10.2025
Prof. Dr. med. Thomas Reinehr
Medizinischer Fachautor

Derzeit ist in Deutschland eines von fünf Kindern zu dick. Wie in allen Industrienationen ist nicht nur die Häufigkeit, sondern auch das Ausmaß des Übergewichts steigend. Das liegt vor allen an den Lebensbedingungen, aber auch an genetischen Faktoren. 

Übergewichtige Kinder haben ein erhöhtes Risiko an Folgeerkrankungen zu erkranken.

Das Thema Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter, Risikofaktoren wie Übergewicht entsteht, sowie gesundheitliche Folgen ist ein Thema, das Eltern von Jungen und Mädchen gleichermaßen betrifft.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Kinder mit Adipositas.

ICD-Codes für diese Krankheit: E66.04, E66.05, E66.84, E66.85, E66.94, E66.95

Kurzübersicht:

Adipositas bei Kindern ist eine chronische Erkrankung, die durch eine übermäßige Fettansammlung im Körpergewebe entsteht. Sie betrifft immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland und begünstigt Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck bereits in jungen Jahren. Hauptursachen sind falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und genetische Faktoren. Eine gezielte Prävention und Therapie kann helfen, das Körpergewicht langfristig zu normalisieren und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern.

Artikelübersicht

Wann gilt ein Kind als übergewichtig oder adipös?

Übergewicht und Adipositas bei Kindern werden anhand des Body-Mass-Index (kurz BMI) beurteilt, der das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße beschreibt.

Formel: BMI = Gewicht (kg) / Größe (m)²

Da sich Kinder im Wachstum befinden, wird der BMI bei Kindern nicht wie der bei Erwachsenen bewertet. Die Beurteilung des Körpergewichts erfolgt über sog. Perzentilenkurven, die Alter und Geschlecht berücksichtigen.

  • Übergewicht bei Kindern liegt vor, wenn der BMI über der 90. Perzentile liegt
  • von Adipositas spricht man ab der 97. Perzentile.

Diese Definition von Übergewicht stammt aus den Referenzwerten der KIGGS Studie des Robert Koch Instituts.

Kinder, die bereits leicht übergewichtig sind, können langfristig adipös werden, wenn keine Veränderungen im Lebensstil erfolgen. Eltern sollten daher das Gewicht ihres Kindes regelmäßig kontrollieren und bei starker Gewichtszunahme frühzeitig einen Kinder- und Jugendarzt aufsuchen.

Was sind die Ursachen von Übergewicht bei Kindern?

Die Ursache für das Übergewicht ist komplex und wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder in Deutschland. Laut Querschnittergebnissen aus der KiGGS Welle 2 sind etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. 

Die Ursachen können untergliedert werden in:

  • genetische Veranlagung (bei Kindern, deren Eltern übergewichtig sind, ist das Risiko für Übergewicht deutlich höher)
  • Ernährung und Lebensstil (z. B. durch kalorienreiche Ernährung mit viel Zucker, Fett und Fertigproduktion, gesüßte Getränke, wenig Obst und Gemüse)
  • Bewegungsmangel (wenig Bewegung und zunehmender Medienkonsum begünstigen Übergewicht, laut Journal of Health Monitoring verbringen Kinder und Jugendliche im Durchschnitt mehr als 2 Stunden täglich am Fernseher oder dem Computer)
  • psychische Faktoren (Stress, familiäre Probleme, Hänseleien fördern Essstörungen, da viele Kinder ihre Probleme durch essen kompensieren)
  • medizinische Ursachen (in nur ca. 1% der Fälle liegt noch eine andere Ursache zugrunde, beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion oder eine Störung der Nebennierenhormone. In diesen Fällen sollte ein pädiatrischer Endokrinologe hinzugezogen werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter weißt darauf hin, dass sich das Essverhalten vieler Familien in den letzten Jahren verändert hat: Mahlzeiten werden seltener gemeinsam eingenommen, Snacks und Fastfood nehmen zu.

Folgen und Risiken von Übergewicht im Kindesalter

Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter haben weitreichende Folgen für Köper und Psyche. Übergewichtige Kinder leiden häufig unter gesundheitlichen Beschweren, die früher nur bei Erwachsenen in Deutschland vorkamen.

  • Körperliche Folgen z.B. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Typ-2-Diabetes, Gelenkverschleiß oder andere orthopädische Probleme, auch Schlafstörungen, Leberverfettung und Atembeschwerden
  • Psychische & Soziale Folgen: psychische Belastungen, Hänseleien oder Ausgrenzung, geringes Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen oder Essstörungen.

Langfristig kann Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu gesundheitlichen Problemen, Essstörungen oder Schulproblemen führen.
Je früher Übergewicht oder Adipositas erkannt und behandelt werden, desto besser lässt sich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen.

Welche Behandlungsmethoden und Präventionsangebote gibt es?

Eine erfolgreiche Behandlung erfordert eine individuelle Therapie und Prävention von Adipositas, die an den Lebensstil der Familie angepasst ist. Ziel ist es, das Körpergewicht langfristig zu stabilisieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden, das Ernährungsverhalten zu analysieren und Bewegungsangebote schon in jungen Jahren in den Tagesablauf einzubauen.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick:

  • Ernährungsumstellung
  • mehr Bewegung
  • Verhaltenstherapie 
  • familiäre Unterstützung

Diese Elemente sind Grundlage der Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA).

1. Ernährungsumstellung

Eine gesunde Ernährung spielt eine zentrale Rolle.
Kinder sollen lernen, Hunger und Sättigung richtig zu erkennen und bewusster zu essen.
Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung für Kinder mit viel Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Eiweiß und wenig Zucker.
Das sogenannte Ampelsystem hilft, Lebensmittel in „grüne“, „gelbe“ und „rote“ Kategorien einzuteilen – je nach Nährwert und Energiegehalt.

Ein Beispiel:

  • Grün (empfohlen): Wasser, Vollkornprodukte, Obst, Gemüse
  • Gelb (mäßig): Fruchtsäfte, Brot, Käse, fettarme Milchprodukte
  • Rot (selten): Süßigkeiten, Fastfood, Limonaden

Die Umstellung gelingt leichter, wenn Eltern und Kinder gemeinsam an der Ernährung arbeiten.

Gesunder Lebensstil
Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind die beste Maßnahme gegen Adipositas, auch bei Kindern © M.studio | AdobeStock

2. Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung ist entscheidend für die Therapie von Übergewicht bei Kindern.
Mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag werden empfohlen – idealerweise durch Bewegung im Alltag, Schulweg zu Fuß, Fahrradfahren oder gemeinsame Freizeitaktivitäten.

Auch kleine Veränderungen können viel bewirken: weniger Bildschirmzeit, mehr Bewegung draußen und Spaß an Sportarten, die Freude machen.
Kinder, die sich wenig bewegen, nehmen oft unbewusst zu – eine Ursache, die sich mit Spaß an Bewegung und Sport effektiv beheben lässt.

3. Verhaltenstherapie und Unterstützung

Viele Kinder mit Adipositas profitieren von Verhaltenstrainings. Dabei werden Essgewohnheiten, Stressverhalten und Motivation gezielt verändert.
Wichtig ist, dass Eltern aktiv eingebunden werden – sie prägen das Essverhalten entscheidend.

Programme zur Prävention von Übergewicht und Adipositas werden teilweise von Krankenkassen gefördert. Eine sinnvolle Maßnahme kombiniert Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstraining.

Spezialisten und Therapiezentren für übergewichtige Kinder

Die Behandlung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern erfordert Erfahrung und interdisziplinäres Wissen.

Spezialisierte Zentren für Kinder und Jugendliche mit Adipositas bieten individuell abgestimmte Programme, die beim Abnehmen helfen, in denen Kinderärzte, Ernährungsberater, Psychologen und Physiotherapeuten zusammenarbeiten.

Adressen und Kontakte finden sich unter anderem bei:

  • der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA)
  • dem Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit
  • oder über die Plattform des Leading Medicine Guide.

Hier können Eltern empfohlene Spezialisten finden, die auf die Therapie und Prävention von Übergewicht und Adipositas spezialisiert sind.

FAQ – Häufige Fragen zu Adipositas bei Kindern

Wann ist ein Kind übergewichtig?

Ein Kind gilt als übergewichtig, wenn sein BMI über der 90. Perzentile liegt. Ab der 97. Perzentile spricht man von Adipositas. Der Body-Mass-Index wird dabei alters- und geschlechtsspezifisch bewertet.

Was sind die häufigsten Ursachen für Übergewicht bei Kindern?

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen entsteht meist durch falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und genetische Faktoren. Auch psychische Belastungen oder familiäre Essgewohnheiten können das Risiko begünstigen.

Welche Folgen hat Adipositas im Kindes- und Jugendalter?

Kinder und Jugendliche mit starkem Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und orthopädische Beschwerden. Zudem sind psychische negative Folgen wie geringes Selbstwertgefühl und Hänselei häufig.

Wie kann man Übergewicht bei Kindern vorbeugen?

Eine frühzeitige Prävention von Übergewicht und Adipositas gelingt durch gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und das Vorleben gesunder Gewohnheiten im Familienalltag.

Empfohlene Spezialisten für Kinder mit Adipositas