Die Schilddrüsenunterfunktion, in der Fachsprache Hypothyreose genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung, bei der das kleine, schmetterlingsförmige Organ im Hals nicht ausreichend Hormone produziert. Da die Schilddrüse eine zentrale Rolle für den gesamten Stoffwechsel spielt, wirkt sich ein Mangel an Schilddrüsenhormonen auf nahezu alle Körperfunktionen aus. Betroffene fühlen sich oft antriebslos, frieren leicht oder bemerken eine ungewollte Gewichtszunahme. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung ist entscheidend, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und Langzeitschäden zu vermeiden.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion und klinische Anzeichen
- Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion: Warum die Schilddrüse streikt
- Symptome der Schilddrüsenunterfunktion
- Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion durch den Spezialisten
- Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion und medikamentöse Therapie
- Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft
- Latente Schilddrüsenunterfunktion: Wann ist eine Behandlung nötig?
- Unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion und Spätfolgen
- Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen durch Lebensstil
- FAQ: Häufige Fragen zur Hypothyreose
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion und klinische Anzeichen
Da die Hormone T3 und T4 den Energieumsatz regeln, sind typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion oft unspezifisch und entwickeln sich schleichend. Häufige Symptome sind extreme Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und eine depressive Verstimmung. Körperlich zeigt sich die Unterfunktion der Schilddrüse oft durch trockene Haut, brüchiges Haar und eine verlangsamte Herzfrequenz. Auch Verstopfung oder eine gesteigerte Kälteempfindlichkeit sind klassische Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion. Viele Symptome werden gerade bei älteren Menschen fälschlicherweise als normale Alterserscheinungen gedeutet, weshalb ein genauer Blick auf die Beschwerde wichtig ist.

Die Schilddrüse und die molkeulare Darstellung der T3- und T4-Hormone © Kateryna_Kon | AdobeStock
Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion: Warum die Schilddrüse streikt
Es gibt verschiedene Gründe, warum die Hormonproduktion sinkt. Die primäre Hypothyreose ist die häufigste Form der Schilddrüsenunterfunktion, bei der das Problem direkt im Organ liegt. Die häufigste Ursache ist hier die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, die eine chronische Entzündung der Schilddrüse auslöst. Ein weiterer Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion kann ein extremer Jodmangel sein, da Jod der wichtigste Baustein für die Produktion von Schilddrüsenhormonen ist. Seltener ist eine zentrale Schilddrüsenunterfunktion, bei der die Hirnanhangsdrüse oder der Hypothalamus (sekundäre oder tertiäre Schilddrüsenunterfunktion) nicht genügend Steuerungshormone aussenden. Auch nach einer Radiojodtherapie oder der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion kann eine erworbene Schilddrüsenunterfunktion eintreten.
Mögliche Ursachen der primären Hypothyreose sind:
- autoimmune Entzündungsprozesse, die Schilddrüsengewebe zerstören (zum Beispiel Hashimoto-Thyreoditis)
- Verlust von Schilddrüsengewebe durch Schilddrüsenoperationen, Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen oder Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich
- Ausgeprägter Jodmangel
- Starker Jodüberschuss
- Eventuell Selenmangel
Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Entwicklung einer primären Hypothyreose begünstigen.
Dazu gehören:
- Thyreostatika gegen Schilddrüsenüberfunktion
- Zytokine gegen Multiple Sklerose, Asthma, rheumatoide Arthritis und in der Tumortherapie
- Lithium bei bipolarer Störung
- Amiodaron bei Herzrhythmusstörungen
Symptome der Schilddrüsenunterfunktion
Im Zusammenhang mit einer Hypothyreose treten meist folgende Symptome auf:
- Ständige Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Depressionen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Ständiges Frieren
- Zu niedrige Körpertemperatur
- Verlangsamter Herzschlag
- Ödeme (Schwellungen im Gesicht und an den Gliedmaßen durch Wassereinlagerung im Gewebe)
- Gelenkschmerzen
- Muskelschwäche
- Appetitlosigkeit, Verstopfung, Übelkeit
- Auffällige Gewichtszunahme
- Trockene, juckende Haut
- Myxödem – eine teigige Verdickung der Haut
- Brüchige Nägel, Haarausfall
- Zyklusstörungen bei Frauen, Libidostörungen, reduzierte Fruchtbarkeit
Die Kombination von Symptomen aus mehreren Symptomgruppen weist auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin. Falsche positive oder negative (Selbst-)Diagnosen sind leicht möglich. Klarheit schafft ein Bluttest.
Die Schilddrüsenunterfunktion kann, muss aber nicht von auffälligen Veränderungen der Schilddrüse begleitet sein:
- Vergrößerte Schilddrüse (Struma) – vor allem bei Jodmangel und angeborener Hypothyreose
- Verkleinerte Schilddrüse – bei Zerstörung der Schilddrüse, zum Beispiel durch autoimmune Entzündungsprozesse

Ständige Müdigkeit ist eins der Symptome, die bei Schilddrüsenunterfunktion auftreten können © pix4U | AdobeStock
Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion durch den Spezialisten
Die Diagnose und Behandlung beginnt meist mit einem ausführlichen Patientengespräch. Für die sichere Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion ist jedoch die Laboranalytik unerlässlich. Ein erhöhter TSH-Wert im Blut ist das erste Indiz dafür, dass die Hirnanhangsdrüse versucht, die träge Schilddrüse anzutreiben. Bei einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion sind zusätzlich die Werte der freien Hormone T3 und T4 (Trijodthyronin und Thyroxin) erniedrigt. Eine latente Schilddrüsenunterfunktion liegt vor, wenn zwar der TSH-Wert erhöht, die Hormonwerte T3 und T4 aber noch im Normbereich sind. Zur Klärung der Ursache der Schilddrüsenunterfunktion kann der Arzt zudem Ultraschalluntersuchungen durchführen oder nach spezifischen Antikörpern suchen.
Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion und medikamentöse Therapie
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion ist heute sehr unkompliziert. Da der Körper das Hormon nicht selbst in ausreichender Menge herstellen kann, wird es künstlich ersetzt. Das Mittel der Wahl ist meist L-Thyroxin, ein synthetisches Schilddrüsenhormon, das dem körpereigenen T4 entspricht. Die Behandlung einer Unterfunktion zielt darauf ab, den TSH-Wert wieder in den Referenzbereich zu bringen. Dabei wird die Dosis individuell angepasst. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme morgens auf nüchternen Magen, um eine optimale Aufnahme zu gewährleisten. Eine gut eingestellte Therapie führt dazu, dass die Patienten völlig beschwerdefrei leben können.
Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft
Besonders wichtig ist die Überwachung der Werte bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft. Das ungeborene Kind ist in den ersten Wochen vollständig auf die mütterliche Hormonproduktion angewiesen. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes gefährden. Daher müssen Schwangere, die bereits an einer Hypothyreose leiden, ihre Dosis oft frühzeitig erhöhen. Auch eine latente Hypothyreose wird in dieser Zeit meist konsequent behandelt, um Komplikationen zu vermeiden.
Latente Schilddrüsenunterfunktion: Wann ist eine Behandlung nötig?
Die latente schilddrüsenunterfunktion (oder latente hypothyreose) ist eine milde Form der Schilddrüsenunterfunktion. Hierbei ist der Körper noch in der Lage, genügend Hormone zu produzieren, benötigt dafür aber eine extrem starke Stimulation durch TSH. Ob hier bereits eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, hängt von den individuellen Beschwerden des Patienten und Faktoren wie Kinderwunsch oder Herz-Kreislauf-Risiken ab. Erfahrene Endokrinologen beraten hierzu individuell.
Unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion und Spätfolgen
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann langfristig ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Neben einer starken Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens kann es zu einer Erhöhung der Blutfettwerte und somit zu einem gesteigerten Risiko für Arteriosklerose kommen. In extremen, heute sehr seltenen Fällen, droht bei einer völlig vernachlässigten Hypothyreose ein Myxödem-Koma. Daher ist es wichtig, bei ersten Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion einen Arzt aufzusuchen.
Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen durch Lebensstil
Kann man einer Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen? Je nach Ursache ist dies nur bedingt möglich. Da Jodmangel ein wesentlicher Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion weltweit ist, ist eine ausreichende Jodzufuhr über die Nahrung – etwa durch Seefisch oder jodiertes Speisesalz – sinnvoll. Eine ausgewogene Ernährung allein kann jedoch eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto nicht verhindern. Bei familiärer Vorbelastung ist ein regelmäßiger Check-up der Schilddrüse ratsam. Informationen zu operativen Eingriffen finden Sie auch im Bereich der Schilddrüsenchirurgie.
FAQ: Häufige Fragen zur Hypothyreose
Was ist der wichtigste TSH-Wert bei einer Unterfunktion?
Der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ist der empfindlichste Parameter. Normalwerte liegen meist zwischen 0,4 und 4,0 mU/l. Ein Wert über 4,0 deutet oft auf eine Unterfunktion hin, wobei die Grenzen je nach Labor und Alter variieren können.
Ist eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion gefährlich?
Dank des Neugeborenen-Screenings wird eine angeborene hypothyreose (angeborene schilddrüsenunterfunktion) heute meist sofort nach der Geburt entdeckt. Wird sie umgehend behandelt, entwickelt sich das Kind völlig normal. Ohne Therapie käme es zu schweren Entwicklungsstörungen.
Muss ich die Tabletten mein Leben lang nehmen?
In den meisten Fällen, insbesondere bei der Hashimoto-Thyreoiditis oder nach einer Operation, ist die Schilddrüsenunterfunktion irreversibel. Daher ist eine lebenslange medikamentöse Behandlung notwendig, um den Hormonmangel auszugleichen.
Kann ich trotz Schilddrüsenunterfunktion abnehmen?
Ja. Sobald Sie mit L-Thyroxin richtig eingestellt sind, normalisiert sich Ihr Stoffwechsel wieder. Die Gewichtszunahme, die durch die Unterfunktion entstanden ist, lässt sich dann mit Bewegung und gesunder Ernährung wieder reduzieren.
Was ist der Unterschied zwischen einer primären und sekundären Hypothyreose?
Bei der primären Form liegt der Defekt in der Schilddrüse selbst (z.B. Entzündung). Bei der sekundären Form ist die Schilddrüse eigentlich gesund, erhält aber von der übergeordneten Hirnanhangsdrüse keine Befehle zur Hormonausschüttung.
Welche Rolle spielt Jod bei Hashimoto?
Bei einer bestehenden Hashimoto-Thyreoiditis sollte man mit hochdosiertem Jod vorsichtig sein, da es die Entzündung der Schilddrüse zusätzlich anheizen kann. Eine normale Menge über die Nahrung ist meist unproblematisch, Supplemente sollten aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Wie schnell wirken die Schilddrüsenhormone?
Es dauert meist einige Tage bis zwei Wochen, bis Patienten eine erste Besserung spüren. Es kann jedoch mehrere Monate dauern, bis die perfekte Dosis gefunden ist und alle Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion vollständig abgeklungen sind.
Kann Sodbrennen ein Symptom der Unterfunktion sein?
Indirekt ja. Da eine Hypothyreose die gesamte Verdauung verlangsamt, kann es zu einer verzögerten Magenentleerung kommen, was wiederum Sodbrennen begünstigen kann.
















