Eine Schilddrüsenüberfunktion kommt in der Bevölkerung relativ häufig vor und beeinflusst den gesamten Körper massiv. Bei dieser Erkrankung, die medizinisch als Hyperthyreose bezeichnet wird, produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, namentlich Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Da dieses kleine Organ unterhalb des Kehlkopfes als Taktgeber für fast alle Körperzellen fungiert, führt eine Überproduktion dazu, dass der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Dies kann zu einer erheblichen Belastung für das Herz-Kreislauf-System und das allgemeine Wohlbefinden führen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind daher essenziell, um Langzeitschäden zu vermeiden.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Schilddrüsenüberfunktion und die Rolle der Schilddrüse im Stoffwechsel
- Symptom und typische Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion
- Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion: Morbus Basedow und Autonomie
- Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion beim Facharzt
- Mögliche Komplikation: Die thyreotoxische Krise
- Leben nach der Behandlung: Risiko Schilddrüsenunterfunktion
- FAQ: Häufige Fragen zur Hyperthyreose
Schilddrüsenüberfunktion und die Rolle der Schilddrüse im Stoffwechsel
Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ, das den Stoffwechsel steuert. Normalerweise wird die Produktion von Schilddrüsenhormonen durch die Hirnanhangsdrüse über das Hormon TSH streng reguliert. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse ist dieser Regelkreis oft gehemmt oder außer Kraft gesetzt. Die Zelle wird durch den Überschuss an Hormonen ständig zur Arbeit angetrieben, was den Sauerstoffbedarf und die Wärmeproduktion erhöht. Wenn die Schilddrüse zu viele hormone produziert, gerät das innere Gleichgewicht ins Wanken, was sich auf fast jedes andere Organ auswirkt.
Kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse, führt dies zur Beschleunigung des Stoffwechsels.
Bemerkbar macht sich dies durch:
- einen schnelleren Puls
- Schlafprobleme sowie
- innere Unruhe
Mithilfe einer entsprechenden Behandlung können die Betroffenen jedoch durchaus einem normalen Leben nachgehen.
Die Häufigkeit einer Schilddrüsenüberfunktion ist je nach Alter unterschiedlich. So zeigt sie sich bei Kindern nur selten und tritt mit zunehmendem Lebensalter vermehrt auf. Die Hyperthyreose stellt die zweithäufigste Schilddrüsenerkrankung dar.
Symptom und typische Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion
Wenn Symptome auftreten, sind diese oft sehr markant. Häufige symptome sind eine dauerhaft erhöhte Herzfrequenz, Zittern der Hände und eine ausgeprägte Wärmeintoleranz mit verstärktem Schwitzen. Viele Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion klagen zudem über Schlafstörungen, Reizbarkeit und Muskelschwäche. Ein weiteres typisches Symptom ist der Gewichtsverlust trotz Heißhunger. Bei der Form, die als Morbus Basedow bekannt ist, können zudem hervortretende Augen (Endokrine Orbitopathie) als spezifisches Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion oder Überfunktion hinzukommen.
Eine Überfunktion der Schilddrüse kann durch unterschiedliche Ursachen entstehen. Bei ca. 95 Prozent aller Patienten sind jedoch ein Morbus Basedow oder eine Schilddrüsenautonomie für das Auftreten der Hyperthyreose verantwortlich.
Morbus Basedow ist auch als Basedowsche Krankheit bekannt und zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Dabei bildet das Abwehrsystem Antikörper gegen den eigenen Organismus, in diesem Fall gegen die Schilddrüse.
Die Antikörper docken an die Schilddrüsenzellen an und stimulieren die Hormonproduktion. Dadurch kommt es zu einem übermäßigen Anstieg der Hormonkonzentration sowie zu einer leichten Vergrößerung der Schilddrüse.
Eine Schilddrüsenautonomie liegt vor, wenn die Schilddrüse eigenständig Hormone bildet. Das bedeutet, unabhängig von der Steuerung der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).
Dabei kann es sich um einzelne Schilddrüsen-Abschnitte, zum Beispiel Schilddrüsenknoten oder auch die komplette Schilddrüse handeln.
Meist entsteht eine Autonomie der Schilddrüse aufgrund eines jahrzehntelangen Jodmangels. Bei einem Jodmangel versucht die Schilddrüse sich anzugleichen, indem sie wächst. Dies führt zur Kropfbildung sowie zu knotigen Gewebeveränderungen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zur Ausbildung eines Kropfes führen © Peakstock | AdobeStock
Weitere mögliche Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion können sein:
- Schilddrüsenentzündung oder
- Hormontherapie der Schilddrüse in zu hoher Dosierung
Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion: Morbus Basedow und Autonomie
Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist Morbus Basedow. Hierbei bildet der Körper Antikörper, welche die Schilddrüsengewebe fälschlicherweise stimulieren, wodurch die Schilddrüse zu viele hormone ausschüttet. Eine weitere Ursache der Schilddrüsenüberfunktion ist die Schilddrüsenautonomie. In diesem Fall gibt es Bereiche oder Knoten in der Schilddrüse, die sich der hormonellen Kontrolle entziehen und unabhängig vom Bedarf des Körpers autonom Hormone produzieren. Auch eine Entzündung der Schilddrüse oder die Zufuhr von zu viel Jod (z.B. durch jodhaltige Medikamente oder Kontrastmittel) kann eine Hyperthyreose genannt werden bzw. diese auslösen.
Bemerkbar macht sich dies durch:
- Schweißausbrüche
- Herzrasen und
- Unruhe
Weitere typische Symptome sind:
- Nervosität
- Empfindlichkeit auf Wärme
- Verstärkter Durst
- Abnahme von Gewicht, obwohl ein gesteigerter Appetit besteht
- Durchfall, gelegentlich auch Erbrechen
- Muskelschwäche und Muskelschmerzen
- Haarausfall
- Zittern an den Händen
- Erhöhte Hauttemperatur
Die Schilddrüsenüberfunktion kann, muss aber nicht mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergehen.
Im Falle von Morbus Basedow kommt es zusätzlich zu Problemen an den Augen, z.B.:
- Lichtempfindlichkeit
- Tränenfluss
- Sehen von Doppelbildern
- Gerötete Augen sowie
- Hervortreten der Augäpfel, weil sich die oben erwähnten Antikörper gegen das Gewebe im Auge richten
Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion beim Facharzt
Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion steht die Blutuntersuchung an erster Stelle. Ein erniedrigter TSH-Wert bei gleichzeitig erhöhten Werten von T3 und T4 bestätigt die Diagnose. Um die genaue Ursache der Schilddrüsenüberfunktion zu finden, führt der Arzt zudem eine Ultraschalluntersuchung durch, um eine vergrößerte Schilddrüse oder Knoten zu identifizieren. Ergänzend kann eine Szintigraphie zeigen, ob das Gewebe das radioaktive Jod vermehrt speichert, was auf eine Autonomie oder Entzündung hindeutet.
Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion: Therapieoptionen
Die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion erfolgt zunächst meist medikamentös. Dabei kommen Thyreostatika zum Einsatz, welche die Hormonproduktion in den Schilddrüsenzellen blockieren. Diese medikamentöse Behandlung dient dazu, die Stoffwechsellage zu normalisieren und Symptome zu lindern. Eine dauerhafte Heilung bei Autonomie oder Rezidiven von Morbus Basedow wird oft durch eine Radiojodtherapie erreicht. Hierbei nimmt der Patient eine Kapsel mit radioaktivem Jod ein, welches gezielt das überaktive Gewebe zerstört. Eine weitere Option zur Behandlung ist die Schilddrüsenoperation, insbesondere bei einer starken Vergrößerung der Schilddrüse oder dem Verdacht auf Bösartigkeit.
Mögliche Komplikation: Die thyreotoxische Krise
Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu lebensgefährlichen Zuständen führen. Die thyreotoxische Krise ist eine extreme Entgleisung des Stoffwechsels, die durch massives Herzrasen, hohes Fieber und Bewusstseinsstörungen gekennzeichnet ist. Dies tritt oft auf, wenn eine Schilddrüsenüberfunktion nicht ausreichend behandelt wurde und ein zusätzlicher Belastungsfaktor wie eine Infektion oder eine Jodbelastung hinzukommt. In solchen Fällen ist eine sofortige intensivmedizinische zusätzliche Behandlung erforderlich.
Leben nach der Behandlung: Risiko Schilddrüsenunterfunktion
Nach einer definitiven Therapie wie der Radiojodtherapie oder einer Operation bildet die Schilddrüse oft gar keine Hormone mehr. In der Folge entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion. Dies ist jedoch kein Grund zur Sorge, sondern ein kalkuliertes Ergebnis. Die Patienten erhalten fortan das Hormon Thyroxin als Tablette, um den Mangel auszugleichen, was deutlich einfacher zu steuern ist als eine instabile Überfunktion.
FAQ: Häufige Fragen zur Hyperthyreose
Wie bemerkt man eine Schilddrüsenüberfunktion am schnellsten?
Erste Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion sind oft Symptome wie Herzrasen im Ruhezustand, eine innere Unruhe und zittrige Hände. Wenn Sie trotz normalem Essen abnehmen und ständig schwitzen, sollten Sie Ihren TSH-Wert prüfen lassen.
Ist Morbus Basedow heilbar?
Bei Morbus Basedow besteht eine Chance von etwa 50 %, dass die Erkrankung nach einer ein- bis zweijährigen Behandlung mit Thyreostatika von selbst ausheilt. Kommt es danach zu einem Rückfall, ist eine Radiojodtherapie oder Operation ratsam.
Was darf man bei einer Überfunktion nicht essen?
Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion sollten auf eine übermäßige Zufuhr von Jod achten. Meeresfrüchte, Algen oder Jodtabletten können die Hormonproduktion weiter anheizen und die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion verschlechtern.
Kann Stress eine Hyperthyreose auslösen?
Stress ist keine direkte Ursache, kann aber bei einer bestehenden Veranlagung (wie Morbus Basedow) einen Krankheitsschub triggern oder die Symptome wie Herzrasen verstärken.
Wie lange dauert die medikamentöse Therapie?
Eine medikamentöse Therapie mit Thyreostatika dauert bei Morbus Basedow meist 12 bis 18 Monate. Bei einer Autonomie dient sie oft nur zur Vorbereitung auf eine Radiojodtherapie oder Operation.
Ist die Radiojodtherapie gefährlich für die Umgebung?
Während der Behandlung mit radioaktivem Jod hält sich der Patient meist kurzzeitig in einer spezialisierten Station im Krankenhaus auf. Die Strahlenbelastung für andere Personen wird durch diese Sicherheitsmaßnahmen minimiert.
Was passiert, wenn eine Überfunktion in der Schwangerschaft auftritt?
Eine Hyperthyreose in der Schwangerschaft muss engmaschig überwacht werden, da sie das Risiko für Komplikationen erhöhen kann. Es gibt spezielle Medikamente zur Behandlung, die für das Kind weitgehend sicher sind.
Welche Fachärzte führen die Diagnose und Behandlung durch?
Zuständig für die Schilddrüse sind Spezialisten für Endokrinologie sowie für die Diagnostik und Radiojodtherapie Ärzte der Nuklearmedizin.

















