Morbus Basedow: Informationen & Morbus Basedow-Spezialisten

04.01.2023
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt. Im deutschsprachigen Raum ist sie nach dem Forscher Carl Adolph von Basedow benannt. Im englischen Sprachraum kennt man die Erkrankung unter Graves' Disease.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu dieser Autoimmunerkrankung sowie ausgewählte Morbus Basedow-Spezialisten.

ICD-Codes für diese Krankheit: E05.0

Empfohlene Morbus Basedow-Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist Morbus Basedow? Eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt und besonders Menschen im mittleren Lebensalter betrifft. Frauen erkranken häufiger.
  • Symptome: Bei rund der Hälfte der Patienten tritt die Merseburger Trias auf, charakterisiert durch einen Kropf, Herzrasen und hervortretende Augen. Weitere Beschwerden sind u. a. Heißhunger, häufiger Stuhlgang/Durchfall, Atemnot, Bluthochdruck.
  • Ursachen: Die Erkrankung tritt in vorbelasteten Familien häufiger auf, aber auch Umweltfaktoren können zum Ausbruch beitragen. 
  • Diagnose: Eine Ultraschalluntersuchung und Laboruntersuchungen können die Erkrankung sicher diagnostizieren. Ggf. kommt darüber hinaus eine Schilddrüsenszinitgrafie zur weiteren Abklärung zum Einsatz.
  • Behandlung: Medikamente und eine gesunde Ernährung sind die wichtigsten Säulen der Therapie. Helfen diese Maßnahmen nicht, können eine Radioiodtherapie oder in schweren Fällen eine OP helfen.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Morbus Basedow?

Das Krankheitsbild von Morbus Basedow geht mit drei charakteristischen Beschwerden einher. Dieses als Merseburger Trias bekannte Dreigespann besteht aus

Damit einher geht eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), das heißt eine übermäßige Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Morbus Basedow kann in jedem Alter auftreten. Zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr gibt es ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Häufig tritt die Erkrankung erstmals in Phasen hormoneller Umstrukturierung des Körpers auf, etwa

  • Pubertät,
  • Schwangerschaft oder
  • Wechseljahre.

Bei einem Verhältnis von 6 zu 1 sind Frauen wesentlich häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer. Etwa 3 Prozent der Frauen und etwa 0,5 % der Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens Morbus Basedow.

Was sind die Symptome von Morbus Basedow?

Die Merseburger Trias tritt bei etwa der Hälfte aller Patienten auf.

Durch eine Vergrößerung der Schilddrüse entsteht der so genannte Kropf. Er ist ab einer gewissen Größe von außen am Hals zu sehen.

Im Rahmen einer Überfunktion der Schilddrüse wird der Stoffwechsel beschleunigt, sodass das Herz häufig nicht nachkommt. Es zeigt die Überlastung durch Herzrasen (Tachykardie) an.

Der Exophthalmus ist eine Begleiterscheinung von Morbus Basedow. Dabei tritt der Augapfel (Bulbus) sichtbar aus dem Auge hervor, während sich die Augenlider allmählich hinter diesen zurückziehen. Meistens kommt Exophthalmus beidseitig vor. Es kann jedoch auch sein, dass nur ein Augapfel hervortritt.

Ein Exophthalmus wird jedoch eher als eigenständige Autoimmunerkrankung eingestuft. Eine Schilddrüsenüberfunktion begünstigt ihn lediglich.

Betroffene verlieren schneller Gewicht als andere Menschen. Es ist aber auch das Gegenteil möglich. Die Schilddrüsenüberfunktion bewirkt einen ständigen Heißhunger und eine gesteigerte Nahrungsaufnahme. Das führt bei Menschen mit einem eher schwachen Stoffwechsel zu Übergewicht.

In vielen Fällen kommt es zu Haarausfall. Die Muskulatur ist schwächer, Betroffene schwitzen mehr. Betroffene sind in ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Weitere typische Symptome sind:

  • Häufiger Stuhlgang/Durchfall
  • Tremor (Zittern)
  • Schlafprobleme
  • Atemnot
  • Bluthochdruck
  • Nervosität
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit (Impotenz bei Männern, Unregelmäßigkeiten im Zyklus bei Frauen)

Was sind die Ursachen von Morbus Basedow?

Familiäre Häufung

Studien an Zwillingen haben gezeigt, dass Morbus Basedow häufig genetisch bedingt ist. Die Anfälligkeit für die Krankheit ist zu einem hohen Prozentsatz in der Erbsubstanz, der DNA, angelegt.

Darüber hinaus wurden Familienstammbäume analysiert. Sie zeigen, dass etwa 30 Prozent der Patienten Verwandte haben, die ebenfalls an Morbus Basedow erkrankt sind bzw. waren.

Zusätzlich können aber auch Umweltfaktoren daran beteiligt sein, dass die Krankheit ausbricht. So erhöhen vor allem

  • psychischer Stress,
  • Nikotinkonsum,
  • übermäßige Iodaufnahme mit der Nahrung oder
  • Schwangerschaft

das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken. Dagegen scheint die Einnahme von oralen Kontrazeptiva eher das Risiko zu senken.

Störung der Stoffwechselsteuerung

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem Teile des eigenen Körpers angreift. Bei Morbus Basedow bildet es Antikörper gegen den Rezeptor für TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyreotropin).

Dadurch ist der hochsensible Regelkreislauf für die Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) gestört.

TSH wird in der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet. Bei einem gesunden Menschen bindet TSH an den TSH-Rezeptor der Schilddrüsenzellen. In der Folge wird die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 angeregt. Diese wiederum wirken indirekt hemmend auf die Bildung von TSH in der Hypophyse.

Weniger TSH heißt nun wieder weniger Schilddrüsenhormone. Dadurch wird allerdings die Hemmung der TSH-Bildung verringert. Deshalb werden wieder vermehrt TSH und infolgedessen mehr Schilddrüsenhormone gebildet.

Dieser fein dosierte Steuerungskreislauf wird gestört, wenn nun Antikörper an den TSH-Rezeptor binden. Es kommt zu einer Entzündung der Schilddrüse. Das bedeutet, dass der TSH-Rezeptor nun dauerhaft stimuliert wird und dadurch vermehrt die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ausgeschüttet werden. Dies führt wie eben beschrieben zu einer Hemmung der TSH-Bildung im Gehirn.

Da aber durch die Bindung des Antikörpers an den TSH-Rezeptor der Regelkreislaufs gestört ist, wird immer mehr T3 und T4 gebildet. Zusätzlich werden die Schilddrüsenzellen zum Wachstum angeregt. Dieser dauerhafte Wachstumsreiz resultiert in einer Vergrößerung der Schilddrüse und der Bildung eines Kropfes. Die vermehrt freigesetzten Schilddrüsenhormone bewirken dann die oben genannten Symptome.

Die Antikörper können jedoch auch in anderen Körperregionen Veränderungen verursachen. Im Auge kann eine endokrine Orbitopathie (hormonbedingte Augenhöhlenerkrankung) entstehen, die sich durch die typischen "Basedow-Glotzaugen" oder "Glupschaugen" (Exophthalmus) zeigt. Eine Entzündung des Bindegewebes am Unterschenkel wird prätibiales Myxödem genannt und ist ebenfalls als Folge einer übermäßigen Bildung von Antikörpern gegen den TSH-Rezeptor bekannt.

Diagnose von Morbus Basedow

Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch und kontrolliert die Schilddrüse mit Ultraschall. Danach folgen Laboruntersuchungen.

Einige Symptome wie der Kropf oder der Exophthalmus können den behandelnden Arzt schon früh auf die richtige Spur bringen.

Im Rahmen der Laboruntersuchungen werden in der Regel zunächst TSH, Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) im Blutserum bestimmt. Auch zum Nachweis des die Krankheit auslösenden Antikörpers gegen den TSH-Rezeptor gibt es heute verlässliche Labortests.

Ist der TSH-Wert normal, liegt vermutlich kein Morbus Basedow vor. Sind der TSH-Wert zu niedrig und gleichzeitig die T3- und T4-Werte zu hoch, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Wenn nun noch der Antikörper gegen den TSH-Rezeptor nachgewiesen wird, kann die Diagnose Morbus Basedow gestellt werden.

Sind im Ultraschall größere Knötchen zu erkennen, wird der Arzt vermutlich eine Schilddrüsenszintigrafie zur weiteren Abklärung veranlassen.

Ultraschalluntersuchung Schilddrüse
Untersuchung der Schilddrüse mittels Ultraschall © Max Tactic / Fotolia

Wie wird Morbus Basedow behandelt?

Zu Beginn erfolgt die Behandlung mit Thyreostatika. Diese Medikamente hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone, indem sie den Einbau von Iod unterbinden. So bringen sie den Stoffwechsel wieder in ein Gleichgewicht.

Zusätzlich werden häufig Beta-Blocker eingesetzt, um die unnatürlich hohe Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems zu entspannen. Wenn die T3- und T4-Spiegel bis auf normales Niveau gesenkt sind, sollte die Dosis der Thyreostatika reduziert werden. Um die Dosierung immer wieder individuell anzupassen, ist es wichtig, den Therapiefortschritt in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Der Patient kann seine Heilung passiv vorantreiben, indem er

  • auf sportliche Betätigungen verzichtet,
  • sich vor Stress und psychischen Anstrengungen schützt und
  • die Aufnahme von Jod deutlich einschränkt.

Iodhaltige Produkte sollten Betroffenen vollständig vermeiden. Besonders Menschen, die zur Fettleibigkeit neigen, sollten auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten. Darüber hinaus sollten sie den häufigen Heißhunger unterdrücken (z.B. durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme oder Meditation).

Betroffene, die unter starkem Gewichtsverlust leiden, müssen hingegen auf eine reichhaltige Ernährung achten. So können sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken.

Die Krankheit Morbus Basedow ist stark rezidivierend, das heißt, sie kann nach Besserung immer wieder auftreten. Die medikamentöse Behandlungsmethode schlägt bei etwa der Hälfte aller Patienten an und die Symptome verschwinden. Dennoch ist eine erneute Erkrankung möglich.

Patienten, bei denen

  • die Therapie mit Thyreostatika nicht erfolgreich ist oder
  • die Erkrankung wieder auftritt oder
  • die unter starken Nebenwirkungen leiden,

stehen zwei weitere Optionen zur Verfügung: Die Radioiodtherapie und die operative Entfernung von Schilddrüsengewebe (Thyreoidektomie).

Bei der Radioiodtherapie muss der Patient radioaktives Iod einnehmen. Es lässt zielgenau die hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen absterben. Bei

  • bestehender Schwangerschaft,
  • Kinderwunsch in den nächsten 6 Monaten oder
  • wenn die Patientin stillt,

ist diese Therapieform nicht möglich.

In besonders schweren Fällen oder bei einem dramatischen Stadium der endokrinen Orbitopathie hilft nur noch eine Operation. Heutzutage wird in der Regel die komplette Entfernung der Schilddrüse angestrebt (totale Schilddrüsenresektion). Verbleibendes Schilddrüsengewebe könnte ansonsten wieder zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.

Patienten, bei denen die Schilddrüse entfernt wurde oder die eine Radioiodtherapie erhalten haben, müssen ein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen. Ansonsten würden sie eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Diese Therapie ist aber in der Regel gut verträglich.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin; Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (2011) Hyperthyreose. AWMF-Register Nr. 027/041
  • Kahaly GJ et al. (2018) 2018 European Thyroid Association Guideline for the Management of Graves’ Hyperthyroidism. Eur Thyroid J 2018;7:167–186
  • Schott M (2015) Morbus Basedow 2014: Alles wie bisher? Endokrinologie Informationen (Sonderheft): 10-14
  • Stiefelhagen P (2017) Rezidiv bei Morbus Basedow - Op, Radiatio oder Pharmaka? Ärzte Zeitung online vom 01.05.2017
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