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Morbus Basedow – Symptom, Therapie, Schilddrüse und Diagnostik der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow

27.02.2026
Dr. Claus  Puhlmann
Medizinischer Fachautor

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und zählt zu den häufigsten Ursachen einer Hyperthyreose. Bei Morbus Basedow stimulieren körpereigen gebildete Antikörper die Schilddrüsenzellen, wodurch die Produktion von Schilddrüsenhormonen deutlich gesteigert wird. Diese Überfunktion der Schilddrüse führt zu zahlreichen körperlichen Veränderungen, da das Organ maßgeblich den Stoffwechsel reguliert.

Typische Symptome des Morbus Basedow betreffen Herz, Nervensystem und Augen. Besonders bekannt ist die sogenannte Merseburger Trias mit Struma, Exophthalmus und Tachykardie. Die Erkrankung Morbus Basedow wurde nach dem Arzt Carl Adolph von Basedow benannt, der die Basedowsche Krankheit erstmals beschrieb.

Heute ist bekannt, dass Morbus Basedow eng mit bestimmten Autoimmunerkrankungen verbunden ist. Eine frühzeitige Diagnostik und gezielte Therapie des Morbus Basedow sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.

ICD-Codes für diese Krankheit: E05.0

Kurzübersicht:

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht. Durch Antikörper werden Rezeptoren stimuliert, wodurch vermehrt Schilddrüsenhormone T3 und T4 freigesetzt werden. Typische Symptome des Morbus Basedow sind Gewichtsverlust, Herzrasen, Nervosität und Exophthalmus. Die Therapie des Morbus Basedow erfolgt medikamentös mit Thyreostatika, durch Radiojodtherapie oder operativ als definitive Therapie.

Artikelübersicht

Definition: Was ist Morbus Basedow?

Das Krankheitsbild von Morbus Basedow geht mit drei charakteristischen Beschwerden einher. Dieses als Merseburger Trias bekannte Dreigespann besteht aus

  • einem Kropf (Struma),
  • Herzrasen (Tachykardie) und
  • hervortretenden Augen (Exophthalmus, "Glupschaugen").

Damit einher geht eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), das heißt eine übermäßige Bildung von Schilddrüsenhormonen.

Morbus Basedow kann in jedem Alter auftreten. Zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr gibt es ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit ausbricht. Häufig tritt die Erkrankung erstmals in Phasen hormoneller Umstrukturierung des Körpers auf, etwa

  • Pubertät,
  • Schwangerschaft oder
  • Wechseljahre.

Bei einem Verhältnis von 6 zu 1 sind Frauen wesentlich häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer. Etwa 3 Prozent der Frauen und etwa 0,5 % der Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens Morbus Basedow.

Was sind die Symptome von Morbus Basedow?

Die Merseburger Trias tritt bei etwa der Hälfte aller Patienten auf. Durch eine Vergrößerung der Schilddrüse entsteht der so genannte Kropf. Er ist ab einer gewissen Größe von außen am Hals zu sehen. Im Rahmen einer Überfunktion der Schilddrüse wird der Stoffwechsel beschleunigt, sodass das Herz häufig nicht nachkommt. Es zeigt die Überlastung durch Herzrasen (Tachykardie) an.

Der Exophthalmus ist eine Begleiterscheinung von Morbus Basedow. Dabei tritt der Augapfel (Bulbus) sichtbar aus dem Auge hervor, während sich die Augenlider allmählich hinter diesen zurückziehen. Meistens kommt Exophthalmus beidseitig vor. Es kann jedoch auch sein, dass nur ein Augapfel hervortritt.

Ein Exophthalmus wird jedoch eher als eigenständige Autoimmunerkrankung eingestuft. Eine Schilddrüsenüberfunktion begünstigt ihn lediglich. Betroffene verlieren schneller Gewicht als andere Menschen. Es ist aber auch das Gegenteil möglich. Die Schilddrüsenüberfunktion bewirkt einen ständigen Heißhunger und eine gesteigerte Nahrungsaufnahme. Das führt bei Menschen mit einem eher schwachen Stoffwechsel zu Übergewicht.

In vielen Fällen kommt es zu Haarausfall. Die Muskulatur ist schwächer, Betroffene schwitzen mehr. Betroffene sind in ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Weitere typische Symptome sind:

  • Häufiger Stuhlgang/Durchfall
  • Tremor (Zittern)
  • Schlafprobleme
  • Atemnot
  • Bluthochdruck
  • Nervosität
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit (Impotenz bei Männern, Unregelmäßigkeiten im Zyklus bei Frauen)

Was sind die Ursachen von Morbus Basedow?

Familiäre Häufung

Studien an Zwillingen haben gezeigt, dass Morbus Basedow häufig genetisch bedingt ist. Die Anfälligkeit für die Krankheit ist zu einem hohen Prozentsatz in der Erbsubstanz, der DNA, angelegt.

Darüber hinaus wurden Familienstammbäume analysiert. Sie zeigen, dass etwa 30 Prozent der Patienten Verwandte haben, die ebenfalls an Morbus Basedow erkrankt sind bzw. waren.

Zusätzlich können aber auch Umweltfaktoren daran beteiligt sein, dass die Krankheit ausbricht. So erhöhen vor allem

  • psychischer Stress,
  • Nikotinkonsum,
  • übermäßige Iodaufnahme mit der Nahrung oder
  • Schwangerschaft

das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken. Dagegen scheint die Einnahme von oralen Kontrazeptiva eher das Risiko zu senken.

Störung der Stoffwechselsteuerung

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem Teile des eigenen Körpers angreift. Bei Morbus Basedow bildet es Antikörper gegen den Rezeptor für TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyreotropin).

Dadurch ist der hochsensible Regelkreislauf für die Bildung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) gestört.

TSH wird in der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet. Bei einem gesunden Menschen bindet TSH an den TSH-Rezeptor der Schilddrüsenzellen. In der Folge wird die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 angeregt. Diese wiederum wirken indirekt hemmend auf die Bildung von TSH in der Hypophyse.

Weniger TSH heißt nun wieder weniger Schilddrüsenhormone. Dadurch wird allerdings die Hemmung der TSH-Bildung verringert. Deshalb werden wieder vermehrt TSH und infolgedessen mehr Schilddrüsenhormone gebildet.

Dieser fein dosierte Steuerungskreislauf wird gestört, wenn nun Antikörper an den TSH-Rezeptor binden. Es kommt zu einer Entzündung der Schilddrüse. Das bedeutet, dass der TSH-Rezeptor nun dauerhaft stimuliert wird und dadurch vermehrt die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ausgeschüttet werden. Dies führt wie eben beschrieben zu einer Hemmung der TSH-Bildung im Gehirn.

Da aber durch die Bindung des Antikörpers an den TSH-Rezeptor der Regelkreislaufs gestört ist, wird immer mehr T3 und T4 gebildet. Zusätzlich werden die Schilddrüsenzellen zum Wachstum angeregt. Dieser dauerhafte Wachstumsreiz resultiert in einer Vergrößerung der Schilddrüse und der Bildung eines Kropfes. Die vermehrt freigesetzten Schilddrüsenhormone bewirken dann die oben genannten Symptome.

Die Antikörper können jedoch auch in anderen Körperregionen Veränderungen verursachen. Im Auge kann eine endokrine Orbitopathie (hormonbedingte Augenhöhlenerkrankung) entstehen, die sich durch die typischen "Basedow-Glotzaugen" oder "Glupschaugen" (Exophthalmus) zeigt. Eine Entzündung des Bindegewebes am Unterschenkel wird prätibiales Myxödem genannt und ist ebenfalls als Folge einer übermäßigen Bildung von Antikörpern gegen den TSH-Rezeptor bekannt.

Diagnose von Morbus Basedow

Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch und kontrolliert die Schilddrüse mit Ultraschall. Danach folgen Laboruntersuchungen.

Einige Symptome wie der Kropf oder der Exophthalmus können den behandelnden Arzt schon früh auf die richtige Spur bringen.

Im Rahmen der Laboruntersuchungen werden in der Regel zunächst TSH, Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) im Blutserum bestimmt. Auch zum Nachweis des die Krankheit auslösenden Antikörpers gegen den TSH-Rezeptor gibt es heute verlässliche Labortests.

Ist der TSH-Wert normal, liegt vermutlich kein Morbus Basedow vor. Sind der TSH-Wert zu niedrig und gleichzeitig die T3- und T4-Werte zu hoch, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Wenn nun noch der Antikörper gegen den TSH-Rezeptor nachgewiesen wird, kann die Diagnose Morbus Basedow gestellt werden.

Sind im Ultraschall größere Knötchen zu erkennen, wird der Arzt vermutlich eine Schilddrüsenszintigrafie zur weiteren Abklärung veranlassen.

Ultraschalluntersuchung Schilddrüse
Untersuchung der Schilddrüse mittels Ultraschall © Max Tactic / Fotolia

Wie wird Morbus Basedow behandelt?

Zu Beginn erfolgt die Behandlung mit Thyreostatika. Diese Medikamente hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone, indem sie den Einbau von Iod unterbinden. So bringen sie den Stoffwechsel wieder in ein Gleichgewicht.

Zusätzlich werden häufig Beta-Blocker eingesetzt, um die unnatürlich hohe Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems zu entspannen. Wenn die T3- und T4-Spiegel bis auf normales Niveau gesenkt sind, sollte die Dosis der Thyreostatika reduziert werden. Um die Dosierung immer wieder individuell anzupassen, ist es wichtig, den Therapiefortschritt in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Der Patient kann seine Heilung passiv vorantreiben, indem er

  • auf sportliche Betätigungen verzichtet,
  • sich vor Stress und psychischen Anstrengungen schützt und
  • die Aufnahme von Jod deutlich einschränkt.

Iodhaltige Produkte sollten Betroffenen vollständig vermeiden. Besonders Menschen, die zur Fettleibigkeit neigen, sollten auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten. Darüber hinaus sollten sie den häufigen Heißhunger unterdrücken (z.B. durch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme oder Meditation). Betroffene, die unter starkem Gewichtsverlust leiden, müssen hingegen auf eine reichhaltige Ernährung achten. So können sie dem Gewichtsverlust entgegenwirken.

Die Krankheit Morbus Basedow ist stark rezidivierend, das heißt, sie kann nach Besserung immer wieder auftreten. Die medikamentöse Behandlungsmethode schlägt bei etwa der Hälfte aller Patienten an und die Symptome verschwinden. Dennoch ist eine erneute Erkrankung möglich.

Patienten, bei denen

  • die Therapie mit Thyreostatika nicht erfolgreich ist oder
  • die Erkrankung wieder auftritt oder
  • die unter starken Nebenwirkungen leiden,

stehen zwei weitere Optionen zur Verfügung: Die Radioiodtherapie und die operative Entfernung von Schilddrüsengewebe (Thyreoidektomie).

Bei der Radioiodtherapie muss der Patient radioaktives Iod einnehmen. Es lässt zielgenau die hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen absterben. Bei

  • bestehender Schwangerschaft,
  • Kinderwunsch in den nächsten 6 Monaten oder
  • wenn die Patientin stillt,

ist diese Therapieform nicht möglich. In besonders schweren Fällen oder bei einem dramatischen Stadium der endokrinen Orbitopathie hilft nur noch eine Operation. Heutzutage wird in der Regel die komplette Entfernung der Schilddrüse angestrebt (totale Schilddrüsenresektion). Verbleibendes Schilddrüsengewebe könnte ansonsten wieder zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen.

Patienten, bei denen die Schilddrüse entfernt wurde oder die eine Radioiodtherapie erhalten haben, müssen ein Leben lang Schilddrüsenhormone einnehmen. Ansonsten würden sie eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Diese Therapie ist aber in der Regel gut verträglich.

FAQ

Was ist Morbus Basedow genau?

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der Antikörper gegen den TSH-Rezeptor, sogenannte TRAK, gebildet werden. Diese Antikörper stimulieren die Produktion von Schilddrüsenhormonen, wodurch eine Schilddrüsenüberfunktion entsteht. Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Schilddrüsenzellen beeinflusst.

Welche Symptome treten bei Morbus Basedow auf?

Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind Herzrasen, Gewichtsverlust, Schwitzen und Nervosität. Weitere Symptome des Morbus Basedow können eine Vergrößerung der Schilddrüse sowie das Hervortreten der Augäpfel sein. Bei Beteiligung der Augen spricht man von endokriner Orbitopathie. Symptome treten oft schleichend auf, können aber auch plötzlich deutlich ausgeprägt sein.

Wie wird die Diagnose Morbus Basedow gestellt?

Bei Verdacht auf Morbus Basedow erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung sowie eine Labordiagnostik. Bestimmt werden TSH, T3 und T4 sowie spezifische Antikörper wie TRAK. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und gegebenenfalls weitere Diagnostik sichern die Diagnose Morbus Basedow. Die Morbus Basedow-Diagnose berücksichtigt auch die typische Beteiligung der Augen.

Welche Therapie gibt es bei Morbus Basedow?

Die Therapie des Morbus Basedow erfolgt in der Regel zunächst medikamentös mit Thyreostatika, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen hemmen. Alternativ kommen Radiojodtherapie oder eine operative Entfernung der Schilddrüse infrage. Diese sogenannte definitive Therapie wird gewählt, wenn keine Remission erreicht wird oder schwere Fälle vorliegen. Die Behandlung der Hyperthyreose richtet sich nach Ausmaß und individueller Situation.

Ist Morbus Basedow lebenslang behandelbar?

Morbus Basedow kann in Remission gehen, jedoch erkranken manche Patienten erneut. In einigen Fällen ist eine lebenslange Therapie erforderlich, insbesondere nach operativer Therapie oder Radiojodtherapie. Eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion bleibt wichtig, da Schilddrüsenhormonen T3 und T4 dauerhaft reguliert werden müssen.

Medizinisches Spektrum

Spezialisierungen

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin; Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (2011) Hyperthyreose. AWMF-Register Nr. 027/041
  • Kahaly GJ et al. (2018) 2018 European Thyroid Association Guideline for the Management of Graves’ Hyperthyroidism. Eur Thyroid J 2018;7:167–186
  • Schott M (2015) Morbus Basedow 2014: Alles wie bisher? Endokrinologie Informationen (Sonderheft): 10-14
  • Stiefelhagen P (2017) Rezidiv bei Morbus Basedow - Op, Radiatio oder Pharmaka? Ärzte Zeitung online vom 01.05.2017

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